29.09.2012 von Karim El-Gawhary

So etwas kann einem nur in Kairo passieren. Gestern habe ich beim Ausparken mit meinem Jeep wenig glanzvoll einem benachbarten Fahrzeug noch im morgendlichen Halbschlaf eine nicht allzu kleine Schramme in den weinrot-metallic-Lack gefahren.
Ich hielt erst einmal an und sah mich nach dem Besitzer um. Der kam bereits wutentbrannt schreiend im Unterhemd in Verstärkung seiner beiden Söhne aus seinem Haus gerannt. Er brüllte mich an und seine beiden Söhne stellten sich hinter mich, um sicherzustellen, dass jeder Widerstand zwecklos ist.
Ich versuchte ruhig zu bleiben und den Mann freundlich anzublicken. Gab meinen Fehler zu (was in Ägypten nicht üblich ist). Betonte, dass es keinen Grund gäbe zu schreien, da ich meine vollste Verantwortung für den Vorfall erkläre und dass wir eine Lösung finden könnten, die darin liegt, dass ich für den Schaden aufkomme.
Das allein konnte die Wut meines Gegenüber nicht bremsen, der… weiter lesen
22.09.2012 von Karim El-Gawhary
Seit über zwei Jahrzehnten arbeite ich im Medienzirkus mit. Der agiert meist nach einem Grundprinzip. Berichtet wird nur, wenn es knallt, wie gestern wieder bei Auseinandersetzungen, um den Muhammad-Schmähfilm in Pakistan. Die beleidigten Muslime sind wieder einmal nicht zu bremsen
Derweil wäre die eigentliche Nachricht gewesen, zu berichten, dass es trotz neuer französischer Karikaturen bei den üblichen Verdächtigen nicht geknallt hat, vor allem in der Arabischen Welt gestern, nach dem Freitagsgebet. Anders als noch vor einer Woche in Kairo, Khartum, Sanaa und Tunis.
In Kairo jedenfalls war der Zoobesuch gestern attraktiver, als der Protest vor der französischen Botschaft, vor der gerade einmal 20 (in Worten zwanzig) Männer demonstrierten.
In Erinnerung an diese Tage werden in Europa und den USA wohl Bilder bleiben, die besser ins Bild passen, wie auf dem letzten Cover des US-Magazins Newsweek zu sehen, das aber immerhin zu eine kleinen Kontroverse geführt hat.… weiter lesen