30.10.2007 von Peter Voßwinkel
Moskau-Berlin. Europas höchster Wolkenkratzer in Moskau wird weiter gebaut. Herzstück des neuen Verwaltungsbezirks „Moskwa-City“, wird der Federazija-Turm, mit 345 m Höhe (mit Antenne sind es 420 m) und 82 Stockwerken wird er das höchste Gebäude Europas sein. Das Haus der Superlative sollte in Rekordbauzeit (drei Etagen pro Monat) im Jahre 2007 fertiggestellt werden, nun wird sich die Bauzeit etwas verlängern.

Über die Besonderheiten des „Federazija-Turms“ und wie er gegen potentielle Anschläge gesichert werden soll, sprachen die Architekten Sergeij Tchoban und Peter Voßwinkel miteinander.
Peter Voßwinkel: Bevor wir zu Ihrer persönlichen Geschichte kommen, möchte ich über den Federazija-Turm in Moskau sprechen. Wie ist es zu dem Auftrag gekommen?
Sergeij Tchoban: Es begann mit der Ausschreibung Anfang 2003. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis wir sicher waren, dass unser Vorschlag auch umgesetzt wird. Bis… weiter lesen
28.10.2007 von Peter Voßwinkel
Der seit dem 17. Jh., Krasnaja Ploschadj heißende Platz, wobei unsere Übersetzung mit “rot” nur eine Deutung ist, im Altrussischen bedeutet dieses Wort auch “schön”, ist eigentlich immer voll.





Als historische Schaubühne, um zu kaufen, um zu feiern. Ostern laufen die Orthodoxen Christen von der Kathedrale durch den Erlöserturm auf den Roten Platz. Herrscher ließen hier hinrichten, die Sowjets präsentierten mit Militärparaden ihre Revolution, den Tag der Arbeit und bis heute auch die gewendeten, gelenkten Demokraten immer wieder den “Tag des Sieges”. Das Volk feiert hier vor allem den Pop-Sänger Michael Jackson, den englischen Beatmusiker Paul McCartney, den Schlagersänger und Duma-Abgeordneten Jossif Kobson und Silvester.
Der Rote Platz ist aber auch Friedhof, nicht nur für Lenin im Mausoleum, sondern auch für Stalin und andere ehemals einflussreiche Staats- und Parteifunktionäre wie: Lenins Frau Nadeschda Krupskaja, die deutsche Clara Zetkin, Kalinin, Breschnew und Jurij Gagarin, erster Mensch im Kosmos. Normalerweise ganz… weiter lesen
23.10.2007 von Peter Voßwinkel
Nicht grundsätzlich, doch unter monetären Aspekten schon. Einige westeuropäische Architekten erleiden diese Art der russischen Verbannung derzeit.

Der angestrebte Anschluss der russischen Architektur an den internationalen Stil (was ist das eigentlich?) findet in Moskau nicht statt, oder wird von den städtischen Entscheidungsträgern verschoben. Die bekannten Architekturfirmen: Hadid (Paris), BRT- Bothe-Richter-Teherani (Hamburg), Foster (London), Libeskind (New York), gmp- Gerkan, Marg & Partner (Hamburg), van Eggerat (Rotterdam) können in Moskau nicht reüssieren.
Möglicherweise wird die Architektursprache der Freiheit ohne Sozialismus hier in Moskau (noch) nicht verstanden. Der zelebrierte fröhlich-virile Habitus einer offenen factory-architecture kommt in Russland noch nicht an.
Hipp-Hopp Architektur
Ähnlich wie beim bereits vereinzelt aufgetauchten Hipp-Hopp fällt es langsam auch schwer zu erkennen, wer von wem abgekupfert hat. (Äh, … sorry, Architekten würden wohl eher sagen: inspiriert wurde.) Plötzlich fangen alle Häuser auf… weiter lesen
22.10.2007 von Peter Voßwinkel
Auf dem Weg zum Büro der Firma im Moskauer Haus der Literaten, die ich hier in Moskau berate, komme ich jedesmal an den Patriarchenteichen vorbei.

