28.07.2010 von Karim El-Gawhary
Eigentlich hatte ich einigen Lesern dieses Blogs versprochen, nicht mehr über diese orakelnde Krake zu schreiben. Ich dache schon, dass bei der letzten Erwähnung des Fisches der Höhepunkt erreicht war, als der Oktopus in Ägypten nicht dem Sohn des Präsidneten Gamal Mubarak, sondern dessen politischen Konkurrenten, Muhammad El-Bardadei, den Vorzug als nächsten obersten Staatlenker am Nil gab. Hier noch einmal das Beweisfoto:

Aber nun bin ich doch noch zu einem Nachtrag gezwungen, denn Paul, der kurz vor seiner Rente steht, geriet in die Schusslinie von niemand geringerem als dem iranischen Präsidenten:
Mahmud gegen Paul sozusagen:


Ersterer sieht in Paul ein Symbol westlichen Verfalls und Dekadenz, wird berichtet. So zumindest hatte Mahmud Ahmadinedschad das ganze Getue um den Oktopus bei einer Rede bei einem iranischen Jugendfestival letztes Wochenende beschrieben.
Der Glaube an Pauls hellseherische Fähigkeiten sei purer westlicher Aberglaube, erklärte er und sagte… weiter lesen
27.07.2010 von Karim El-Gawhary

Angeklagte Polizisten
Die Beantwortung dieser Frage wurde erst einmal beim heutigen Prozessauftakt vertagt.
Heute hat in Alexandria das Verfahren gegen zwei ägyptische Polizisten begonnen, die den jungen Ägypter Khaled Said auf offner Strasse zu Tode geprügelt haben sollen. Nach einer kurzen Beratung wurde der Prozess auf den 25. September vertagt. Die beiden Angeklagten bleiben in Haft.
Ein Team von Anwälten, das die Familie des toten 28jährigen Khaled Said vertritt, verlangte zuvor für das Verfahren mehrerer Zeugen einzuberufen, darunter den Chef der Sidi Gabr Polizeistation, in der die beiden Angeklagten arbeiteten. Ihm wird öffentlich vorgeworfen, den Vorfall vertuscht haben zu wollen. Geladen werden sollen auch die Gerichtsmediziner, die in zwei Obduktionen bestätigt haben, dass der Tote nicht an den Prügeln der Polizisten, sondern an den einem Tütchen mit Haschsich gestorben sein soll, das er beim Eintreffen der Polizisten heruntergeschluckt haben soll. Geladen werden soll auch ein anderer… weiter lesen
27.07.2010 von Karim El-Gawhary

Ein Foto der Mutter und Schwester Khaled Saids. Sie klagen zwei Polizisten, Muhammed Salah und Muhammed Sherif an, ihren Sohn und Bruder am 8. Juni vor einem Internetcafé in der ägyptischen Mittelmeer-Hafenstadt zu Tode geprügelt zu haben. Heute beginnt in Alexandria der Prozess im Fall Khaled Said.
Über den Fall wurde in diesem Blog bereits ausführlich berichtet. Er hat in Ägypten hohe Wellen geschlagen.
In Erwartung möglicher Auseinandersetzungen in und vor dem Gerichtsgebäude, hat die Polizei scharfe Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Sympathisanten der Familie haben 3000 Poster drucken lassen, die das Foto der völlig entstellten Leiche Saids zeigen, das auch auf diesem Blog veröffentlicht wurde.
Lokale und internationale Menschenrechtsorganisationen haben angekündigt, Beobachter zu dem Prozess zu entsenden.
Saids Anwalt hat unterdessen erklärt, dass er zu Prozessauftakt die Anklage von „verprügelt“, auf „zu Tode geprügelt“ abändern möchte.
Laut offiziellen Berichten der Gerichtsmedizin, soll Khaled an einem Tütchen… weiter lesen
25.07.2010 von Karim El-Gawhary

