taz logo klein
logo taz.de logo tazblogs
13.03.2009

Waltzing, not understanding

von caretta

Pamela Anderson hostet heute eine Party in Beirut, das Schicki-Großereignis, bei dem die V-V.I.P-Tickets, mit denen man ihr ganz nahe sein darf, nur 200 $ kosten.
Vorgestern wurde „Taxi Banat“, „Mädchen Taxi“ eingeführt, eine rosafarbene Taxiflotte, bei der nur Frauen am Steuer sitzen und in der nur Frauen transportiert werden. Wobei „Banat“ neben „Mädchen“ auch alle anderen unverheirateten Frauen, egal welchen Alters, bezeichnet. Als Kundenkreis will man sich an die konservativeren Damen aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten wenden, dabei nehmen diese ihre Schleier oft schon im Flugzeug nach Libanon ab und glänzen im frühlingshaften Beirut durch knallenge teure Designerkleidung und unglaublich hohe Schuhe, also eher nicht zurückhaltend.

Ein Bekannter hat gerade umgeschult und ist nun nicht mehr nur Skipper auf Miet-Yachten, sondern bietet auch „Romantic Services“ für ältere, wohlsituierte Damen aus eben diesen Arabischen Ländern an. Als Skipper hatte er die Liebesdienste noch kostenlos geleistet, da nun einige seiner Kumpels diesen Job erfolgreich gegen gutes Geld machen und seine Potenz es auch hergibt, ist er schnell gut ins Geschäft gekommen. Ich sehe ihn kaum noch, denn die Beiruter Besuchssaison hat, mit dem Abziehen der dicken Gewitterwolken Anfang März, bereits begonnen.

Der hier verbotene israelische Film „Waltz with Bashir“, der in der Zeit der israelischen Invasion im Libanon spielt, ist hier seit langem der Renner unter den raubkopierten DVDs, die man an jeder Ecke kaufen kann. Er wurde neulich in der Art Lounge, einer alternativen Galerie, gezeigt. Im Rahmen eines Festivals, um das offizielle Verbot zu umgehen, sahen dort rund 100 Beirutis den Film, der zwar eine Teilschuld der Israelis am Massaker vom Sabra und Schatila eingesteht, dann aber doch viele Fragen zum Umgang mit diesem kriegerischen Teilabschnitt der israelisch-libanesischen Geschichte offen lässt. Nach dem Screening herrschte zunächst landesuntypische Stille im Saal. Ein paar Mädchen, alle zu jung, um den Krieg miterlebt zu haben, waren verstört und hatten Tränen in den Augen. Nadja, eine 24-jährige Libanesin, deren Eltern im Bürgerkrieg flüchteten und die bis 2001 in Namibia lebte, kommentierte trocken, dass sie offiziell Christin, aber komplett unpolitisch sei, wie so viele ihrer Freunde. Und dass kein alter Christ, der damals Angehöriger einer der mit den Israelis verbündeten Miliz war, jemals etwas zugeben oder gar reflektieren würde. Der Hass sei schließlich immer noch groß, besonders der der Christen gegen viele Sorten Nicht-Christen. Wir sprachen mit dem deutschen Leiter des Orient Institutes ein wenig über Erinnerungskultur und darüber, dass es noch lange brauchen würde, bis die junge Generation Fragen stellen würde – und dass dazu zuvor eine längere Periode des Friedens notwendig sei.

Auch die anderen, international aufgewachsenen Libanesen die ich sprach, konnten mit dem Film wenig anfangen, da er ja eindeutig nicht im Sinne der Völkerverständigung erstellt worden sei. Sondern, nach ihrer Sicht, um eventuelle Schuldgefühle der damaligen israelischen Soldatengeneration aufzugreifen und psychologisch – wie schon längst offiziell geschehen – zu amnestieren. Waren ja schließlich die Libanesen selbst, die die tausenden Palästinenser ermordet haben, und die zuständigen israelischen Kräfte hatten (laut „Waltz with Bashir“), als sie bemerkten, dass ein Massaker stattfindet, schließlich an den damaligen Verteidigungsminister Ariel Scharon berichtet, der die Vorkommnisse aber nur zur Kenntnis genommen habe.

