21.03.2012 von Karim El-Gawhary

Foto: El-Gawhary
Nach 40 Jahren Amtszeit haben die ägyptischen Kopten gestern ihren Papst Schenuda III zu Grabe getragen. Vier Jahrzehnte Islamisierung der Gesellschaft, Diktatur und am Ende Revolution: der Papst hat Einiges mitgemacht und es war sicherlich nicht immer einfach für den geistlichen Führer der größten christlichen Gemeinde der Arabischen Welt, das Kirchenschiff durch die turbulenten Zeiten zu lenken.
Gab er sich nach Innen sehr konservativ, beispielsweise in der Frage der Scheidung, die kirchlich untersagt ist, war er nach Außen mit den Muslimen und anderen Kirchen ein Mann des Dialogs und auch ein Meister im Arrangieren mit der weltlichen Macht.
Hier mein Nachruf auf Papst Schneuda, der am Montag veröffentlicht wurde.
Gestern habe ich dann noch eine kurze Fernsehreportage dazu geliefert.
Meist machen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Kopten internationale Schlagzeilen. Offensichtlich ist auch die Diskriminierung der Kopten in vielen Bereichen. Vergessen wird… weiter lesen
08.02.2012 von Karim El-Gawhary

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Es ist ein kurioser Wettbewerb, von dem wir in den nächsten Monaten noch einiges, mitunter auch recht Unterhaltsames hören werden. Wer sind die islamischeren Politiker im ägyptischen Parlament und wer ist frömmer: die Muslimbrüder (47 Prozent der Sitze) oder die Salafisten (24 Prozent)?
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Diese Woche bekamen wir einen ersten Vorgeschmack bei einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Parlamentspräsidenten, dem Muslimbruder Saad al-Katatny und dem schillernden salafistischen Abgeordneten Mamdouh Ismail.
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Ismail, der gerne seine Frömmigkeit nicht nur durch seinen Bart zur Schau stellt, stand mitten in der Debatte über die Straßenschlachten rund um das Innenministerium auf und lies, zum Erststaunen der anderen Abgeordneten, seinen persönlichen Gebetsruf im Saal erklingen. Schließlich war es Zeit für eines der fünf Gebete am Tag.
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Katatny, der ohnehin schon die ganzen letzten Tage seine liebe Mühe hatte, im Parlament mit 80 Prozent Erst-Parlamentarier eine geordnete Diskussion zu gewährleisten, flippte aus,… weiter lesen
07.02.2012 von Karim El-Gawhary
Vor zwei Tagen hatte ich hier Fotos der Aktivistin Salama Said im Krankenhaus mit ihrem Gesicht und Bein voller Schrot durch den Einsatz von Schrotgewehren seitens der Polizei gepostet. Gedacht war das als Gegenbeweis für die Behauptung des ägyptischen Innenministers, dass die Polizei keine Schrotgewehre bei den Straßenschlachten vor dem Innenministerium benutzt.
Einigen Lesern war das Foto Salmas nicht Beweis genug.
Well ….
hier ist nun ein neues Video, das den massiven Einsatz von Schrotgewehren seitens der Polizei zeigt. Zu sehen der Einsatz ganz am Anfang und dann in einer längeren Frequenz in der Mitte des Videos.
Salma wurde übrigens angeschossen, genau als sie eine solche Szene mit ihrer Kamera dokumentieren wollte.


Zum Fall des Schrottgewehr-Einsatzes gab es auch eine wilde Debatte im Parlament. Interessant ist dabei, dass sich ein guter Teil der Muslimbrüder und Salafisten hinter das Innenministerium… weiter lesen
06.02.2012 von Karim El-Gawhary
Der ägyptische Innenminister hat öffentlich erklärt, dass die Sicherheitskräfte bei den letzten Zusammenstößen vor dem Innenministerium keine Schrotgewehre einsetzen. Es sei nur Tränengas im Einsatz, erklärte General Muhammad Ibrahim. In einem Interview, sagte Ibrahim, er fordere jeden heraus, der behauptet, dass die Sicherheitskräfte Schrotgewehre benutzen. Er fügte hinzu, dass die Staatsanwaltschaft dies beaufsichtige.
Well ……
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Die ägyptischen Tahrir-Aktivisten haben die Herausforderung angenommen. Das sind Fotos der bekannten Aktivistin Salma Said, eine der Gründerinnen der Gruppe “Nein zu Militärgerichtsprozessen”. Sie wurde gestern in der Nacht zum Montag vor dem Innenministerium mit Schrot beschossen und liegt im Krankenhaus.
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03.02.2012 von Karim El-Gawhary
Das war die Antwort des ägyptischen Militärs Ende letzten Jahres auf die Proteste vor dem Kairoer Innenministerium. Die Zentrale der Sicherheitsapparate sollte geschützt und weitere Straßenschlachten in der Muhammad Mahmoud Str., die vom Tahrir-Platz zum Ministerium führt, sollten so verhindert werden. Statt eine politischen Antwort auf die Proteste zu geben, oder wenigstens das Innenministerium zu reformieren und von alten Kräften zu säubern, ließ der Militärrat einfach mitten in der Stadt diese Mauer errichten. Nach dem Motto: Mauern statt Reform und Wandel.

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Und das war jetzt die Antwort der Demonstranten und Fußballfans. Hatte das Militär das Ganze mit Kränen aufgebaut, haben die Demonstranten mit reiner Muskelkraft das Mauerwerk letzte Nacht wieder zum Einsturz gebracht. Gibt es ein schöneres Symbol, dass auch Mauern den Wandel und Bruch mit den alten Zeiten nicht aufhalten können?

