13.05.2012 von Karim El-Gawhary

Die USA haben ihre Waffenverkäufe an Bahrain wieder aufgenommen. Aber natürlich werden korrekt nur Schiffe und Flugzeugmotoren geliefert, also Dinge, mit denen man nicht auf Demonstranten schießt, wie das US-Außenministerium betont, wengleich man sich über die genauen Details der Lieferung natürlich nicht auslassen möchte. Schäbig ist es dennoch und eigentlich viel schlimmer als das Abhalten eines Formel 1 Rennens in Bahrain, über das sich alles aufgeregt hat. Die Waffenkäufe kann die Bürgerbewegung in Bahrain, anders als das Autorennen nicht für sich nutzen, um auf die miserable Lage in Bahrain aufmerksam zu machen.
Und dann ist da wieder diese miese westliche Messen mit zweierlei Maß. Ende Februar rege man sich allerorten zu Recht über die russischen Waffenlieferungen nach Syrien auf. Eine Reuters Agenturgeschichte am 21.2. wurde von der österreichischen Zeitschrift Format übertitelt mit:
Russlands schmutzige Geschäfte mit Syrien
Reuters untertitelte die Geschichte mit:… weiter lesen
28.07.2011 von Karim El-Gawhary

Quelle: .globalarabnetwork.com
Man vergisst ihn leicht, den Jemen, weit weg ganz unten im Süden der Arabischen Halbinsel. Seit 120 Tagen halten die meist jugendlichen Revolutionäre dort auf dem „Platz der Veränderung“ in der Hauptstadt Sanaa und auf anderen Plätzen des Landes ihre Stellung, gegen große mächtige Gegner: gegen das alte Regime Abdallah Saleh, der nach einem Anschlag in Saudi Arabien im Krankenhaus liegt und ein politisches Vakuum hinterlassen hat, gegen den Nachbarn Saudi Arabien, der alles daran setzt, dass sich im Jemen keine Revolution durchsetzt, gegen ein altes verkrustetes Stammessystem und gegen die USA, die aus Furcht vor Al-Kaida keine revolutionäres Experimente im Jemen zulassen will.

Wasim Alqershi
Wasim Alqershi ist ein Mitglied des Organisationskomitees der „Volksrevolution der Jugend“ und ehemaliger Vorsitzender der jemenitischen Studenten Union.
Es folgen von mir übersetzte Auszüge eines Artikels, den er jetzt in der jemenitischen Presse veröffentlicht hat.… weiter lesen
30.11.2010 von Karim El-Gawhary

Quelle: www.salon.com - Tom Tomorrow
Ich habe mir den Handschuh schon einmal übergestülpt. Die Enthüllungen von Wikileaks werden die Journalisten und vor allem uns Nahost-Korrespondenten wohl die nächsten Wochen und Monate beschäftigen. Denn ein großer Teil der geheimen Depeschen beschäftigt sich mit dieser Region. Und anders als die Diskussion in Europa, die sich mit Eitelkeiten und Schwächen von Politikern beschäftigt, treffen die dipomatischen Noten im Nahen Osten mitten ins Herz der dortigen politischen Konflikte.
Es ist atemberaubender, manchmal amüsanter, aber auch beängstigender Lesestoff. Im Moment komme ich selbst mit dem Querlesen kaum nach.
Gestern habe ich versucht, in einer ersten Analyse der bisher veröffentlichten diplomatischen Kabel, die meiner Meinung nach wichtigsten Punkte für diese Region zusammenzufassen. Das Ergebnis findet sich hier. Ein Gespräch mit dem gestrigen ORF Ö1 Mittagsjournals kann hier angehört werden.

Ich glaube, die wichtigsten absehbaren Auswirkungen auf den ersten Blick sind:… weiter lesen
04.11.2010 von Karim El-Gawhary
Bei den Kongresswahlen in den USA war der Irak kein Thema mehr. Und selbst in der Region sind die vor kurzem über Wikileaks veröffentlichten 400.000 Geheimdokumente des US-Militärs in Sachen Irak, dank jemenitischer Bombenpakete, bereits in Vergessenheit geraten.

