30.12.2011 von Karim El-Gawhary

Mein Jeep ist gepackt. Ich werde mich jetzt für ein paar Tage in die Wüste absetzen und in der dortigen Stille und Entlegenheit, im kostenlosen Eine-Million-Sterne-Hotel, das neue Jahr beginnen.
Also wünsche ich schon jetzt allen Leserinnen, Lesern, Zuhörern, Zuhörerinnen, Zuschauern und Zuschauerinnen ein gutes neues Jahr.
Vielleicht fliegen Ihnen/Euch im nächsten Jahr genauso Sachen entgegen, wie mir in diesem z.B Kameras, hier festgehalten vom Wiener unabhängigen Videofilmer Georg Schütz, der mit kaputten Stativ angereist war.
Das journalistisch ereignisreichste Jahr meines Lebens liegt hinter und ein sicherlich turbulentes vor mir. Viele offene Fragen liegen vor uns. Was bedeutet der Wahlsieg der Islamisten in Ägypten? Lässt sich das Militär in einer Revolution 2.0 doch noch dort aus der Politik drängen?
Wie geht es in Syrien weiter? Wann fällt das Regime Assad? Wie wird sich das Militär dort auf Dauer verhalten? Zündet das… weiter lesen
26.01.2011 von Karim El-Gawhary

Werden wir in Ägypten das tunesische oder das iranische Szenario erleben? Wird der Diktator bald den Abgang a la Tunesien machen oder wird die Jugendbewegung ähnlich wie im Iran unterdrückt? Ich glaube ersteres, da ich mir sicher bin, dass die Amerikaner und das von ihnen ausgebildete ägyptische Militär schon längst an einer Lösung basteln, während Mubarak in den letzten Tagen ganz still geworden ist. Was soll er denn auch noch sagen? Wenn er eine Rede hält, in der er umfassende Reformen verspricht, ist das wahrscheinlich seine letzte. Hatte doch sein Kollege Ben Ali in Tunesien eine ähnliche letzte Rede gehalten.
Noch muss die Situation ein wenig kochen, damit das Militär einschreitet und seine Lösung präsentiert, und die wird sicherlich nicht den Namen Mubarak beinhalten. Aber wie gesagt: das sind nur meine bescheidenen Gedanken ……
Hier noch die Früchte meiner heutigen Arbeit:
Ein Gespräch mit dem Schweizer Fernsehen um 13:00… weiter lesen
31.12.2010 von Karim El-Gawhary

Das Foto zeigt die Festnahme eines jungen Mannes in der tunesischen Stadt Hamma. Er hat versucht den Ort der dortigen Protestveranstaltung gegen Präsidenten Ben Ali zu erreichen,
Es war nicht einfach, die tunesischen Protest zu Beginn einzuschätzen, aber inzwischen darf man das Ganze nicht unterschätzen.
In einem lesenswerten Kommentar im Guardian heißt es dazu:
Was wir in Tunesien heute erleben, ist die Geburt einer authentischen, nationalen, einheimischen Volksbewegung, nicht gegen Kolonisatoren und ausländische Besatzer, sondern gegen das eigene repressive Regime (…). Jahrelang haben sich Schreiber über die “arabische Krankheit” beschwert, über die Art und Weise, wie sich die Araber daran gewöhnt haben, die Rolle des Opfers zu spielen und sich gegenüber ihren Tyrannen Hause passiv zu verhalten“.
Gestern kam erneut ein junger Mann in Sfax um. Er war während der Proteste von den Sicherheitskräften in den Rücken geschossen worden und verstarb im Krankenhaus.
Das folgende Video zeigt das… weiter lesen
16.12.2010 von Karim El-Gawhary

„Man muss sagen, Ägypten hat in den letzten Jahren mutige Schritte unternommen, um eine Kultur der Menschenrechte auf allen Ebenen der Gesellschaft zu fördern“.
Stammt dieser Satz:
A: vom ägyptischen Regierungssprecher
B: von einem Zitat aus einer Erklärung der Arabischen Liga
C: vom iranischen Außenminister bei seinem letzen Besuch in Kairo
D: vom Botschafter der EU-Delegation in Kairo
…die Auflösung findet sich auf diesem Link.
Der Belgier Marc Franco, seines Zeichens Botschafter der EU-Delegation in Kairo, schrieb letzte Woche diesen bemerkenswerten Artikel für die englischsprachige ägyptische Tageszeitung Al-Ahram Weekly. Ägypten besitze „drei sehr mächtige Agenten des Wandels im Bereich der Menschenrechte“, erläutert er und zählt auf: den „National Council for Human Rights“, den „National Council for Women” und den „ National Council for Childhood and Motherhood“. Der EU-Vertreter vergisst dabei zu erwähnen, dass es sich bei allen dreien um abhängige staatliche Institutionen handelt, nicht… weiter lesen
30.11.2010 von Karim El-Gawhary

Quelle: www.salon.com - Tom Tomorrow
Ich habe mir den Handschuh schon einmal übergestülpt. Die Enthüllungen von Wikileaks werden die Journalisten und vor allem uns Nahost-Korrespondenten wohl die nächsten Wochen und Monate beschäftigen. Denn ein großer Teil der geheimen Depeschen beschäftigt sich mit dieser Region. Und anders als die Diskussion in Europa, die sich mit Eitelkeiten und Schwächen von Politikern beschäftigt, treffen die dipomatischen Noten im Nahen Osten mitten ins Herz der dortigen politischen Konflikte.
Es ist atemberaubender, manchmal amüsanter, aber auch beängstigender Lesestoff. Im Moment komme ich selbst mit dem Querlesen kaum nach.
Gestern habe ich versucht, in einer ersten Analyse der bisher veröffentlichten diplomatischen Kabel, die meiner Meinung nach wichtigsten Punkte für diese Region zusammenzufassen. Das Ergebnis findet sich hier. Ein Gespräch mit dem gestrigen ORF Ö1 Mittagsjournals kann hier angehört werden.