Ziad Nawfal, der Veranstalter, meinte, dass er den Film zeigen wollte, weil die Neugier im Lande auf den Film so groß gewesen sein und er ein Bestseller in den Piraten-Videotheken sei. Nicht, weil er ihn so gut gefunden hätte, obwohl die animierte Darstellung ja schon interessant sei.

Palästinenser, also Überlebende und Nachkommen des Massakers aus den immer noch ärmlichen Flüchtlingslagern, die gerade mit deutschen Geldern neue Abwasserleitungen bekommen haben, waren nicht unter den Zuschauern. Allein das Taxi zum Veranstaltungsort wäre für ihr Familien-Monatsbudget tödlich gewesen.

08.03.2009

Beirut betet für Frauen Papua-Neuguineas

von caretta

Endlich geht geht es wieder los mit den sommerlichen Temperaturen hier im Libanon, und langsam kommt die kurze Zeit des Jahres, in der man tatsächlich morgens Skifahren und nachmittags im Mittelmeer baden kann.

Das kulturelle Leben kommt auch wieder ein wenig in Schwung: gestern Nacht bis gestern mittag lief die erste S/M-Party des Landes, aber da ging es eher um Lack- und Leder-Styling denn um tatsächliche Aktionen á la Berliner Kitkat Club (öffentlicher Mehrfachsex etc.).

Im Skiresort Faraya wurde dann heute ab 12 h mittags Familienväter-Programm geboten, eine Dessous-Modenschau eines lokalen Untwäschefabrikanten im Schnee, genau das, was man in den Bergen bei Sonnenschein braucht, wenn man’s denn braucht…

Unbeirrt all dessen trieb es mich am heutigen Weltgebetstag der Frauen in die Deutsche Protestantische Gemeinde zu Beirut, nicht unbedingt, weil ich mich an diesem Event beteiligen wollte, sondern weil ein befreundeter deutscher Student mich nach einem Job gefragt hatte. Ich erinnerte mich, dass in der Deutschen Gemeinde immer ein Zettel mit einem gering bezahlten Angebot eines Call-Centers hing, das deutsche Muttersprachler suchte, aber diesem Call Center geht es grad aus bekannten wirtschaftlichen Gründen nicht gut, und so gab es keinen Job für den netten Kumpel.

Nun wollten wir aber natürlich auch dem Gottestdienst beiwohnen, und so lieb und warmherzig-christlich das Geschehen in der kleinen, bescheidenen Kirche war, so absurd war auch alles irgendwie im gesamtlibanesischen Zusammenhang. Am Sonntag haben einige der meist sehr schlecht bezahlten (und schlecht behandelten, sie Blog weiter unten) Hausmädchen aus noch kaputteren Ländern als diesem hier frei, und in manchen Ecken Beiruts wähnt man sich kurz auf den Philippinen oder in auf Sri Lanka.

Dazu sind einige reiche Libanesen zum Sport unterwegs, auch amüsant, wie sich die arabischen Männer, die sonst ums Verrecken keine kurzen Hosen tragen würden, in ihrer US-Basketballkleidung in die dicken Mercedesse setzen, um allen die es sehen wollen, zu zeigen: “Ich bin modern und geh’ trainieren, und zwar in teurem modernen Sportzeug!” (alle Sportstudios hier haben natürlich Umkeiden und Duschen, es besteht kein Grund, in glänzender Sportkleidung mit riesigen Sonnenbrillen durch die Innenstadt zu laufen). Sei’s drum. Jeder nach seiner Facon, wie der Protestant so gerne sagt.

Die Lithurgie zum Weltgebetstag der Frauen wurde ja in diesem Jahr für alle am Frauenweltgebetstag teilnehmenden Gemeinden von Frauen auf Papua-Neuguinea ausgearbeitet, und auch wir in Beirut hielten uns daran. Zunächst bekamen Gemeindemitglieder und Besucher große, runde bunte Pappkreise mit von den Kindern der Gemeinde ausgemalten Paradiesvögeln um den Hals gehängt. Der Altar war mit tropischen Pflanzen, von denen manche auch hier wachsen, geschmückt. Danach sollten alle Anwesenden sich auf einer der 800 Sprachen Papuas begrüßen. Dann kamen die deutsch-libanesischen Kinder, als papuanische Paradiesvögel verkleidet, in die Kirche und flatterten ein wenig mit den Bändern an ihren Armen herum. Wir sangen Lieder auf einer der Sprachen Papuas, und es wurde für die unterdrückten Frauen Papuas (auf deutsch) gebetet.

