30.08.2010 von Karim El-Gawhary
Aus der Serie: Andere Länder andere Sitten
Wieder zurück aus dem Urlaub und erneut online, möchte ich den ersten Blogeintrag meinem beliebtesten Fortbewegungsmittel widmen. Ich bin begeisterter Bahnfahrer, nicht nur in Ägypten, sondern auch bei meinen kurzen Besuchen in Deutschland oder Österreich. Mal lasse ich entspannt die Palmenhaine an mir vorüberziehen, mal die Voralpenlandschaft.
In Deutschland betreibe ich dabei immer gerne ethnoligische Feldstudien. Verwundert höre ich aufgeregten Gesprächen auf dem Bahnsteig zu, die sich meist darum drehen, dass der ICE wieder einmal ein paar Minuten zu spät kommt.
Kulturell noch faszinierender finde ich die Durchsagen des sogennannten Serviceteams, das sich dafür entschuldigt, dass der Zug etwa mit der unglaublichen Verspätung von sechs Minuten am Zielbahnhof ankommt. Wenn es noch länger dauert, werden gar kalte Getränke gereicht (wenn ich das in Ägypten erzähle, glaubt mir das kein Mensch).… weiter lesen
10.08.2010 von Karim El-Gawhary

Endlich Urlaub. Der journalistische Akku muss aufgeladen werden für einen möglichen heissen Herbst im Libanon und in Ägypten.
Sofern es in meiner Region relativ ruhig bleibt, wird bis Ende dieses Monats auf dem Arabesken-Blog Funkstille herrschen. Getwittert wird in dieser Zeit auch nicht. Und statt Facebook werden wieder richtige Bücher mit Muße gelesen.
Es lebe die Offline-Freiheit
07.08.2010 von Karim El-Gawhary

Hoffnungslos im Nahostkonflikt, enttäuscht von Obama, begeistert von Erdogan und eine Hinwendung zur religiösen Identität.
Das ist das Ergebnis einer Studie der Brookings-Institution in den USA, die alle Jahre wieder versucht, die arabische Gefühlslage zu erkunden.
Zuerst die positive Meldung der Umfrage zu der 4000 Araber in Ägypten, Saudi Arabien, Marokko. Libanon, Jordanien, und den Vereinigten Arabischen Emiraten befragt wurden.
86 Prozent der Araber sind bereit Frieden mit Israel zu schließen, wenn dieses die im 67er Krieg besetzten arabischen Gebiete, einschließlich Ostjerusalem zurückgibt. Letztes Jahr lag diese Zahl noch bei 73 Prozent.
Der Rest der Umfrage die zwischen 29 Juni und dem 20 Juli stattfand, ist eigentlich ein Zeugnis darüber, wie desillusioniert die arabische Welt ist.
54 Prozent der Befragten glauben, dass es niemals einen dauerhaften Frieden mit Israel geben wird.

Der Kriegsgefangene: Quelle Quds Al-Arabi
Ernüchtert von Obama
Besonders enttäuscht sind die Araber von… weiter lesen
06.08.2010 von Karim El-Gawhary

Dieses Interview im ägyptischen Fernsehen ist sensationell. Die Frau in Schwarz erzählt öffentlich von ihrer Vergewaltigung und das auch noch durch die Polizei. Sie sagt in diesem Video, das einen Beitrag des privaten ägyptischen Fernsehsenders Modern Misr zeigt:
„Ich habe beschlossen dieses Risiko einzugehen, um den Verantwortlichen des Landes zu zeigen, was die ägyptische Polizei mit den Menschen macht“,
Die Geschichte der Frau, die dort mit verschleiertem Gesicht erscheint, wurde in den letzten Tagen zum Gesprächsstoff Nummer Eins in Ägypten. Sie erzählt, dass sie an einer Straßensperre auf einer Landstraße im Nildelta von Polizisten nach ihren Papieren gefragt, anschließend in einen Polizeikleintransporter gezerrt und dort von den Polizisten vergewaltigt wurde. An einem Punkt in ihrer Erzählung bricht ihre Stimme und man kann nur ahnen, dass hinter dem Schleier die Tränen fliessen, während sie ihr Taschentuch fester umgreift.
„Ich… weiter lesen
05.08.2010 von Karim El-Gawhary