Golfaraberinnen in München: dpa via taz
Im Gespräch ist ein gestriges Fatwa des populären saudischen Scheichs Aed Al-Qurani. Danach darf eine Muslimin ihren Gesichtsschleier in den Ländern ablegen, in denen er verboten ist, um dort nicht belästigt und schikaniert zu werden.
Der islamische Rechtsgelehrte antwortete damit auf eine entsprechende Frage einer französischen Muslimin.
Al-Qurani wird in der überregionalen arabischen Tageszeitung Al-Hayat in ihrer Samstagsausgabe zitiert:
„Wir sollten mit den Menschen in ihren Ländern nicht auf Konfrontationskurs gehen (…) Vor allem dann, wenn das zu negativen Reaktionen oder Belästigungen führt, oder wenn jemand dabei gar zu Schaden kommt, dann sollte die Frau ihr Gesicht zeigen”.
Das islamische Recht, argumentiert er, zeige hier Kulanz. “Wir sollten diesem Verbot mit Fexibilität begegnen, weil die Religon sich an Zeit, Ort und Dringlichkeit anpasst, sagt er.
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23.07.2010 von Karim El-Gawhary

fragt das Nixon-Center und hat in dieser Frage eine Debatte begonnen. Für Chas Freeman liegt Israel für Washington dabei eindeutig auf der Lasten-Seite.

Chas Freeman
Chas Freeman einer der wichtigsten Berater und Übersetzer bei Richard Nixons berühmter China-Visite 1972, später Botschafter in Saudi Arabien, stand einst auch dem einflussreichen Middle East Policy Council vor. Beim Amtsantritt Barack Obamas war er für den Posten des National Intellegence Councils im Gespräch, einer Institution, die langfristige Strategien für den US-Geheimdienst erarbeiten soll und die nach dem Sturz des Schahs im Iran und dem damaligen offensichtlichen Scheitern des Geheimdienstes gegründet worden ist. Freeman wäre damit einer der wichtigsten aussenpolitischen Berater Obamas geworden.
Wegen seiner bekannten kritischen Haltung gegenüber der Politik der bedingungslosen Unterstützung Israels, wurde er damals von den Unterstützern Israels im US-Establishment scharf angegriffen und zog seine Kandidatur nach mehreren Wochen zurück.
Freemans Anmerkungen für das Nixon-Center… weiter lesen
21.07.2010 von Karim El-Gawhary

Wer Trostlosigkeit und Armut kennenlernen will, der sollte die Beduinengemeinschaften im Norden des Sinai besuchen. Eine Viertel Million Beduinen leben dort mehr oder weniger abgeschnitten von jeglicher Entwicklung. Der ägyptische Staat betrachtet sie einzig und allein als Sicherheitsproblem.
Es gibt keine Arbeit. Drogenanbau und der Schmuggel in den Gazastreifen und nach Israel sind die Haupteinnahmequelle. Die Landbesitztitel der Beduinen, die auf keinem staatlichen Papier niedergeschrieben sind, werden ihnen von zugereisten Ägyptern aus dem Niltal streitig gemacht. Korruption ist Tagesgeschäft.
Nach Terroranschlägen in Taba, Dahab und Scharm El-Scheich 2004/5 wurden die Beduinen zu Tausenden verhaftet. Doch in Wirklichkeit hat der Staat, der nur mit seinem Polizeiapparat auftaucht, keine Kontrolle über das Gebiet.

Aber auch die traditionelle beduinische Stammesgesellschaft zerfällt. Neureiche Schmuggelbarone und vom Staat eingesetzte „Stammesführer“ akzeptieren nicht mehr die traditionellen Autoritäten der Beduinen-Clans.… weiter lesen
18.07.2010 von Karim El-Gawhary
Weil es im von ihr propagierten Kampf gegen die israelische Besatzung nicht so recht weitergeht, wandelt sich die palästinensische Hamas im Gazastreifen immer mehr zum selbsternannten islamischen Sittenwächter. Die neuste Tat: Am Wochenende wurden die von der Hamas kontrollierten Polizeikräfte angewiesen, zu unterbinden, dass Frauen in der Öffentlichkeit Wasserpfeife rauchen.