Glücklicherweise, damit auch der Libanon weiter im demokratischen Sinne angesichts der im Juli anstehenden Wahlen vorankommt, beteten wir dann noch für

- die Menschen in führenden und verantwortlichen Positionen, die den Libanon regieren,

- für die Versorgung der Bedürftigen mit den notwendigsten Gütern im politischen Durcheinander,

- für die leidende ländliche Bevölkerung

- für die Verantwortlichen auf regionaler und lokaler Ebene, auch für die Clanführer und dörflichen Leiter.

Na, mit diesen Wünschen steht ja der demokratischen Neuorganisation des Libanons nichts mehr entgegen, blöd nur, dass die meisten lokalen Christen vom Protestantismus und der “verfälschten Bibel” nichts halten.

Wir haben trotzdem unser Bestes getan, und als zwischendurch der Gebetsruf eines Muezzins zu uns in die Kirche schallte, wussten wir: wir sind nicht allein in unserer Hoffnung.

Beim anschließenden Come-Together, das die Frauen der Gemeinde ganz liebevoll mit internationalen Spezialitäten mit Schwerpunkt auf Papua-Neuguinea kulinarisch gestalteten, stellte sich dann auch die neue deutsche Botschafterin kurz vor. Sie, bemerkenswerterweise ohne Body-Guards unterwegs, erklärte bei der Vorstellung aber dummerweise, dass sie, obwohl herzlich willkommen, leider nicht jeden Sonntag kommen könne, da sie katholisch sei und sonntags gerne die Messe besuchen würde. Dass viele deutsche Frauen, langjährige Gemeindemitglieder, ausriefen, “Ich bin auch katholisch! Kommen sie trotzdem!” schien sie spontan nicht umstimmen zu können.

Trotzdem sangen wir noch einige Male gemeinsam: “Wo die Liebe wohnt und Güte, wo die Liebe wohnt, da ist unser Gott”, aber, also, wenn man sich mal ehrlich im sozialen System des Landes umschaut, und dann noch die Animositäten zwischen den Konfessionen betrachtet, möchte man sagen, dass hier nicht so viel Liebe wohnt, man könnte sagen: Gott schon lange nicht mehr im Libanon vorbeigekommen ist. Vielleicht hat er ja gerade in Papua-Neuguinea zu viel zu tun.

24.02.2009

Verbuddelung von deutschen Steuergeldern

von caretta

Deutsche Entwickungs- und Wiederaufbauhilfe: in vielen kaputten Ländern der Welt angewandt, bringt sie viel Gutes. Hier, im südlichen Teil des Libanon, wurden in den letzten zwei Jahren rund zehn Millionen deutsche Steuern verbuddelt, denn durch leckende Abwasserleitungen wurde das Grundwasser immerzu verschmutzt. Zudem gibt es in vielen Gebieten ein nur mangelhaftes Abwassersystem, in manchen Ecken, Palästinenserlagern, manchmal sogar gar keines. Da steht das Dreckwasser dann schon mal halbmeterhoch nach den, jetzt im Frühling, häufigen Regenfällen. Um mehrere Ecken herum gedacht, soll der Radikalisierung der Bevölkerung durch Verbesserung der Lebensumstände Einhalt geboten werden.

Wie das praktisch aussieht, bekam ich heute präsentiert. Ich war auf einer Tour, die mich an neuen Gullideckeln vorbeiführte. Im Auftrag Deutschlands musste geschaut werden, ob die hiesigen Vertragspartner und die syrischen Gastarbeiter unsere Steuergelder gut verbuddelt hatten. So fuhr ein hierarchisch gegliederter Konvoi durch einige verschlafene christliche, schiitische und christlich-schiitisch-gemischte Bergdörfchen. Kirche neben Moschee, alles friedlich, und damit die Kirchen dem Moscheegesang aus Lautsprechern etwas entgegen zu setzen haben, singt es hier mittags lieblich-christlich aus den am Kirchturm angebrachten Lautsprechern.

