31.12.2010 von Karim El-Gawhary

Das Foto zeigt die Festnahme eines jungen Mannes in der tunesischen Stadt Hamma. Er hat versucht den Ort der dortigen Protestveranstaltung gegen Präsidenten Ben Ali zu erreichen,
Es war nicht einfach, die tunesischen Protest zu Beginn einzuschätzen, aber inzwischen darf man das Ganze nicht unterschätzen.
In einem lesenswerten Kommentar im Guardian heißt es dazu:
Was wir in Tunesien heute erleben, ist die Geburt einer authentischen, nationalen, einheimischen Volksbewegung, nicht gegen Kolonisatoren und ausländische Besatzer, sondern gegen das eigene repressive Regime (…). Jahrelang haben sich Schreiber über die “arabische Krankheit” beschwert, über die Art und Weise, wie sich die Araber daran gewöhnt haben, die Rolle des Opfers zu spielen und sich gegenüber ihren Tyrannen Hause passiv zu verhalten“.
Gestern kam erneut ein junger Mann in Sfax um. Er war während der Proteste von den Sicherheitskräften in den Rücken geschossen worden und verstarb im Krankenhaus.
Das folgende Video zeigt das… weiter lesen
18.07.2010 von Karim El-Gawhary
Weil es im von ihr propagierten Kampf gegen die israelische Besatzung nicht so recht weitergeht, wandelt sich die palästinensische Hamas im Gazastreifen immer mehr zum selbsternannten islamischen Sittenwächter. Die neuste Tat: Am Wochenende wurden die von der Hamas kontrollierten Polizeikräfte angewiesen, zu unterbinden, dass Frauen in der Öffentlichkeit Wasserpfeife rauchen.

Im Café in Kairo kein Problem
Das Rauchen in der Öffentlichkeit widerspreche den Sitten und führe zudem zu Scheidungen, erklärte ein Polizeisprecher zur Begründung. Häufig ließen sich Ehemänner von ihren Frauen scheiden, wenn die rauchend gesehen würden, sagte er.
Polizisten in Zivil kontrollierten die Caféhäuser am Ufer des Mittelmeers. Dabei herrschte zunächst Verwirrung, ob das Rauchverbot für Frauen und für Männer gilt (sozusagen bayerische Verältnisse im Gazastreifen). Sicherheitshalber bieten die meisten Cafes überhaupt keine Schischas mehr an
Als am Freitagabend ein mit einer Pistole bewaffneter Mann in Zivil im Al-Schera Café nach dem… weiter lesen
13.07.2010 von Karim El-Gawhary
Stellen Sie sich vor, das Schicksal hätte ihrem Leben eine ganz andere Wendung gegeben und Sie wären im Gazastreifen geboren, und würden heute dort als Bauer oder Bäuerin arbeiten. Die israelische Blockade und die Herrschaft der Hamas wären beileibe nicht ihr einziges Problem. Das gilt ganz besonders wenn sie das Pech hätten, dass das Stück Land, das Sie bewirtschaften in der Nähe zur Grenze zu Israel liegt und Sie Ihre Ernte einbringen müssen, die ihren miserablen Lebensunterhalt sichert.
Die israelische Armee hat am Grenzgebiet eine sogenannte Pufferzone eingerichtet. Unter welchen Umständen dort auf den Feldern gearbeitet wird, zeigt das folgende Video. Selbst die Anwesenheit von Ausländern scheint wenig zu helfen.
Dieser Vorfall ist kein Einzelfall. Laut palästinensischen Angaben wurde in den letzten 12 Monaten (bis April 2010) in 220 Fällen von israelischer Seite in die Pufferzone hineingeschossen. Innerhalb dieses Jahres wurden 116 Angriffe gezählt.
Die… weiter lesen
02.07.2010 von Karim El-Gawhary
Das von Israel erklärte Ziel der Gazablockade ist es, die dort regierende Hamas zu schwächen. Nun ist dieses Ziel erreicht, allerdings nicht im Sinne des Erfinders.
Weil sie ein mit Mädchen und Jungen gemischtes UN-Sommercamp im Gazastreifen für islamisch unsittlich hielten, schritt eine Gruppe bewaffneter Männer diese Woche zur Tat. Sie stürmte das Lager in den frühen Morgenstunden, als sich dort noch keine Kinder befanden, fesselten die Wärter, schlitzten mehrere Zelte auf oder setzten sie in Brand, auch ein Plastikswimmingpool und anderes Spielzeug wurde verwüstet. Niemand bekannte sich zu der Tat.Und so sah es danach dort aus
Es ist das zweite Mal binnen fünf Wochen, dass ein UN-Sommerlager in Gaza vonVermummten angegriffen wurde. Die Hamas hat die Angriffe auf die UN-Sommercamps für Kinder verurteilt. Das von der Hamas geleitete Innenministerium machte in einer Erklärung Gruppen für den Angriff verantwortlich, „die mit ihren fehlgeleiteten Ideen die… weiter lesen
20.06.2010 von Karim El-Gawhary
aus der Reihe deutsche Nahost-Politik-Satire ereilte mich soeben folgende Pressemitteilung aus dem Berliner Aussenminsterium:

Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle bedauert, dass die israelischen Behörden dem Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, die Einreise in den Gaza-Streifen verwehrt haben. Er sagte dazu heute (20.06.) wörtlich:
„Ich bedaure die Entscheidung der israelischen Regierung,
Bundesminister Niebel die Einreise in den Gaza-Streifen zu
verweigern”.
Tja schade eigentlich. Findet er also nicht so toll, der Guido. Nur fürs “Protestieren” hat es nicht gereicht. Wo kämen wir das schließlich hin, wenn jeder dahergelaufene deutsche Minister einfach so in den palästinensischen Gazastreifen fahren könnte.
Und der betroffen Minister selbst: Der soll stinksauer sein. Eigentlich wollte Niebel seinen jetzt geplatzten Gazabesuch dazu nutzen, einen mit deutscher Hilfe geplanten Bau eines Klärwerks voranzutreiben. Er bezeichnete die israelische Entscheidung als “großen außenpolitischen Fehler”.
Frage des Tages: die Blockade des Gazastreifen wurde diese Woche gelockert. Jetzt… weiter lesen
18.06.2010 von Karim El-Gawhary

In einer Erklärung aus dem Büro von Premier Benjamin Netanjahu heißt es dazu vage: Israel werde „das System zur Einfuhr von Gütern nach Gaza liberalisieren“ und „den Fluss von Material für zivile Projekte ausweiten“, dabei aber „die existierenden Sicherheitsmassnahmen fortführen, um zu verhindern, dass Waffen und Kriegmaterial nach Gaza gelangen“. In den nächsten Tagen wolle das Kabinett weitere Schritte beschließen, heißt es.
Das ist die englische Version, die an alle Journalisten und Diplomaten ging. Die hebräische Version ist, laut einem Bericht in der heutigen Ausgabe der israelischen Tageszeitung Haaretz, noch vager gehalten. Der dortige Artikel trägt den schönen Titel: „Israel verkündet eine Lockerung der Blockade, aber nur auf Englisch“.
Laut der Zeitung sei dass ganze bisher lediglich eine unverbindliche Erklärung aus dem Büro des Premierministers, über die aber bisher im Kabinett nicht abgestimmt worden sei.
Was das alles genau bedeutet, ist bisher niemandem klar. Es gibt… weiter lesen
15.06.2010 von Karim El-Gawhary
In Europa malt man gerade wieder den Teufel an die Wand. “Die Türkei driftet nach Osten ab,” lautet die Warnung. Die türkisch islamistische IHH, die den Schiffskonvoi nach Gaza organisiert hatte, steht geistig schon auf der internationalen Terrorliste und der Hamas-Pate Erdogan an der Sptize der islamsichen Weltverschwörung. Dabei droht uns in Zukunft eine Art “Türkaida”.

die türkische Methode: Hilfslieferungen statt Kanonenboote
Wo sind die Europäer mit strategischem Weitblick? Im Nahen Osten verschieben sich gerade die strategischen Gleichgwichte. Das läßt sich in einem Satz zusammenfassen.
Die Türkei gewinnt, Israel verliert und der Iran verblasst
In der heutigen Ausgabe der taz steht meine Analyse zu dieser strategischen Verschiebung.
Mein persönliches Fazit in der türkisch-iranischen Konkurrenz um die politische Vorherschaft in der Region: mir ist ein Modell Erdogan alleweil viel lieber, als ein Modell Ahmadinedschad.
Am liebesten wäre mir ein Modell… weiter lesen
10.06.2010 von Karim El-Gawhary
Alles wird gut: Die israelischen Behörden haben ein Einsehen. Nach drei Jahren haben sie nun doch einer Lockerung der Blockade gegen den Gazastreifen zugestimmt.

