Saudische Zustände in ägyptischen Einkaufszentren

von Karim El-Gawhary

Foto: AUC-Studenten-Zeitung Caravan

Ich war noch nie ein Fan von großen Einkaufszentren. Sie stellen für mich eine Kosumreizüberflutung dar, die eindeutig meine Aufnahmefähigkeiten übersteigt. In Kairo existiert mit City Stars eines der größten Einkaufszentren der Region. Für mich persönlich der pure Horror.

Obwohl die Sharbatly Familie, die saudischen Besitzer des ägyptischen Konsumtempels das mit der Reizüberflutung ein wenig anders verstehen. Denn bei City Stars probiert man gerade aus, wie weit man im Chaos der ägyptischen Revolution ein wenig saudischen Geschlechtertrennungs-Flair im Land am Nil einführen kann. So wurde dieses Schild am Eingang des Zentrums aufgenommen.

Aufmerksam auf den Skandal hat uns heute die Studenten-Zeitung der Amerikanischen Universität gemacht (Vielen Dank liebe AUC-Studenten).

Wie gesagt: ich meide City Stars und dessen Konsum-Sterilität schon immer. Aber ich würde allen meinen Kairoer Freunden und Bekannten vorschlagen, das Gleiche zu tun, bis es sich geklärt hat, ob Männlein und Weiblein Hand in Hand durchs Kairoer Einkaufparadies schlendern können, oder ob bei City Stars demnächst eine eigene Religionspolizei in saudischen Stil über das wacht, was konservative Islamisten unter Moral und Sitte verstehen.

Ich glaube, die ägyptische Revolution ist es wert, derartige saudische Sitten nicht einreißen zu lassen.


19 Kommentare zu "Saudische Zustände in ägyptischen Einkaufszentren"

  1. Nicht einmal ignorieren! Ich denke, die ägyptische Bevölkerung, die es geschafft hat, in wenigen Tagen ein ganzes Regime zu stürzen, wird sich von solchen lächerlichen Taferln nicht beeindrucken lassen.

  2. ja, es ist wirklich wichtig, diesen “anfängen” was entgegenzusetzen. ich wills nicht verkomplizieren, aber: wie wäre es, wenn männer hand in hand und frauen hand in hand gingen?

  3. Die beste Reaktion auf solche Verbotsschilder ist, einfach dieses Einkaufszentrum zukünftig zu meiden. Ja, ich kann nur unterstützend sagen: “Wehret unbedingt diesen Anfängen!

  4. @ bernhard: das ist in der arabischen Welt (anders als hier im Westen) nicht ungewöhnlich und würde wahrscheinlich gar nicht weiter auffallen …

  5. Ich bin dafür das Einkaufszentrum zu meiden und nicht dorthin zum shoppen/einkaufen zu gehen.

  6. es ist eh weit entfernt von mir, aber wenn ich mal wieder dort sein sollte, würde ich jetzt erst recht provokativ hand in hand gehen, wir sind hier ja schließlich in ägypten und nicht bei den durchgeknallten saudis. ansonsten kommen noch andere einkaufzentren auf dumme ideen. derzeit will doch jeder ein stück macht abhaben und das hier ist der anfang solch eines versuches.

  7. Wenn der Besitzer das nicht will, wird das auch umgesetzt. Ein Fünf-Sterne-Hotel in saudischen Händen stellte den Ausschank von Alkohol ein.

    Vielleicht sollt man lieber nachdenken, welche Kräfte die Revolution unterstützten bezw unterstützten. Es kann sein, dass dieses Schild in einigen Monaten harmlos erscheint zu den anderen Veränderungen, die in diesem Land Einzug halten.

  8. Lieber Herr El Gawhary, Ihnen wird die Arbeit wohl nie mehr ausgehen … Wie schaffen Sie das noch, die gesamte Arabische Revolution mit samt ihren Blüten im Blick zu haben? Ägypten allein hat ja offensichtlich schon genug Themen ;-)

  9. Lieber Karim, hier muß ich Dir zum ersten Mal widersprechen:
    Ich finde es sollten MÖGLICHST VIELE Pärchen dort Hand in Hand spazieren gehen!!!
    Nicht um dem Konsumwahnsinn zu fröhnen, sondern um deutlich klarzustellen, daß sie derartige Anwandlungen NICHT tolerieren.
    City Star könnte sonst womöglich auf die Idee kommen, daß so etwas ohnehin stillschweigend geduldet – oder sogar gut geheißen würde.

