29.11.2011 von Karim El-Gawhary

Ich bin heute das erste Mal in meinem Leben in Ägypten wählen gegangen. Das war für mich ein Meilenstein, das in Kairo zu tun, was für alle in Deutschland, Österreich und der Schweiz selbstverständlich ist.
Als ich meinen Wahlzettel in die Unre gesteckt habe, musste ich an alle denken, die in diesem arabischen Frühling ihr Leben gelassen haben, um das zu erreichen. So weit zu der oft selbstgefällig gestellten Frage, ob die Araber reif sind für die Demokratie. Wie viele Deutsche, Österreicher und Schweizer würden sich stundenlang in einer Schlange aufstellen, um ihre Stimme abzugeben.
Hier ein Link zu einem Radio-Gespräch über meine Erfahrung als ägyptischer Erstwähler. Die nichtabwaschbare Tinte auf dem Finger dient als Sicherung nicht zweimal zu wählen. In den letzten zwei Wahltagen haben sich die Ägypter stolz gegenseitig ihren Finger gezeigt.
Wir haben turbulente Zeiten hinter uns und vor uns. Jemand hat den arabischen Frühling… weiter lesen
23.03.2011 von Karim El-Gawhary
Seit Tagen hatten sie in der Kleinstadt Deraa im Süden Syriens, unweit der jordanischen Grenze gegen das Regime protestiert. Bei Angriffen der Sicherheitskräfte waren bereits in den letzten Tagen mindestens fünf Menschen umgekommen. Das Zentrum dieses Aufstandes ist die alte Omrani-Moschee im Zentrum der Stadt, in der auch die Verletzten behandelt werden.
Zunächst wurde der Strom abgeschaltet, dann wurde die Moschee heute in den frühen Morgenstunden gestürmt. Es ist noch unklar, wie viele Menschen umgekommen sind und verhaftet wurden. In dem folgenden Video von der letzten Nacht in Deraa ist leider nicht viel zu sehen, trotzdem vermittelt es eine Atmosphäre, bei der man sofort eine Gänsehaut bekommt.
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“Ihr Verräter wagt es auf euer eigenes Volk zu schießen. Ihr seid unsere Brüder”, ruft ein Mann, als die ersten Schüsse fallen.
Laut Twitter-Tweeds sind die Sicherheitskräfte um 2:13 in die Moschee eingedrungen. Zehn Minuten später kamen die… weiter lesen
18.02.2011 von Karim El-Gawhary
Es geht Alles so rasend schnell. Soll man heute nach Bahrain blicken, wo die Toten von gestern begraben werden und sich die Begräbnisfeiern wahrscheinlich zu einem neuen Höhepunkt der Demonstrationen gegen den König entwickeln werden. Schon gestern nachdem der Lulu Platz, der Platz der Perle, brutal geräumt worden war, wanderte der Protest einfach in die Krankenhäuser weiter, wie dieses Video zeigt.
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Oder soll man nach Libyen schauen, wo Gaddafi versucht den Aufstand unter Ausschluss der Öffentlichkeit niederzuschlagen, indem er Polizei, bezahlte Schläger und eine SMS aussendet, die die Menschen warnt gegen das Regime auf die Straße zu gehen, weil scharf geschossen wird. Auch hier werden die heutigen Freitagsgebete ein wichtiger Indikator sein, wie es weitergeht.
Ägyptische Blogger versuchen eine Landkarte des Aufstandes in Libyen zu erstellen
Die Antwort der Regime ist überall gleich: sie setzten ihren Sicherheitsapparat als einzige Antwort ein und versuchen die Menschen einzuschüchtern.… weiter lesen
21.01.2011 von Karim El-Gawhary
An den tunesischen Stränden herrscht derzeit gähnende Leere. Beispielsweise in Hammamet, eine Autostunde von Tunis entfernt.
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Unweit des Strandes sticht eine besonders große und vornehme Villa ins Auge. Sie gehörte dem Diktator Ben Ali und seiner Frau Leila Trabelsi. . Hinter den hohen weißen Mauern in kein Laut zu vernehmen. Das Wächterhäuschen an der eisernen Eingangspforte ist verlassen. Dort kann man mit einem Knopf spielen, die die Schranke zu Einfahr auf und zu machen. Ich habe mal angeklopft. vergeblich.
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Hier finden sich meine beiden gestrigen Fernsehbeiträge aus Hammamet
Ein kurzer in der ZIB
Ein längerer in der ZIB 24
Heute ziehe ich los, um das Thema „tunesische Islamisten“ zu recherchieren. Denn in Europa wird immer wieder die Furcht, laut, dass sie das poltische Vakuum füllen könnten. Aber wer sind sie überhaupt? Sind sie stark ,radikal, moderat? Demnächst gibt es hier… weiter lesen
18.01.2011 von Karim El-Gawhary
Die Gretchenfrage lautet: werden die Tunesier die jetzt geformte Übergangsregierung anerkennen, in der mehr alte als neue Gesichter sitzen und das besonders in den strategisch wichtigen Ministerien? Haben sich die Tunesier in ihrem Aufstand noch in der Zielgeraden über den Tisch ziehen lassen? Ist das neue Tunesien nur ein Abklatsch des Alten, nur ohne Ben Ali und der verhassten Familie seiner Frau, die es anscheinend noch geschafft hat, sich an der Staatskasse zu vergreifen und mit 1,5 Tonnen Gold auszureisen, um sich das Leben im Exil zu versüßen.
Andererseits: Die Tunesier stecken in einem Dilemma, die Opposition ist schwach und in Staatsgeschäften unerfahren und die alte Machtelite ist diskreditiert. Wie formt man da eine akzeptable und funktionstüchtige Regierung bis zu den Wahlen?
Diese Demonstranten, die ich am Montagmittag im Zentrum von Tunis mit meiner Handykamera gefilmt habe, meinen jedenfalls, dass der Wandel in Tunesien bisher nicht weitgenug gegangen ist.
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15.01.2011 von Karim El-Gawhary

