Wahnsinn am Nil: Revolution vor meinem Fenster in Kairo

von Karim El-Gawhary
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Es ist 15:30 in Kairo. Das ist die Szene aufgenommen mit meinem Handy vor meinem Büro in Kairo. Zehntausende sind vor das staatliche Fernsehgebäude geströmt, das von der Präsidialgarde bewacht wird. Ich stehe an meinem Fenster und reibe mir die Augen.

Vor ein paar Minuten gab es eine etwas brenzlige Szene. Die Demonstranten haben versucht den Stacheldraht niederzureissen der sie vom Fernsehgebäude und der Präsidialgarde trennt. Es gab ein regelrechtes Tauziehen mit dem Stacheldraht, zwischen den Soldaten und der Armee. Einige der Demonstranten haben die gefährliche Situation erkannt und haben eine Menschenkette vor dem Stacheldraht gebildet.

Die Präsidialgarde hat Kisten mit scharfer Munition an die gepanzerten Fahrzeuge verteilt. Die Hüllen auf den aufgepflanzten Maschinengewehren wurden abgezogen.

Wir haben sicherheitshalber unsere Schreibtische vom Fenster weggestellt und jeder hat einen Platz zugeteilt bekommen , an dem er untertauchen kann.

Im Moment ist es wieder einigermassen ruhig. Im Fernsehen läuft die Meldung, dass der Präsident mit seiner Familie in Scharm El-Scheich gelandet ist.

Mal sehen, wie dieser ungewöhnliche Tag weitergeht.


6 Kommentare zu "Wahnsinn am Nil: Revolution vor meinem Fenster in Kairo"

  1. GROSSARTIG!!!!!!! Die Ägypter haben gerade Weltgeschichte geschrieben!!!!! Möge die Zukunft sie mit allem belohnen was sie sich wünschen und wofür sie so tapfer und entschlossen gehandelt haben! Erleichterte und glückliche Grüsse aus Deutschland.

  2. Was ich besonders beruhigend finde ist, dass das ägyptische Beispiel die Anti-Islam-Hysterie in Europa “heilen” oder zumindest bessern kann, denn dieses beispielhafte Volk, das mal auf die Schnelle die Polizei ersetzt hat, als Mubaraks Schergen und entlassen Kriminelle ein Chaos produzieren wollten, das Menschenketten um Gefahrenzonen bildet…um nur zwei Beispiele zu nennem, dieses verantwortungsbewusste Volk besteht zu ca 90% aus Muslimen …

  3. Sehr geehreter Karim

    Ich sitze hier in Österreich.
    Mein Vater kommt aus Ägypten.

    Ich spreche kein Arabisch.

    Als vor 8 Jahren meine Tochter auf die Welt kam verspürte ich den Drang in das Land meines Vaters zu reisen. Es musste sein.

    (Als Kind war ich immer wieder in Ägypten; Doch hatte ich es nie ausgehalten, wie die Kaste die mein Vater lebten. Goldene Käfig einfach
    so unverschämt)

    Dort angekommen;zuhause angekommen.
    Aber wie sollte ich sprechen.

    Also blieb ich stumm.

    (Bezog Wohnung in Heliopolis)

    Von dort Stumm mit Strassenbahn, U-bahn ins Zentrum.

    Turisten. … Bin ich Turist ?

    Ich brach irgentwo man Nil zusammmen, durch ein Glück
    hat mich ein Taxifahrer mitgenommen und hat mich ins Spital
    gebracht. ………………………………

    Mein erster konntakt mit Ägypten im Spital,
    zum ersten mal krankenpfläger und Schwestern, in meinem Alter.

    Wir hatten spass, das war Heimat … Ich fühlte mich angekommen.

    SO es wird zu lange;

    DIe Letzten Tage machen mich Stolz Ägyptische Teile in mir zu haben.
    Mein Herz es ist so in Bewegung es hüpft;
    Heimat ein Unwort ist für mich nun möglich auszusprächen.

    Ich bin Stolz auf die Menschen in Ägypten.
    Denn Sie haben das gemacht.
    Sie haben einen Stolz und sagen es reicht.

    Das war immer was mich so traurig gemacht hat dieses Schleimen …

    Und jetzt …

    Ja ich bin dankbar, meine Seele ist ihnen und den Ägyptern dankbar.

    Denn dieses schreckgespennst, Islamisierung …, wie auch mein Vater
    immer und immer das Alte Legidimierte. Ist weg.

