16.06.2011 von Karim El-Gawhary

Morgen, am 17. Juni, planen die saudischen Frauen mit ihrer Autofahr-Kampagne zu beginnen, für die sie nun seit Wochen unter dem Titel “women2drive” mobilisieren, etwa auf dieser Facebook-Seite. Sie werden nicht für das Recht aufs Autofahren demonstrieren, sondern sich einfach hinters Steuer setzen und losfahren.

Hier ist der Leitfaden, fürs richtige weibliche Autofahr-Verhalten, der über Internet verbreitet wird.
1. Zieht euch islamisch angemessen an.
2. Es soll keine Zusammenkünfte geben. Macht eure Erledigungen, besucht jemanden im Krankenhaus, bringt die Kinder zur Schule usw.
3. Wenn es geht, filmt das Ganze und ladet es auf Youtube hoch.
4. Fahrt nur innerhalb der Stadtgrenzen
5. Um deinen Patriotismus zu zeigen, lasst eine saudische Fahne wehen und platziert ein Bild des Königs.
6. Habt keine Angst, wenn ihr verhaftet werdet, müsst ihr die Verhaftung nur schriftlich bestätigen.
7. Es ist besser, dass diejenigen die fahren im Besitz eines… weiter lesen
04.04.2011 von Karim El-Gawhary

Foto: Karim El-Gawhary
Das ist ein Bild, das ich in einem Lager in Bengasi für Flüchtlinge aus den umkämpften Gebieten im Osten Libyens an einer Wand gefunden habe. Es stammt von einem Kind aus Adjdabiya, einer Stadt, die vor über zwei Wochen von Gaddafis Truppen erobert und dann vor einer Woche von den Rebellen zurückerobert wurde.
Was hat dieses Kind erlebt, dass es so ein Bild zeichnet, mit Vögeln, Blut, Kampfjets, Panzern und Granatwerfern? Die Flüchtlinge haben Horrorgeschichten erzählt, von Gaddafi-Truppen, die wild auf ihre Häuser geschossen haben, von Frauen die vergewaltigt wurden, von Gaddafis-Schergen, die mit Listen über Oppositionelle die Orte durchkämmt haben. Viele wissen nicht, wo ihre Familienmitglieder abgekommen sind, ob sie tot, verhaftet oder ebenfalls geflüchtet sind.
Mit einem Fest haben die Rebellen in Bengasi versucht, die Flüchtlinge und die Kinder auf andere Gedanken zu bringen.

Foto: Karim El-Gawhary
Dort kommt… weiter lesen
21.01.2011 von Karim El-Gawhary
An den tunesischen Stränden herrscht derzeit gähnende Leere. Beispielsweise in Hammamet, eine Autostunde von Tunis entfernt.
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Unweit des Strandes sticht eine besonders große und vornehme Villa ins Auge. Sie gehörte dem Diktator Ben Ali und seiner Frau Leila Trabelsi. . Hinter den hohen weißen Mauern in kein Laut zu vernehmen. Das Wächterhäuschen an der eisernen Eingangspforte ist verlassen. Dort kann man mit einem Knopf spielen, die die Schranke zu Einfahr auf und zu machen. Ich habe mal angeklopft. vergeblich.
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Hier finden sich meine beiden gestrigen Fernsehbeiträge aus Hammamet
Ein kurzer in der ZIB
Ein längerer in der ZIB 24
Heute ziehe ich los, um das Thema „tunesische Islamisten“ zu recherchieren. Denn in Europa wird immer wieder die Furcht, laut, dass sie das poltische Vakuum füllen könnten. Aber wer sind sie überhaupt? Sind sie stark ,radikal, moderat? Demnächst gibt es hier… weiter lesen
15.01.2011 von Karim El-Gawhary

Quelle: tunesische Bloggerin Nawwat
Endlich so wie es sein sollte: ein tunesischer Soldat salutiert bei einer Beerdigung einem Opfer des Aufstands.
Ich arbeite seit 20 Jahren als Korrespondent in der arabischen Welt. Dass ich das jetzt endlich erleben durfte, wie ein Regime abserviert wird, wie die Menschen einen Polizeistaat einfach ignorieren, die letzten verzweifelten Versuche der Polizei mit einer Barrage aus Tränengas vor dem Innenministerium die Kontrolle zu behalten. Die Bilder der Demonstrationen vor dem Innenministerium in Tunis und dann die Nachricht, dass Ben Ali das Land verlassen hat: ich war gestern mehrmals den Freudentränen nahe.
Auf dem folgenden Video sieht man in der Dunkelheit fast nichts, aber es ist trotzdem sehr beeindruckend und unglaublich emotional. Ein nur schemenhaft zu sehender Mann geht trotz Ausgangssperre auf die Straße und ruft: Wir sind frei, es lebe das freie tunesische Volk, Tunesien ist frei, ihr seid ein großartiges Volk.… weiter lesen
05.01.2011 von Karim El-Gawhary

