03.05.2013 von Karim El-Gawhary

Im Winter 1985/86 hatte ich mehrere Monate in Damaskus studiert. Damals, im zarten Alter von 23 Jahren, habe ich mit einigen Mitstudentinnen und meinem Vater die ostsyrische Stadt Deir Ezzor besucht (das war fünf Jahre, bevor ich bei der taz als Nahost-Korrespondent anfing) . Hier stehen wir auf dem Wahrzeichen der Stadt, einer Hängebrücke mit einem wunderschönen Blick über den Euphrat
1927 wurde diese Fußgängerbrücke über den Euphrat zur französischen Mandatszeit von einer französischen Fima gebaut. An den Ufern neben der Brücke traf man sich immer während der friedlichen Abendstunden zum Picknick.

Und so sieht die Brücke heute aus. Sie wurde am 2. Mai bei Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen zerstört.
13.05.2012 von Karim El-Gawhary

Die USA haben ihre Waffenverkäufe an Bahrain wieder aufgenommen. Aber natürlich werden korrekt nur Schiffe und Flugzeugmotoren geliefert, also Dinge, mit denen man nicht auf Demonstranten schießt, wie das US-Außenministerium betont, wengleich man sich über die genauen Details der Lieferung natürlich nicht auslassen möchte. Schäbig ist es dennoch und eigentlich viel schlimmer als das Abhalten eines Formel 1 Rennens in Bahrain, über das sich alles aufgeregt hat. Die Waffenkäufe kann die Bürgerbewegung in Bahrain, anders als das Autorennen nicht für sich nutzen, um auf die miserable Lage in Bahrain aufmerksam zu machen.
Und dann ist da wieder diese miese westliche Messen mit zweierlei Maß. Ende Februar rege man sich allerorten zu Recht über die russischen Waffenlieferungen nach Syrien auf. Eine Reuters Agenturgeschichte am 21.2. wurde von der österreichischen Zeitschrift Format übertitelt mit:
Russlands schmutzige Geschäfte mit Syrien
Reuters untertitelte die Geschichte mit:… weiter lesen
24.02.2012 von Karim El-Gawhary
Channel 4 News hat ein kurzes aber sehr bemerkenswertes Portrait des täglichen Lebens in der umkämpften syrischen Stadt Homs gezeichnet. Es zeigt die Kämpfe, der ganz offensichtlich nicht militärisch geschulten, aber zu allem entschlossenen Aufständischen auf der einen, und den unsichtbaren Scharfschützen auf der anderen Seite. Es zeigt das tägliche Sterben, die wenige Zeit für wütende Trauer, die unglaublichen Zustände in den Feldlazaretten und das Anstehen nach Brot. Es zeigt auch die beängstigende Aufteilung der Stadt in verschiedene Religionsgruppen, die an irakische Verhältnisse erinnert. Aber vor allem zeigt es, warum das Regime Baschar Assad die Aufständischen nie wieder unter seine Knute bekommen wird.
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Die Bilder stammen von einem französischen Fotografen, mit dem Tarnnamen Mani. Statt den wackeligen, verschwommen Handyaufnahmen, die die Aufständischen mutig filmen und hochladen, ermöglicht Mani uns einen scharfen Blick nach Homs.
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22.02.2012 von Karim El-Gawhary
Es ist schwer bis unmöglich sich ein Bild zu machen, was in Syrien derzeit los ist. Ausländische Journalisten können sich nicht frei im Land bewegen. Die Berichterstattung hängt zum großen Teil davon ab, was die Aufständischen selbst filmen und nach Draußen schmuggeln.
Es gibt viele kaum bekannte Helden dieser gefährlichen Dokumentationsarbeit. Einer von ihnen war Rami al-Sayed, der sein Leben dafür riskiert hat, auf seinem Youtube-Kanal Syriapioneer der Welt zu zeigen, was in Syrien und in seiner Heimatstadt Homs passiert. Seine Videos wurden immer wieder von großen Fernsehsendern wie BBC oder Al-Jazeeera ausgestrahlt
Am Dienstag kam er bei einem Granatbeschuss der syrischen Armee selbst ums Leben. Er hat dieses Ende vorausgesehen. In diesem Video spricht er während der ersten Angriffe auf Homs und erklärt, dass er jederzeit erwartet selbst zu sterben.
Hier eines seiner mutigen Videos in dem er die Angriffe dokumentiert hat.… weiter lesen
30.12.2011 von Karim El-Gawhary