Foto: @salmasaid
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18.01.2012 von Karim El-Gawhary
Würden sie auch in einer Kirche über den Arabischen Frühling sprechen, lautete die Anfrage aus Bregenz, nachdem sich der ursprüngliche Veranstaltungsort das Theater Kosmos als zu klein erwiesen hatte. Das Ergebnis in der Pfarrkirche Mariahilf mit 500 Besuchern ist hier zu sehen. Wie es bei der Einführung hieß: „Selten ist die Kirche so voll“. Und nicht nur das. Es wurde ein langer Abend mit einem interessierten und einem interessanten Publikum.

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Auch die anschließende Veranstaltung an der Uni in Zürich war gut besucht. Genauso wie die vorherige in Stuttgart.
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Im Ö1-Radio lief diese Woche in der Sendung Matrix – Computer und Neue Medien ein langer Beitrag unter dem Titel „Von 9/11 zur “Facebook-Revolution”. Das mediale Bild der arabischen Länder im Wandel“, zu dem ich auch befragt wurde und danach ein interessanter Beitrag über „Die Macht digitaler Bildimpulse. Handybilder und Videostreaming im Revolutionsgeschehen“.
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09.01.2012 von Karim El-Gawhary

Von der Revolutionären des Tahrir zu den Volksbürgern hinter dem Stuttgarter Hauptbahnhof. Das passt ganz gut, denn Stuttgart ist die Partner-Stadt Kairos. Vor dem gelb-roten Indianer-Zelt kann man “Stuttgart 21″ sogar auf arabisch lesen.
Ich spreche dagegen heute in Stuttgart über den Arabischen Frühling und dessen Folgen
beim “Treffpunkt Kairo” bei den Stuttgarter Nachrichten
um 19.30 Uhr. Ort: Studio S, Pressehaus Stuttgart, Plieninger Straße 150, Stuttgart-Möhringen.
Hier ist der Link zur Ankündigung
Am Dienstag habe ich dann eine Veranstaltung in Bregenz
Am Mittwoch in Zürich
20.12.2011 von Karim El-Gawhary
Was macht man, wenn man über Frauen berichten will, man sich dauernd verspricht und ständig Männer ins Bild rennen?
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Heute auf dem Tahrir-Platz war es einfach zum Mäusemelken. Ich musste einen kurzen Beitrag für die ORF ZIB-Nachrichten über eine Frauendemonstration in Kairo machen. Die Demonstrantinnen haben gegen die Gewalt des Militärs gegen Frauen protestiert. Auslöser war ein brutales Video, in dem zu sehen ist, wie einige Soldaten auf dem Tahrir eine Demonstrantin zu Boden werfen, ihr die Kleider vom Leib reißen und auf sie treten. Ein ernster Anlass, der sich aber zum meiner persönlichen Fernsehkomödie entwickelte.
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Denn auf ging es zum Tahrir-Platz, um über die Frauen-Demo zu berichten. Hintergrund des Aufsagers der Geschichte sollten natürlich die Demonstrantinnen sein. So weit so gut. Aber irgendwie ging alles schief. Ich habe entweder einen wunderschönen gewollten Hintergrund mit ägyptischen Demonstrantinnen und verspreche mich. Oder ich schaffe ein paar gerade Sätze und… weiter lesen
10.10.2011 von Karim El-Gawhary

Vivian und Michael bei ihrer Verlobung und gestern im Leichenhaus
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Vollkommen auf dem falschen Fuß haben mich der Ereignisse in Kairo erwischt, bei denen mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen sind. Ich bin seit gestern in Wien zur ORF-Korrespondenten-Tagung.
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Trotzdem der Versuch einer ersten Einschätzung: Das Bild, das sich aus Kairo bietet ist katastrophal und kompliziert. Eine Demonstration von Kopten, aber auch einigen Muslimen in Protest in Kairo gegen den Angriff eine Kirche in Assuan, wurde seinerseits angegriffen. Das Militär, Polizisten in Zivil, die üblichen Schlägertruppen aber auch aufgeheizte Passanten gingen mit äußerster Brutalität gegen die Demonstranten vor. Das Ganze entwickelte sich zu einer undurchsichtigen Mischung aus einer Straßenschlacht zwischen Kopten und Muslimen und zwischen Demonstranten, die den Sturz des Miltärrates forderten und dem Militär.
Das staatliche Fernsehen spielte eine mehr als ungute Rolle, indem es offen gegen die Kopten hetzte.… weiter lesen
09.07.2011 von Karim El-Gawhary


Foto: Karim El-Gawhary
und die Revolution macht durstig, vor allem wenn die Menschen bei über 50 Grad in der Sonne auf einem schattenlosen Platz stehen. Da ist ein gekühlter Mango-Saft, wie ihn dieser Straßenhändler auf dem Tahrir anbietet, genau das Richtige.
Zu einem Tag der Beharrlichkeit hatten die Demonstranten am Freitag aufgerufen. Doch es sollte nicht bei einem Tag bleiben. Sie haben auf dem Tahrir wieder ihre Zelte aufgebaut und wollen bleiben, bis ihrer Forderungen erfüllt sind. Vor allem geht es darum, dass die Justiz schneller und eindeutiger die Vertreter des alten Regime zur Rechenschaft zieht. Außerdem fordern sie eine Grunderneuerung des Sicherheitsapparates und des Innenministeriums.
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Auch am Abend war der Platz noch voll, wie dieses kurze Video zeigt, das ich von einem Balkon im 9. Stock eines Hauses am Tahrir-Platz gestern um 21:00 Uhr aufgenommen habe. Kurz davor hatte ich… weiter lesen