Posts Tagged ‘Armut’

05.11.2010 von Karim El-Gawhary
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Zukunftsoptionen für junge Ägypter: Auswandern, Irrenhaus oder … der Freitod

von Karim El-Gawhary

Eine Parade von potentiellen Selbstmordattentätern. Das ist das übliche Bild aus meiner Region, wenn es um Selbstmord geht. Selbstmordattentate sind bei den militanten Islamisten ein fester Bestandteil ihres Jihad-Konzeptes. Eine spektakuläre Methode, bei deren Anwendung sie glauben, sich für eine größere Sache zu opfern und als Märtyrer zu sterben.

Eine unter islamischen Rechtsgelehrten übrigens sehr umstrittene Angelegenheit. Natürlich gibt es radikale Prediger, die dazu anstacheln. Aber es gibt viel mehr Scheichs, die Selbstmordanschläge ablehnen, vor allem wenn die Opfer keine Militärs, sondern unschuldige Zivilisten sind.

Aber es gibt in der arabischen Welt noch eine völlig andere Art von Selbstmord über die nicht oft geredet wird:  den Freitod aus Verzweiflung. Die Latte hängt hier, in solch religiösen Gesellschaften, sehr hoch. Denn für gläubige Muslime ist es “haram” – islamisch verboten, sich so das Leben zu nehmen. Nach dem Motto, das auch für andere Religionen gilt: Was Gott dir gegeben hat,… weiter lesen

26.10.2010 von Karim El-Gawhary
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Araber haben weniger Geld in der Tasche als vor drei Jahrzehnten

von Karim El-Gawhary

Eine interessante Notiz des Kolumnisten Rami G. Khouri in der englischsprachigen libanesischen Tageszeitung Daily Star, der Zahlen der Weltbank zitiert. Das ohnehin niedrige durchschnittliche pro Kopf Bruttoinlandsprodukt ist in der arabischen Welt in den letzten drei Jahrzehnten von 2671 Dollar in den 1980er Jahren auf 2556 Dollar in diesem Jahrzehnt gesunken (in den 90er Jahren sah es mit 2035 Dollar noch düsterer aus).

In anderen Worten: das Wirtschaftwachstum schafft es nicht mit dem Bevölkerungswachstums mitzuhalten und die Leute werden ärmer.

Der schönste Satz in seiner Kolumne:

„Für jeden BMW oder Mercedes, den man in den arabischen Hauptstädten herumfahren sieht, gibt es 50 Familien, die nicht wissen, wie sie anständiges Essen auf den Tisch bringen, Schulsachen kaufen und im Winter heizen können.”

23.10.2010 von Karim El-Gawhary
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Unglaublich im Land des schwarzen Goldes: es gibt saudische Bettler

von Karim El-Gawhary

Quelle: forums.vr-zone.com

In Saudi Arabien, dem Land in dem nach allgemeiner Auffassung Öl und Honig fließen, wurden nach einem Bericht des Sozialministeriums kürzlich 3,459 Bettler festgenommen, allesamt Saudis und die meisten in der Hauptstadt Riad.

Ein großer Teil der Festgenommenen sind Frauen, aber auch 760 saudische Kinder wurden mitgenommen. Bei den meisten der verhafteten Frauen handelt es sich um Witwen oder geschiedene Frauen.

Es gibt, laut Berichten, 400.000 geschiedene Frauen in Saudi Arabien, die nicht nur damit zu kämpfen haben, dass die Gesellschaft auf sie herabblickt, sondern die eben auch oft ihre finanzielle Lebensgrundlage verloren haben. Wenn ihre ursprüngliche Familie sie nicht mehr aufnimmt, enden manche offensichtlich mit ihren Kindern als Bettler auf der Straße.

19.10.2010 von Karim El-Gawhary
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Arbeitslosenhilfe auf Ägyptisch: Statt dem Geld kommt die Polizei und bricht dir das Kreuz

von Karim El-Gawhary

Stellen Sie sich vor, sie protestieren, um endlich ihr monatliches Arbeitslosengeld von 25 Euro ausgezahlt zu bekommen,  werden  von der Polizei verprügelt und die Treppe heruntergestoßen und brechen sich dabei das Rückgrat.

Quelle: Al-Masry Al-Youm

Genau das ist in Kairo passiert. Eine Gruppe von kürzlich entlassenen Arbeitern hatte im Gebäude des  staatlichen Gewerkschaftverbandes (unabhängige Gewerkschaften sind in Ägypten verboten) dagegen protestiert, dass ihnen ihre Arbeitslosenhilfe nicht ausgezahlt worden ist. Zwar hatten sie ein mündliches Versprechen erhalten, dass dies geschehen wird, einige der Arbeiter wollten das Gebäude aber nicht verlassen, bis sie das Geld in den Händen halten.