Im Café in Kairo kein Problem
Das Rauchen in der Öffentlichkeit widerspreche den Sitten und führe zudem zu Scheidungen, erklärte ein Polizeisprecher zur Begründung. Häufig ließen sich Ehemänner von ihren Frauen scheiden, wenn die rauchend gesehen würden, sagte er.
Polizisten in Zivil kontrollierten die Caféhäuser am Ufer des Mittelmeers. Dabei herrschte zunächst Verwirrung, ob das Rauchverbot für Frauen und für Männer gilt (sozusagen bayerische Verältnisse im Gazastreifen). Sicherheitshalber bieten die meisten Cafes überhaupt keine Schischas mehr an
Als am Freitagabend ein mit einer Pistole bewaffneter Mann in Zivil im Al-Schera Café nach dem… weiter lesen
16.07.2010 von Karim El-Gawhary

An einem Zeitungstand in Paris: Quelle:Djav McKenzie/IPS
Das diese Woche vom französischen Parlament beschlossene Burka-Verbot erhitzt die Gemüter. Hier zwei bedenkenswerte höchst unterschiedliche Positionen dazu.
Pro
Die saudische Bloggerin Eman Al Nafjan kritisiert in ihrem Saudiwoman’s Weblog den Fokus auf den Gesichtsschleier. „Die Frage ist neben dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, der Pilgerfahrt nach Mekka, dem Fasten im Ramadan und der Almosensteuer zur sechste Säule des Islam geworden“, schreibt sie. „Der Gesichtsschleier wurde zum falschen Banner unser Frömmigkeit“, ärgert sie sich. Es sei egal ob du stiehlst oder deine Freunde verleumdest, solange das Gesicht bedeckt ist, werde man von der Gesellschaft als gottesfürchtige Person angesehen.
Sie begrüßt die Entscheidung des französischen Parlaments. Frauen sollen in dieser Frage keine Wahl haben, fordert sie. „Für jede Frau, die tatsächlich aus freien Stücken den Gesichtsschleier wählt, gibt es hunderte, wenn nicht sogar tausende, die vom religiösen Establishment, der Familie und… weiter lesen
15.07.2010 von Karim El-Gawhary
Langsam, sehr langsam mahlen die Mühlen der Veränderung im saudischen Königreich. Das folgende Video ist aber in vielerlei Hinsicht ein sehr interessantes Dokument. Es handelt sich um einen Bericht über die erste Wäscherei, in der saudische Frauen arbeiten.
Am Anfang hätten die Leute komisch geschaut, aber inzwischen geben sie ihre Wäsche hier ab, erklärt die erste Frau. Zu Beginn war sie noch unsicher, mit diesem Dampf und den ganzen Geräten, aber inzwischen habe sie sich daran gewöhnt, erzählt die zweite. Und damit alles doch noch seine Richtigkeit hat, schließt der Bericht mit der Tatsche, dass männliche und weibliche Kunden auch hier die Wäscherei getrennt abgeben.
Auf den ersten Blick kurios, ist natürlich der Gesichtsschleier und der Abaya-Umhang, den die Frauen aber ansonsten sicherlich bei ihrer Arbeit ablegen, wenn kein Mann und keine Kamera zugegen sind. Aber dieses Video zeigt vor allem zweierlei.
Erstens: Frauen drängen überall… weiter lesen
13.07.2010 von Karim El-Gawhary
heißt die neuste Facebook-Seite, die von ägyptischen Jugendlichen diese Woche lanciert wurde. Die gewieften Gründer der Seite gaben der Auswahl des Oktopus Paul, der sich bei der Fußball WM niemals vertippte, ein etwas neues Design.

Paul hat die Auswahl zwischen dem Präsidentensprössling Gamal Mubarak und dem ehemaligen Chef der Atomenergiebehörde und Friedensnobelpreisträger Muhammad El-Baradei. Er streckt seine Fangarme klar nach letzterem aus.
In Ägypten wird darüber spekuliert, ob El-Baradei bei den Präsidentschaftswahlen, die für näcshtes Jahr angesetzt sind, möglicherweise gegen den jetzigen Staatschef, den 83jährigen Hosni Mubarak oder gegen dessen Sohn Gamal antritt.
Innerhalb von 24 Stunden hatte die Seite im sozialen Internet-Netzwerk Facebook immerhin über 1000 Anhänger gefunden. Wohl auch, weil die unabhängige ägyptische Tageszeitung Al-Dustur bereits darüber berichtete.
“Wir wissen, wo dein Becken steht”, soll der ägyptische Geheimdienst nach inoffiziellen Meldungen Paul bereits gedroht haben.
Einer der Facebook-Teilnehmer glaubt, dass die Regierung in Kairo in einem solchen… weiter lesen