Posts Tagged ‘Irak’

04.11.2010 von Karim El-Gawhary
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Damit der Irak nicht in kollektiver Amnesie entschwindet

von Karim El-Gawhary

Bei den  Kongresswahlen in den USA war der Irak kein Thema mehr.  Und selbst in der Region sind die vor kurzem über Wikileaks veröffentlichten 400.000 Geheimdokumente des US-Militärs in Sachen Irak, dank jemenitischer Bombenpakete, bereits in Vergessenheit geraten.

Am liebsten würde Washington das Kapitel Irak als abgeschlossen ansehen. Nur der ehemalige US-Präsident George W. Bush erinnert uns dieser Tage in seinen Memoiren an die irakische Episode. Der Expräsident gibt zu, dass die Tatsache, dass keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden wurden, bei ihm ein Gefühl der Übelkeit erzeugt habe und ihn weiter belaste.

Übel wird es einem auch bei den veröffentlichen Geheimdokumenten. Damit der Irak nicht vollkommen in der kollektiven Amnesie entschwindet, hier zur Gedächtnisauffrischung eine Dokumentation von Al-Jazeera International, die den Inhalt der Dokumente in Englisch zusammenfasst. Es lohnt sich, sich ein wenig Zeit zu nehmen.

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1300 Folterfälle wurden nach Saddams Zeiten in den Geheimdokumenten… weiter lesen

15.10.2010 von Karim El-Gawhary
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Irak: Musik- und Tanzfestival wird Opfer der Kräfte der Demokratie

von Karim El-Gawhary

In der New York Times findet sich eine bizarre Geschichte, eines irakischen Kulturfestivals, das zum Opfer der Kräfte der neuen Demokratie im Irak wurde. Es handelt sich um das Babel Festival, das früher, zu Saddams Zeiten, jedes Jahr in den Ruinen Hammurabis und Nebuchadnezzar abgehalten wurde.

Nun hatte das heutige Kulturministerium in Bagdad, die Idee, dieses Musik- und Tanzfestival wiederzubeleben und vom alten Saddam-Image zu entstauben. Eigentlich keine schlechte Idee, wieder ein wenig künstlerische Normalität in den Irak zu bringen.

Die Künstler u.a. aus Ägypten, Algerien, Aserbaidschan, Dänemark, Finnland, Iran und Russland waren bereits vor Ort, ein gute Autostunde südlich von Bagdad, als sie von der chaotischen irakischen Realität eingeholt wurden.

Der Vizegouverneur der Provinz Sadiq Al-Muhanna untersagte die Veranstaltung kurzerhand, mit der Begründung, dass sie mit dem Geburtstag des sechsten schiitischen Imams Jaafar Ibn Muhammad Al-Sadiq zusammenfalle und Tanz und Musik in dieser Zeit nicht moralisch geboten… weiter lesen

02.10.2010 von Karim El-Gawhary
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Irak stellt neuen Weltrekord auf: noch nie hat eine Regierungsbildung länger gedauert

von Karim El-Gawhary

Herzlichen Glückwunsch: Irakische politische Parteien haben seit heute einen neuen Weltrekord aufgestellt – für die längste Zeit die jemals benötigt wurde, um eine Regierung zu bilden.

US-Botschafter in Bagdad, Jim Jeffrey, erklärt die prekäre politische Lage nach dem Abzug seiner Kampftruppen aus dem Irak

Bis hier hielten die Niederländer diese zweifelhafte Ehre, als sie 1977 ganze 208 Tage brauchten, um eine neue Regierung auf den Weg zu bringen.

Und was noch beunruhigender ist: es ist auch noch lange keine irakische Regierung in Sicht.

Zwar hatte im März der säkulare Irakiya Block, Ayad Alawis knapp gewonnen, aber eine Koalition schiitischer religiöser Parteien, die erst nach den Wahlen geformt wurde, hat immer noch vier Sitze unter einer Parlamentsmehrheit.

Seitdem wird gestritten und keine der beiden Blöcke schafft es, andere für eine Koalition an Bord zu bringen, um eine taugliche Mehrheit für eine Regierungsbildung auf die Beine zu stellen.… weiter lesen

12.09.2010 von Karim El-Gawhary
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Versteckte-Kamera-Show auf irakisch: Bombenattrappe unter dem Autositz

von Karim El-Gawhary

Eine neue irakische Comedy-Show testet die Nerven von lokalen Stars und  Prominenten. Der bisherige Höhepunkt der neuen Sendung:  Eine Bombenattrappe wird unter einem Fahrzeug befestigt . Das Opfer wird von falschen Soldaten angehalten, hat Angst um Leib und Leben und wird dann auch noch beschuldigt, mit der Bombe selbst eine Fernsehstation in die Luft jagen zu wollen. Seine sichtlich geschockte Reaktion wird von der versteckten Kamera aufgezeichnet, um später damit irakische Fernsehzuschauer zu unterhalten.