Die Malaja Bronnaja uliza führt mich direkt auf die Patriarchenteiche zu. Die ehemals drei Teiche, die im 16. Jh. als Forellenteiche angelegt wurden, sind heute nur noch ein großer rechteckiger Teich umgeben von Trauerweiden, Linden, Rasenflächen, schattigen Alleen und Bänken.
Auch heute noch ist dies ein idyllischer Ort inmitten der Großstadt. Vor allem im Sommer, wenn man im Schatten der Bäume gemeinsam mit verspäteten Punkern, der Moskauer Gruftiscene und ganz normalen Trinkgelagegruppen, Zuflucht finden kann, wie Berlioz und Besdomny aus Bulgakows Roman.
Auf einer Bank unweit der Kreuzung Malaja Bronnaja mit der Jermolajewskij pereulok saßen seinerzeit Berlioz, der Vorsitzende der größten Moskauer Literaturassoziation, und Besdomny, ein junger Lyriker. Sie unterhalten sich über… weiter lesen
18.10.2007 von Peter Voßwinkel
Die Wohnung Nummer 50 im Haus Sadowaja 302 b hat seit den 1980er Jahren eine Vielzahl von Fans des Romans „Der Meister und Margarita“ des berühmten russischen Schriftstellers Michail Bulgakow angezogen (der Roman war lange verboten, und begann sich zuerst in handschriftlichen und maschinegeschriebenen Ausgaben zu verbreiten). In jener „bösen Wohnung“ steigt laut Roman; Woland ab und veranstaltet in der Folge mit seiner Suite einen satanischen Ball.

Eine ähnlich aufregende „Nacht im Museum” wie im gleichnamigen Hollywood-Film präsentiert nun das Bulgakow-Museum. Es führt bei Nacht auf den Spuren des Romans „Meister und Margarita” durch alte Straßen Moskaus.
Der Roman „Meister und Margarita” ist bekannt als das rätselhafteste Werk in der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Seine beiden Helden und den Geisterfürst Woland ließ Bulgakow dabei in realen Adressen Moskaus auftreten.
Der ungewöhnliche Stadtrundgang beginnt um ein Uhr nachts in der Bolschaja Sadowaja Straße. Hier hat… weiter lesen
14.10.2007 von Peter Voßwinkel
Wiesbaden – Ernüchterung, Unverständnis, neues Misstrauen: Das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen ist in der Krise. Auf dem “Petersburger Dialog”, einer Konferenz von Vertretern der deutschen und der russischen Zivilgesellschaft, die am Wochenende in Wiesbaden stattfand, wurde deutlich, dass die Situation so ernst ist wie wahrscheinlich noch nie seit dem Ende der Sowjetunion. Allein die wirtschaftliche Zusammenarbeit blüht.

Gorbatschow mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch.
Bundeskanzlerin Angela Merkel war am Wochenende bemüht, das Positive herauszustreichen. “Deutschland und Russland verbindet eine strategische Partnerschaft”, sagte Merkel unmittelbar vor Beginn des deutsch-russischen Gipfels, der am heutigen Abend in Wiesbaden beginnen sollte: “Wir wollen gute Beziehungen auf allen Ebenen.” Doch die engen politischen Kontakte, die Deutschland und Russland in der Regierungszeit von Helmut Kohl und Gerhard Schröder verband, gehören möglicherweise der Vergangenheit an.
Zunehmende Entfremdung zwischen EU und Russland
“Wir haben die Vision… weiter lesen
11.10.2007 von Peter Voßwinkel
Lenin und die Elektrifizierung von Shass – Kobelev, 1925