Ganz bezaubernd ist die libanesische Hügellandschaft im Frühling, der ja hier schon blüht. Schmetterlinge, lilafarbene- und gelbe Blumenwiesen und silbrig glänzende Olivenhaine, Zitronen- und Orangenbäume in voller Pracht lassen die Kraft der Schöpfung spüren. Man möchte einem jungen Zicklein gleich in die Haine hüpfen, doch das könnte tödlich enden. Zum Glück warnen hier Schilder „Danger Cluster Bombs“ vor den israelischen Souvenirs des Sommer-Krieges 2006.

Unser hierarchischer Konvoi gliederte sich folgendermaßen: Ein dicker Landrover mit dem libanesischen Vertragspartner der Abwasserleitungen legenden lokalen Firma fährt vor, es folgt ein BMW mit zwei wichtigen Herren der Regierung, dann ein Mercedes mit drei wichtigen Lokalpolitikern, dann ein umweltverträglicher Kleinwagen mit den deutschen Geldgebern, und am Ende fährt ein schrottreifer Pick-Up mit den drei Männern, die für das Kanaldeckelheben mit Spitzhacke zuständig sind. Bei Stopps in Dörflein kommt immer noch der lokale Hisbollah- oder Amal-(zweite schiitische Partei)-Chef vorbei und auch die Anwohner kommen gucken. An jedem Gullideckel auf dem Weg wird Halt gemacht, die drei Arbeiter springen aus ihrer ollen Karre und zerren wild am Deckel herum. Es wird mal hier, mal da eine nicht vorhandene Dichtung bemängelt, dann telefonieren die Herren aus dem Landrover und dem BMW wild mit ihren Mobiltelefonen. Die nicht so wichtigen Herren schauen auf ihre Mobiltelefone, andere schauen nur auf ihre Zigarettenpackung und rauchen, als gäbe es kein Morgen mehr.

Unterdessen putzen die Arbeiter mit bloßen Händen Asphaltsteinchen aus dem Gullideckel, springen ohne Gummistiefel oder gar Sicherheitsschuhe in die Kanalisation und kuschen vor dem auftraggebenden Platzhirsch, da sie so sehr um ihren Job, für den sie rund zehn Dollar pro Tag bekommen, fürchten. Bei den zahlreichen Kaffee-Einladungen, die wir unterwegs in Häuser entlang der Gullideckel bekamen, mussten die Arbeiter, die Kaffee und kleine süße Stärkungen am Nötigsten hätten, leider immer draußen bleiben. Ob das so alles im Sinne Deutschlands ist?

23.02.2009

Fehlalarm, Glück gehabt

von caretta

Da hier im Nahen Osten ja immer “etwas” passieren kann, ist es wichtig, stets gut informiert zu sein. Mit einem kostenpflichtigen SMS-Benachrichtigungsservive der Telefonprovider bekommt man zuverlässig brandaktuelle Nachrichten aufs Mobiltelefon gesendet. Letzten Sommer, ich war gerade am Strand, kam zum Beispiel die Nachricht, dass spontane Schießereien auf der Flughafenstraße gemeldet wurden. Da denkt man natürlich immer gleich Schlimmstes, und ich hatte die Chance, die Strasse, auf der sich schiitische Familien einen kleinen Kampf lieferten, sicher zu umgehen.

Am Freitag, ich hatte Besuch von einigen Rheinländern die lokales Bier und Arrak genossen und “Viva Colonia” und all solch Zeug sangen, kam die SMS, dass ein israelischer Soldat an der Grenze, in der Nähe der UN-Headquarter, verloren gegangen sei. Da stockten die karnevalistischen Heimatgesänge, schließlich weiß die Welt seit nicht erst seit Sommer 2006, was Israel alles in Gang setzt, um seine Schäfchen sicher nach Hause zu holen. Das Knallen der Feuerwerke, die hier zu allerlei Festivitäten fast täglich gezündet werden, bekam, ebenso wie das Knallen und Blitzen der Gewitterwolken, schnell einen neuen Beigeschmack. Was, wenn?

