Kairo: Mit Sprühfarbe gegen sexuelle Belästigung

AP via taz

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Die Belästigung von Frauen auf der Straße ist in Kairo zu einer Epidemie geworden. Ein Sprecher der ägyptischen Präsidenten Muhammad  Mursi erklärte letzten Dienstag, dass alleine während des Bayram-Festes letzte Woche 735 Anzeigen wegen sexueller Belästigung bei der Polizei eingegangen sind. „Wir müssen alle Phänomen des moralischen Verfalls bekämpfen, ganz besonders die Belästigungen auf Ägyptens Straßen“, heißt es in der präsidialen Erklärung.

 

Darauf will die neu gegründete Gruppe „Fasst die Belästiger“ , erkennbar an ihren gelben Westen, nicht mehr warten.

 

Sie hat eine Art Bürgerwehr geschaffen nicht nur um Frauen zu schützen. Die Aggressoren werden mit Sprühfarbe markiert.

via Egypt Independent

 

Ob das hilft, dabei immer die richtigen markiert werden und die Bürgerwehr nicht selbst zu Problem wird? Und wo ist eigentlich die Polizei? Diskussion erwünscht!!!

 

Kommentare (14)

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  1. Rufmord jetzt noch einfacher gemacht! Sehr sinnvolle Idee…

  2. Interessant, welche Ritterlichkeit es unter Männern noch gibt. Riskieren ihre Gesundheit, um Belästiger mit Farbe zu besprühen? Für “Gotteslohn” und um aus anderen Ländern sich sagen zu lassen, daß in jedem Mann ein Vergewaltiger steckt.

  3. Gute Idee, diese Sprühfarbe. Ich wollte mich schon immer mal bei einem ehemaligen Kollegen rächen. Da brauche ich ihm nur etwas Farbe ins Gesicht sprühen und schon wird er vom Mob als Sexualstraftäter gelyncht.

  4. @Brigitte
    Was meinst du,wie hoch der Belästigungsgrad OHNE Verhüllung erst wäre

  5. Wesentlich wünschenswerter wäre es, wenn solche Männer, die zwar Frauen mögen, aber keine Übergriffe, in den entsprechenden Momenten den Mund aufmachten und von den Tätern Rechtfertigung verlangten.
    Das kann so eine Bürgerwehr auch tun: Großmäuler und Hasardeure vor Ort, im gleichen öffentlichen Raum auffordern, sich zu erklären.
    Daran könnte ich nichts Verwerfliches erkennen: “wir sehen Dich, wir finden es nicht gut, was Du tust, wir zeigen auf Dich und wir wollen, daß Du Dich erklärst.”
    Es muß immer alles mit Hinsehen anfangen.
    Wenn das der Job einer Bürgerwehr ist, habe ich kein Problem mit ihr und würde mir hier in Berlin für das eine oder andere Thema auch noch eine gelbe Weste anziehen. Die würde ich übrigens auch brauchen. Denn manche Leute und manche Dinge kann man auch hier nur noch ansprechen, wenn man als uniformierte Gruppe auftritt. Das wird in Ägypten nicht anders sein.
    Aber die Sprühfarbe würde ich daheim lassen. Wer wird schon mit mir reden, wenn er fürchten muß, ich könnte die Sprühdose ziehen, sobald mir seine Antwort nicht gefällt?

  6. Irgendwie verstehe ich die Welt nicht mehr. Immer wurde mir gesagt, daß imOrient, die Frauen auch deswegen bedeckt bekleidet sind, damit sie nicht belästigt werden und dann liest man so etwas.

  7. Sich zur Wehr zu setzen, durchaus auch organisiert, ist immer eine gute Idee, aber das kann natürlich nur der 1. Schritt sein, danach müssen rechtliche Schritte folgen. Interessant wären hier 2 Punkte: 1) wie verhält sich denn die umstehende Bevölkerung, bekommen die betroffenen Frauen und die Bürgerwehr Unterstützung oder wenden sich die Umstehenden dann verstärkt gegen Sie? Und was passiert mit den erwähnten Anzeigen? Werden die jetzt von offizieller Seite ernst genommen oder gibt es nur leeres Gerede? Bei Spiegel Online wurde vor etlichen Monaten berichtet, dass eine Ägypterin Anzeige erstattet, der Man verurteilt, aber kurz darauf wieder frei gelassen wurde. Wenn das immer noch der Fall ist, dann wäre Öffentlichkeitsarbeit und juristische Aufklärung genauso wichtig wie die Sprüh-Aktion.

  8. Sich zur Wehr zu setzen, durchaus auch organisiert, ist immer eine gute Idee, aber das kann natürlich nur der 1. Schritt sein, danach müssen rechtliche Schritte folgen. Interessant wären hier 2 Punkte: 1) wie verhält sich denn die umstehende Bevölkerung, bekommen die betroffenen Frauen und die Bürgerwehr Unterstützung oder wenden sich die Umstehenden dann verstärkt gegen Sie? Und was passiert mit den erwähnten Anzeigen? Werden die jetzt von offizieller Seite ernst genommen oder gibt es nur leeres Gerede? Bei Spiegel Online wurde vor etlichen Monaten berichtet, dass eine Ägypterin Anzeige erstattet, der Man verurteilt, aber kurz darauf wieder frei gelassen wurde. Wenn das immer

  9. “name and shame”, wie oben von maria angesprochen, ist auch der weg der betreiberInnen von http://harassmap.org/, einer initiative, die 2011 unter den gewinnerInnen des world youth awards war. neben der namensgebenden interaktiven karte, die sexuelle belästigung von frauen in fetten roten ziffern auf der ägyptischen landkarte anzeigt, arbeitet die initiative m.w. auch mit anderen mitteln an bewusstseinsbildung und lobbying für die opfer. ein ausgesprochenes ziel der initiative ist es, durch den hinweis auf “hot spots” auch für verstärkte präsenz der polizei an ebendiesen zu sorgen… ob die strategie aufgeht? keine ag´hnung, das bräuchte wohl eine recherche vor ort.

