27.01.2010 von Peter Voßwinkel
аеродром.ная – Moskauer Tagebuch, Berichte aus der Alltags-Welt-Hauptstadt des kapitalistischen Realismus – das taz-blog von Peter Voßwinkel aus Moskau wird geschlossen und ins Archiv gestellt. Wir verlassen das Gewirr des Moskauer Dschungels, manche halten das auch für den Planeten daselbst, und ziehen in die große weite globale Welt.
Genauer gesagt in die Welt guter Architektur, Urbanität und Lebensraumgestaltung. Wirklich gut ist eine Architektur, deren visueller Eindruck so auf das körperliche Selbstgefühl einwirkt, dass der Körper Haltung annimmt, bis hin zum verblüfften Aha. Beiträge, Projekte, Theorien zur Architektur, Stadtentwicklung, Einrichtung und zum guten Leben überhaupt – via iPad. Ab jetzt: Das taz-blog zur Architektur von Peter Voßwinkel. Aha.Architektur!
Die Eindrücke, Erlebnisse und Hintergründe aus aerodrom.naja werden ab Ende März in der Foto-Ausstellung: “Moskauer Tagebuch” in der cité free art gallery.berlin präsentiert. Die Ausstellung wird Peter Voßwinkel gemeinsam mit Klaus-Helge Donath -Das Kreml-Syndikat- Rotbuch, dem Moskau-Korrespondenten der taz eröffnen.… weiter lesen
27.11.2009 von Peter Voßwinkel
Der Chefideologe von Wladimir Putin und Dmitri Medwedew schreibt “gangsta fiction”: Wladislaw Surkow veröffentlichte unter dem Pseudonym Nathan Dubrowitzky einen aufsehenerregenden Roman mit dem Titel “Nahe Null”, der ein düsteres Bild des postkommunistischen Russland malt und dessen Missstände schonungslos beschreibt. Der neueste Coup des Mannes, der für die Imagekampagnen des Kremls verantwortlich ist?
Der erste stellvertretende Leiter der russischen Präsidialverwaltung Wladislaw Surkow gilt als Chefideologe der Regierungen Putin und Medwedew. Seinen einflussreichen Posten erhielt er nach einer höchst wechselhaften Karriere, die auf der offiziellen Website des Kremls allerdings nur bruchstückhaft wiedergegeben ist.
Wladislaw Surkow, Kreml-Chefideologe und Autor des Skandal-Romans “Nahe Null”. Foto: The Presidential Press and Information Office
Mit keinem Wort erwähnt wird etwa seine halbtschetschenische Herkunft oder seine Aktivität als Spion in Ungarn während des Militärdienstes in den 1980er-Jahren. In den 1990er-Jahren war er in führender Stellung bei der Bank “Menatep” tätig, die dem seit 2005 inhaftierten Oligarchen Michail… weiter lesen
16.07.2009 von Peter Voßwinkel
Scheki liegt im Nord-Westen-Aserbaidschans, nahe der Grenzen zu Dagestan (Russland) und Georgien. Im Mittelalter hatte die Stadt viele Namen, wie Sheke, Sheki, Shaka, Shakki, Shakne, Shaken, Shakkan und Shekin, bis 1968 Nuxa. Die Besonderheit liegt darin, daß in dieser Region viele Menschen mit leuchtend blauen Augen leben. Eigentlich ungewöhnlich für diese Region.

