Hamas verbietet Frauen das Rauchen von Wasserpfeifen

von Karim El-Gawhary

Weil es im von ihr propagierten Kampf gegen die israelische Besatzung nicht so recht weitergeht, wandelt sich die palästinensische Hamas im Gazastreifen immer mehr zum selbsternannten islamischen Sittenwächter. Die neuste Tat: Am Wochenende wurden die von der Hamas kontrollierten Polizeikräfte angewiesen, zu unterbinden, dass Frauen in der Öffentlichkeit Wasserpfeife rauchen.

Im Café in Kairo kein Problem

Das Rauchen in der Öffentlichkeit widerspreche den Sitten und führe zudem zu Scheidungen, erklärte ein Polizeisprecher zur Begründung. Häufig ließen sich Ehemänner von ihren Frauen scheiden, wenn die rauchend gesehen würden, sagte er.

Polizisten in Zivil kontrollierten die Caféhäuser am Ufer des Mittelmeers. Dabei herrschte zunächst Verwirrung, ob das Rauchverbot für Frauen und für Männer gilt (sozusagen bayerische Verältnisse im Gazastreifen).  Sicherheitshalber bieten die meisten Cafes überhaupt keine Schischas mehr an

Als am Freitagabend ein mit einer Pistole bewaffneter Mann in Zivil im Al-Schera Café nach dem Rechten sah, nickte er zufrieden, angesichts der Tatsache, dass nirgends das typische Blubbern des Wassers in der Pfeife zu vernehmen war. Auf die Frage, wie lange die Verordnung gilt, antworte er mit einem kurzen: bis wir neue Befehle bekommen.

Die Hamas hat eine etwas erratische Bilanz, wenn es um derartige Order geht. Letztes Jahr wurde schon einmal ein Verbot für das Rauchen von Wasserpfeifen für Frauen ausgesprochen. Eine andere Direktive lautete, dass Männer nicht mehr in einem Damen-Haarsaloon arbeiten dürfen. Meist werden diese Order dann aber nach ein paar Tagen nicht mehr durchgesetzt und dann wieder aus der Schublade gezogen, wenn ein Hamas-Polizeikommandant ein schlechtes Wochenende verbracht hat und nach einem neuen Tätigkeitsfeld sucht.

In Gaza bilden sich immer mehr islamistische Splittergruppen, die die Hamas als moderat erscheinen lassen und auch die Hamas selbst steht in dieser Radikalisierung der Gesellschaft vor einer Zerreißprobe (siehe meinen Blogeintrag Talibanisierung im Dampfkochtopf Gaza).  Da fühlt sich die  Hamas gelegentlich  dazu veranlasst unter Beweis stellen, dass sie der bessere Sittenwächter  ist.

Übrigens paffen die Frauen selbst im Iran.

Vielleicht sollten sich die Hamas-Leute auch mal dieses Video ansehen. Das ist so ziemlich genau ihre Antithese und die kommt auch noch ausgerechnet aus dem Iran. Also in bewegten Bildern mit Ton:

Koranrezitation, Wasserpfeife und Frau

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9 Kommentare zu "Hamas verbietet Frauen das Rauchen von Wasserpfeifen"

  1. Sittenwächter zu spielen heißt die Muskeln spielen lassen, heißt ablenken, egal ob mit Kopftuch- und Burkaverboten oder durch Lust-und-Laune-Fatwas zu den kleinsten Detailfragen. Wasserpfeifen oder Vuvuzelas, es sind immer die Symbole und das Augenfällige, was herhalten muss.

    Hamas vergisst die Politik, Hamas vergisst die Gesellschaft, mit solchen Entscheidungen lassen sich selbst bei Hardlinern wenig Punkte holen sollte man meinen. Die Begründungen sind auch lächerlich und lassen Frauen wie Männer wie Dummköpfe aussehen.

    Man sollte Hamas fragen: Habt ihr Langeweile? Warum macht ihr keine Politik?

  2. Möglicherweise geht es der Hamas weniger um die Abwehr des Sittenverfalls, sondern um das Vertuschen der Versorgungsengpässe bezüglich des Tabaks.

  3. Ich glaube kaum, dass das günstigste Argument gegen dieses Verbot das ist, dass Frauen im Iran rauchen würden oder gar, dass Rauchen “nicht schlecht” wäre. Tatsache ist, dass die Blockade des Gazastreifens leider dazu beigetragen hat, dass die Rechtlosigkeit zunimmt. Diese zeigt sich an solch willkürlichen Maßnahmen und deren Begründung, die die Regierung unternimmt. “Rauchen führt zu Scheidung” Was für eine Argumentation!!! Dass rauchen auch gesundheitsschädigend und somit ehe- und elterlichkeitsschädigend ist, wird beim möglichen Verbot für Männer wohl nicht berücksichtigt??

    Füllen Sie den folgenden Satz zweimal richtig aus:

    [Staat/Regierung] verbietet Frauen [Artikel+Verbotenes] in der Öffentlichkeit.