Limonade, Säfte, Gewürze, Karoffelchips, Kekse und Bonbons wurden genauso wie Rassiercreme nun von der Liste der Güter gestrichen, die nicht an die 1,5 Millonen Einwohner der Gazastreifens geliefert werden dürfen.
Man fragt sich allerdings, was die Zurückhaltung dieser Waren bisher mit der Bekämpfung von Hamas in Gaza zu tun hatte? Wollte man verhindern, dass sie der Bevölkerung mit Keksen und Bonbons das Leben versüßt?
Das mit der Rassiercreme finde ich besonders dramatisch. Wenn sich keiner rassieren kann, wie lassen sich die bärtigen Kämpfer der Hamas dann noch von der Zivilbevölkerung unterscheiden? Aber das ist ja Gott sei Dank jetzt vorbei.
Wer näheres wissen will. Hier die kafkaeske Liste der zur Lieferung nach Gaza erlaubten und verbotenen Produkte. Die neue oben genannte Lockerung der… weiter lesen
08.06.2010 von Karim El-Gawhary
Israel hat angekündigt den Angriff auf die Hilfsflotte von letzter Woche selbst zu untersuchen. Gleichzeitig lehnt es den UN-Vorschlag einer internationalen Untersuchung ab.
In einer Erklärung am Montag heißt es dazu, dass das israelische Militär eine interne Expertengruppe zusammenstellen wolle, um die Operation zu untersuchen und daraus zu lernen. Die Gruppe soll dann die Ergebnisse der Untersuchung des Vorfalls vorstellen, bei dem am 4. Juni neun Aktivisten umgekommen und mehr als 100 verletzt worden waren.

Israelisches Patrouillenboot: Ap via taz
Doch selbst Israels wichtigster Verbündeter, die US-Regierung, scheint mit dieser Art von Untersuchung nicht zufrieden zu sein. Wie es in der heutigen Ausgabe der israelischen Tageszeitung Haaretz unter Berufung auf eine hohe israelische Regierungsquelle heißt, macht die Schaffung dieser Expertengruppe keinen Sinn, wenn die Obama-Regierung sie nicht für akzeptabel hält.
Die US-Regierung hatte noch letzte Woche im UN-Sicherheitsrat gegen türkischen und arabischen Widerstand darauf gedrängt,… weiter lesen
06.06.2010 von Karim El-Gawhary
Das ägyptische Sandmännchen streut wieder ein wenig Wüstensand in unser aller Augen. „Ägyptern, die eine israelische Frau geheiratet haben, kann die Staatsbürgerschaft entzogen werden,“ lauteten nicht nur die Meldungen internationaler Nachrichtenagenturen, sondern auch die Überschriften in den staatlichen ägyptischen Tageszeitungen. Das klingt dramatisch. Genauso wie das „Ägypten öffnet die Grenze zum Gazastreifen“ von letzter Woche, das suggerieren sollte, dass Ägypten nun nicht mehr zusammen mit Israel an der Blockade des Gazastreifens teilnimmt.

keine herzliche Beziehung: Quelle dpa via taz
Es stimmt: es gibt ein Gerichtsurteil, das von der Möglichkeit spricht, Ägyptern mit einer israelischen Ehefrau die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Und es gibt ein Präsidial-Dekret mit der Anweisung die Grenze zum Gazastreifen zu öffnen
Aber manchmal lohnt es sich genauer hinzusehen. Weder werden morgen alle Ägypter mit einer israelischen Ehefrau ihren ägyptischen Pass verlieren, noch steht der Schlagbaum in Rafah offen. Näheres dazu hier in… weiter lesen