Mich hatte es in diese Südkaukasische Region getrieben nachdem ich mit Aysel Teymurzade, zugegeben eher unfreiwillig, am Tag nach dem Euro-Liederfestival von Moskau nach Baku flog. Aysel, ein nettes 19 jähriges Mädchen die mit allem Ehrgeiz zu einem Star aufgebaut werden soll. Wir wurden von hunderten fahnenschwingender Fans am Flughafen empfangen. Der eigentliche Star in diesem Azal-Flugzeug, der vielleicht weltbeste Landschaftsarchitekt Raimund Herms, verließ den Flughafen mit mir gemeinsam unerkannt an der sogenannten VIP-Meute vorbei, um unseren interessanten Aufgaben, der ganzheitlichen Anpflanzung von organischen Gärten nachzugehen.
Auf Einladung der azerbaidschanischen Auftraggeber durften wir für den Moskauer Projektentwickler… weiter lesen
29.11.2008 von Peter Voßwinkel
Esquire-Russland veröffentlichte ein viel beachtetes, folgenreiches Gespräch zwischen dem Schriftsteller Boris Akunin und dem Gefangenen Michail Chodorkowski. Boris Akunin spricht über seinen Einsatz für den inhaftierten Ölmagnaten Michail Chodorkowski, das Selbstverständnis der russischen Intelligenzija und den Boom des Kriminalromans in der postsowjetischen Ära. Seine Schlussfolgerung: In Russland ist eine Zeit angebrochen, in der es unanständig ist, unpolitisch zu bleiben.
Herr Akunin, als Meister des Krimis werden Sie der unpolitischen Unterhaltungsliteratur zugerechnet. Ihretwegen aber hat kürzlich ein prominenter Russe Haftverschärfung aufgebrummt bekommen – der seit fünf Jahren einsitzende Magnat Michail Chodorkowski. Und das, weil Sie ein ausführliches Gespräch mit ihm geführt und veröffentlicht haben. Hat Russlands Regierung wieder Angst vor dem gedruckten Wort?
Akunin: Ich fürchte, ja. Sie wollte ein Zeichen setzen. Weniger gegenüber Chodorkowski, weil sie versteht, dass sie ihn auch nach fünf Jahren Haft nicht brechen kann. Sondern vielmehr, um andere Schriftsteller davor zu warnen, dieses öffentliche Gespräch über… weiter lesen
13.11.2008 von Peter Voßwinkel
Der gut betuchte Gatte der Moskauer “Femme fatale” Olga Rodionowa ließ jetzt seine Ehefrau in erotischen Szenen fotografieren. Das findet sicher auch in manch anderen Ehehaushalten statt, nur werden solche Fantasien nicht unbedingt veröffentlicht.

Das Resultat soll gleichermaßen eine Liebeserklärung wie ein künstlerisches Statement sein. Wahrscheinlich ist es eine Studie des Exhibitionismus.
Schriftstellerin und neureichen Eheberaterin Tatjana Ogorodnikowa meint denn auch: “Der hatte sicher etwas gut zu machen. Aus Liebe macht das kein russischer Ehemann. Normaler Weise haben wir solche Ehefrauen bei unserem Psychologen sitzen.” Also ein aufwendiger Therapieversuch?
Immerhin nahm das für 350 Euro vertriebene Werk nicht irgendein Fotoamateur auf. Die französische Erotikfotografin Bettina Rheims wurde angeheuert. Als Lohnkünstlerin für den Neureichen Rodionow inszenierte Rheims dessen Herzdame als Lust-Objekt, denn Objekte wie Luxusvillen, Privat-Jets und Yachten, davon hat Sergej bereits genug. Nun wollte er aber etwas ganz besonderes, die Schönheit seiner Frau mit der Welt teilen.

Die… weiter lesen
30.08.2008 von Peter Voßwinkel
SCHRIFTSTELLERINNENKOPF. Die attraktive Schriftstellerin Tatjana Ogorodnikowa stellte ihr Buch im Moskauer Oktober Kino am Neuen Arbat vor. Neben viel Prominenz drückte auch Pierre de la Brique auf den Auslöser, allerdings im Gegensatz zu seinen Fotokollegen ohne Blitz. So entstehen Schattenspiele. Dieses bemerkenswerte Kunstwerk, zur Verfügung gestellt von der hegag – free art gallery – caution (Berlin – Moskau) www.whitewall.com/caution, stammt diese Woche von Pierre de la Brique.