Quelle: tunesische Bloggerin Nawwat
Endlich so wie es sein sollte: ein tunesischer Soldat salutiert bei einer Beerdigung einem Opfer des Aufstands.
Ich arbeite seit 20 Jahren als Korrespondent in der arabischen Welt. Dass ich das jetzt endlich erleben durfte, wie ein Regime abserviert wird, wie die Menschen einen Polizeistaat einfach ignorieren, die letzten verzweifelten Versuche der Polizei mit einer Barrage aus Tränengas vor dem Innenministerium die Kontrolle zu behalten. Die Bilder der Demonstrationen vor dem Innenministerium in Tunis und dann die Nachricht, dass Ben Ali das Land verlassen hat: ich war gestern mehrmals den Freudentränen nahe.
Auf dem folgenden Video sieht man in der Dunkelheit fast nichts, aber es ist trotzdem sehr beeindruckend und unglaublich emotional. Ein nur schemenhaft zu sehender Mann geht trotz Ausgangssperre auf die Straße und ruft: Wir sind frei, es lebe das freie tunesische Volk, Tunesien ist frei, ihr seid ein großartiges Volk.… weiter lesen
14.01.2011 von Karim El-Gawhary

Ein letztes Foto aus Juba, im Südsudan. Das war unser Übertragungswagen, mit dem wir unsere Fernsehgeschichten überspielt und mit dem die Live-Schaltungen nach Wien per Satellit übertragen wurden, ein sogenanntes SNG. Andere pflanzen Maschinengewehre auf solche Kleinlastwagen und wir unsere Satellitenschüssel.
Das folgende Video habe ich mit meinen Iphone vom Flugzeug aus gedreht. Die Maschine der Egyptair ist gerade auf dem Weg über Khartum nach Kairo in Juba gestartet und dreht eine Schleife über den ersten Zweig des Nils, dann über eine Nilinsel, bevor der zweite Teil des afrikanischen Flusses auftaucht. Für mich ist es faszinierend, dass dieser selbe Fluss viereinhalb Flugstunden weiter nördlich vor meinem Bürofenster in Kairo vorbeifließt. Noch etwas anderes ist hier auffällig. Das Flugzeug ist gerade aus Juba, der wahrscheinlich zukünftigen Hauptstadt des Südsudan gestartet und es ist bereits nur noch Buschland und keine einzige Straße mehr zusehen.
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Das geht… weiter lesen
06.01.2011 von Karim El-Gawhary
Algerische Jugendliche haben gestern begonnen gegen ihre Lebensbedingungen und Preissteigerungen zu protestieren. In der Hauptstadt Algier bewarfen sie die Polizei mit Steinen, zündeten Müllcontainer an und riefe regimefeindliche Slogans. Gerät nach Ben Ali in Tunesien jetzt auch der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika unter Druck? Die Proteste fanden in mehreren Teilen des Landes gleichzeitig statt.
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Auch im benachbarten Tunsien gehen die seit fast drei Wochen andauernden Proteste weiter. Auf der Webseite von Al-Jazeera International finden sich eine ganze Reihe von Videos dazu. Mein Video des Tages ist aber ein Clip mit dem Titel: Tunisian’s Hip-Hop goes on with the uprising trend
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Inzwischen hat Internet-Protestgruppe “Anonymous” eine Presseerklärung per Youtube herausgegeben, in der sie Gruppierung schlildert, warum sie die Webseiten der tunesischen Regieurung angegriffen hat, die dadurch zeitweise nicht abrufbar und dann verunstaltet waren, nachdem Anonymous-Aktivisten die Server… weiter lesen
05.01.2011 von Karim El-Gawhary

“Die Ägypter sind wie eine Hand, es lebe der Halbmond und das Kreuz”, heißt auf diesem Microbus, wie die örtlichen Sammeltaxis in Ägypten genannt werden. Eine tolle Geste des Fahrers nach dem Anschlag auf eine Kirche in Alexandria in der Silversternacht.
Nur einen kleinen Makel hat das Ganze. Wie man auf der Rückscheibe links sehen kann, steht das Taxi der Nationalen Einheit zum Verkauf.
getwittert wurde das Foto von dem bekannten ägyptischen Blogger Wael Abbas.
05.01.2011 von Karim El-Gawhary

Dieses Foto bringt mich um. Es zeigt den unglaublichen Einfallsreichtum der jungen Tunesier und es bricht mir auch irgendwie das Herz, zu sehen, wie sie auf Protestformen ausweichen, die den Polizeiapparat Ben Ali umgehen.
Das Bild stammt vom Institut für Ingenieurwesen in Tunis. Die Menschen haben sich aufgestellt, um die Wort “Tunis hurra” also “Freies Tunesien” darzustellen. Das ist mindestens so gut wie die Aktion an der Straßenbahnhaltestelle vor ein paar Tagen.
Auch die gewalttätigen Auseinandersetzungen gehen weiter, zuletzt in Thala, 250 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.
Die Regierung versucht sich in allerlei Spielchen der Internet-Zensur, um zu verhindern, dass Informationen nach Außen dringen. Individuelle Facebook-Konten werden beispielsweise blockiert. Darunter die arabische Facebook-Gruppe “Mr. Präsident, die Tunesier zünden sich selbst und das Land an”, die mehr als 12.000 Teilnehmer hat. Außerdem scheint es schwer bis unmöglich zu sein, Videos und Fotos auf Facebook hochzuladen.
Ebenso sind… weiter lesen