15.05.2012 von Karim El-Gawhary

Beim Hörbuch-Lesen im Studio in Wien
Zugegeben ich habe das etwas unterschätzt. So schwer kann das doch nicht sein, sein eigenes Buch als Hörbuch zu lesen, hatte ich mir gedacht. Ich kam in das kleine Studio in Wien und bat zunächst um einen Kaffee, um aufzuwachen. Kaffee sei schlecht, ob ich wegen der Stimme nicht lieber einen Kräutertee trinken wolle, kam als Einwand vom Toningenieur.
Meine Antwort mit leicht überheblichem Unterton:
“Kein Problem: Ich bin schließlich kein Anfänger, schließlich lese ich doch regelmäßig meine Fernseh- und Radiobeiträge und außerdem bin ich dreifacher Vater und schon allein deswegen im Vorlesen von Büchern äußerst geübt”.
und so bekam meinen heiss ersehnten Kaffee.
Um es kurz zu machen: nach zwei Stunden Lesen versagte mir die Stimme und ich war als Hörbuch-Leser auf meine Anfängergröße zurechtgestutzt. Mit einem langen Spaziergang und einigen Salbeibonbons ging es dann wieder.

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13.05.2012 von Karim El-Gawhary

Die USA haben ihre Waffenverkäufe an Bahrain wieder aufgenommen. Aber natürlich werden korrekt nur Schiffe und Flugzeugmotoren geliefert, also Dinge, mit denen man nicht auf Demonstranten schießt, wie das US-Außenministerium betont, wengleich man sich über die genauen Details der Lieferung natürlich nicht auslassen möchte. Schäbig ist es dennoch und eigentlich viel schlimmer als das Abhalten eines Formel 1 Rennens in Bahrain, über das sich alles aufgeregt hat. Die Waffenkäufe kann die Bürgerbewegung in Bahrain, anders als das Autorennen nicht für sich nutzen, um auf die miserable Lage in Bahrain aufmerksam zu machen.
Und dann ist da wieder diese miese westliche Messen mit zweierlei Maß. Ende Februar rege man sich allerorten zu Recht über die russischen Waffenlieferungen nach Syrien auf. Eine Reuters Agenturgeschichte am 21.2. wurde von der österreichischen Zeitschrift Format übertitelt mit:
Russlands schmutzige Geschäfte mit Syrien
Reuters untertitelte die Geschichte mit:… weiter lesen
27.04.2012 von Karim El-Gawhary

Traurig und blöd. Mein ägyptischer Kameramann Michael Atef, mit dem ich jahreslang zusammengearbeitet habe, wurde von Sky News Abu Dhabi abgeworben. Gegen das Angebot mit einer Mischung von Murdoch- und Petrodollars an einen guten und engagierten 26jährigen Kameramann, kann der ORF leider nicht konkurrieren.
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So geht eine fünfjährige Zusammenarbeit zuende. Es gibt nichts besseres als mit einem Kameramann zu arbeiten, mit dem man sich blind in jeder Situation versteht. Michael wusste immer, welche Bilder ich brauche und hat so selbstständig gefilmt, dass so mancher Beitrag, den ich in einer bestimmten Form im Kopf hatte, am Ende ganz anderes aussah, weil er von Michaels Blidern getrieben war.
Hier sind wir beide mit George im Südsudan

Und es gibt nichts blöderes als ein Fernsehkorrespondent ohne Kameramann zu sein. Ich hoffe nun schnell einen Ersatz zu finden. Die nette und humorvolle Art… weiter lesen
22.04.2012 von Karim El-Gawhary