Mein Jeep ist gepackt. Ich werde mich jetzt für ein paar Tage in die Wüste absetzen und in der dortigen Stille und Entlegenheit, im kostenlosen Eine-Million-Sterne-Hotel, das neue Jahr beginnen.
Also wünsche ich schon jetzt allen Leserinnen, Lesern, Zuhörern, Zuhörerinnen, Zuschauern und Zuschauerinnen ein gutes neues Jahr.
Vielleicht fliegen Ihnen/Euch im nächsten Jahr genauso Sachen entgegen, wie mir in diesem z.B Kameras, hier festgehalten vom Wiener unabhängigen Videofilmer Georg Schütz, der mit kaputten Stativ angereist war.
Das journalistisch ereignisreichste Jahr meines Lebens liegt hinter und ein sicherlich turbulentes vor mir. Viele offene Fragen liegen vor uns. Was bedeutet der Wahlsieg der Islamisten in Ägypten? Lässt sich das Militär in einer Revolution 2.0 doch noch dort aus der Politik drängen?
Wie geht es in Syrien weiter? Wann fällt das Regime Assad? Wie wird sich das Militär dort auf Dauer verhalten? Zündet das… weiter lesen
25.09.2011 von Karim El-Gawhary
So ein Lied zu schreiben, kann für einen syrischen Komponisten und Pianisten verheerende Folgen haben:
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Das Lied von Malek Jandali mit dem Refrain “Ich bin die Heimat, die Heimat bin ich. Das Feuer in meinem Herzen brennt für dich. Meine Heimat, wann werde ich den Tag sehen, an dem du frei bist?”, war dem syrischen Regime offensichtlich ein Dorn im Auge.
Malek Jandali, der in Deutschland geboren ist und in den USA lebt, war ausserhalb der Reichweite des Regimes. Seine Eltern Dr. Mamoun Jandali, 73, and Linah Droubi 66 lebten dagegen noch in der syrischen Stadt Homs. Sie wurden im Juli von syrischen Sicherheitskräften angegriffen und verprügelt.
Mamoun Jandali kam gerade vom Einkaufen zurück, als ein Auto vor der Tür der Eltern hielt. Ein Mann stieg aus, und erklärte, er hätte einen Verletzten und bräuchte einen Arzt. Als der Chirurg in Rente zustimme,… weiter lesen
08.08.2011 von Karim El-Gawhary
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nämlich so …
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Gehackte Seite des syr. Verteidigungsministeriums. Screenshot
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Anonymous hat die Seite des syrischen Verteidigungsministeriums gehackt.
Der auf der gehackten Seite stehende Text lautet:
An das syrische Vok. Die Welt steht an eurer Seite gegen das brutale Regime Baschar al-Assads. Ihr müsst wissen das die Zeit und die Geschichte auf eurer Seite stehen. Tyrannen wenden Gewalt an, wenn sie nichts anderes mehr haben und je gewalttätiger sie werden, desto zerbrechlicher werden sie. Wir ziehen unseren Hut vor eurer Entschlossenheit, angesichts der Brutalität des Regimes, keine Gewalt anzuwenden. Und wir bewundern euren Willen, Gerechtigkeit zu erreichen und nicht Rache. Alle Tyrannen werden fallen und dank eures Mutes wird Assad der nächste sein.
An das syrische Militär: Ihr habt die Verantwortung, das syrische Volk zu schützen. Jeder, der den Befehl gibt, Frauen, Kinder und Alte zu töten, sollte wegen Verrats vor Gericht gestellt werden.
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10.06.2011 von Karim El-Gawhary

Heute sind wieder Tausende in vielen Teilen Syriens auf der Straße.
Das folgende Video aus Homs sagt sehr viel über den Mut der Demonstranten zu protestieren, obwohl sie wissen, wie sie enden können.
Es sagt auch sehr viel über ein Regime in der Ecke, das brutal zurückschlägt und dabei alle menschlichen Standards über Bord wirft. In diesem Fall prügeln die Soldaten auf einen alten Mann ein, der ihr Vater sein könnte.
Das Video ist schwer zu verdauen. Ich habe trotzdem beschlossen zumindest den Link hier hineinzusetzten. Achtung, es ist nichts für schwache Nerven.
http://www.universalsubtitles.org/sv/videos/q7yrkGT5SbB4/en/116181/
Das findet keine vier Flugstunden von Berlin, Wien oder Zürich entfernt statt.
Die Frage des Tages eines syrischen Bloggers lautet : Haben die Supermächte die Kontrolle über ihre Spionage-Satelliten verloren? Sie sollten wissen, was in Syrien los ist, aber schweigen.
Hier noch mein heutiger Zeitungsartikel zum Thema
08.06.2011 von Karim El-Gawhary
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Eine Wahnsinns-Aktion: Demonstranten sprühen mit Hilfe einer Schablone Khaled Saids Gesicht an den Eingang des Innenministeriums in Kairo. Der junge Ägypter war vor einem Jahr auf offener Straße in Alexandria von zwei Polizisten zu Tode geprügelt worden. Jetzt prangt das Wahrzeichen für Polizeiwillkür und Brutalität an der Hauptpforte der Zentrale für Innere Sicherheit.
Am Jahrestag des Todes Khaled Saids protestierten die meist jungen Ägypter auch, weil ihnen die Veränderungen im Innenministerium infolge der Revolution nicht weit genug gehen, wie in diesem Artikel kurz beschrieben.
Apropos Khaled Said als Graffiti. Die Street Art in Kairo wird immer besser. Hier ein Wandgemälde auf der Nilinsel Zamalek, fotografiert vom bekannten ägyptischen Blogger 3arabawy

Foto: 3arabawy
In Syrien ist es leider noch längst nicht so weit. Hier meine Analyse über die dortige Lage.
Immerhin scheint das Regime erstmals von Innen ein… weiter lesen
25.04.2011 von Karim El-Gawhary
Die syrische Politik, einschließlich ihres Präsidenten Baschar Assad schweigt. Stattdessen schlägt die Stunde der Sicherheitsapparate, die das Problem auf ihre Weise lösen wollen. Damit zeigt das Regime sein hässlichstes Gesicht bei dem Versuch an der Macht zu bleiben.
Seit heute Morgen ziehen Truppen der Republikanergarde und der Vierten mechanisierten Division, geführt von Baschar Assads jüngeren Bruder Maher, in Deraa ein, um diese Hochburg der Demokratiebewegung wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dort hat der syrische Aufstand vor fünf Wochen begonnen.
Das folgende Video zeigt die Ankunft der Truppen
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ein weiteres Video über den Dächern der Stadt gefilmt
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Im Damaszener Vorort Duma sollen sich gerade ähnliche Szenen ereignen.
Es ist nich ganz klar wo und wann dieses folgende Video gefilmt wurde. Aber ich finde es zutiefst beeindruckend, wie sich die Menschen vollkommen friedlich den Sicherheitskräften entgegenstellen. Anders als in Libyen haben sie… weiter lesen