Humor oder schlechter Geschmack? Al-Jazeera-International berichtet über den Fall.

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Die Sendung wird inzwischen selbst von vielen hartgesottenen Irakern kritisiert, denen das Ganze zu nahe an ihrer blutigen Realität liegt, um noch witzig zu sein. Der Sender Al-Bagdadiya wurde von der irakischen Medienaufsichtsbehörde aufgefordert, die Sendung abzusetzen.

Die Produzenten der Sendung verteidigen die Show mit dem Argument, dass sie auf humorvolle Weise mit den täglichen Problemen der Iraker umgehen, auch um ihnen die… weiter lesen

10.09.2010 von Karim El-Gawhary
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Nirgends sterben mehr Journalisten

von Karim El-Gawhary

Nach dem Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak ist es Zeit, eine andere traurige Bilanz zu ziehen  Laut einem  jetzt veröffentlichten Bericht von „Reporter ohne Grenzen“ sind seit dem Einmarsch der US-Truppen im März 2003 im Irak 230 Medienmitarbeiter getötet worden. Das übersteigt die Zahl der getöteten Reporter während des Vietnamkrieges.” Während des Vietnam-Kriegs von 1955 bis 1975 kamen 63 Journalisten ums Leben.

(Zaki Shaqfeh, Al-Ra'i, 5/24/04).

Rund 70 Prozent der Journalisten starben bei gezielten Anschlägen und Attacken – eine weitaus höhere Rate als bei vorangegangenen Kriegen. In mehr als 80 Prozent der Fälle kamen die Täter aus den Reihen bewaffneter Gruppen, die im Widerstand zur US-Koalition und der irakischen Regierung stehen. Für rund zehn Prozent der Todesfälle waren die internationalen Besatzungstruppen verantwortlich. .Die meisten Todesopfer, fast 90 Prozent, waren irakische Medienvertreter.

Damit es nicht in Vergessenheit gerät. Hier noch einmal das bekannte Wikileaks-Video, in dem… weiter lesen

03.08.2010 von Karim El-Gawhary
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US-Abzug aus dem Irak: nicht triumphal sondern sang- und klanglos

von Karim El-Gawhary

US-Präsident Barack Obama hat diese Woche in einer Rede vor US-Kriegsversehrten und Veteranen bestätigt, dass alle US-Kampftruppen bis Ende dieses Monats aus dem Irak abgezogen sein werden.  Die verbleibenden 50.000 US-Soldaten sollen das Zweistromland innerhalb von 18. Monaten verlassen.

Das Ganze findet vor dem Hintergrund statt, dass es in Bagdad vier Monate nach den Parlamentswahlen immer noch keine funktionierende Regierung gibt. Eine Tatsache, die zeigt, wie weit das Land von einer poltischen Normalität entfernt ist. Doch die endlosen Streitigkeiten darum neue politische Bündnisse zu schaffen,  lassen sich auch positiv interpretieren. (siehe meine letzte Irak-Analyse).  Nach sieben Jahren Krieg und Bürgerkrieg, ausländischer Besatzung und fast täglich neuer Horrormeldungen über Anschläge im Irak ist nun ein politisches System etabliert, innerhalb dessen alle Seiten ihren Einsatz verlieren oder gewinnen können. Und keiner will zu den Zeiten des Bürgerkriegs zurück. Bündnispolitik ist eben komplizierter als Bürgerkrieg.

Der Irak-Experte Juan… weiter lesen

09.07.2010 von Karim El-Gawhary
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Mister “It is a lot of fun to fight“ übernimmt US-Zentralkommando im Mittleren- und Nahen Osten

von Karim El-Gawhary

Viel ist in den letzten Wochen über den großen Star des US-Militärs David H. Petraeus geschrieben worden, der es nach seinen „Erfolgen“ im Irak, nun in Afghanistan richten soll und dort zum obersten US-Kommandeur ernannt wurde.
Zwischen seinem Einsatz im Irak und seinem jetzigen in Afghanistan, leitete Petraeus das US-Zentralkommando Naher- und Mittlerer Osten, das sämtliche US-Truppen und deren Einsätze in der Krisenregion von den Hotsports Afghanistan und Irak, dem Fokus Iran und Pakistan, in der gesamten arabischen Welt und am östlichen Mittelmeer koordiniert.