    Mögliche Platzfüller: Burkatragen, Rauchen, Frankreich, Hamas

    …with more to come.

  4. Man oh man … wo wir gleich beim Thema wären. Die männlichen Dauersitzer in den Café´s bei Tee, Zigarette und Shisha sollten gleich mitverboten werden, denn meist haben sie mit geregelter Arbeit nichts am Hut.

    Zudem was für Frauen verboten ist, ist für Männer auch verboten. Aber irgendwie scheinen das die Sittenwächter ewig zu vergessen.

    Und daß in jedem Land, egal wie desolat die wirtschaftliche Lage ist, gibt es immer Menschen, die es schaffen auf der Sonnenseite zu stehen. Und einer Hamas passt so was ganz sicher nicht in das weltöffentliche Konzept.

  5. was in europa oder den usa inzwischen normal ist, ist bei der hamas – orient immer als negativer gegenentwurf – schlecht. Ich weiß nicht, was an dem gesundheitlich negativem rauchen so förderungswürdig wäre, dass man ein gesetz wie dieses anprangern sollte. das soll keine kritik an al-jahwhary sein.

  6. Ich bin übrigens Nichtraucher. In Kairo atmet man auch ohne Zigaretten und Wasserpfeife genug Rauch ein

  7. Karim, wie war das doch gleich mit dem Wasserpfeifenrauchen-Verbot bei uns in Kairo?! Wenn ich mich nicht irre, wurde das Verbot letztes Jahr ausgesprochen? Ob es befolgt wird, ist eine andere Sache – wir beide wissen ja, wie gut “cosa” in solchen und anderen Faellen helfen kann …

    “Eine andere Direktive lautete, dass Männer nicht mehr in einem Damen-Haarsaloon arbeiten dürfen. ”

    Und wo in den VAE, Kuwait, Saudi (bloss Beispiele) gibt es das, dass Maenner – oh Gott, oh Gott!!! – in einem Damensalon arbeiten duerfen? Bei uns in Kairo ist es noch anders, aber es gibt unzaehlige Salons wo an der Tuer steht “for Ladies only” und keinem maennlichen Wesen Zutritt gewaehrt wird.

    Ist alles halb so wild, meine ich. Zudem stimme ich mit Angela ueberein. In EU und der USA ist rauchen auf verschiedensten Stufen schon lange verboten – und die Verbote werden mit fanatischem Eifer eingefuehrt und durchgesetzt. Bloss nennt es sich da “aus Gruenden der Gesundheit”.

    Dass die Auto’s und die Flugzeuge genauso wenn nicht schaedlicher sind … nun, darueber darf man nicht reden, da es big business ist.

    Abschliessend: warum wird das Uebel nicht an der Wurzel gepackt? Wenn doch Rauchen so schaedlich ist, warum wird dann nicht der Anbau, die Produktion und die Verteilung verboten? Warum wurden die asiatischen Maerkte mit Handelssanktionen bedroht von der USA wenn sie ihre Maerkte nicht fuer die US-Tobacco-Firmen aufmachen? Eben – big business! Aber auf dem Kleinen rumhacken, das kann man immer und ueberall.

    PS Ich bin auch Nichtraucher aber fair ist fair.

  8. der kommentar trifft es auf den punkt. ein weltweites phänomen übrigens: die machtlosigkeit der politik in wichtigen entscheidungen führt zum markieren des starken mannes auf (kulturellen) nebenschauplätzen. in gaza ist es die machtlosigkeit angesichts der israelischen abriegelung und lähmung. in europa ist es eine jahrelange selbstentmachtung der politik, die zu handyverboten in öffis, verboten von inexistenten burkas und anderen skurrilitäten führt. hier wie da sind oftmals frauen die leidtragenden. während in gaza der “anstand” der frauen geschützt wird, wird hierzulande mit der “freiheit” der frauen argumentiert. frauen eignen sich offenbar stets gut für derartige symbolpolitik.

  9. @BW

    “frauen eignen sich offenbar stets gut für derartige symbolpolitik.”

    Ausgezeichnete Feststellung und Kommentar. Vielleicht sollten wir Frauen uns mal ueberlegen, dagegen anzukaempfen, dass wir immer als der Zentrumspunkt von xxx Kampagnen herhalten muessen.

    Mal will man uns gesund erhalten (wofuer? zur weiteren “Unterdrueckung” :-) ?), mal will man uns befreien, mal beschuetzen und mal … ausbeuten! Warum muessen wir eigentlich immer bevormundet werden. Glaubt niemand, dass wir selber denken und handeln koennen?

    Wie ist das eigentlich mit Euch Maenner? Wollt Ihr nicht endlich mal auf die Barrikade gehen? Dagegen protestieren, dass Ihr immer so marginalisiert werdet? Wollt Ihr Euch nicht endlich befreien und auch mal zum Fokus der allgemeinen Sorge werden? Ausser Viagra natuerlich …

    Mit hetzerischem Gruss an alle Maenner :-D .

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