  10. Also eine Art der Markierung wäre schon sinnvoll, nur denke ich das Sprühfarbe auf dem T-shirt nix bringt, die ziehen es einfach aus, waschen es oder kaufen ein neues. Besser wäre da wasserfeste Tinte wie hier bereits geschrieben wurde und damit ab ins Gesicht, sichtbar für alle.

    Natürlich kann das nicht die Lösung sein. Frauen müssen mehr Mut haben “zurückzuschlagen”, ihren Peiniger dann auch anzuzeigen oder dann mit dme Handy irgendwie bildlich festhalten als Beweis. DIe sozialen Netzwerke helfen da sicher ungemein sowas öffentlich zu machen und zumindest so an einigen “Rache” zu üben, wenn man sie schon nicht festnehmen kann.

    Dennoch sollte die Regierung da was tun. Wie allerdings viele vermuten und ich persönlich auch, liegt es an der extremen religiösität des Landes, die Leute schauen dich an wenn du zu viel Unterarm oder Knöchel zeigst, sie machen vor nix halt. In Europa interessiert es keinen mehr wie nackig man auf der Straße rumläuft, ob bauchfrei, minirock oder ärmelos, es ist Alltag und interessiert keine sau. Ich denke wenn sie das ganze etwas lockern würden im Land, würden sich die Männer irgendwann dran gewöhnen und dann wäre schon vielen geholfen, weil sie nicht mehr auf jede Frau anspringen die vorbeiläuft.
    Aber leider kapieren es weder Regierung noch die religiösen Oberhäupterim Land das Religion mit den sexuellen Belästiungen zusammenhängt und als Lösung greifen sie zum einfachsten, weil sie u.a. auch sich selbst keine Schuld eingestehen wollen, das die Männer hier wie Tiere sind, daher ist für sie dann meist die Frau schuld, egal ob sie verschleiert ist oder nicht, sie finden immer irgend einen erfundenen Grund.

    Dazu kommt auch das sich viele Frauen das gefallen lassen und somit den Männern indirekt nur noch mehr Macht geben. Wenn sie einfach mal zurückschlagen, sei es die Ohrfeige oder die Nagelfeile als Waffe oder die wasserfeste Tinte usw. denke ich würden schon einige nicht mehr belästigend werden, weil sie wissen das es Frauen gibt die sich ds nicht gefallen lassen und es dann ernsthafte Konsequenzen für den Mann geben wird.

  11. Wie gehen die Deutschen damit um? Zum Beispiel hatte ein Deutscher letztes Jahr ein Folterkammer gebaut und eine israelische Frau darin eingekapselt. Was ist die Lösung der Deutschen gegen solche Ereignisse?

  12. Ich finde es primär traurig, dass eine derartige Initiative überhaupt notwendig ist. Sie zeigt zum einen die Situation der Frauen in Kairo auf, zum anderen aber das offensichtliche Fehlen des notwendigen Einschreitens der Exekutive. Dass die Initiative auf Sprühfarbe statt auf Gewalt setzt ist begrüßenswert und irgendwie auch originell. Ich persönlich glaube nicht, dass eine derartige Maßnahme zu mehr Agression führt, sondern dass die Methode des “shaming” durchaus effektiv sein kann. Allerdings haben derartige Initiativen auch immer das Potenzial auszuarten – Selbstjustiz ist immer mit Vorsicht zu genießen.

  13. Also, zwei Freundinnen von mir haben vor Jahren in einer ägyptischen Zeitung dazu aufgerufen, die Belästiger mit mit Tinte gefüllten Spritzpistolen zu markieren. Warum? Die guten Herren lassen ihre Wäsche von ihren Mamas bzw. Frauen waschen. Belästigen sie die Frauen auf der Straße, und werden sie markiert, haben die Frauen in der Familie die Möglichkeit, den Herren die Leviten zu lesen. Sicher keine schlechte Idee. Ob das mit der Bürgerwehr etwas bringt, oder ausufert? Keine Ahnung. Aber die Belästigungen auf Kairos Straßen sind so schlimm geworden, Downtown ist ein Spießrutenlauf, und anders lernen sie es nicht. Die Damen in der Familie hatten schon genug mit der Belästigung zu tun gehabt, und auf diese Art und Weise stechen sie raus.

    Ob es in dem Gewurl gerade in Downtown immer die richtigen treffen wird, ist noch eine Frage…

  14. Über die Sinnhaftigkeit der Bestrafung – des Besprühens – bin ich mir nicht sicher. Vielleicht werden dadurch nur noch mehr Aggressionen bei den Tätern geschürt?
    Oder wird sie das tatsächlich davon abhalten, weil sie fürchten, dann gesellschaftlich – zurecht – gestraft zu werden?
    Aber wie ist die Stimmung in der Bevölkerung? – wird jemand, der mutmaßlich Frauen belästigt, tatsächlich vom breiten Teil der Bevölkerung dafür verurteilt?

    Zudem muss dafür gesorgt werden, dass die Fälle aufgeklärt werden. Anhand von zuverlässigen Aussagen die Täter eindeutig identifziert werden. Wird unfair geurteilt, wird diese Methode – zurecht – keine Wirkung zeigen.

    Außerdem kann sich eine Bürgerwehr sehr schnell zum Selbstläufer entwickeln – wer so viel Macht besitzt, kommt ohne fundierte Ausbildung oft nicht damit klar.
    Manchmal nicht einmal mit einer solchen Ausbildung.