In der nächsen SMS wurde uns mitgeteilt, dass Israelis das Grenzgebiet mit Leuchtraketen erhellen, um den Soldaten zu finden, dann plötzlich hiess es, er sei weiter südlich, bei Haifa in Nordisrael und nicht in Naquora, also in Südlibanon, verlustig gegangen. Am nächsten Mittag eine noch verwirrendere SMS: ein toter Surfer sei in Nordisrael angespült worden. Dann fing jemand, nicht die Hisbollah, die steht ja immer zu ihren Taten, an, Raketen nach Israel zu schießen, Israel schoß zurück.

Am Samstag hingen alle in meinem ultra-christlichen Stadtviertel, hier, wo ein Fleischverkäufer ein Kreuz in die Stirn tättowiert trägt und viele kleine Lädchen den ganzen Tag “Noursat”, den Kirchensender laufen haben, nicht vor dem Christensender. Sondern ausnahmsweise in Aufregegung vor den live Bericht erstattenden Nachrichtenkanälen. Hatte sich aber längst alles in Wohlgefallen aufgelöst, über den verschollenen Israeli wurde nichts weiter gemeldet. Nochmal Glück gehabt, denn schließlich hätte eine neuerliche Entführung eines Soldaten auch die längst angekündigte Rache der Hisbollah am Tod des Kommandeurs Imad Mughnieyh, die ja noch aussteht, sein können.

So bleibt derzeit das größte Ärgernis im Libanon, dass zu es zuviel schneit, um Skifahren zu gehen.

Küsschen!

Eure Caretta

20.02.2009

Ups! Israel noch cleverer als gedacht…

von caretta

Wer hier im Libanon etwas von der Hisbollah will, sei es auch nur journalistisch nutzbare Informationen, muss sich offizieller Anmelden als bei einem deutschen Amt.

Das Prozedere: Vorsprechen im Pressebüro in Dachiye, dem 2006 von den Israelis ziemlich stark zerstörten und nun schon wieder eifrig aufgebauten Stadtteil im südlichen Beirut. Dazu braucht es Briefe der Medien für die man arbeitet, einen Brief, dass man beim libanesischen Informationsministerium als JournalistIn registriert ist, den internationalen Journalistenausweis und zwei Passfotos. Zudem muss ein detaillierter Frageboden ausgefüllt werden. Inklusive der lokalen und der Heimatadresse, aller Telefonnummern und natürlich muss das Ziel der Recherche angegeben werden. Dann heißt es 48 Stunden warten, bis die komplett verschleierte Pressedame alle Informationen überprüft hat und sich wieder meldet.

Wird man akzeptiert, so darf man in Begleitung von Hisbollah-Sicherheitsleuten durch das Viertel spazieren und Fotos von ausgewählten Gebäuden und noch sichtbaren Kriegsschäden machen. Dazu gibt es natürlich einen großen Anti-Zionistischen Vortrag. Zum Schluß wird man oft noch zu einem Gespräch, “Fünf Minuten für Gott” eingeladen, das dann natürlich auch gerne einige Stunden dauern kann. Am Ende des Gesprächs ist man fast verpflichtet, der Schia beizutreten, denn nach der ausführlichen Lehrstunde über Mohammed und den Koran kann man “später nicht mehr sagen, man habe von allem nichts gewußt” und soll sofort selbst mit dem Missionieren beginnen.

Verfolgt man dieses Prozedere nicht, so wird man sofort in dem Moment, in dem man Dachiye betritt, festgesetzt. Passierte mir unlängst zusammen mit einem US-TV-Team, ausgerechnet Freitagmittag, kurz vor dem großen Gebet. Wir drehten im benachbarten Palästinenserlager Bourj al Barajneh, gingen mit vorgehaltener Kamera mit unserem Pali-Protagonisten auf die Straße, die aber schon zur Hälfte im Hisbollah-Gebiet liegt. Sofort war unser sechs-Leute-Team von zehn großen, starken, in schwarz gekleideten Männern mit Knöpfen im Ohr umgeben, und wir wurden in die nächste Hähnchenbraterei geleitet, wo man uns Tee gab und alle Schriftstücke die wir dabei hatten, sehen wollte. Dann begannen die schwarzen Herren wild zu telefonieren.

Nach einem leckeren Lunch und einigen weiteren Tees mussten wir die letzten Minuten unseres Tapes löschen und wurden entlassen. Soviel zur – aus ihrer Sicht sicherlich berechtigten – Paranoia der Hisbollah. Könnte ja schließlich gut sein, dass Israel Agenten als Journalisten losschickt oder Journalisten als Spitzel für den Mossad arbeiten.