    Ich spüre, das Ägypten meines Vaters ist zu Ende gegeangen.
    Ich sehe, dass er leidet doch eine Generation hat gesprochen
    die mir einfach so nah ist. Dieser Paradiegmenwechsel, mein herz sagt
    jetzt endlich kann ich meiner Tochter meinem Sohn Ägypten zeigen.

    Es ist der neue Weg, ein echter neuer Weg … Wohin er führt kann man nicht sagen, das mach ihn zu einen begehbaren Weg ….

    Also ich sitze hier in Östrerreich
    Kann nicht arabisch.
    Aber doch fühl ich mich so nah.
    So glücklich.

    Ich sehe Stolze Ägypter.
    Ja stolz auf das was sie bewirkt, für das sie gekämpft haben.

    Der Stein rollt.

  4. Ich bin so unglaublich glücklich und freue mich für alle Ägypter. Toll, toll, toll! Möge dieser wunderbare Weg weitergehen.
    Lieber Karim,
    ich habe alle Deine Berichte verfolgt, gehofft und gebangt. Ich kann mit Worten gar nicht ausdrücken was für eine wahnsinnige Arbeit Du geleistet hast.
    Dein Strahlen gestern im TV war unbeschreiblich. Unbeschreiblich schön.

    @girgis
    Mein Vater ist Ägypter. Ich sitze hier in Deutschland und kann kein arabisch.
    Ich weiß wie Du Dich fühlst. Auch ich fühle mich, immer wenn ich in Ägypten bin, angekommen.

  5. Schließe mich obigem Ausdruck großer Freude an. Nochmal vielen Dank für die tollen Berichte aus der arab. Welt (diese Freude kommt aus einem Herz, das ohne die Hoffnung auf Revolutionen verkümmern würde).
    Ich hoffe, dass es bald auch die Menschen in unserem Land zu einer Umwälzung der Verhältnisse treibt –
    dieser Klassengesellschaft von Billiglohn und Billigfraß, von Rassismus und Überwachung, Oberlehrer von Eurland, das die Menschen zu Zehntausenden im Mittelmeer ertrinken oder in neuen Flüchtlings-KZ’s in Griechenl u Italien ohne Hoffnung vegetieren lässt, wo ca. 160 Menschen durch rechte Gewalt getötet wurden und gerade das letzte kollektiv gemietete Haus in Berlin mit Gewalt geräumt wurde,
    einem Land von verträumten Mittelschichtsidioten, die FDP wählen und nichs, aber auch gar nichts begriffen haben, zugegeben auch ein Land, in dem das Leben verglichen mit noch viel ärmeren Ländern leicht fallen sollte, aber man nur wenig Leute lächeln sieht.
    Ein Land, das Mubarak und die israelischen Überfälle auf den Libanon und den Gaza-Streifen mit den Tausenden von zivilen Toten gedeckt hat – auch das Massaker in Afghanistan -und zwar nicht aus irgendeiner ‘Solidarität’ heraus, sondern aus banalsten Gründen kommerzieller Opportunität (gestern drohte Westerwelle, Tunesien zu ‘helfen’. Ägypter und Afghanen, schickt Drohnen nach Deutschland und rettet uns!).

  6. Ich habe in den vergangenen Wochen sehr aufmerksam, manchmal mit angehaltenem Atem, die Berichterstattung auf Aljazeera und von Karim El-Gawhary auf ORF und in der Presse verfolgt, und ich denke, ihm ist es gelungen, vielen Menschen in Österreich so etwas wie Begeisterung für die Revolution am Nil zu entlocken. Das ist für österreichische Verhältnisse ganz und gar außergewöhnlich; denn eine 68-er Bewegung wurde in Österreich – um es plakativ zu formulieren – fast ausschließlich von der Person Peter Kreiskys getragen, und vor ihm war vermutlich Nestroy der letzte Revolutionär in diesem Land.
    Ich glaube nicht, daß Karim El-Gawhary aus den verschlafenen Österreichern leidenschaftliche Revolutionäre machen konnte, da er aber gewissermaßen als Poet dieser Revolution fungiert hat, konnte zumindest ein Funke auf meine sonst so zwiederen und teilnahmslosen Landsleute überspringen.
    Das Phänomen aber, daß einer notwendigen Revolution menschliche Einzelschicksale innewohnen, das Leiden und die persönliche Geschichte des Individuums, das haben jetzt dank Karim El-Gawhary selbst die Österreicher begriffen.

    In diesem Sinn: meine Empfehlung an Karim El-Gawharys Tante!

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