  10. Der Besitzer des besagten Hotels in Kairo mußte übrigens den Alkoholausschank wieder aufnehmen, da der ägyptische Hotelverband gedroht hatte, ihm zwei der fünf Sterne wegzunehmen. Nach internationalen Hotelregeln muss ein Fünfsterne-Hotel anscheinend Alkohol ausschenken, wenn nicht, wie in Saudi Arabien eine landesweite Prohibition gilt.

  11. obwohl ich fest davon überzeugt bin, dass ägypten keinen Gottesstaat zu errichten gedenkt, kann ich mir doch vorstellen, dass viele ägypter derartige regeln absolut akzeptieren. in den letzten jahrzehnten sind ihre moralischen werte fast gänzlich abhanden gekommen – oder aber man hat sich gezielt der ignoranz ab- und ihrer religion zugewendet.
    jetzt ist das volk auf der suche nach werten. das ersuch, film und fernsehen mögen fortan komplett den austausch von zärtlichkeiten, küssen und zwischengeschlichtlichen berührungen aus ihrem repertoire nehmen, fand überraschend großen anklang – bis sich herausstellte, dass alles nur ein gerücht sei…
    ebenso hört man die leute immer wieder sagen, dass sexuelle anmachen und übergriffe allein den frauen zuzuschreiben seien – was müssen sie sich auch so aufreizend anziehen? (wir wissen ja, was damit gemeint ist angesichts der tatsache, dass die mehrheit der ägypt. moslimas heute zwar kopftuch trägt, aber ihre reize dabei ganz und gar nicht versteckt)
    die goldene mitte müssen die ägypter, diese wunderbare, geniale volk, erst noch finden und bis dahin wird wohl noch viel wasser den nil runter fliessen…

  12. der witz an solchen regulierungsversuchen ist ja, dass sie eh meist das gegenteil bewirken.in manchen malls im noch strengeren saudi-arabien wird geflirtet und gedatet was das zeug hält – zumindest in jeddah, in riyad schon weniger.mit glitzernden abayas mit frechen sprüchen darauf versuchen manche frauen, zeichen gegen die herrschende (un)moral zu setzen, viele männer ziehen sich bewusst ‘überwestlich’ an (da kam dann auch die religionspolizei ganz schnell um die ecke). selten haben meine männliche bekannten ein einkaufszentrum mit so viel tel.nummern, neuen bekanntschaften und einladungen zu parties verlassen. die kehrseite der staatlich geförderten bigotterie sind aber eben die schon erwähnten sexuellen übergriffe, verschwiegener missbrauch und viele weitere persönliche konflikte junger menschen (schwangerschaft, “verbotene liebe”…) – weil darüber spricht man/ frau ja nicht. tatsache ist aber auch, dass viele frauen glauben, sie seien deshalb nur in diesen “goldenen käfigen” wie abgesonderten women’s floors u. frauenabteilen und unter langen schwarzen schleiern sicher – kein wunder, bei dem was sie manchmal erleben müssen. aber die dinge sind im fluss, in ägypten wie saudi-arabien bleiben diese regeln und zustände nicht unwidersprochen.

  13. Wehret den Anfängen … in dem postrevolutionärem Ägypten gibt es wichtigere Probleme zu lösen, als Konsumtempel wie City Stars mit Verbotsschildern in Kairo, von ausländischen Investoren (und dazu zählen meines Erachtens auch Saudis) mit sehr “tendiziösen Absichten” errichten zu lassen.
    Tatsächlich sind leider vermehrt “islamistische Strömungen” auch in Ägypten zu beobachten, die aber weniger daher rühren, dass die Religion mehr an Bedeutung gewonnen hat sondern vielmehr das Resultat einer zunehmenden Verarmung und Verelendung für einen Grossteil der Bevölkerung sind.
    Konsumtempel sind gedacht für die Wohlhabendenderen unter den Ägyptern, diese machen aber nur einen Bruchteil an der Gesamtbevölkerung aus.Ich empfinde es als eine Provokation, wenn man tagtäglich mit Luxusgütern umworben wird, die sich die Mehrheit der Bevölkerung niemals wird leisten können, und dann noch obendrein im sozialen Verhalten nach saudischem Vorbild reglementiert werden soll. Meine persönliche Konsequenz daraus … ich meide derartige Einkaufszentren oder aber ich widersetze mich den Verbotsschildern eines Unternehmens, das die Gesellschaftsordnung aus seinem Land in Ägypten anwenden will !

