03.06.2012 von Karim El-Gawhary

„Wir sehen uns in Scharm El-Scheich“, flüstert der gestern freigesprochene Mubarak-Sohn Gamal seinem Vater Hosni ins Ohr.
Das ist die Karikatur, die derzeit auf Facebook in Ägypten die Runde macht. Viele Ägypter sind empört, dass bei dem gestrigen Urteil Mubarak zwar lebenslänglich bekommen hat; seine zwei Söhne und sechs der höchstrangigsten Polizeioffiziere des Landes dagegen freigesprochen wurden.
Rechtsexperten glauben, dass vor allem der Freispruch der Polizeioffiziere, nach einem von der Staatsanwaltschaft schlecht aufgearbeiteten Beweisverfahren, in der Berufung den Weg für einen Freispruch Mubaraks ebnet.
In Scharm El-Scheich findet die Familie Mubarak sicherlich ein Dach über den Kopf, in einer der Villas, die ihr vom Bauunternehmer Hussein Salem im Gegenzug für billiges Staatsland überlassen wurden. Die Fall war Teil des Verfahrens gegen Mubarak und seine Söhne.
Aber hoppla – das stimmt ja gar nicht. Schließlich wurden die Mubarak Söhne gestern in diesem Korruptionsfall freigesprochen… weiter lesen
11.10.2010 von Karim El-Gawhary
Endlich: Immer wieder hat das Land am Nil in den letzten Monaten Demonstrationen gegen das Regime erlebt, etwa im Fall des jungen von der Polizei in Alexandria auf offener Straße erschlagenen Ägypters Khaled Said.

off. Foto der 4. Mai FB-Seite
Mit dieser Einseitigkeit soll jetzt Schluss sein. Ägyptens aufmüpfige Oppositionelle und Dissidenten bekommen auf der Straße Konkurrenz.
Eine Facebook-Gruppe mit dem Namen „Die 4. Mai-Bewegung“ ruft zu einer Demonstration zur Unterstützung des seit fast drei Jahrzehnten regierenden Präsidenten Hosni Mubarak auf. Marschiert werden soll am 14. Oktober, quer durch die Kairoer Innenstadt.
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Der Name der neuen Gruppe, die sich selbst als „unabhängig und patriotisch“ bezeichnet, bezieht sich übrigens phantasievoll auf Mubaraks Geburtstag. Deren Unterstützung wird übrigens gleich auf die ganze Familie ausgeweitet. Denn im Falle, dass der 82jährige Honsi Mubarak nächstes Jahr nicht zu den Wahlen antritt, will die neue Gruppe, mit ihren 918 Mitglieder,… weiter lesen
23.09.2010 von Karim El-Gawhary
„Wir sind kein Erbstück mehr“,
riefen die Demonstranten diese Woche auf einer Protestveranstaltung für politische Reformen und gegen eine mögliche Übergabe des Präsidentenamtes vom 82jährigen Hosni Mubarak auf dessen 46jährigen Sohn Gamal Mubarak.

Ein historischer bedeutungsschwangerer Satz, hatte ihn doch der ägyptische antikoloniale Volksheld Ahmad Urabi im 19. Jahrhundert auf einer Demonstration gegen den damaligen monarchischen Herrscher, den Khediven Tawfik und dessen englische und französische koloniale Hintermänner ausgesprochen. “Ägypten den Ägyptern”, lautete Urabi Paschas poltischer Hauptslogan.
Wir sind kein Erbstück mehr: 130 Jahre später versammelten sich am gleichen Ort, dem ehemaligen Königspalast Abdeen erneut die Demonstranten. Aber diesmal verbrannten sie Bilder Gamal Mubaraks, um ihre Gegnerschaft zu einer Mubarak Dynastie zum Ausdruck zu bringen.

brennendes Gamal Poster: Egyptian Blogs Aggregator
Selten hatte Kairo einen solchen, spezifisch gegen die Person Gamals ausgerichteten, Protest erlebt.
Die… weiter lesen
28.07.2010 von Karim El-Gawhary
Eigentlich hatte ich einigen Lesern dieses Blogs versprochen, nicht mehr über diese orakelnde Krake zu schreiben. Ich dache schon, dass bei der letzten Erwähnung des Fisches der Höhepunkt erreicht war, als der Oktopus in Ägypten nicht dem Sohn des Präsidneten Gamal Mubarak, sondern dessen politischen Konkurrenten, Muhammad El-Bardadei, den Vorzug als nächsten obersten Staatlenker am Nil gab. Hier noch einmal das Beweisfoto:

Aber nun bin ich doch noch zu einem Nachtrag gezwungen, denn Paul, der kurz vor seiner Rente steht, geriet in die Schusslinie von niemand geringerem als dem iranischen Präsidenten:
Mahmud gegen Paul sozusagen:


Ersterer sieht in Paul ein Symbol westlichen Verfalls und Dekadenz, wird berichtet. So zumindest hatte Mahmud Ahmadinedschad das ganze Getue um den Oktopus bei einer Rede bei einem iranischen Jugendfestival letztes Wochenende beschrieben.
Der Glaube an Pauls hellseherische Fähigkeiten sei purer westlicher Aberglaube, erklärte er und sagte… weiter lesen
13.07.2010 von Karim El-Gawhary
heißt die neuste Facebook-Seite, die von ägyptischen Jugendlichen diese Woche lanciert wurde. Die gewieften Gründer der Seite gaben der Auswahl des Oktopus Paul, der sich bei der Fußball WM niemals vertippte, ein etwas neues Design.

Paul hat die Auswahl zwischen dem Präsidentensprössling Gamal Mubarak und dem ehemaligen Chef der Atomenergiebehörde und Friedensnobelpreisträger Muhammad El-Baradei. Er streckt seine Fangarme klar nach letzterem aus.
In Ägypten wird darüber spekuliert, ob El-Baradei bei den Präsidentschaftswahlen, die für näcshtes Jahr angesetzt sind, möglicherweise gegen den jetzigen Staatschef, den 83jährigen Hosni Mubarak oder gegen dessen Sohn Gamal antritt.
Innerhalb von 24 Stunden hatte die Seite im sozialen Internet-Netzwerk Facebook immerhin über 1000 Anhänger gefunden. Wohl auch, weil die unabhängige ägyptische Tageszeitung Al-Dustur bereits darüber berichtete.
“Wir wissen, wo dein Becken steht”, soll der ägyptische Geheimdienst nach inoffiziellen Meldungen Paul bereits gedroht haben.
Einer der Facebook-Teilnehmer glaubt, dass die Regierung in Kairo in einem solchen… weiter lesen
25.05.2010 von Karim El-Gawhary
In der Arabischen Welt gibt es mehr Facebook Teilnehmer als Zeitungsleser. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der „Spot On Public Relations“ – Agentur in Dubai.

Danach nutzen 15 Millionen Menschen in der Arabischen Welt das soziale Internet-Netzwerk Facebook, verglichen mit der Auflage von etwas weniger als 14 Millionen Zeitungen, die auf Arabisch, Englisch und Französisch in der Region erscheinen.
„Facebook und andere soziale Internet-Plattformen beginnen nun zu definieren, wie Menschen Informationen entdecken und teilen und wie sie sich eine Meinung bilden.“ Carington Malin, Vorstand der Spot On Public Relation.
Fünf arabische Länder stellen 70 Prozent der arabischen Facebook-Nutzer. Ägypten, Marokko, Tunesien, Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Allein 3,5 Millionen neue Teilnehmer kamen dazu, seit Facebook auch die arabische Schrift unterstützt. Allerdings benutzen laut der Studie 50 Prozent der… weiter lesen