Vita: spanisch-russischer Künstler, geprägt durch seine Sozialisation in zwei Welten. Arbeitsort: Moskau, Russland, Arbeitsschwerpunkt: Grafik/ Illustration, Fotografie; Menschen, Orte, Abstraktionen. Daraus entstehen Fotografien, Collagen, Skizzen. Alles scheint nebenbei oder als Vorbereitung auf etwas zu entstehen.
Bis zum 12.12.08 in caution, berlin, skizzen aus der reihe moskau und berlin, fotos view moskau.
Obige Fotografie ist derzeit leider nicht mehr in Berlin zu sehen, da sie bereits nach Moskau verkauft wurde. Demnächst aber wieder in Moskau in der Fotogalerie caution im zdl zu… weiter lesen
13.08.2008 von Peter Voßwinkel
Sechs-Punkte-Plan für Waffenruhe: Russland und Frankreich haben einen Sechs-Punkte-Plan für die Beilegung von Konflikten in der Kaukasusrepublik Georgien abgestimmt.

Erstens. Verzicht auf Gewaltanwendung.
Zweitens. Endgültige Einstellung aller Kampfhandlungen.
Drittens. Gewährleistung von ungehindertem Zugang zu humanitären Hilfsgütern.
Viertens. Rückkehr der georgischen Streitkräfte an Orte ihrer ständigen Stationierung.
Fünftens. Russische Streitkräfte werden an die Linie abgezogen, hinter der sie sich vor Beginn der Kampfhandlungen befunden haben. Bis zur Bildung internationaler Mechanismen haben die russischen Friedenskräfte zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen zu ergreifen.
Sechstens. Beginn einer internationalen Diskussion über den künftigen Status von Südossetien und Abchasien sowie über Möglichkeiten der Gewährleistung ihrer stabilen Sicherheit”, sagte der russische Präsident.
Saakaschwili stimmt Kaukasus-Friedensplan zu Das Ende der Kaukasus-Krise rückt ein Stück näher: Georgiens Staatschef Saakaschwili akzeptiert den von Nicolas Sarkozy nach Gesprächen mit Russlands Präsident Medwedew vorgestellten Friedensplan. Das strittige Thema über die Zukunft der abtrünnigen Regionen soll auf Wunsch Georgiens… weiter lesen
15.01.2008 von Peter Voßwinkel
Hinter der glitzernden Fassade Russlands herrscht viel Leid, jedenfalls für Frauen. Die Gattinnen der russischen Oligarchen können jederzeit von ihren Männern weggeworfen werden. Das zeigt ein Roman einer Frau, die es wissen muss.
Das Buch geht weg wie warme Semmeln. „Ein Heiratsvertrag oder wer ist XY“ erlaubt einen Blick hinter die glitzernde Fassade des „Rublewka Sets“, wie die russische Oberschicht nach einer exklusiven Strasse in den westlichen Vororten Moskaus genannt wird. Ein guter Teil der wirtschaftlichen und politischen Elite des Landes wohnt dort in gut bewachten Luxusvillen.
Weggeworfen wie Dreck
Die Autorin, Tatjana Ogorodnikowa, muss es wissen. Sie ist selber mit einem reichen Geschäftsmann verheiratet. Angeblich soll ihre Ehe sogar funktionieren. Aber auch Ogorodnikowa hat einen Heiratsvertrag mit ihrem Mann abgeschlossen, „für alle Fälle“, wie sie sagt. Jedenfalls rät sie allen Schönen des Landes, die sich einen Oligarchen angeln wollen, das selbe zu tun. Ogorodnikowa sieht ihr Buch als eine… weiter lesen
10.01.2008 von Peter Voßwinkel
08.01.2008 von Peter Voßwinkel
Pünktlich zur russischen Weihnacht kommt Tatjana Ogorodnikowa mit ihrem Buch: “Bratschni Extrim – Schkola Chelsea”, (eher extrem – Schule Chelsea). Die Präsentation fand unter Anteilnahme von viel Prominenz aus Business, Show und Musikszene unter dem Kino Oktober am Novi Arbat statt.

Es ist ihr inzwischen fünftes Buch aus der Moskauer Neureichenszene, mit all ihren Ängsten, Sorgen, Erpressungen, Verquickungen, sexuellen Abschweifungen und Versorgungsnöten. Eine weitere Publikumserfolgserwartung eilt diesem Werk voraus. Das große Interesse an dieser Literatur erklärt sich offensichtlich durch die Geheimnisse einer sonst nicht zugänglichen Welt. Das Erstlingswerk wird inzwischen als Fernsehserie für das russische TV verfilmt.