10.04.2010 von Peter Voßwinkel
MARTa steht für “Möbel – Art – Ambiente”. Ein ungewöhnlicher Name für ein Museum, in dem die Grenzen von zeitgenössischer Kunst und modernem Design erkundet und überschritten werden sollen. Im Mittelpunkt sollen hierbei die Kunst des 21. Jahrhunderts sowie aktuelle Tendenzen des Möbel-Design stehen.

Entworfen wurde das Museum vom kanadisch-amerikanischen Architekten Frank Gehry, Los Angeles. Ausführendes Architekturbüro vor Ort war Archimedes, Bad Oeynhausen das bereits mehrere Bauten von Gehry realisierte.

Gehrys Gebäude realisieren einen radikalen Bruch mit den Traditionen der Moderne. Die skulpturalen Aspekte seiner Bauten schaffen einen direkten Dialog mit der bildenden Kunst. Sein dekonstruktivistischer Baustil, der seit Jahrzehnten internationale Maßstäbe setzt, ist von Philosophie und Naturwissenschaften, skulpturaler Kunst und Design inspiriert.

Dabei entsteht jedes Bauwerk in Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Standort: Der regionaltypisch verklinkerte und von einem Edelstahldach wellenförmig bedeckte Komplex des MARTa Herford (52° 7′ 15.53″ N, 8° 40′ 5.97″ E) besteht aus vier verschiedenen Bauteilen:… weiter lesen
03.04.2010 von Peter Voßwinkel
“Hört endlich auf, weiterhin so zu bauen, wie Ihr baut! Es ist widernatürlich. In unseren Neubauvierteln wird mir speiübel — und nicht nur mir”, rief der Architekt Frei Otto bereits 1977 in einem Festvortrag seinen Kollegen zu. „Wo bleibt die Menschenliebe? Ich bewundere Architektur, doch ich habe die Häuser unserer Zeit hassen gelernt, selbst wenn sie perfekt geplant sein sollten. Wir bauen die Stadt und versteinern die Natur. Wir sind alle von der gleichen Krankheit befallen und haben noch nicht die Medizin dagegen.”
Er träumt von einem Super-Zelt in der Arktis, das einer ganzen Stadt Platz bietet, von gigantischen Luft-Fischen, die umweltfreundlich Menschen und Waren transportieren. Daß diese Visionen keine Wünschträume bleiben müssen, hat er mit Öko-Häusern, riesigen Zelt-Dächern und organisch entwickelten Hallen längst bewiesen: Frei Otto, der geniale Außenseiter der Architektur.

Im Rahmen unserer Architekturtheorie Reihe hier die… weiter lesen
04.03.2010 von Peter Voßwinkel
Im norwegischen Trondheim wurde von Haugen/Zohar Architekten eine wunderbare Feuerstelle entworfen und gebaut, die einen Raum für das Feuer und die Erzählkunst spielend miteinander verbinden.

Das Design beruht auf kurzen Holzstücken, angelehnt an die norwegischen Rasen-Hütten und den alten Klotz-Aufbau. Die Struktur wird aus 80-geschichteten Kreisen gebildet. Die Radien und die Bezugsmittelpunkte verschieben sich jeweils, so dass diese fließende Schornstein-Wirkung entsteht. Die aufgeschichteten Kiefer-Stücke sind vertikal mit Eiche-Separatoren auf Abstand gehalten, um die Schornstein-Wirkung zu erzielen und natürliches Licht zu sichern.







27.02.2010 von Peter Voßwinkel
In den letzten Jahren wird dieser so genannte “new international style”, wie es aus dem Umfeld diverser Institute klingt, an denen immer Mitarbeiter von Zaha Hadid Architects beteiligt sind, propagiert.

Patrik Schumacher gilt als Stratege und gibt oftmals die Gestaltungslinie vor. Als Gründungsdirektor des Design Research Lab der Architectural Association London und Gastprofessor an renommierten Universitäten wie Columbia, Harvard und der Wiener Angewandten hat Schumacher sich international als Theoretiker einen Namen gemacht. In seinem Manifest zum „Parametricism“, dem neuen großen Stil nach dem Modernismus, definiert Schumacher die Forderung zeitgenössischer Avantgarde-Architektur nach größerer Komplexität im Hinblick auf die Anwendung parametrischer Designsysteme – oder kurz: Stile sind eigentlich Gestaltungsforschungsprogramme.

Kürzlich stellte Schumacher das Konzept des Parametrismus in Berlin im Rahmen einer Ausstellungseröffnung zur “Utopie und Architektur” der Alfred-Herrhausen-Stiftung im Guggenheimmuseum in der Deutschen Bank, Unter den Linden vor.
Die zahlreich im Publikum auszumachenden Nachwuchsarchitekten staunten nicht schlecht ob der Hightech-Programm gesteuerten… weiter lesen
10.02.2010 von Peter Voßwinkel
Vier Stationen und eine Schrägseilbrücke.

Bewegungsarchitektur. Architektonisch begleiteter Weg von der urbanen Dichte der Innsbrucker Innenstadt in die elementare Kargheit des alpinen Raumes. Vorweggenommene, nein besser, vorab präsentierte hochalpine Symbolik, gletschergleiches Fließen hochtechnologischer Glashüllen.
Distanzüberwindung als zentrales architektonisches Thema – hier ganz bewusst touristisch interpretiert. Bauen in den Bergen nun als Anlass zu einer radikalen Formerforschung. Architektonische Neurophysiologie, sich den Tautologien alpiner Topologien entgegenstellend. Ein Versuch, neue Architektur nicht ausschließlich auf der formalen Ebene zu generieren.

Eben Bewegungsarchitektur: Raum wird erfahren, fast zwei Kilometer lang. Mit vier neuen Stationen, welche die City mit der Nordkettenbahn verbinden. Stationen aus verformtem Glas, künstliche Eis- und Schneelandschaften.

Formgewaltige Architektur, paradoxerweise jenseits der Form. Architektur auf der Suche nach abstrakter, komplementärer Ästhetik, also auch die formale Ästhetik überwinden wollend.

Eine neue Organisation des Raumes: raumgewordenes Äquivalent zur Wucht der Berggipfel, die den Besucher der Innsbrucker Innenstadt auf Schritt und… weiter lesen
22.01.2010 von Peter Voßwinkel
“Jeder Städtebewohner weiß, dass die Architektur, im Gegensatz zur Poesie, eine terroristische Kunst ist.” Dieses berüchtigte Zitat von Hans Magnus Enzensberger beschreibt die Wahrnehmung von Architektur für viele Stadtbewohner als Nutzer, die ihr schonungslos ausgesetzt sind.

Wie keine andere Kunst ist die Architektur nur im Kontext wahrnehmbar. Architektur ist nicht zu trennen vom Städtebau. Sie ist Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Ästhetik ist von der Ethik nicht zu trennen.
Wirklich gut ist eine Architektur, deren visueller Eindruck so auf das körperliche Selbstgefühl einwirkt, dass der Körper Haltung annimmt – und diese Haltung den räumlichen Eindruck zu einer noch einmal anderen Qualität steigert.
Diese Kommunikation der Modalitäten untereinander steckt hinter den Eindrücken einer höheren Stimmigkeit. Sie ist dem Verstand nicht geheuer, ist aber der Steigerung fähig bis zur synästetischen Resonanz. Phänomene der synästhetischen Resonanz haben die charakteristische Form von Evidenzerlebnissen. Sie machen sich bemerkbar in einem erstaunten bis hin zu verblüfften aha.… weiter lesen