31.05.2010 von Karim El-Gawhary
Am Ende eines langen Arbeitstages ein paar Gedanken zu dem heutigen israelischen Angriff auf hoher See.

Führt das zu einer Eskalation in der Region? Eine Frage, die mir heute abend in der Nachrichten-Schaltung live gestellt wurde.
Meine Antwort: Sicher führt das zu einigen scharfen Worten von arabischer Seite und natürlich sind die israelisch-türkischen Beziehungen an einem Tiefpunkt angelangt. Aber ich glaube, das wichtigste Ergebnis ist nicht eine regionale Eskalation, sondern eine Internationalisierung des Problems das dem Ganzen zugrunde liegt.. Die Frage der Gaza-Blockade steht jetzt ganz oben auf der internationalen Tagesordnung.
EU-Außenpolitikchefin Catherine Ashton etwa nannte die fortdauernde Abriegelung des Gazastreifens “nicht hinnehmbar” und “politisch kontraproduktiv”. Genau das wollten die Aktivisten mit ihrer symbolischen Aktion erreichen. Die brutale israelische Antwort macht es der internationalen Gemeinschaft unmöglich, wieder zur Tagesordnung überzugehen.
Ein interessantes Statement von Amru Musa dazu, dem Generalsekretär der Arabischen Liga: Es gibt heute einen internationalen Konsens… weiter lesen
29.05.2010 von Karim El-Gawhary

Die Zahl ist unglaublich: Rund 70 Prozent aller Kairoer wohnen in einem sogenannten ‘Ashwa’iyya, einem informellen Viertel, das ohne Genehmigung und ohne jegliche Planung errichtet wurde. Das sind über zwölf von rund 18 Millionen Menschen. Die Zahl stammt von einen Mann, für dessen Job ich ihn nicht beneide: Kairos oberster Städteplaner, Moustafa Madbouli. Das wichtigste Merkmal im Leben von sieben von zehn Kairoern: Der Staat und dessen Dienstleistungen sind praktisch nicht präsent.
Mein Kollege Jürgen Stryjak beschreibt das dortige Leben in seinem sehr anschaulichen Beitrag im deutsprachigen Magazin von Amnesty International unter dem Titel: „Vertreiben und verstecken: Die Bewohner der Slums in Kairo haben Hilfe dringend nötig. Der Staat bietet ihnen keinen Schutz, sondern bedroht sie“.
Die beste Beschreibung aus der dortigen Perspektive in zwei Sätzen:
„Der Staat beginnt irgendwo in der Ferne, weit hinter dem Verteilerkasten, von dem die Leute ¬illegal Strom abzapfen. Er regiert in einer
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27.05.2010 von Karim El-Gawhary
Andere Länder, andere Gesten: Araber lieben es, mit ihren Händen zu kommunizieren. Unabdinglich für jeden Orient-Reisenden: Eine kleine Einführung in die Bedeutung verschiedener arabischer Handzeichen
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26.05.2010 von Karim El-Gawhary
Journalismus und die „Wortwahl der Mächtigen“, lautet der Titel eines Essays des britischen Nahost-Korrespondenten Robert Fisk. Auf der Webseite von Jazeera International gibt Fisk Journalisten, Lesern, Zuhörern und Zuschauern, die sich mit der Region des Nahen- und Mittleren Ostens beschäftigen, viel Stoff zum Nachdenken.

Robert Fisk, Quelle: Jazeera International
„Macht und Medien, dabei geht es nicht nur um nette Beziehungen zwischen Journalisten und politischen Führern, zwischen Redakteuren und Präsidenten. Es geht nicht um die parasitär-osmotische Beziehung zwischen angeblich ehrenhaften Reportern und den Verflechtungen der Macht, die zwischen dem Weißen Haus, dem State Department, dem Pentagon und zwischen Downing Street, dem Foreign Office und dem Verteidigungsministerium verlaufen: Im westlichen Zusammenhang spiegelt sich diese Beziehung zwischen Macht und Medien auch in den Worten und der Wortwahl wider“, Robert Fisk
Journalisten argumentiert er, seien zu „Gefangenen der Sprache der Mächtigen“ geworden. Dann nimmt er sich einiger Phrasen an, die… weiter lesen
25.05.2010 von Karim El-Gawhary
In der Arabischen Welt gibt es mehr Facebook Teilnehmer als Zeitungsleser. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der „Spot On Public Relations“ – Agentur in Dubai.