Capitol Hill - Ap via taz
Das Budget Komitee des US-Senats hat verkündet, die Hilfsgelder zur Demokratieförderung für Ägypten um fünf Millionen Dollar zu kürzen. US-Präsident Barack Obama hatte eigentlich 25 Millionen veranschlagt, da waren es nur noch 20.
Beobachter glauben, dass das einen Trend innerhalb der US-Regierung widerspiegelt, den Druck auf das ägyptische Regime zur politischen Reform zu reduzieren.
Unangetastet bleiben die jährlichen 1,3 Milliarden Dollar US-Militärhilfe an Ägypten.
Also die Frage der Woche:
Sollen die USA und Europa Programme zur Förderung der Demokratisierung der arabischen Welt auflegen?
Ist das eine nicht zulässige Einmischung in die inneren Angelegenheiten und müßen poltische Reformbewegungen nicht von innen wachsen?
Hat der Westen in seiner Demokratieförderung überhaupt Glaubwürdigkeit, wenn er gleichzeitig demokratisch gewählte Bewegungen, wie die palästinensische Hamas und die libanesische Hisbollah als Gesprächspartner nicht anerkennt und sie politisch zu isolieren sucht?
Haben die Neokonservativen und George W. Bush da… weiter lesen
03.08.2010 von Karim El-Gawhary

US-Präsident Barack Obama hat diese Woche in einer Rede vor US-Kriegsversehrten und Veteranen bestätigt, dass alle US-Kampftruppen bis Ende dieses Monats aus dem Irak abgezogen sein werden. Die verbleibenden 50.000 US-Soldaten sollen das Zweistromland innerhalb von 18. Monaten verlassen.
Das Ganze findet vor dem Hintergrund statt, dass es in Bagdad vier Monate nach den Parlamentswahlen immer noch keine funktionierende Regierung gibt. Eine Tatsache, die zeigt, wie weit das Land von einer poltischen Normalität entfernt ist. Doch die endlosen Streitigkeiten darum neue politische Bündnisse zu schaffen, lassen sich auch positiv interpretieren. (siehe meine letzte Irak-Analyse). Nach sieben Jahren Krieg und Bürgerkrieg, ausländischer Besatzung und fast täglich neuer Horrormeldungen über Anschläge im Irak ist nun ein politisches System etabliert, innerhalb dessen alle Seiten ihren Einsatz verlieren oder gewinnen können. Und keiner will zu den Zeiten des Bürgerkriegs zurück. Bündnispolitik ist eben komplizierter als Bürgerkrieg.
Der Irak-Experte Juan… weiter lesen
02.08.2010 von Karim El-Gawhary

Unter dem schönen von Bob Marleys Song abgewandelten Titel „NO WOMEN NO PLAY “ startete in Washington letztes Wochenende eine Kampagne, Saudi Arabien dazu zu bringen, auch Frauen zu den olympischen Spielen zu schicken. Saudi Arabien ist derzeit das einzige Land, das die Teilnahme von Frauen an den Spielen, aus angeblich religiösen Gründen, verweigert.
Ziel der Kampagne ist es auch, Druck auf das Internationale Olympische Komitee OIC auszuüben. In dessen Charter heißt es unter dem Punkt “Grundlegende Prinzipien des Olympismus“
“Jede Form von Diskriminierung eines Landes oder einer Person aufgrund von Rasse,Religion, Politik, Geschlecht oder aus sonstigen Gründen ist mit der Zugehörigkeit zur Olympischen Bewegung unvereinbar”.
Die Kampage wird von dem saudischen Dissidenten Ali al-Ahmed organisiert, der das Institute for Gulf Affairs in Washington leitet. „Wir hoffen, dass die Kampagne auf dieses Problem aufmerksam machen wird und die olympischen Träume von vielen… weiter lesen