Foto: Spargel.de
„Es gibt Spargelfestivals und sogar eine Spargelkönigin, die mit einer Krone aus Spargel gekrönt wird… “
Herrlich. Der ethnologisch-journalistische Blick von außen auf die Spargelzeit, vom BBC-Korrespondenten Stephen Evans für die bekannte Sendung „From our own Correspondent“. Sehr lesenswert und witzig.
Hier kann man mal als mitteleuropäischer Spargelesser einmal nachempfinden, wie es ist, als exotisches Objekt betrachtet und studiert zu werden, sozusagen als Zootier vom auswärtigen Besucher.
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Jeden Tag werden Dutzende solcher Artikel mit europäischem und amerikanischem Blick über den fremdartigen Orient verfasst, wo es nach Gewürzen riecht und Kamelkarawanen im Mondschein durch die Wüste ziehen. Freiwillige arabische Korrespondenten vor, die ihr arabsiches Publikum mal so richtig auf die Spargelreise mitnehmen.

Foto: Erzshop.de
Mein Lieblingszitat aus dem BBC-Stück:
„Wer weiß schon, was diese Mischung aus phallischem Symbolismus und fruchtbaren Boden für die
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18.04.2012 von Karim El-Gawhary
Der Blick aus meinem Fenster. In Kairo tobt heute ein ziemlicher Sandsturm. Während ich das schreibe legt sich ein zarter Staubfilm auf meinen Computer.

Foto: El-Gawhary
Die Frage ist, welche Auswirkungen der Sandsturm heute auf die Poltik hat. Eigentlich wollten die Anhänger des ultrakonservativen Salafisten Hazem Abu Ismail heute vor der ägyptischen Wahlkommission in Kairo einen Sitzstreik veranstalten, um dagegen zu protestieren, dass ihr Kandidat für die Präsidentschaftswahlen disqualifiziert wurde. Mal sehen, wie die Machtprobe zwischen Salafisten und Wahlkommission heute ausfällt. Denn bei diesem Sandsturm verstecken sich selbst die Kairos Straßenköter. Im Gegensatz zu meinem Fernsehteam. Wir ziehen heute morgen aus, um uns die Lage vor der Wahlkommission anzusehen und hoffen das Mensch und Technik dem Sand standhält.
21.03.2012 von Karim El-Gawhary

Foto: El-Gawhary
Nach 40 Jahren Amtszeit haben die ägyptischen Kopten gestern ihren Papst Schenuda III zu Grabe getragen. Vier Jahrzehnte Islamisierung der Gesellschaft, Diktatur und am Ende Revolution: der Papst hat Einiges mitgemacht und es war sicherlich nicht immer einfach für den geistlichen Führer der größten christlichen Gemeinde der Arabischen Welt, das Kirchenschiff durch die turbulenten Zeiten zu lenken.
Gab er sich nach Innen sehr konservativ, beispielsweise in der Frage der Scheidung, die kirchlich untersagt ist, war er nach Außen mit den Muslimen und anderen Kirchen ein Mann des Dialogs und auch ein Meister im Arrangieren mit der weltlichen Macht.
Hier mein Nachruf auf Papst Schneuda, der am Montag veröffentlicht wurde.
Gestern habe ich dann noch eine kurze Fernsehreportage dazu geliefert.
Meist machen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Kopten internationale Schlagzeilen. Offensichtlich ist auch die Diskriminierung der Kopten in vielen Bereichen. Vergessen wird… weiter lesen
24.02.2012 von Karim El-Gawhary
Channel 4 News hat ein kurzes aber sehr bemerkenswertes Portrait des täglichen Lebens in der umkämpften syrischen Stadt Homs gezeichnet. Es zeigt die Kämpfe, der ganz offensichtlich nicht militärisch geschulten, aber zu allem entschlossenen Aufständischen auf der einen, und den unsichtbaren Scharfschützen auf der anderen Seite. Es zeigt das tägliche Sterben, die wenige Zeit für wütende Trauer, die unglaublichen Zustände in den Feldlazaretten und das Anstehen nach Brot. Es zeigt auch die beängstigende Aufteilung der Stadt in verschiedene Religionsgruppen, die an irakische Verhältnisse erinnert. Aber vor allem zeigt es, warum das Regime Baschar Assad die Aufständischen nie wieder unter seine Knute bekommen wird.
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Die Bilder stammen von einem französischen Fotografen, mit dem Tarnnamen Mani. Statt den wackeligen, verschwommen Handyaufnahmen, die die Aufständischen mutig filmen und hochladen, ermöglicht Mani uns einen scharfen Blick nach Homs.
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22.02.2012 von Karim El-Gawhary
Es ist schwer bis unmöglich sich ein Bild zu machen, was in Syrien derzeit los ist. Ausländische Journalisten können sich nicht frei im Land bewegen. Die Berichterstattung hängt zum großen Teil davon ab, was die Aufständischen selbst filmen und nach Draußen schmuggeln.
Es gibt viele kaum bekannte Helden dieser gefährlichen Dokumentationsarbeit. Einer von ihnen war Rami al-Sayed, der sein Leben dafür riskiert hat, auf seinem Youtube-Kanal Syriapioneer der Welt zu zeigen, was in Syrien und in seiner Heimatstadt Homs passiert. Seine Videos wurden immer wieder von großen Fernsehsendern wie BBC oder Al-Jazeeera ausgestrahlt
Am Dienstag kam er bei einem Granatbeschuss der syrischen Armee selbst ums Leben. Er hat dieses Ende vorausgesehen. In diesem Video spricht er während der ersten Angriffe auf Homs und erklärt, dass er jederzeit erwartet selbst zu sterben.
Hier eines seiner mutigen Videos in dem er die Angriffe dokumentiert hat.… weiter lesen
08.02.2012 von Karim El-Gawhary