Heute aber kam eine Meldung in der lokalen Presse, mit der man als VerfolgerIn der Situation hier gar nicht hätte rechnen können: ein vom Mossad bezahlter Kollaborateur hatte im Hisbollah-Gebiet Südlibanon jahrelang Autos an die Mitglieder der Organisation verkauft, die mit Satelliten-Abhörsendern versehen waren. Das Ganze flog auf, als an der Elektrik eines Autos etwas kaputt war und der Hisbollah-treue Mechaniker das unbekannte Überwachungsgerät an die lokale Sicherheitsabteilung Partei meldete. Jahrelang waren also Informationen aus dem vermeintlich sicheren und nicht zu inflitrierenden Hisbollah-System an die Erzfeinde im südlichen Nachbarland gesendet worden. Der Spitzel ist an die libanesischen Militärs übergeben worden und wird nun seit zehn Tagen interviewt. In seiner Haut möchte niemand stecken.

22.11.2008

Ortsbesuch zu Arafats Todestag am 11.11.

von caretta

Zu Arafats Todestag wurde ich von meinem Kumpel Abu Hassan zu einer Vernissage geladen. Nicht etwa in eine der schicken Beiruter Galerien in denen provozierende Fotos von nackten Barbies (als Jungfrau Maria gestylt) gezeigt werden, nein, diesmal ging der Kulturausflug ins Palästinenser-Camp Burj al-Barajneh. Camp, Lager, wie auch immer man diese armselige, abgeschottete Ansammlung von jahrzehntealten Betonrohbauten nennen mag, in denen die Elektrokabel so sehr durcheinanderhängen, das jährlich rund sechs Menschen sterben, weil sie den Kabeln zu nahe kommen.

Die Ausstellungseröffnung fand im Kulturzentrum der PLO statt. Ein weißgetünchter Raum in einem Haus ohne Eingangstür. Drei Mädchen, brav mit Kopftüchern verhüllt, dabei aber in krachengen quietschebunten Shirts und Jeans erklärten die liebevoll-armselige Ausstellung. Es waren Fotos, Ausdrucke von Internet-Fotos und Kinderzeichnungen von Abu Ammar (Arafat), der in den Camps wie ein Heiliger verehrt wird. Mit “Wir kämpfen für Palästina” und “Tod den Zionisten” und allerlei derartiger Parolen hatten die Kids ihre Bilder verziert. Die Jugendarbeit in der PLO, für die Abu Hassan zuständig ist, versucht so, dem palästinensischen Nachwuchs in der Diaspora wenigstens eine Sache mitzugeben, an die sie glauben können. Dass es den EINEN gab, dass jeder junge Palästinenser IHM nachfolgen könne – wenn er denn nur tapfer an den Ausflügen der PLO-Jugendorganisation teilnehmen würde und an die gemeinsame Sache glauben würde.

So gab es denn neben Bildern von Arafat auch einige Fotos, die kleine Palästinenser und Palästinenserinnen (in Fleck-Tarn, mit Kopftuch!) beim Springen über Feuerwände, beim Krauchen durch den Schlamm mit einem gewehrartigen Holzstück und beim Klettern auf Bäume und Häuserruinen zeigten. Abu Hassan lachte nur: “Ja, das sind unsere Pfadfindercamps, früher trainierten wir mit Waffen, heute ist das offiziell verboten…Was sollen wir machen, an irgendwas außer Allah müssen unsere Kids doch glauben können… Schau, es ist so:” fuhr er fort “wenn die jungen Männer hier ausgehen wollen und am schönen, schicken libanesischen Leben teilhaben wollen, so stoßen sie schon an den Discotüren auf ihre Grenzen.” Dort dort stünden die schiitischen und palästinensischen dicken Jungs, die es durch Bodybuilding und Steroidspritzen geschafft hätten, aus dem Elend zumindest für die Zeit ihrer kraftstrotzenden Jugend herauszukommen. Und die dürften keine Palis reinlassen, abgesehen davon, dass diese keine 20 Dollar für den Eintritt hätten und Männer meist Mädchen dabei haben müssen, um überhaupt reinzukommen. Palästinensische Mädchen würden aber der Familienehre zugute gehütet und dürften niemals wie die Christinnen, auch nicht in Begleitung ihrer Cousins oder Brüder, in Discos gehen. Selbstbestimmung für Frauen – vollkommen undenkbar!

