Chinesische Weihnachtbäume im islamischen Ägypten

Weihnachtsbaum Händler Kairo 1

Oder: Warum die Ägypter schon vor den festlichen Bäumen saßen, als die Europäer noch auf ihnen kletterten 

 

 

 

Hassan Abu Daous verkauft seit einem halben Jahrhundert Weihnachtsbäume in Kairo. Ausländer sind seine Kunden, aber auch Muslime und christlichen Kopten, die ihr orthodoxes Weihnachten erst am 7. Januar feiern. Aber da Ägypter immer alles lieben, was leuchtet und glänzt, gibt es dort zahlreiche Menschen die kein religiöses, sondern eher ein Kulturweihnachten feiern und dazu gehört unbedingt ein Weihnachtsbaum.

 

Dieses Jahr ist es allerdings ziemlich flau mit dem Verkauf, erzählt der muslimische Christbaumverkäufer Hassan. „Solche Bäume kaufen die Menschen, wenn sie glücklich sind und es ihnen gut geht“, erklärt der den Käuferschwund. Kairo in der Krise, mit dem Streit um die Verfassung und den Auseinandersetzungen auf der Straße zwischen Islamisten und Opposition, da will dieses Jahr keine so rechte Weihnachtsstimmung aufkommen.

 

Was übrigens den Handel mit den Bäumen angeht, ist der ebenso einem Wandel unterworfen, wie die gesamte arabische Welt, wenngleich weniger turbulent. Früher wurden Tannen und Fichten aus Österreich, Holland oder Skandinavien importiert. Die ganz teuren wechselten für umgerechnet mehrere hundert Euro den Besitzer, was natürlich schon ein kleiner Hinweis darauf ist, dass es sich bei den ägyptischen Kulturweihnachtlern meist um die Spezies der verwestlichten ägyptischen Oberschicht oder um ziemlich verzweifelte und sehnsüchtige Ausländer handelte. Das hat sich allerdings in den letzten zwei Jahren geändert. Denn seitdem gibt es auch in Ägypten gewachsene Fichten, die in einer Plantage am Mittelmeer, irgendwo in der Nähe von Alexandria gezüchtet werden. Wo genau, bleibt Hassans Geschäftsgeheimnis, nicht dass jemand auf die Idee kommt so einen Baum direkt im drei Autostunden entfernten Alexandria abzuholen.

 

Zugegeben, die ägyptischen Fichten von denen mehrere Dutzend vor einer Banananstaude vor seinem Laden stehen, sehen etwas schmächtig aus und die Abstände zwischen den Ästen geben ihr nicht das Antlitz einer vollen Alpentanne. Aber sie werden gekauft, weil sie bei Hassan schon für umgerechnet 20 Euro zu haben sind. Wer trotzdem eine importierte kaufen will, der steigert sich dieser Tage zu einer chinesischen Fichte. Denn auch diesen ägyptischen Markt haben die eifrigen Ostasiaten entdeckt und haben damit die europäischen Bäume vom Markt verdrängt. Damit haben die Chinesen praktisch die letzte ägyptische Marktlücke ausgefüllt. Die Ägypter kaufen inzwischen nicht nur vorzugsweise die wesentlich billigeren chinesischen Autos, selbst die Laternen mit denen die Kinder im Fastenmonat Ramadan herumziehen, und die gerne mal ein „Allahu Akbar“ – von sich geben, sind made in China. Da sind chinesische Christbäume nur konsequent.

 

 

Jetzt finden Sie das sicher etwas komisch: chinesische Weihnachtbäume in einem vorwiegend von Muslimen bewohnten Land. Derweil hat der gute alte Weihnachtsbaum möglicherweise seine Wurzeln im alten Ägypten. Einige ägyptische Archäologen glauben, dass die Tradition des christlichen Grüns ihren Ursprung in dem pharaonischen Fest des Lebensbaumes hat, , also aus einer Zeit stammt, in der die Bewohner der heutigen Kernländern des Weihnachtsbaumes  wahrscheinlich eher noch auf den Bäumen saßen.

