Ikea retuschiert im saudischen Katalog einfach die Frauen zwischen den Möbeln weg

 

Foto: rt.com

 

Photoshop macht es möglich: In vorauseilendem Gehorsam hat man Frauen und Mädchen aus dem internationalen Ikea-Katalog verschwinden lassen, der in Saudi Arabien verteilt wird. Um der lokalen Tradition Genüge zu tun, die gerne auch mal eine Hälfte der Gesellschaft vergisst.

 

Aber um Möbel auch im erzkonservativen Saudi Arabien verkaufen zu können, drückt so ein Weltkonzern schon einmal ein Auge zu und erfindet ziemlich schwache Ausreden. Beispielsweise, dass ein Subunternehmen für den Katalog zuständig sei.

 

 

Denn der Konzern habe „einen klaren Verhaltenskodex“ mit der Gleichstellung von Männern und Frauen als Bestandteil, sagt die Ikea-Sprecherin Ylva Magnusson. Für den saudiarabischen Katalog sei die Holdinggesellschaft Inter Ikea zuständig.

 

Ikea veröffentlichte eine Erklärung, in der es sich entschuldigte. “Wir hätten reagieren und verstehen sollen, dass der Ausschluss von Frauen aus der saudiarabischen Version des Katalogs in Konflikt mit den Werten der Ikea-Gruppe steht”, heißt es dort.

 

Es würde natürlich auch keine deutsche Autofirma auf die Idee kommen, keine Luxuskarossen nach Saudi Arabien zu verkaufen, bis dort auch die Frauen auf Gas drücken dürfen. Eine dieser Firmen hatte sich unlängst mit einer Kampagne „Gemeinsam zum Stern“ auf das Sponsoring von Frauenfußball verlegt. Hier ein kurzes Werbevideo.

 

YouTube Preview Image

 

 

Damals stellte ich in meinem Blog die bescheidene Frage: kann man sich als Firma den Frauenfußball ans Revers stecken und gleichzeitig Autos nach Saudi Arabien verkaufen, wo Frauen nicht das Recht haben hinter dem Steuer zu sitzen?

 

 

Also, ob deutsche Auto- oder schwedische Möbelfirma, den Petrodollar-Markt Saudi Arabien will man nicht auslassen. Aber warum soll sich schließlich die Geschäftswelt anders verhalten als die Politik?

 

Und manchmal helfen die Multinationalen sogar den Saudis.  Etwa bei der neusten McDonald Kampagne mit dem Titel „Die Familie für Immer“,  in der das Unternehmen die Saudis davon überzeugen will, wenigstens einen Tag in der Woche offline zu bleiben.

 

Also das hier nicht zu lesen, sondern mit der Familie auf ein paar Burger zu gehen. Aber nicht vergessen: nur der Vater fährt. Der Rest der Familie kann sich unterdessen im Auto mit dem frauenfreien Ikea-Katalog vergnügen.

 

 

Kommentare (4)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

CAPTCHA-Bild

*

  1. @Photoshop?

    Photoshop! Im Badezimmerspiegel sieht man noch den Schatten der Frau, die nicht mehr dasteht. Da hat sich einer einen Wolf gephotoshopt.

    Ich gehe im Übrigen nicht davon aus, dass die Oberen von IKEA von solchen Dingen nichts wissen. IKEA ist ein durch und durch heuchlerischer Konzern. Die Regeln für Corporate Governance vergessen die doch, sobald sie sie in den butnten Katalog gedruckt haben.

  2. Aber irgendwie entsteht durch den frauen”freien” Katalog auch ein seltsames Männeridyll, nicht? Der Mann am Herd, der Mann, der das Kind betüdert — sieht sich der Saudi so? Wirkt das da nicht ebenso fremdartig und irgendwie auch fortschrittlich? “Nein, Schatz, den Abwasch in unserer neuen Küche machst jetzt du! So macht es doch auch der Mann im Ikea-Katalog!” “Aber doch nur, weil da keine Frauen gezeigt werden…” “Woher willst du das wissen, Schatz? Männer machen alles im Haus, sagt der Katalog! Also tu’s!”

  3. Mit Photoshop retuschiert? Zumindest im unteren Bild unterscheiden sich ja doch beide Varianten durch einige Details (z.B. der Stuhl steht an anderer Stelle, der Schal liegt anders). Daher denke ich, den Katalogmachern wurden eigene Fotos zur verfügung gestellt, also waren die Haupt-IKEAs wohl doch nicht so unwissend…

  4. Das Frauen in Saudi-Arabien kein Auto fahren dürfen finde ich sehr gut, nur sollte das Verbot auch auf Männer ausgeweitet werden! Nieder mit der Autoindustrie und deren Mitarbeitern!

    Ich fahre auch nur mit dem Fahrrad und empfinde Autofahrern gegenüber nichts als Verachtung