Danach nutzen 15 Millionen Menschen in der Arabischen Welt das soziale Internet-Netzwerk Facebook, verglichen mit der Auflage von etwas weniger als 14 Millionen Zeitungen, die auf Arabisch, Englisch und Französisch in der Region erscheinen.
„Facebook und andere soziale Internet-Plattformen beginnen nun zu definieren, wie Menschen Informationen entdecken und teilen und wie sie sich eine Meinung bilden.“ Carington Malin, Vorstand der Spot On Public Relation.
Fünf arabische Länder stellen 70 Prozent der arabischen Facebook-Nutzer. Ägypten, Marokko, Tunesien, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Allein 3,5 Millionen neue Teilnehmer kamen dazu, seit Facebook auch die arabische Schrift unterstützt. Allerdings benutzen laut der Studie 50 Prozent der… weiter lesen
23.05.2010 von Karim El-Gawhary
Keine Ahnung, wer in den letzten 24 Stunden zum Telefonhörer gegriffen hat, aber es hat gewirkt. Die Eritreerin Awat Gebru Haile, deren Fall im letzten Blog-Eintrag bechrieben wird, ist vorläufig nicht abgschoben worden. Sie wurde kurz vor ihrem Abflug nach Asmara vom Flughafen in Kairo wegegebracht und sitzt derzeit bei der Pass und- Einwanderungsbehörde in der Mogamaa, dem Verwaltungsmololoch-Gebäube im Zentrum Kairos. Es ist offen, was weiterhin mit ihr geschieht, aber ihre unmittelbare Deportation ist abgewendet
21.05.2010 von Karim El-Gawhary
Die zweijährige Eritreerin Feiroz Yohannes wird gerade von ihrer Mutter in Kairo zurückgelassen. Eines von vielen kleinen tragischen Einzelschicksalen afrikanischer Flüchtlinge, die sich fern vom Rampenlicht, irgendwo im Schatten abspielen, dort wo sie keine Schlagzeilen machen .

Flüchtlingskinder aus Eritrea in Kairo
Der Schatten, das ist in diesem Fall der Flughafen von Kairo. Dort sitzt die Mutter von Feiroz, die Eritreerin Awat Gebru Haile im Moment und wartet auf ihre Deportation. Sie ist ein vom UN-Flüchtlingswerk UNHCR offiziell anerkannter Flüchtling und läuft dort unter der Nummer 3601/2007. Trotzdem wollen die ägyptischen Behörden sie ausweisen. Voraussichtlich wird sie um Mitternacht in den Egypt Air Flug nach Asmara gesetzt.
Sie weigert sich ihre Tochter mitzunehmen. Sie will nicht,dass ihre Tochter dort mit ihr im Gefängnis landet. „Wenn es keine Hoffnung für mich gibt, dann vielleicht wenigstens für meine Tochter“, sagt sie weinend am Telefon. Die Kleine ist jetzt in… weiter lesen
19.05.2010 von Karim El-Gawhary
Es war ein trauriger Tag für Amerika. Eine Hisbollah-Unterstützerin wurde letztes Wochenende zur Miss USA gewählt. So zumindest sehen ultra-konservative, islamophobe Blogs in den USA die Wahl der aus dem Südlibanon stammenden Rima Fakih zur Miss USA. Sie ist die erste Araberin und Muslimin, die das Krönchen erobert hat. Zuvor bereits Miss Michigan, hat sich die 24jährige gegen ihre 49 Konkurrentinnen durchgesetzt.


Zusammenstellung der Bilder, wie im Debbie Schlussel Blog
Mit drei Jahren war sie mit ihrer Familie nach New York ausgewandert und besuchte dort eine katholische Schule, bevor sie 2003 nach Dearborn im US-Bundesstaat Michigan zog. Sie stolziert nicht nur über Schönheitsköniginnen-Stege. Sie studiert Wirtschaft und ist und angehende Juristin im Zweitstudium. In ihrer Freizeit widmet sich sich dem Kickboxen.
Jedenfalls ist das „Amerikanisch-Arabische Anti-Diskriminierungs-Komitee“ stolz auf sie. Im Global Arab Network hatte Rima noch vor dem Finale erklärt, dass viele Araber in den USA… weiter lesen
17.05.2010 von Karim El-Gawhary
Karim El-Gawhary liest aus seinem Buch:
Alltag auf Arabisch
Nahaufnahmen von Kairo bis Bagdad
die Geschichte:
Ist das Auto ruiniert, fährt es sich ganz ungeniert:
Mit dem Neuwagen durch Kairo


Verlag: Kremayr & Scheriau , Wien 2008
Preis 19,80 Euro
16.05.2010 von Karim El-Gawhary
Die Debatten in Saudi Arabien über die Geschlechtertrennung haben wirklich Unterhaltungswert.
Der erzkonservative Scheich Muhammad Al-Nujaimi hat sich immer wieder für eine strikte Trennung der Geschlechter in der Öffentlichkeit in Saudi Arabien ausgesprochen . Das folgende Video kommentiert sich selbst. Scheich Nujaimi sitzt auf einer Konferenz gut gelaunt neben einer Frau ohne Kopftuch auf dem Podium. Das Ganze ist aufgenommen auf dem internationalen Frauentag in Kuwait. Die Frau, die neben sitzt, ist die kuwaitische Feministin Aischa Al-Rascheed, die ihn aufs Korn nimmt.
Worüber spricht die Feministin eigentlich mit dem Scheich. Es geht darum, dass Scheich Nujaimi, der Befürworter der Geschlechtertrennung, mehrmals in Kuwait fotografiert wurde, als er dort mit Studentinnen zusammentraf. Hier eine kleine Auswahl.
Zunächst hatte der Scheich erklärt, die Bilder seien das Werk von Photoshop. Worauf die Veranstalter drohten gegen ihn Klage zu erheben.… weiter lesen