Nun wurde anstelle von Petraeus ein Nachfolger für diesen, für das US-Militär strategisch wichtigen Posten, ernannt. Der Viersterne-General James N. Mattis, gilt laut New York Times, unter dem Militär als echter Haudegen. Er hatte die Eliteeinheit der US-Marines bei der Invasion in den Irak kommandiert und leitete später deren Counter-Insurgency Operationen Gerade die Art und Weise, wie die Marines dabei vorgingen, etwa in Felludscha,… weiter lesen

22.06.2010 von Karim El-Gawhary
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Zwei tote Demonstranten: Alles was sie wollten war, dass Strom aus der Steckdose kommt

von Karim El-Gawhary

Ich kann mich noch sehr gut an ein paar Tage im Sommer im südirakischen Basra erinnern. Es war in den ersten Wochen nach dem Einmarsch der Amerikaner. Wir Journalisten konnten damals erstmals seit Saddams Zeiten frei im Land umherreisen. Basra im Sommer war die Hölle. Temperaturen um die 50 Grad und fast den ganzen Tag kein Strom, keine Klimaanlage, noch nicht einmal ein Ventilator. Wir saßen im Hotelzimmer abends als schließlich für wenige Stunden der Strom kam. Die dortige Air Condition hatte einen digitalen Temperaturmesser. Wir waren in Feierstimmung, als der Kompressor mit einigen Rumpeln schließlich begann zu arbeiten. Laut der Anzeige hatte es im Zimmer 47 Grad. Jedes Grad, dass das Gerät den Raum herunterkühlte, begrüßten wir mit einem Jubeln. Bei 37 Grad war der Zauber vorbei. Der Strom war wieder ausgefallen.

Warum ich das alles erzähle?

Iraker protestieren gegen Stromausfälle:AP via taz

Das war vor… weiter lesen

19.06.2010 von Karim El-Gawhary
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Der irakische Ödipus

von Karim El-Gawhary

Was passiert, wenn der Vater als Übersetzer von der US-Armee im Irak und der Sohn von einer Al-Kaida-nahen Gruppe rekrutiert wurde? Sie ahnen es?

Oedipus at Colonus by Jean-Antoine-Theodore Giroust 1788 French Oil

Der Sohn hat gestern den Vater in dessen Bett im Schlaf ermordet, nachdem der sich geweigert hatte, seinen Job an den Nagel zu hängen. Der 50jährige Hameed Al-Daraji wurde aus kürzester Entfernung um drei Uhr morgens in Samarra in die Brust geschossen.

Die Polizei nahm den Sohn und dessen Cousin fest. Nach Angaben der Polizei sollen die beiden jungen Männer mit der Tat versucht haben, ihre Loyalität zu den Aufständischen unter Beweis zu stellen, in deren Rängen sie erst vor kurzem aufgenommen worden waren. Nach dem zweiten Sohn wird gefahndet.

Hameed Daraji hatte seit sieben Jahren als Übersetzter für die US-Armee gearbeitet. Er war bereits kurz nach dem Einmarsch der US-Truppen angestellt worden.… weiter lesen

09.06.2010 von Karim El-Gawhary
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Der unsicherste Ort der Welt

von Karim El-Gawhary

Der Global Peace Index erstellt jedes Jahr eine Liste, auf der die Länder je nach Sicherheitslage eingeordnet werden. Die für 2010 ist gerade veröffentlicht worden.

Und der Verlierer ist ….

surprise, surprise

der Irak.

auf dem letzten Rang 149, hinter Somalia.

Obwohl das Land zwischen Euphrat und  Tigris praktisch aus den Schlagzeilen verschwunden ist, heißt das noch lange nicht, dass dort alles in Butter ist.  Wenn die US-Truppen dort nach Plan in diesem Sommer abziehen, hinterlassen sie einen Scherbenhaufen.

nach einem gestrigen an Anschlag: AP via taz

Nehmen wir einfach einen ganz normalen Tag im Irak, wie den gestrigen. Mindestens  11 Menschen kamen am 8.Juni 2010 ums Leben in einer Welle von Anschlägen und Schießereien, die gegen Polizisten und gegen die  sogenannten “Söhne des Irak” gerichtet war. Das ist eine sunnitische Miliz, die von den US-Truppen aufgebaut und unterstützt wird, damit… weiter lesen