Am liebsten würde Washington das Kapitel Irak als abgeschlossen ansehen. Nur der ehemalige US-Präsident George W. Bush erinnert uns dieser Tage in seinen Memoiren an die irakische Episode. Der Expräsident gibt zu, dass die Tatsache, dass keine Massenvernichtungswaffen im Irak gefunden wurden, bei ihm ein Gefühl der Übelkeit erzeugt habe und ihn weiter belaste.
Übel wird es einem auch bei den veröffentlichen Geheimdokumenten. Damit der Irak nicht vollkommen in der kollektiven Amnesie entschwindet, hier zur Gedächtnisauffrischung eine Dokumentation von Al-Jazeera International, die den Inhalt der Dokumente in Englisch zusammenfasst. Es lohnt sich, sich ein wenig Zeit zu nehmen.
1300 Folterfälle wurden nach Saddams Zeiten in den Geheimdokumenten… weiter lesen
30.10.2010 von Karim El-Gawhary

Komplexe Welt: Mc Escher - Relativity
“Saudi Arabien rettet jüdische Einrichtungen in den USA”.
Eine Zusammenfassung der Ereignisse der letzten Stunden, rund um die gefundenen Sprengstoffpakete. Ein Satz, der die Komplexität der Wirklichkeit widerspiegelt.
Die Al-Kaida Sprengstoffpakete, im Jemen aufgegeben, waren für zwei jüdische Einrichtungen in Chicago bestimmt. Der entscheidende Tipp für die Aufdeckung des Ganzen kam vom saudischen Geheimdienst.
Juan Cole fasst das in seinem Blog “Informed Comment” schön zusammen.
Mein heutiger Hörfunk-Beitrag zu Al-Kaida im Jemen im ORF-Mittagsjournal findet sich hier
21.10.2010 von Karim El-Gawhary
Wirtschaftskreisläufe haben etwas Aufregendes. Nehmen wir zum Beispiel den neusten Waffendeal zwischen den USA und Saudi Arabien, den das Außenministerium in Washington jetzt bestätigt hat. Umfang: 60 Milliarden Dollar.
Amerikanische Waffenschmieden sollen dafür 84 F-15 Kampfjets, 70 Apache Kampfhubschrauber, 36 AH-6M Little Bird Leichthelikopter und 72 Black Hawk Hubschrauber und noch alle möglichen anderen tödlichen Kleinkram liefern.
Der amerikanische Autofahrer füllt seinen Tank mit dem Rohstoff aus Saudi Arabien, das wiederherum gibt die gewonnenen Petrodollars für amerikanische Waffen aus. Am Ende bleibt das Geld also in der Familie, nur dass es ein wenig vom Autofahrer zu den Rüstungskonzernen umgeschichtet wird, deren Arbeiter (der Deal soll 75.000 neue Arbeitsplätze schaffen) dann wieder zur Tankstelle fahren ….. Weltwirtschaft pur.

F-15 In der Wirklichkeit kein Spielzeug
Mit einem wunderbaren Nebeneffekt: Saudi Arabien wird im gleichen Atemzug für einen möglichen Waffengang gegen den Iran aufgerüstet. Der Staatsekretär… weiter lesen
10.09.2010 von Karim El-Gawhary
Nach dem Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak ist es Zeit, eine andere traurige Bilanz zu ziehen Laut einem jetzt veröffentlichten Bericht von „Reporter ohne Grenzen“ sind seit dem Einmarsch der US-Truppen im März 2003 im Irak 230 Medienmitarbeiter getötet worden. Das übersteigt die Zahl der getöteten Reporter während des Vietnamkrieges.” Während des Vietnam-Kriegs von 1955 bis 1975 kamen 63 Journalisten ums Leben.