Dieses Foto bringt mich um. Es zeigt den unglaublichen Einfallsreichtum der jungen Tunesier und es bricht mir auch irgendwie das Herz, zu sehen, wie sie auf Protestformen ausweichen, die den Polizeiapparat Ben Ali umgehen.
Das Bild stammt vom Institut für Ingenieurwesen in Tunis. Die Menschen haben sich aufgestellt, um die Wort “Tunis hurra” also “Freies Tunesien” darzustellen. Das ist mindestens so gut wie die Aktion an der Straßenbahnhaltestelle vor ein paar Tagen.
Auch die gewalttätigen Auseinandersetzungen gehen weiter, zuletzt in Thala, 250 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.
Die Regierung versucht sich in allerlei Spielchen der Internet-Zensur, um zu verhindern, dass Informationen nach Außen dringen. Individuelle Facebook-Konten werden beispielsweise blockiert. Darunter die arabische Facebook-Gruppe “Mr. Präsident, die Tunesier zünden sich selbst und das Land an”, die mehr als 12.000 Teilnehmer hat. Außerdem scheint es schwer bis unmöglich zu sein, Videos und Fotos auf Facebook hochzuladen.
Ebenso sind… weiter lesen
16.12.2010 von Karim El-Gawhary

„Man muss sagen, Ägypten hat in den letzten Jahren mutige Schritte unternommen, um eine Kultur der Menschenrechte auf allen Ebenen der Gesellschaft zu fördern“.
Stammt dieser Satz:
A: vom ägyptischen Regierungssprecher
B: von einem Zitat aus einer Erklärung der Arabischen Liga
C: vom iranischen Außenminister bei seinem letzen Besuch in Kairo
D: vom Botschafter der EU-Delegation in Kairo
…die Auflösung findet sich auf diesem Link.
Der Belgier Marc Franco, seines Zeichens Botschafter der EU-Delegation in Kairo, schrieb letzte Woche diesen bemerkenswerten Artikel für die englischsprachige ägyptische Tageszeitung Al-Ahram Weekly. Ägypten besitze „drei sehr mächtige Agenten des Wandels im Bereich der Menschenrechte“, erläutert er und zählt auf: den „National Council for Human Rights“, den „National Council for Women” und den „ National Council for Childhood and Motherhood“. Der EU-Vertreter vergisst dabei zu erwähnen, dass es sich bei allen dreien um abhängige staatliche Institutionen handelt, nicht… weiter lesen
11.06.2010 von Karim El-Gawhary

Khaled Said, war ein 28jähriger Ägypter aus Alexandria. Am 7. Juni ging er in ein Internetcafe im Zentrum der ägyptischen Hafenstadt. Zwei ägyptische Sicherheitsbeamte kamen in das Internet-Cafe und wollten scheinbar sein Personalien feststellen und ihn durchsuchen.
Als Khaled zu viele Fragen nach dem Grund der Intevention stellte, wurde er bereits im Internetcafe von den beiden Offizieren niedergeschlagen, die ihn dann auch mitnahmen und auf der Strasse weiterschlugen. Bevor Khaled ohnmächtig wurde habe er laut Zeugen immer wider geschrien, “Hört auf mich zu schlagen”. Dann nahmen sie in mit. Kein Haftbefehl, keine Gefahr in Verzug – einfach auf Grundlage des vor wenigen Wochen erneut verlängerten, seit 29 Jahrne geltenden Notstandsgesetzes.
Warum die Polzisten hinter Khaled her waren ist unklar. Die Poilzei behauptet, Khaled sei ein Drogen-Konsument oder Dealer gewesen. Laut der Polzei soll er an einer Überdosis gestorben sein, als er versucht habe, die Drogen herunterzuschlucken.
Das Foto seiner… weiter lesen