Die Last der Kommunikation: Was ein Journalist in Libyen alles dabei hat

von Karim El-Gawhary

Karims Gerätepark für Libyen: Foto: El-Gawhary

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Es ist wieder soweit. Ich packe meine Sachen für meine nächste Reise nach Bengasi. Mein Lieblingssatz meiner Redakteure, wenn ich dort bin lautet:

„Ich habe Ihnen gerade eine Email geschickt, können Sie einmal kurz Ihre Inbox checken“.

Dummerweise ist Libyen derzeit ein weißer Fleck im Netzwerk der globalen Kommunikation. Das Internet ist seit Wochen abgeschaltet. Die Handynetzwerke funktionieren meistens ebenfalls nicht und auch das Festnetz ist nur sporadisch einsetzbar.

Vor 20 Jahren, als ich anfing zu arbeiten, hätte man als Journalist in so einer Situation etwa folgendes  gesagt (das war noch vor Zeiten des Internet und der Mobiltelefone):

“Ich fahre jetzt für zehn Tage nach Libyen. Ihr hört wieder von mir, wenn ich  zurück bin und dann habe ich hoffentlich ein paar Geschichten in der Tasche“.

Diese Zeiten sind aufgrund der modernen Satellitenkommunikation leider vorbei. Jetzt wird von einem Journalisten erwartet, an jedem Ort 24 Stunden lang erreichbar zu sein, ob im Busch, in der Wüste, auf dem weiten Ozean oder eben im von Gaddafi abgeschalteten Libyen.

Hier ein kurzes Video, dass meinen Gerätepark zeigt, der einzig und allein dazu dient, dort erreichbar zu sein

YouTube Preview Image

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Hier noch einmal meine Geräteliste:

Für Realisten:

  • Ein Satelliten-Handy (sollte überall im Freien funktionieren, tut´s aber erfahrungsgemäß nicht immer)
  • Eine Bgan-Satellitenanlange (muss immer mühevoll aufgebaut werden, funktioniert aber, wenn der Balkon des Hotelzimmers in der richtigen Richtung liegt. In Liyben stimmen die Gebetrichtung nach Mekka und die Ausrichtung der Satellitenanlage in etwa überein)

Für Optimisten:

  • Ein Handy mit ägyptischem Chip (falls das Netz doch funktioniert und man roamen kann)
  • Ein Handy mit libyschen Chip (falls Gaddafi wieder den Schalter umlegt).

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Gut, dass man nicht nach Bengasi fliegen kann und ich 17 Stunden mit dem Auto fahre. Da gibt es am Flughafen wenigstens keinen Streit um das Übergewicht.  Es lebe die globale Kommunikation in Echtzeit.


6 Kommentare zu "Die Last der Kommunikation: Was ein Journalist in Libyen alles dabei hat"

  1. Wer kontrolliert die ägyptisch-libysche Grenze, gibt es überhaupt noch libysche Grenzpolizei? Müssen die Menschen in Bengasi für ihre Sicherheit selbst sorgen, so wie in Ägypten? Ich hoffe, Sie kommen gesund und mit vielen Geschichten zurück!

  2. Früher hat man auch einen Film voll geknipst und hat dann eine Woche lang harren müssen, ob die Bilder was geworden sind. So sehr ich die neuen Medien schätze (keine Schubladen voller Negative mehr, etc.), irgendwie war das doch schön, dass nicht alles “Echtzeit” war. So blieb es wenigstens spannend!

    Von mir auch eine gute Reise und heile Rückkehr!

  3. Wie ist denn der Zimmerservice beim “roomen”? Und BTW: Wenn man „Ich habe Ihnen gerade eine E-Mail geschickt, können Sie einmal kurz Ihre Inbox checken“ hören kann, kann man (technisch gesehen) auch seine Inbox sofort checken. Oder wird dieser Satz etwa per Gedankenübertragung gesendet? Larmoyante Journallie! ;-)
    Trotzdem: Gute Arbeit El-Gawhary.

  4. Und wo ist der Informationsfilter der wegschauenden Medien?? Wir brauchen keine Schlagzeilen sondern wirkliche Information!

    Danke

  5. Hallo Karim,
    Schön, daß Sie ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Da ich die Entwicklungen in Libyen von mehreren Blickpunkten verfolge, beunruhigen mich in letzter Zeit Meldungen wie diese: http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=23999 Ich habe auch schon gelesen, daß die Medien masslos übertrieben haben, was z.B. die Anzahl der Toten in Libyen bei Niederschlägen von Gaddafi angeht. Angesichts der Tatsache dass Libyen ein führendes Ölland ist und der Westen davon abhängig – bin ich mir nicht mehr ganz sicher, wem man noch glauben soll. Ich bin schon gespannt auf Ihre objektive Berichterstattung! Alles Gute!

  6. nicht “roomen”, sondern “roamen”… ;-)

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