Studenten in Handschellen: Das geht auch die Uni Stuttgart und Ulm an

 

Das ist ein Foto, das sich die Universitäten Stuttgart und Ulm genau ansehen sollten. Es zeigt die Studentin Alaa Al-Atar trotzig lächelnd, aber in Handschellen nach ihrer Prüfung an der der German University Cairo, die eine Partneruni der beiden deutschen Universitäten ist. Ich hatte damals über die Gründung der GUC geschrieben, als die Uni 2003 vom damaligen Kanzler Gerhard Schröder in Kairo feierlich als erste komplette deutsche Auslandsuniversität eingeweiht worden war.

Zu diesem Anlaß hatte ich auch ein Interview mit der damaligen deutschen Wissenschaftsministerin Edelgard Buhlman gemacht. Auf meine Frage, ob die Anschläge des 11. September für die Grüdnung einer Deutschen Uni in Kairo eine Rolle spielten, antwortete die Wissenschaftsministerin:

„Die Initiative ist älter als der 11. September, aber natürlich ist eine solche Gründung wichtig, um gegenseitige Toleranz zu schaffen. Wissenschaft und Forschung führen zum Respekt vor den anderen und sind damit eine wichtige Voraussetzung, dass Menschen nicht zu Doktrinären werden“.

nDie folgenden Informationen zur Vorgeschichte habe ich dem Blog Egyptian Chronicles entnommen. Angefangen hatte es an der privaten German University Cairo GUC mit Protesten der Studenten, nachdem die Studentin Yara Tarek auf dem Parkplatz der Uni von einem Universitätsbus überfahren wurde. Die Studenten begannen einen Streik für bessere Sicherheitsmaßnahmen, weil bereits zuvor zwei weitere Studenten dort von Bussen angefahren worden waren. Nachdem Verwaltung der Uni zunächst den Studenten gedroht haben soll, sie anzuzeigen, einigte sie sie sich mit der Studentenunion anscheinend, dass alle Studenten die die Halbjahresprüfungen boykottiert hatten, diese nachholen dürfen und das der Fall damit erledigt sei.

Monate später hat die Univerwaltung nun doch beschlossen, den Vorsitzenden der Studentenunion und zehn weitere Studenten anzuzeigen, weil sie den Universitätschef und dessen Wächter angeblich tätlich angriffen haben sollen.

Drei Studenten wurden vor die Staatsanwaltschaft vorgeladen. Der Vorsitzende der GUC- Studenten Union Hazem Abdel Khalek, sein Vize Karim Nagib und die Studentin Alaa Al-Atar.

Auf diesem Video scheint der Vorfall mit dem Universitätschef zu sehen zu sein. Die Studenten fassen das Fahrzeug nicht an. Hazem Abdel Khalek fordert seine Mitstudenten sogar auf, das Auto nicht anzufassen, obwohl sie wütend sind, weil sie den Universitätschef angeblich gehört haben, als der seinen Fahrer aufgefordert haben soll, die Studenten anzufahren.

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Hier ein Video der Studentin, in der die Studentin Alaa Al-Atar, die oben in Handschellen zu sehen ist, über die Vorfälle an der GUC spricht.

Die Geschichte hat es inzwischen auch in die ägyptischen Medien geschafft. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wie eine Universitätsverwaltung nicht auf die Studenten eingeht, nach dem eine Mitstudentin überfahren worden ist. Noch absurder ist es, die Studenten zur Staatanwaltschaft zu schicken. Ich denke es wäre an der Zeit, dass sich die deutschen Partneruniversitäten Stuttgart und Ulm zu Wort melden.

 

Kommentare (4)

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  1. @ Hilft irgendetwas zwecks positiver Veränderung?

    Als Nanorädchen im Lauf der Geschichte fühle ich mich schlichtweg machtlos der Situation gegenüber. Ich wüsste nicht einmal, zu welcher Demo ich sinnbringend gehen könnte oder welche Institution ich nerven könnte so wie zum Beispiel die Führungsetage eines der großen Nachtsupermärkte in Berlin, deren Mitarbeiter nur alle sechs Stunden auf Klo gehen dürfen. Lokal handeln fürs Globale … nicht immer einfach. Bringt ja alles nichts, abgesehen von internationaler Aufmerksamkeit bei Schicksalen wie dem von Alaa Al-Atar.

    Oder sehe ich Ägyptens Entwicklung zu pessimistisch?

  2. Was an der Deutschen Universität passiert, ist nichts anderes als ein Mikrokosmos des grösseren Ganzen. Eines repressiven maschistischen Militärstaat, der die Menschen mit holen nationalistischen Parolen abtut. Es tut sich nichts in Aegypten, kein wirtschaftlicher Aufschwung, keine Verbesserung der Infrastruktur, keine besseren Lebensbedingungen. Nur der Sicherheitsapparat, der wütet wie eh und je. Dies schreibt eine Zeitgenossin, die den politischen Islam ablehnt ebenso das repressive Gebärden der jetzigen Machthaber.

  3. Würde das undemokratische Ägypten dann nicht drohen, die Unis von Stuttgart und Ulm als ausländische Organisationen auch aus dem Land werfen?!