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Es ist ein kurioser Wettbewerb, von dem wir in den nächsten Monaten noch einiges, mitunter auch recht Unterhaltsames hören werden. Wer sind die islamischeren Politiker im ägyptischen Parlament und wer ist frömmer: die Muslimbrüder (47 Prozent der Sitze) oder die Salafisten (24 Prozent)?
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Diese Woche bekamen wir einen ersten Vorgeschmack bei einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Parlamentspräsidenten, dem Muslimbruder Saad al-Katatny und dem schillernden salafistischen Abgeordneten Mamdouh Ismail.
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Ismail, der gerne seine Frömmigkeit nicht nur durch seinen Bart zur Schau stellt, stand mitten in der Debatte über die Straßenschlachten rund um das Innenministerium auf und lies, zum Erststaunen der anderen Abgeordneten, seinen persönlichen Gebetsruf im Saal erklingen. Schließlich war es Zeit für eines der fünf Gebete am Tag.
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Katatny, der ohnehin schon die ganzen letzten Tage seine liebe Mühe hatte, im Parlament mit 80 Prozent Erst-Parlamentarier eine geordnete Diskussion zu gewährleisten, flippte aus,… weiter lesen
07.02.2012 von Karim El-Gawhary
Vor zwei Tagen hatte ich hier Fotos der Aktivistin Salama Said im Krankenhaus mit ihrem Gesicht und Bein voller Schrot durch den Einsatz von Schrotgewehren seitens der Polizei gepostet. Gedacht war das als Gegenbeweis für die Behauptung des ägyptischen Innenministers, dass die Polizei keine Schrotgewehre bei den Straßenschlachten vor dem Innenministerium benutzt.
Einigen Lesern war das Foto Salmas nicht Beweis genug.
Well ….
hier ist nun ein neues Video, das den massiven Einsatz von Schrotgewehren seitens der Polizei zeigt. Zu sehen der Einsatz ganz am Anfang und dann in einer längeren Frequenz in der Mitte des Videos.
Salma wurde übrigens angeschossen, genau als sie eine solche Szene mit ihrer Kamera dokumentieren wollte.


Zum Fall des Schrottgewehr-Einsatzes gab es auch eine wilde Debatte im Parlament. Interessant ist dabei, dass sich ein guter Teil der Muslimbrüder und Salafisten hinter das Innenministerium… weiter lesen