Statt dem Geld kam die Polizei und räumte das Gebäude. Der aus einer staatlichen Textilfabrik im Nildelta entlassene Arbeiter Samir Al-Qazaz wurde dabei die Treppe heruntergeschubst. Mit Verdacht auf ein gebrochenes Rückgrat, wurde er in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Dort konfiszierte die Polizei seine Krankenakte und die Röntgenbilder.

Das Gewerkschaftsebäude… weiter lesen

21.07.2010 von Karim El-Gawhary
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Die Indianer Ägyptens: Der Hilferuf eines Beduinen aus der Wüste Sinai

von Karim El-Gawhary

Wer Trostlosigkeit und Armut kennenlernen will, der sollte die Beduinengemeinschaften im Norden des Sinai besuchen. Eine Viertel Million Beduinen leben dort mehr oder weniger abgeschnitten von jeglicher Entwicklung. Der ägyptische Staat betrachtet sie einzig und allein als Sicherheitsproblem.

Es gibt keine Arbeit. Drogenanbau und der Schmuggel in den Gazastreifen und nach Israel sind die Haupteinnahmequelle. Die Landbesitztitel der Beduinen, die auf keinem staatlichen Papier niedergeschrieben sind, werden ihnen von zugereisten Ägyptern aus dem Niltal streitig gemacht. Korruption ist Tagesgeschäft.
Nach Terroranschlägen in Taba, Dahab und Scharm El-Scheich 2004/5 wurden die Beduinen zu Tausenden verhaftet. Doch in Wirklichkeit hat der Staat, der nur mit seinem Polizeiapparat auftaucht, keine Kontrolle über das Gebiet.

Aber auch die traditionelle beduinische Stammesgesellschaft zerfällt. Neureiche Schmuggelbarone und vom Staat eingesetzte „Stammesführer“ akzeptieren nicht mehr die traditionellen Autoritäten der Beduinen-Clans.… weiter lesen

29.05.2010 von Karim El-Gawhary
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SLUMDOG KAIRO

von Karim El-Gawhary

Die Zahl ist unglaublich: Rund 70 Prozent aller Kairoer wohnen in einem sogenannten ‘Ashwa’iyya, einem informellen Viertel, das ohne Genehmigung und ohne jegliche Planung errichtet wurde.  Das sind über zwölf von rund 18 Millionen Menschen. Die Zahl stammt von einen Mann, für dessen Job ich ihn nicht beneide: Kairos oberster Städteplaner, Moustafa Madbouli. Das wichtigste Merkmal im Leben von sieben von zehn Kairoern: Der Staat und dessen Dienstleistungen sind praktisch nicht präsent.

Mein Kollege Jürgen Stryjak beschreibt das dortige Leben in seinem sehr anschaulichen Beitrag im deutsprachigen Magazin von Amnesty International unter dem Titel: „Vertreiben und verstecken: Die Bewohner der Slums in Kairo haben Hilfe dringend nötig. Der Staat bietet ihnen keinen Schutz, sondern bedroht sie“.

Die beste Beschreibung aus der dortigen Perspektive in zwei Sätzen:

„Der Staat beginnt irgendwo in der Ferne, weit hinter dem Verteilerkasten, von dem die Leute ¬illegal Strom abzapfen. Er regiert in einer

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13.05.2010 von Karim El-Gawhary
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Können sich arbeitsscheue Ägypter einen iPod nano leisten?

von Karim El-Gawhary

Die Menschen in Kairo arbeiten weltweit am längsten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Schweizer Bank UBS, die weltweit Löhne, Arbeitszeiten und die Kaufkraft vergleicht.
In der letzten Studie „Preise und Löhne – Ein internationaler Kaufkraftvergleich von 73 Städten rund um die Welt“ wurde erstmals Kairo in die Liste aufgenommen. Das Ergebnis entspricht nicht dem Image des stetig im Kaffeehaus sitzenden und Wasserpfeifen rauchenden Ägypters.
Die Kaiorer kommen auf eine durchschnittliche  jährliche Arbeitszeit von 2373 Stunden. Die Einwohner der 18 Millionen Stadt haben im Durchschnitt 13 Ferientage im Jahr.

Zum Vergleich: In Westeuropa beträgt die durchschnittliche Jahresarbeitszeit 1745 Stunden. Die Berliner liegen dort sogar unter diesem Durchschnitt. Die fleißigen Menschen in der deutschen Hauptstadt kommen im Jahr auf 1717 Stunden mit 28 Ferientagen.  Wiener arbeiten etwas mehr 1746 Stunden und haben drei Ferientage weniger als die Berliner. Die Züricher… weiter lesen