Von Gebetsrufen, parlamentarischen Tagesordnungen und der Frage, welcher Abgeordnete der bessere Muslim ist

von Karim El-Gawhary

 

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Es ist ein kurioser Wettbewerb, von dem wir in den nächsten Monaten noch einiges, mitunter auch recht Unterhaltsames hören werden. Wer sind die islamischeren Politiker im ägyptischen Parlament und wer ist frömmer: die Muslimbrüder (47 Prozent der Sitze)  oder die Salafisten (24 Prozent)?

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Diese Woche bekamen wir einen ersten Vorgeschmack bei einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Parlamentspräsidenten, dem Muslimbruder Saad al-Katatny und dem schillernden salafistischen Abgeordneten Mamdouh Ismail.

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Ismail, der gerne seine Frömmigkeit nicht nur durch seinen Bart zur Schau stellt, stand mitten in der Debatte über die Straßenschlachten rund um das Innenministerium auf und  lies, zum Erststaunen der anderen Abgeordneten, seinen persönlichen Gebetsruf im Saal erklingen. Schließlich war es Zeit für eines der fünf Gebete am Tag.

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Katatny, der ohnehin schon die ganzen letzten Tage seine liebe Mühe hatte, im Parlament mit 80 Prozent Erst-Parlamentarier eine geordnete Diskussion zu gewährleisten, flippte aus, unterbrach den Gebetsruf und erklärte, dass dieser die parlamentarische Tagesordnung verletzte. Um dann noch ein scharfes „Sie sind nicht mehr Muslim als wir“ hinzuzufügen und Ismail darauf hinzuweisen, dass er doch in der parlamentseigenen Moschee weitermachen könne.

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Ein anderer Abgeordneter der Muslimbrüder, Sayed Askar  wies Ismail darauf hin, dass der Prophet auch erlaubt habe, Mittags- und Abendgebet zusammenzulegen, sollten das die Umstände erforderlich machen. Der Salafist Ismail indes, ließ sich nicht beirren und führte seinen Gebetsruf zu Ende.


4 Kommentare zu "Von Gebetsrufen, parlamentarischen Tagesordnungen und der Frage, welcher Abgeordnete der bessere Muslim ist"

  1. Mir ist das ein bisschen zu launig. Ägypten versinkt im Chaos, das Land hat Probleme ohne Ende, und die Abgeordneten haben nichts Besseres zu tun, als fünfmal am Tag zu beten? Ticken die noch richtig? Das alles wird die Demokratie in Ägypten noch mehr schwächen und zu noch mehr Entpolitisierung führen. Der Parlamentssprecher hat bewundernswert konsequent reagiert.

  2. ….das ist doch ihre sache und ihres Parlament da sollen die doch machen was sie für richtig halten….-übriegens das gebet der muslime habe ich gesehen dauert nicht länger als 5 minuten, da ist man mit eine kaffe tasse und eine zigarete länder dabei als 5 min… Es muss nich immer das richtig sein, was nur wir für richtig halten.

  3. Pharisäer =X

    In der Tat scheint Saad al-Katatny ein gewisses Unterhaltungstalent zu besitzen. Ich teile indessen ein Stück weit die Hoffunung Karim El-Gawharys , dass es sich hierbei nicht um die letzte Einlage dieser Art gehandelt hat. Ein bisschen Spaß muss sein.

  4. Mamdouh Ismail istnatürlich derjenige, der mit dem Unterhaltungstalent gesegnet ist =X

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