 

Im alten Reich der Ägypter wurde aus Anlass des Geburts- und des Königstages des von ihnen verehrten Gottes Horus ein Pinienbaum aufgestellt. Auch der wurde festlich geschmückt,  damals allerdings  mit nachgemachten Horus-Köpfen und nachgebildeten Händen und Augen. Die sollten vor dem bösen magischen Blick schützen.

 

 

 

Das Fest ging auf den Mythos von Osiris, Isis und Horus zurück: Osiris, der Gott des Lebens und Symbol der Fruchtbarkeit, wurde von seinem Bruder und Widersacher, dem vom Teufel besessenen Seth, umgebracht und in den Nil geworfen. Die Wasser trugen die Leiche bis an den Mittelmeerhafen Byblos im heutigen Libanon. An der Stelle, an der Osiris angeschwemmt wurde, reifte, so die Überlieferung, ein Baum heran.

 

Isis, die verzweifelte Witwe des Lebensgottes, bekam schließlich von einem Storch einen heißen Tipp über den Verbleib ihres ermordeten Gatten und machte sich auf den Weg nach Byblos auf der Suche nach dem Geist ihres Mannes. Als sie schließlich den Baum fand, nahm sie das spirituelle Gewächs mit zurück nach Ägypten und pflanzte es in ihren Garten. Mit Hilfe des Baumes und des Geistes ihres Gatten wurde sie schließlich schwanger und gebar den Gott Horus. Wobei wir wieder erkennen, dass das mit der unbefleckten Empfängnis auch keine christliche Erfindung ist.

 

Die spätere ägyptische Pharaonin Kleopatra soll schließlich ihren römischen Liebhabern das Fest des Lebensbaumes oder Isis-Baumes, wie er in manchen Quellen genannt wird, schmackhaft gemacht haben. Von dort gelangte der Brauch am Ende nach Europa, wo sie inzwischen heruntergeklettert sind und singend vor den Bäumen sitzen.

 

 

Kommentare (6)

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  1. Hallo,

    ich lese Ihre Artikel sehr gerne, aber ein kleiner Fehler ist mir aufgefallen. Sie vermengen monotheistischer mit polytheistischer Mythologie.

    Seth war nicht besessen vom Teufel. Seth war der Gott des Chaos und hatte einfach nur eine Feindschaft mit dem Falkengott. Wie bei vielen polytheistischen Religionen war seine Ausprägung ambivalent. Er war ebenso Sturmgott sowie Beschützer von Königen…

    Beim vielen polytheistischen Religionen geht es meist um Bestimmung.
    Seth der Osiris töten muss um seine Wiedergeburt zu ermöglichen.
    Loki der Hördr tötet, damit dieser nach Ragnarök die Geschicke der Menschen leiten kann.
    Helena von Troja, die mit der Gabe gesegnet wurde die Zukunft zu sehen, aber mit dem Fluch, das Schicksal nicht ändern zu können.

    Ansonsten sehr schöner Artikel. Und ich freue mich auf mehr Arabesquen!

  2. Kelten?
    Die Altägyptische Kultur reicht viel weiter zurück!

  3. Das mit Ägypten war mir neu. Ich dachte immer es wäre eine Europäische Tradition, speziell auch in Verbindung mit der Coca Cola Werbung aus den 50ern.

  4. Schöne Geschichte mit Arabeske bzw. Quark mit Soße. Das Alte Ägypten ist ein Konstrukt Europas, denn es waren europäische Wissenschaftler, die das alte Ägypten erst erschlossen, folglich wundert es auch nicht, dass die heutigen Einwohner immer noch auf ausländische Ägyptologen angewiesen sind und die Bauwerke und Mythen nur aus finanziellen Gründen am Leben lassen.
    Der Osirismythos ist sehr schlecht dargestellt worden, eigentlich verfälscht, was besonders stark der islamischen Auffassung des Mythos entspricht, doch eine billige Verfälschung darstellt.

  5. Tja, damals war die Welt noch in Ordnung in Aegypten…

    Schoene Geschichte :)

  6. Sehr schöner ( möglicher ) Hintergrund für einen doch recht seltsamen Brauch, der aber wohl eher aus dem Keltentum abzuleiten ist. Vielen Dank dafür, daß wir jetzt “von den Bäumen runter” sind ;-)