  14. Gerade in City-Stars, einer Einkaufsmetropole nach US-Vorbild, wo genau solche Minikleider verkauft werden, wirkt ein Verbotsschild derselben lachhaft. Ich bin auf die Auswirkungen im Alltag gespannt – das rechte Schild mit dem Minikleid ließe sich durchaus auch als Aufforderung zur Nacktheit werten…

  15. Ich kann da nur den “Tauheed wa Elnour” empfehlen: hier haengen schon lange Schilder, dass Frauen mit enger Kleidung unerwuenscht sind – Galabeya und Kopftuch ist die Mode des Kaufhauses!!! Als ich letzte Woche nach einer Jeans fuer Maedchen fragte, bekam ich (das Maedchen ist 15 Jahre alt!) die Antwort: ” So etwas fuehren wir hier nicht!!!” -und dazu ein abwertender Blick… Ich denke, da muss jeder fuer sich entscheiden, ob und wo er/sie einkauft. Ich persoenlich aber habe auch recht wenig Verstaendnis fuer Sonnentops und Minirock in der aegyptischen Oeffentlichkeit…

  16. bei tawheed wa el nour geh ich immer rein wie ich will, und das auch mal mit enger kleidung, bisher gabs nie probleme, auch keine doofen sprüche.

    und im city stars werden ja nicht nur minikleider verkauft sondern auch reizhaftes für drunter und das öffentlich,also komplett sinndlos die schilderaktion.
    beim skateboardfahren tricksen sie auch, viele haben diese schuhe mit integrierten rollen.

    ich denke das ist und bleibt ne sommerlochaktion.
    im citystars kaufen hauptsächlich familien mit geld und die leben großteils sehr westlich und da wird man sich durch schilder nicht beeindrucken lassen, ansonsten verlieren sie ja iher stammkundschaft.

  17. Auch wenn ich Saudi-Zustände in Ägypten selbstverständlich ablehen, aber die Frauen, die ich z.B. in Sharm El Sheikh im Bikini dorch die Ortschaft (!) laufen sah (teilweise von “jung und schön” schon Jahrzehnte entfernt) zählen zu den peinlichsten Dingen, die ich je sah …

  18. als erstes habe ich mal eine frage an den “reporter” … wieso trägst du noch den namen karim wenn du soviel gegen den islam hast. es ist ein islamischer name, al-karim ist einer der 99 namen von allah und von da stammt dein name ab.

    was ist daran so schlimm muss die ganze welt es akzeptieren dass ihr nackt rumlaufen wollt und schwule und lesben in der öffentlichkeit eher akzeptiert werden als eine frau die ihre religion liebt und auch praktizieren will und sich von daher verschleiert? Da schreien alle ooooh das geht aber nicht die müssen sich anpassen.

    integration bedeutet für euch doch komplett eure angewohnheiten nachzuahmen seien es die klamotten,feiern und gratulieren zu euren besonderen anlässen wie weihnachten geburtstage etc. und seine herkunft und religion wegzuwerfen um von euch anerkannt zu werden.

    wer seine religion so praktiziert wie es sein sollte ist gleich ein irrer fundamentalistischer islamist der sich ,sobald er die gelegenheit hat, mit 1000 andren menschen in die luft jagt,

    ICH FINDE ES GUT DIESES EINKAUFSZENTRUM !

    ich bin seit 2 jahren muslima und bin auch “Normal” hie rin deutschland aufgewachsen mit allen freiheiten und damals hab ich schwule und lesben schon nicht gemocht …

    in ägypten gibt es genug möglichkeiten an andren orten einkaufen zu gehen aber öffentlich so etwas zu boykottieren ist das allerletzte nur weil ihr hass auf eine religion habt. dann geht dorthin wo die homos sind einkaufen! Aber in diesem einkaufszentrum wird sicherlich keine ehefrau ihren mann an eine halbnackte frau verlieren die er dort beim einkaufen kennengelernt hat weil wir in unserer religion versuchungen aus dem weg gehen die uns schaden könnten …

    ich hab soviel auf der zunge was ich gern schreiben würde allerdings wäre es zu viel ich hoffe dass ihr trotzdem versteht wa sich meine und eure gehirnzellen mal dafür nutzt den sinn in den dingen zu sehen die euch vielleicht nicht gefallen….

    und an karim nochmal haschouma3lik ganz ehrlich tut mir leid dass ich das so sage find es echt traurig

  19. Hier sieht man wieder was für Träumer es gibt.
    Über 90% der Ägyptischen Frauen werden sexuell belästigt egal ob Kopftuch oder Burka.Über 60% der Männer geben das auch noch Stolz zu.Die Selbstverteidigungskurse sind voll!
    An Doppelmoral vielleicht nur von den Pakistanischen LKW Fahrern zu überbieten von denen 95% Sex mit Jungen haben.

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