Hinter der glitzernden Fassade Russlands herrscht viel Leid, jedenfalls für Frauen. Die Gattinnen der russischen Oligarchen können jederzeit von ihren Männern weggeworfen werden. Das zeigt ein Roman einer Frau, die es wissen muss.
Das Buch geht weg wie warme Semmeln. „Ein Heiratsvertrag oder wer ist XY“ erlaubt einen Blick hinter die glitzernde Fassade des „Rublewka Sets“, wie die russische Oberschicht nach einer exklusiven Strasse in den westlichen Vororten Moskaus genannt wird. Ein guter Teil der wirtschaftlichen und politischen Elite des Landes wohnt dort in gut bewachten Luxusvillen.
Weggeworfen wie Dreck
Die Autorin, Tatjana Ogorodnikowa, muss es wissen. Sie ist selber mit einem reichen Geschäftsmann verheiratet. Angeblich soll ihre Ehe sogar funktionieren. Aber auch Ogorodnikowa hat einen Heiratsvertrag mit ihrem Mann abgeschlossen, „für alle Fälle“, wie sie sagt. Jedenfalls rät sie allen Schönen des Landes, die sich einen Oligarchen angeln wollen, das selbe zu tun. Ogorodnikowa sieht ihr Buch als eine Art Gebrauchsanweisung für alle, die auf diese Weise glücklich werden wollen.
Ogorodnikowa zeichnet ein tristes Bild vom Leben hinter den Fassaden. Ihre Heldinnen, für das die Freundinnen und Bekannten der Autorin Modell standen, werden ohne Unterlass von ihren Männern betrogen. Sie werden ausgetauscht gegen jüngere Frauen und mit miserablen Abfindungen weggeworfen, obwohl sie weiterhin die Verantwortung für die gemeinsamen Kinder tragen müssen. Eine ihrer Heldinnen habe ihren Mann wirklich geliebt, schreibt Ogorodnikowa. Sie hatten 15 Jahre zusammengelebt. Doch dann warf er sie und die drei Kinder auf die Strasse. Heute verkauft die einstige „Rublewka“-Frau Ramsch aus Vietnam auf einem Markt der Stadt.
Märchen mit bösem Ausgang
Die meisten russischen Oligarchen, Roman Abramowitsch, Boris Beresowski, Alexej Mordashow, leben bereits mit ihrer zweiten Frau zusammen. Mehrere Geliebte und der Verbrauch von Prostituierten, als seien sie Waren im Pizza-Bestelldienst, seien an der Tagesordnung. Ogorodnikowa erzählt von einem Bankier, der seine Frau zur Kirche schickte, während er sich mit Prostituierten in seinem Büro tummelte.
Ogorodnikowa ist nicht die erste Frau des „Rublewka-Set“, die einen Blick in den goldenen Moskauer Käfig erlaubt. Auch Oxana Robsky, deren Mann einst von Auftragsmördern erschossen wurde, hat mehrere Erfolgsbücher über die Welt der Oligarchen geschrieben. Eine Fernsehsendung – „Rublewka-Leben“ – gibt sogar Tips, wie man sich in der Welt der ganz Reichen und Schönen zu benehmen hat. Einer dieser Tips: Gebe Deinem Pudel die gleiche Farbe wie deiner Designer-Handtasche.
Ogorodnikowas Verlag Centerpoligraf hat bereits angekündigt, dass er weitere Bücher im gleichen Stil herausbringen will. Die Leser sind neugierig. In Russland leben viele arme Menschen. Sie lieben Märchen, die böse ausgehen.
Schrieb Autor: Andrew Osborn/London im Cafe Europe zum vorherigen Buch von Tatjana Ogorodnikowa. Im neuen “Bratschni Extrim – Schkola Chelsea” setzt die Autorin die Einblicke in diese geschlossene Welt fort. Demnächst mehr.