(Zaki Shaqfeh, Al-Ra'i, 5/24/04).
Rund 70 Prozent der Journalisten starben bei gezielten Anschlägen und Attacken – eine weitaus höhere Rate als bei vorangegangenen Kriegen. In mehr als 80 Prozent der Fälle kamen die Täter aus den Reihen bewaffneter Gruppen, die im Widerstand zur US-Koalition und der irakischen Regierung stehen. Für rund zehn Prozent der Todesfälle waren die internationalen Besatzungstruppen verantwortlich. .Die meisten Todesopfer, fast 90 Prozent, waren irakische Medienvertreter.
Damit es nicht in Vergessenheit gerät. Hier noch einmal das bekannte Wikileaks-Video, in dem… weiter lesen
05.08.2010 von Karim El-Gawhary

Capitol Hill - Ap via taz
Das Budget Komitee des US-Senats hat verkündet, die Hilfsgelder zur Demokratieförderung für Ägypten um fünf Millionen Dollar zu kürzen. US-Präsident Barack Obama hatte eigentlich 25 Millionen veranschlagt, da waren es nur noch 20.
Beobachter glauben, dass das einen Trend innerhalb der US-Regierung widerspiegelt, den Druck auf das ägyptische Regime zur politischen Reform zu reduzieren.
Unangetastet bleiben die jährlichen 1,3 Milliarden Dollar US-Militärhilfe an Ägypten.
Also die Frage der Woche:
Sollen die USA und Europa Programme zur Förderung der Demokratisierung der arabischen Welt auflegen?
Ist das eine nicht zulässige Einmischung in die inneren Angelegenheiten und müßen poltische Reformbewegungen nicht von innen wachsen?
Hat der Westen in seiner Demokratieförderung überhaupt Glaubwürdigkeit, wenn er gleichzeitig demokratisch gewählte Bewegungen, wie die palästinensische Hamas und die libanesische Hisbollah als Gesprächspartner nicht anerkennt und sie politisch zu isolieren sucht?
Haben die Neokonservativen und George W. Bush da… weiter lesen
23.07.2010 von Karim El-Gawhary

fragt das Nixon-Center und hat in dieser Frage eine Debatte begonnen. Für Chas Freeman liegt Israel für Washington dabei eindeutig auf der Lasten-Seite.

Chas Freeman
Chas Freeman einer der wichtigsten Berater und Übersetzer bei Richard Nixons berühmter China-Visite 1972, später Botschafter in Saudi Arabien, stand einst auch dem einflussreichen Middle East Policy Council vor. Beim Amtsantritt Barack Obamas war er für den Posten des National Intellegence Councils im Gespräch, einer Institution, die langfristige Strategien für den US-Geheimdienst erarbeiten soll und die nach dem Sturz des Schahs im Iran und dem damaligen offensichtlichen Scheitern des Geheimdienstes gegründet worden ist. Freeman wäre damit einer der wichtigsten aussenpolitischen Berater Obamas geworden.
Wegen seiner bekannten kritischen Haltung gegenüber der Politik der bedingungslosen Unterstützung Israels, wurde er damals von den Unterstützern Israels im US-Establishment scharf angegriffen und zog seine Kandidatur nach mehreren Wochen zurück.
Freemans Anmerkungen für das Nixon-Center… weiter lesen
19.05.2010 von Karim El-Gawhary
Es war ein trauriger Tag für Amerika. Eine Hisbollah-Unterstützerin wurde letztes Wochenende zur Miss USA gewählt. So zumindest sehen ultra-konservative, islamophobe Blogs in den USA die Wahl der aus dem Südlibanon stammenden Rima Fakih zur Miss USA. Sie ist die erste Araberin und Muslimin, die das Krönchen erobert hat. Zuvor bereits Miss Michigan, hat sich die 24jährige gegen ihre 49 Konkurrentinnen durchgesetzt.


Zusammenstellung der Bilder, wie im Debbie Schlussel Blog
Mit drei Jahren war sie mit ihrer Familie nach New York ausgewandert und besuchte dort eine katholische Schule, bevor sie 2003 nach Dearborn im US-Bundesstaat Michigan zog. Sie stolziert nicht nur über Schönheitsköniginnen-Stege. Sie studiert Wirtschaft und ist und angehende Juristin im Zweitstudium. In ihrer Freizeit widmet sich sich dem Kickboxen.
Jedenfalls ist das „Amerikanisch-Arabische Anti-Diskriminierungs-Komitee“ stolz auf sie. Im Global Arab Network hatte Rima noch vor dem Finale erklärt, dass viele Araber in den USA… weiter lesen