„Ägypten als mutiger Förderer der Menschenrechte“ … Raten Sie mal, wer das gesagt hat.

„Man muss sagen, Ägypten hat in den letzten Jahren mutige Schritte unternommen, um eine Kultur der Menschenrechte auf allen Ebenen der Gesellschaft zu fördern“.


Stammt dieser Satz:

A: vom ägyptischen Regierungssprecher

B:  von einem Zitat aus einer Erklärung der Arabischen Liga

C: vom iranischen Außenminister bei seinem letzen Besuch in Kairo

D: vom Botschafter der EU-Delegation in Kairo


…die Auflösung findet sich auf diesem Link.

Der Belgier Marc Franco, seines Zeichens Botschafter der EU-Delegation in Kairo, schrieb letzte Woche diesen bemerkenswerten Artikel für die englischsprachige ägyptische Tageszeitung Al-Ahram Weekly. Ägypten besitze „drei sehr mächtige Agenten des Wandels im Bereich der Menschenrechte“, erläutert er  und  zählt auf: den „National Council for Human Rights“, den „National Council for Women”  und den „ National Council for Childhood and Motherhood“. Der EU-Vertreter vergisst dabei zu erwähnen, dass es sich bei allen dreien um abhängige staatliche Institutionen handelt, nicht NGOs sondern GOs sozusagen.

Ägypten, führt er weiter aus,  habe in den letzten Jahren den rechtlichen Status der Frauen und Kinder verbessert, das Mindestheiratsalter von Mädchen von 16 auf 18 Jahre erhöht, die Frauenbeschneidung offiziell verboten oder es den Müttern ermöglicht eine Geburtsurkunde zu erhalten, ohne den Namen des Vaters aufzulisten,  usw.  Alles sicherlich Errungenschaften.

Aber Herr Franco, leben wir im gleichen Land? Kann man als EU-Repräsentant nur wenige Tage nach den ägyptischen Parlamentswahlen, bei denen sich die Regierungspartei, wie auf diesem Blog dokumentiert, durch massiven Wahlbetrug den absoluten Griff auf die ägyptische Legislative sicherte, eine solche Lobeshymne auf den ägyptischen Staat  singen?

Geht wählen! Al-Masy Al-Youm, Doaa Eladl

Ach ja, Sie vergaßen nicht zu erwähnen, dass die EU seit 2002 über 120 Millionen Euros zur Verbesserung der Regierungsführung und für Reformen im Menschenrechtsbereich in Ägypten ausgegeben hat!? Das scheint nicht genug gewesen zu sein, leider werden immer noch Menschen auf offener Straße von der Polizei zu Tode geprügelt oder aus den oberen Stockwerken der Polizeiwachen geworfen.

Irgendwie kommt mir das Alles sehr europäisch verlogen vor. Ich habe  vor Ort über zwei Parlamentswahlen berichtet, überdie iranischen vorletzten Sommer in Teheran und über die ägyptischen diesen Herbst in Kairo. Der Unterschied in der internationalen Wahrnehmung könnte extremer nicht sein.

Auf den Wahlbetrug des ersten hat man sich gestürzt, weil es opportun ist, das iranische Regime weltweit zu isolieren. Über den Wahlbetrug der mit dem Westen verbündeten ägyptischen Regierung hat man dagegen bestenfalls nur kurz versteckt mit dem Kopf geschüttelt.

Und dann gingen Alle wieder zur diplomatischen Tagesordnung über, wie sie Herr Franco mit ihrem anbiedernden Artikel, nur eine Woche nachdem die Urnen in Ägypten mit en gros ausgefüllten Wahlzetteln für die Kandidaten der Regierungspartei vollgestopft wurden.

Lieber Gott, warum hat der Mensch nur 2 Hände: Masry Al-Youm, Abdallah

Kommentare (5)

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  1. Sehr wichtiger Beitrag, über sowas steht in den Zeitungen leider meist nichts. Dieser Blog ist unverzichtbar.

  2. Den Medien haben wir es zu verdanken, dass wir mit Informationen so gefuettert werden, wie es den „Herrschenden“ in das Konzept passt … ob nun Aegypten oder anderswo, dies gilt auch fuer Deutschland, nur mit dem Unterschied, dass hier die Methoden ein wenig subtiler sind.
    Gut, dass es im Zeitalter des Internets nun etwas transparenter wird, welche Macher dahinter stecken … dumm ist nur, dass viele nicht wirklich begreifen, was Manipulation bedeutet und wie sehr wir alle davon betroffen sind.
    Gut zu wissen, dass es Journalisten gibt, die so etwas wie Berufsethos haben und den Mut besitzen, unbequeme Wahrheiten ans Tageslicht zu bringen und oeffentlich zur Diskussion stellen.

  3. Glänzender Beitrag!
    Vor allem der Vergleich mit den Wahlen im Iran. Es ist schön, dass es unter den Journalisten noch welche gibt, die hier nicht mit zweierlei Maß messen.

  4. Für die EU:
    Es ist zwar ein Schwein, aber es ist unser Schwein. Das nennt man Interessenpolitik

  5. Das sind einfach grauenvolle Zustände.

    Dabei hätte der Westen (die Regierenden) seine Verantwortung übernehmen müssen und seit Jahren Pädagogischen Einfluss ausüben können.
    Haben sie aber nie getan.
    Es scheint, als ob ihnen das nur recht ist, wenn Menschen sich in Anderen Ländern gegenseitig unrecht antun.
    Sie tun dann immer scheinheilig auf Menschenrechte hinweisen und sagen dann, für „Euch“(Egal Wer) gilldet das nicht. Nach dem Motto „Andere Länder Andere Sitten“.
    Nur Dumm, dass die Menschheit immer intelligenter wird und nicht mehr auf diese „Scheiße“ reinfällt