05.11.2010 von Karim El-Gawhary

Eine Parade von potentiellen Selbstmordattentätern. Das ist das übliche Bild aus meiner Region, wenn es um Selbstmord geht. Selbstmordattentate sind bei den militanten Islamisten ein fester Bestandteil ihres Jihad-Konzeptes. Eine spektakuläre Methode, bei deren Anwendung sie glauben, sich für eine größere Sache zu opfern und als Märtyrer zu sterben.
Eine unter islamischen Rechtsgelehrten übrigens sehr umstrittene Angelegenheit. Natürlich gibt es radikale Prediger, die dazu anstacheln. Aber es gibt viel mehr Scheichs, die Selbstmordanschläge ablehnen, vor allem wenn die Opfer keine Militärs, sondern unschuldige Zivilisten sind.
Aber es gibt in der arabischen Welt noch eine völlig andere Art von Selbstmord über die nicht oft geredet wird: den Freitod aus Verzweiflung. Die Latte hängt hier, in solch religiösen Gesellschaften, sehr hoch. Denn für gläubige Muslime ist es “haram” – islamisch verboten, sich so das Leben zu nehmen. Nach dem Motto, das auch für andere Religionen gilt: Was Gott dir gegeben hat,… weiter lesen
11.07.2010 von Karim El-Gawhary
Meist tauchen Fatwas in den westlichen Negativschlagzeilen auf. Es gibt aber durchaus auch positive islamische Rechtsgutachten. Das letzte dieser Art trägt die Nummer 11625 und wurde in den Arabischen Emiraten von der Behörde für Islamische Angelegenheiten erlassen, wie die dortige englischsprachige Tageszeitung „The National“ berichtet

Danach sind Vuvuzelas, die eine Lautstärke von über 100 Dezibel erreichen „Haram“, also islamisch verboten.
Die Behörde argumentiert, dass die Vuvuzelas der Volksgesundheit schaden. Daher müssten Importeure dieser Tröte sicherstellen, dass deren Output nicht 100 Dezibel überschreitet. Grundlage des islamischen Rechtsgutachtens sind medizinische Studien, laut denen das menschliche Gehör geschädigt wird, wenn es Tönen mit einer Lautstärke von über 100 Dezibel ausgesetzt ist. Die auf dem Markt üblichen Vuvuzelas können aber Töne bis zu 127 Dezibel erzeugen, heißt es in der Fatwa.
Um eine islamische Klärung der Angelegenheit besorgt, hatte der palästinensische Geschäftsmann Dhia el-Din bei den Scheichs der Behörde nachgefragt, nachdem er… weiter lesen
05.07.2010 von Karim El-Gawhary
Ein einfacher Satz, der gleichzeitig so viel in Frage stellt. Er stammt von einem der größten zeitgenössischen Islam-Reform-Denker, dem ägyptischen Linguistikprofessor Nasr Hamid Abu Zeid. Er konnte es auch noch simpler ausdrücken: „Warum hat uns Gott ein Hirn gegeben, wenn wir es nicht benutzen“, hat er einmal gesagt. Diesen Montag ist dieser großartige, lebenslustige und gleichzeitig so mutige Mann nach längerer Krankheit mit 67 Jahren in Kairo verstorben.

Abu Zeid bei Verleihung des Ibn Rushd-Preises für freies Denken 2005
Ein riesiger Verlust, nicht nur für Ägypten, sondern auch für Europa, wo er zuletzt gelehrt hatte. Denn er hatte in den 1990er Jahren etwas gewagt, was sich nur sehr wenige muslimische Gelehrte trauten: den Koran und die heiligen islamischen Texte mit den Methoden der kritischen Linguistik zu analysieren. Er wusste, dass er sich damit nicht viele Freunde schafft, aber er hat wohl nicht erwartet, wie… weiter lesen
16.06.2010 von Karim El-Gawhary

Das ist schon faszinierend. Man versucht sich Gedanken über strategische Verschiebungen im Nahen Osten und die neue Rolle der Türkei zu machen und versucht das in einem Debattenbeitrag in der taz durchzuargumentieren.
Man erntet in den kommentierenden Postings unsagbare Polemiken, die fast schon einen Kampagnencharakter haben und nicht selten auch den Autoren beleidigen. Die gesammte Sammlung findet sich hier. Eine Auswahl der Schönsten:
der mit der gepflegen Sprache:
von Am Israel chai:
“Unglaublich was die taz für eine gehirnamputierte scheiße veröffentlicht. Ihr seid der größte Abschaum der deutschen Presselandschaft”
oder der ganz persönliche
von Mal:
“Ich krieg’das Brechen. Könnt Ihr auch noch mal jemand Anders, als immer nur hemmungslose Claqeure und Islamisten-Schönredner, wie KARIM EL-GAWHARY, über Nahost Themen schreiben lassen? Wäre nicht mal ein kritischerer Blick, als dieses besinnungslose,völlig realitätsferne, rein interessengeleitete Gefasel angebracht? Wer bezahlt El-Gawhary eigentlich dafür sowas in der taz unterzubringen?
(Anmerkung des Autors:… weiter lesen
16.05.2010 von Karim El-Gawhary
Die Debatten in Saudi Arabien über die Geschlechtertrennung haben wirklich Unterhaltungswert.
Der erzkonservative Scheich Muhammad Al-Nujaimi hat sich immer wieder für eine strikte Trennung der Geschlechter in der Öffentlichkeit in Saudi Arabien ausgesprochen . Das folgende Video kommentiert sich selbst. Scheich Nujaimi sitzt auf einer Konferenz gut gelaunt neben einer Frau ohne Kopftuch auf dem Podium. Das Ganze ist aufgenommen auf dem internationalen Frauentag in Kuwait. Die Frau, die neben sitzt, ist die kuwaitische Feministin Aischa Al-Rascheed, die ihn aufs Korn nimmt.
Worüber spricht die Feministin eigentlich mit dem Scheich. Es geht darum, dass Scheich Nujaimi, der Befürworter der Geschlechtertrennung, mehrmals in Kuwait fotografiert wurde, als er dort mit Studentinnen zusammentraf. Hier eine kleine Auswahl.
Zunächst hatte der Scheich erklärt, die Bilder seien das Werk von Photoshop. Worauf die Veranstalter drohten gegen ihn Klage zu erheben.… weiter lesen