“Mit der PLO-Jugendorganisation geben wir ihnen wenigstens das Gefühl – und den besonders guten auch die Chance – an sich und ihrem Gefühl für Palästina so zu arbeiten, dass einer von ihnen vielleicht der nächste Arafat werden könnte.” Mit 18, 20 machten die Jungs dann sowieso was sie wollten, soweit sie es in ihren begrenzten finanziellen Rahmen könnten, und die Mädchen heirateten meist eh den nächstbesten, um aus den beengten Zuständen in ihrem Elternhaus rauszukommen und sich mit den schnell kommenden Kindern eine eigene Realität im Hause des Mannes zu schaffen.

“Tja, that’s life im Camp, 60 Jahre nach unserer Nationalen Katastrophe, der Gründung Israels, und vier Jahre nach Abu Ammars Tod!” “Aber”, fügte Abu Hassan noch geheimnisvoll hinzu, “bald wird die Welt wieder von uns hören.” Denn nicht nur in dem als radikal und gefährlich bekannten Camp Ain el-Helwa hätten sich Krieger der Fatah al-Islam, der “Al-Qaida im Nahen Osten” verschanzt, auch “bei uns in Bourj” stünde etwas an, das es “noch vor den Wahlen im Frühling krachen lassen wird und die Palästinensische Sache wieder auf die Welt-Agenda bringen wird”.

Wir sind gespannt – ich halte Sie auf dem Laufenden!

22.11.2008

65 Jahre Unabhängigkeit Phöniziens

von caretta

Heute war ein historischer Tag für den Libanon und vor allem seine Luftwaffe. Auch wenn viele meiner christlichen Freunde (“Phönizier”) sich wünschen, dass Frankreich nie abgezogen wäre. All die Kriege, so meinen sie, hätten verhindert werden können und die “Araber” hätte man auch noch “zivilisiert” bekommen. Wir werden es nie erfahren. Der 65. Tag der Unabhängigkeit von Frankreich wurde trotzdem mit einer großen Militärparade gefeiert, und auch die Hisbollah marschierte autonom im Süden, schließlich ist sie ja die zweite, dabei wohl stärkste – weil motivierteste – Armee im kleinen Zedernstaat.

Fast vergessen hatte man hier, dass die Armee mehr als die ständig über Beirut ratternden Helikopter zu bieten hat. 1958 kaufte man von Großbritannien nämlich zwei Hawker Hunter Jet Fighter, und pünktlich zu deren 50. Geburtstag machte man sie wieder flugtüchtig. Ich bin natürlich, wie alle, längst daran gewöhnt, dass nachts die israelischen F16-Fighter über die libanesische Hauptstadt düsen, aber vor zwei Tagen knallte es plötzlich in der Luft, und alle umliegenden Terassenbesitzer und ich stürzten zeitgleich ins Freie. Kampfflugzeuge, zwei Stück, am hellichten Tag! Alle dachten zunächst, die nächste (in der Presse schon längst heiss angekündigte) israelische Invasion stünde nun an, doch am nächsten Tag löste die lokale Presse das Geheimnis: die landeseigenen Kampfflugzeuge sind zu ihrem 50. und zu Libanons 65. Festtag wieder flugtauglich gemacht worden! So gab es heute dann auch eine schöne Parade am Märtyrerplatz, alle sonst so verfeindeten Politiker zeigten sich in schönster Eintracht, die beiden Hawker Hunter flogen und allerlei Helikopter wedelten mit der rot-weissen Zedernflagge in der Luft. Die verschiedenen Parteien verteilten Blumen und Flaggen an die Autofahrer, und auch in den Supermärkten bekamen die philippinischen und äthiopischen Gastarbeiterinnen Landesfläggchen aus beschichtetem Plastik.

Ein weiteres Thema, das die Libanesen derzeit umtreibt, ist die Feststellung ihrer phönizianischen Herkunft. In einem großangelegten Gentest in Byblos, einer nachgewiesenermaßen phönizianischen Siedlung, lassen sich derzeit tausende Libanesen testen, um das erhofften Ergebnis “Abstammung phönizianisch” zu erhalten.