Ich glaube, die wichtigsten absehbaren Auswirkungen auf den ersten Blick sind:… weiter lesen
21.10.2010 von Karim El-Gawhary
Wirtschaftskreisläufe haben etwas Aufregendes. Nehmen wir zum Beispiel den neusten Waffendeal zwischen den USA und Saudi Arabien, den das Außenministerium in Washington jetzt bestätigt hat. Umfang: 60 Milliarden Dollar.
Amerikanische Waffenschmieden sollen dafür 84 F-15 Kampfjets, 70 Apache Kampfhubschrauber, 36 AH-6M Little Bird Leichthelikopter und 72 Black Hawk Hubschrauber und noch alle möglichen anderen tödlichen Kleinkram liefern.
Der amerikanische Autofahrer füllt seinen Tank mit dem Rohstoff aus Saudi Arabien, das wiederherum gibt die gewonnenen Petrodollars für amerikanische Waffen aus. Am Ende bleibt das Geld also in der Familie, nur dass es ein wenig vom Autofahrer zu den Rüstungskonzernen umgeschichtet wird, deren Arbeiter (der Deal soll 75.000 neue Arbeitsplätze schaffen) dann wieder zur Tankstelle fahren ….. Weltwirtschaft pur.

F-15 In der Wirklichkeit kein Spielzeug
Mit einem wunderbaren Nebeneffekt: Saudi Arabien wird im gleichen Atemzug für einen möglichen Waffengang gegen den Iran aufgerüstet. Der Staatsekretär… weiter lesen
14.10.2010 von Karim El-Gawhary

Die iranische First Azam al-Sadar Farahi begleitet derzeit ihren Mann Mahmud Ahmadinedschad auf seiner Staatsvisite im Libanon. Gestern besuchte sie eine Schule, als dieses wunderbare Bild geschossen wurde, das heute in der überregionalen arabischen Tageszeitung Al-Scharq Al-Aussat erschienen ist.
Hier findet sich das Ganze noch in Farbe
Danke für den Hinweis meiner aufmerksamen ARD-Rundfunkkollegin Esther Saoub, der dieses Bild heute ins Auge gestochen ist
28.07.2010 von Karim El-Gawhary
Eigentlich hatte ich einigen Lesern dieses Blogs versprochen, nicht mehr über diese orakelnde Krake zu schreiben. Ich dache schon, dass bei der letzten Erwähnung des Fisches der Höhepunkt erreicht war, als der Oktopus in Ägypten nicht dem Sohn des Präsidneten Gamal Mubarak, sondern dessen politischen Konkurrenten, Muhammad El-Bardadei, den Vorzug als nächsten obersten Staatlenker am Nil gab. Hier noch einmal das Beweisfoto:

Aber nun bin ich doch noch zu einem Nachtrag gezwungen, denn Paul, der kurz vor seiner Rente steht, geriet in die Schusslinie von niemand geringerem als dem iranischen Präsidenten:
Mahmud gegen Paul sozusagen:


Ersterer sieht in Paul ein Symbol westlichen Verfalls und Dekadenz, wird berichtet. So zumindest hatte Mahmud Ahmadinedschad das ganze Getue um den Oktopus bei einer Rede bei einem iranischen Jugendfestival letztes Wochenende beschrieben.
Der Glaube an Pauls hellseherische Fähigkeiten sei purer westlicher Aberglaube, erklärte er und sagte… weiter lesen
18.07.2010 von Karim El-Gawhary
Weil es im von ihr propagierten Kampf gegen die israelische Besatzung nicht so recht weitergeht, wandelt sich die palästinensische Hamas im Gazastreifen immer mehr zum selbsternannten islamischen Sittenwächter. Die neuste Tat: Am Wochenende wurden die von der Hamas kontrollierten Polizeikräfte angewiesen, zu unterbinden, dass Frauen in der Öffentlichkeit Wasserpfeife rauchen.

Im Café in Kairo kein Problem
Das Rauchen in der Öffentlichkeit widerspreche den Sitten und führe zudem zu Scheidungen, erklärte ein Polizeisprecher zur Begründung. Häufig ließen sich Ehemänner von ihren Frauen scheiden, wenn die rauchend gesehen würden, sagte er.
Polizisten in Zivil kontrollierten die Caféhäuser am Ufer des Mittelmeers. Dabei herrschte zunächst Verwirrung, ob das Rauchverbot für Frauen und für Männer gilt (sozusagen bayerische Verältnisse im Gazastreifen). Sicherheitshalber bieten die meisten Cafes überhaupt keine Schischas mehr an
Als am Freitagabend ein mit einer Pistole bewaffneter Mann in Zivil im Al-Schera Café nach dem… weiter lesen