“Der Wirtschaftshistoriker Paul A. David […] bemerkte, dass, während die Glühbirne 1879 erfunden wurde, es mehrere Jahrzehnte für die Elektrifizierung brauchte, um in einen großen wirtschaftlichen und Produktivitätseinfluss zu treten. Warum? Weil nicht genug klar war, elektrische Motoren zu installieren und die alte Technologie – Dampfmaschine auszurangieren. Die ganze Art und Weise der Herstellung, musste neu konfiguriert werden”
Die Welt ist Flach: Eine Kurze Geschichte des Einundzwanzigsten Jahrhunderts durch Thomas L. Friedman
Ein anderes cooles, nach dem Bürgerkrieg geschaffenes Poster war ungültig. Es sagt oben: “Lenin plus die Elektrifizierung des Landes”. Die Fußzeile klingt noch radikaler: “Kommunismus ist Macht der Sowjets plus Elektrifizierung”. In der Mitte gibt es einen Aufruf für die Volkhovskaya hydroelektrische… weiter lesen
10.10.2007 von Peter Voßwinkel
Die sowjetischen Plakate sind eine Schatztruhe voller Inspiration für alle grafischen Designer. Die Liebe zum Detail der damaligen Grafiker ist genial. Jedes Plakat hier mit einem kurzen Überblick über die Entstehungsgeschichte.

Farbe ist eine Macht, die direkt die Seele beeinflusst. Farbe ist die Tastatur, die Augen sind der Hammer, die Seele ist das Schnuren. Der Künstler ist die Hand, die spielt, einen Schlüssel oder einen anderen berührend, Vibrationen in der Seele zu verursachen.
Wassily Kandinsky (1866 – 1944), russischer Maler, printmaker und Kunsttheoretiker.
“Okna ROSTA” – “Satirisches Fenster ROSTA” hat eine Reihe von Postern geschaffen in 1919-1921 durch eine Gruppe von sowjetischen Künstlern, die für ROSTA oder russische Telegraf-Agentur arbeiteten, die die erste Zustandsnachrichtenagentur in der jungen sowjetischen Republik… weiter lesen
08.10.2007 von Peter Voßwinkel
Vor 40 Jahren, am 8. Oktober 1967, ist Che Guevara getötet worden. Der sowjetische Geheimdienstler und Publizist Nikolai Leonow erzählt über seine Treffen mit dem berühmten Revolutionär.

Es geschah im Juni 1956 in Mexiko, wo sich die kubanischen Revolutionäre unter Leitung von Fidel Castro auf ihre Fahrt mit der Jacht „Granma“ nach Kuba vorbereiteten. Ich kam bei meinem Freund Raul Castro vorbei, mit dem ich im Mai/Juni 1953 an Bord des italienischen Linienschiffes „Andrea Gritti“ den Atlantik überquert hatte. Ich war als Dolmetscherpraktikant in der sowjetischen Botschaft angestellt. An jenem Tag fühlte sich Raul nicht wohl, vor seinem Bett saß ein unbekannter Mann, der zahlreiche Witze erzählte, um seinen kranken Kameraden zum Lachen zu bringen. Das war Che Guevara. Raul sagte zum Scherz, der Besuch von Che Guevara stehe in keinem Zusammenhang mit dem Versuch, die Krankheit des Kameraden zu bekämpfen, er habe bloß von… weiter lesen
07.10.2007 von Peter Voßwinkel
Eigentlich sehe ich in Moskau nicht fern. Das russische Fernsehen ist stinklangweilig, außer manche lustigen Sendungen bei MUS-TV, MTV.RU, Kultura oder Bridge, im Prinzip läuft das sonst so nach dem Motto, zwanzig Sender – ein Programm = eine Meinung.
Zufällig sehe ich jetzt aber in der Sendung „Realpolitik“, vergleichbar mit dem „Schwarzen Kanal“ der DDR, plötzlich Alt-Juso Gerd aus Hannover wie er die westliche Presseberichterstattung kritisiert. Genauer hingesehen und -gehört fällt mir glatt das Kaviarhäppchen aus dem Mund. Er schwadroniert da was von: “In den westlichen Medien gibt es eine nicht ganz ehrliche Herangehensweise, eine nicht ganz ehrliche Abbildung der Realität in Russland, zumindest der Realität, mit der ich zu tun habe. Das schafft falsche Urteile und Vorurteile über das Land, und mit denen man selbstverständlich kämpfen muss.” (Zitat Schröder – aus dem russischen rückübersetzt - da sein deutscher Originalton nicht zu hören war.)
Ja, dass nehme ich ihm ab,… weiter lesen