25.06.2012 von Karim El-Gawhary

Das ist Mustafa. Er hat mich heute ins Büro gefahren. Eigentlich hat er den letzten Premier Mubaraks und Wahlverlierer Ahmad Schafik gewählt. „Weil er einfach mehr Erfahrung hat und weiß, wie der Hase läuft“, sagt er.
Aber der Taxifahrer Mustafa ist auch ein perfektes Beispiel für den Pragmatismus der Ägypter, die vielleicht aufgrund ihrer 7000jährigen Geschichte und Gottgläubigkeit die Dinge manchmal in größeren Zeiträumen und mit Distanz betrachten.
„Gott hat uns jetzt den Muslimbruder Muhammad Mursi als Präsidenten gebracht“, beginnt er seine Wahlnachbetrachtung. „Vielleicht ist das besser, denn wenn Schafik gewonnen hätte, dann hätte es hier in Ägypten ein Blutbad gegeben“, meint er.
Wenn Mursi nichts liefert, dann werden ihn die Ägypter in vier Jahren einfach wieder abwählen, davon ist er überzeugt. Und wenn er Gutes vollbringt, „dann umso besser“. Außerdem habe auch Mursi sicherlich von der Erfahrung Mubaraks gelernt, dass man… weiter lesen
23.06.2012 von Karim El-Gawhary
Mehrere Sänger aus verschiedenen Orten des Sudan, mit unterschiedlichem ethnischem Hintergrund und Stammeszugehörigkeit , mit einer Botschaft:
“Nein zur Diktatur – es reicht”
In Khartum selbst kam es gestern wieder zu Brotunruhen, wie Al-Jazzera hier berichtet. Die Demonstranten kopierten nicht nur den vom arabischen Frühling bekannten Slogan “Stürzt das Regime”, sie skandierten vor den Polizisten:
“Wie hoch ist euer Lohn? Was kostet ein Pfund Zucker?”
23.06.2012 von Karim El-Gawhary
Und wieder einmal als spezielle Dienstleistung für die Leserinnen und Leser dieses Blogs. Die Tore im Spiel Deutschland- Griechenland mit stürmischem arabischem Kommentar.
„Ohhhhhhhhh Phillip Lahm öffnet den Weg mit einer Boden-Luft-Rakete. Ein wertvolles Tor“.
„Ohhhhhhhh babababababa Sami, Sami, Sami Kheeeeee-dira”
„Bababa Gooool, wenn man Klose so zum Kopfball kommen lässt, dann zahlt man den Preis. Schaut, schaut, wie spät der Torwart rauskommt“
„Goooool Goooool Goooool Reus der Kleine ummmm“
Ach ja und dann gab es noch zwei griechische Tore.
21.06.2012 von Karim El-Gawhary

Was für ein geniales Cover der nächsten Ausgabe des Economist.
“Ägypten in Gefahr”
Übrigens hatte das Ägypten-Cover des Economist im Sommer 2010 bereits echt prophetische Züge:

Nett auch, wie der “Egyptian Independent” heute seine Presseschau betitelte:
Mubarak ist tot und lebendig. Mursi und Schafik sind Präsident

17.06.2012 von Karim El-Gawhary

Chef des obersten Militärrates Muhamad Tantawi
Vergesst die ägyptischen Präsidentschaftswahlen.
Pünktlich nach Schliessung der Wahllokale hat das Militär gerade eine Übergangsverfassung veröffentlicht, die einem Militärputsch gleicht. Egal wer der nächste Präsident wird, das Militär ist von ihm unantastbar.
Das Militär wird bestimmen, wer in der verfassungsgebenden Versammlung sitzt und behält sich dennoch das Recht vor, gegen alle Entscheidung der verfassungsgebenden Versammlung ein Veto einzulegen.
Das Gesetz wird die Rechte des Militärs und seine Pflichten bestimmen, jeden anzuhalten und zu verhaften, die Gerichtsbarkeit zu bestimmen und die Frage zu definieren, wann das Militär Immunität besitzt.
Interessanterweise hat das Militär mit der Auflösung des Parlament die gesetzgebende Macht in seiner Hand und kann damit dieses Gesetz selbst bestimmen.
Kurzum: Das Militär als unantastbare intransparente Institution, die niemand zur Rechschaft ziehen kann, schreibt die ägyptische Verfassung und kann sich das eigene… weiter lesen
16.06.2012 von Karim El-Gawhary

aus mentalhelp.net
Erste Anzeichen von Überarbeitung. Gerade hatte die Deutsche Welle-TV für ein Livegespräch über die heutige Stichwahl am Telefon angerufen. Du bist in fünf Minuten dran, sagte der freundliche Herr vom Schaltraum. Ok, sage ich ihm, dann lege ich den Hörer noch ein wenig zur Seite.
Tat´s und lief in den Nebenraum, um meine ORF-Fernsehgeschichte für die ZIB-Nachrichten weiter zu schneiden, die in einer halben Stunde fertig sein musste. Bis meine Produzentin Iris mich beim Schneiden verwundert fragte: „Hast du nicht ein Livegespräch im anderen Zimmer?“
Also schnell in den Nebenraum gestürzt und den Hörer ans Ohr gerissen. Ich höre nur noch den Toningenieur …. Noch 30, noch 10 Sekunden …. Es hat gerade noch geklappt.
Ich bin offensichtlich kein Multi-Tasker. Vielleicht stand ich heute bei der Arbeit im Wahllokal auch zu lange unter Kairos Mittagssonne.
Auf diesem Link findet… weiter lesen
14.06.2012 von Karim El-Gawhary
Das hat Feuer, Feuer, Feuer, ruft er, in einer etwas leidenschaftlicheren Art als der ZDF-Kommentator. Aber mal ehrlich gesagt: möchte man da wirklich in der ersten Reihe sitzen?
11.06.2012 von Karim El-Gawhary

Heute bin ich mit einem vollkommen frustrierten Taxifahrer in mein Kairoer Büro gefahren. Wir kamen auf den Gesundheitszustand Mubaraks zu sprechen. Der hat sich seit dessen Überstellung ins Gefängniskrankenhaus verschlechtert, nachdem er letzte Woche zu lebenslang verurteilt worden war. Das Gefängniskrankenhaus ist extra für den neuen Häftling mit neuen Geräten ausgerüstet worden. Der gestürzte Diktator soll mehrmals am Tag ins Koma fallen.
Der Taxifahrer winkte unbeeindruckt ab und erzählte mir, dass seine 70jährige Mutter im Streben liegt, weil ihre Leber enorm geschwollen ist. Sie wurde vor ein paar Jahren falsch diagnostiziert und man hat ihr völlig falsche Medikamente verschrieben, die die ohnehin angeschlagene Leber angegriffen haben. Jetzt sei die Leber seiner Mutter völlig hin. Zwar gäbe es für ihren Zustand Spritzen, die aber existierten in Ägypten nicht. Dafür müsste die Mutter im Ausland behandelt werden und das kann er sich nicht leisten.
Diese Fotos sind acht Monate… weiter lesen