Den Vermutungen nach soll eine unter 17 rings um das Mittelmeer lebenden Personen phönizianische DNA in sich tragen, bei den bislang getesteten Einheimischen ist es bislang aber nur eine von 27. Bleibt zu hoffen, dass sich die Phönizianerquote noch steigert, meine persönliche ist in circa: 7 von 10 Anmachen erlebte ich von frankophilen Libanos, die sich selbst als Phönizier ausgaben, die anderen 3 Anmachen kamen von Schiiten, die sich selbst gerne als “Araber” definieren. Als hätte man sonst keine Probleme!

09.11.2008

Auf Kosten der anderen

von caretta

Der Beauty-Salon ums Eck ersetzt hier die Eckkneipe und ist die Austauschbörse für Neuigkeiten. Da es nur circa zwei Euro kostet, sich die Nägel lackieren zu lassen, kommen viele der Madames fast täglich, um sich die Finger passend zum Kleid bemalen zu lassen. Sonst haben sie ja auch nicht allzuviel zu tun, den Haushalt erledigen die philippinischen oder äthiopischen, natürlich christlichen, Hausangestellten.

Human Rights Watch hat unlängst eine Studie über die oftmals unwürdigen Zustände veröffentlicht, in denen die “Maids” im Libanon und auch in Jordanien gehalten werden. Nachdem die Herrschaften sich für rund 2000 Dollar ein Mädchen aus dem Katalog ausgesucht haben, kommt es in den Libanon und muss für 100 – 125 Dollar pro Monat den Haushalt erledigen, und wenn die Madames im Beauty Salon sitzen, kommen manchmal die Kinder auf dem Weg von der Schule vorbei, um die Maman zu küssen. Das Hausmädchen, oft nicht kräftiger als ein zehnjähriger Junge, schleppt derweil unter sichtbarer Anstrengung die Schulranzen der Kids heim. Besonders befremdlich für europäische Augen ist, dass all diese armen jungen Frauen in rosafarbene oder hellblaue Hausarbeitsanzüge gesteckt werden, mit einem niedlichen Schürzchen vornedran.

Sonntags sieht man sie auf den Straßen hier im Christenviertel miteinander plaudern, und es gibt sogar einen Telefonshop, der damit wirbt, dass Anrufe in die Herkunftsländer besonders billig seien. Diesen Maids geht es noch gut, sie dürfen die Häuser ihrer Herrschaften verlassen, laut der Studie von Human Rights Watch dürfen das nämlich rund 30% der Gastarbeiterinnen nicht. Ihre Herrschaften geben an, die Arbeiterinnen “könnten ja auf der Straße jemanden kennenlernen, ihn mitnehmen, dann würde das Haus ausgeraubt” als Grund dafür an, dass sie sich Leibeigene halten.

Oft werden auch die niedrigen Gehälter nicht ausgezahlt, es wird zu wenig Nahrung zugeteilt, die Maids müssen auf dem Fußboden im Wäscheraum schlafen. Aber die moderne libanesische Architektur sieht mittlerweile auch eigene Räume für sie vor, es sind Räume, die gerade zwei oder drei Quadratmeter klein sind, oft mit abgehangener Decke, damit die Herrschaften Stauraum über der kleinen Zelle nutzen können. Allerlei schlimme, Menschen verachtende Gemeinheiten, derer sich die Frauen, denen die Pässe bei Ankuft im Libanon weggenommen werden, nicht zu wehren wissen. Daher probiert durchschnittlich eine pro Woche, zu fliehen – in den Statistiken tauchen sie dann als Selbstmörderinnen auf, da die häufigste Todesursache “Springen von hohen Gebäuden” lautet. Einige Überlebende wurden befragt, warum sie denn versuchten, zu entkommen bzw. sich das Leben zu nehmen, und viele Erklärten, dass sie entweder (auch sexueller) Gewalt entkommen wollten oder mehrere Tage lang ohne oder mit zu wenig Nahrung und Wasser eingesperrt waren, als die Herrschaften verreist oder auf Ausflügen waren. Schafft eine Frau es, zu entkommen, muss sie ihrer Vermittlungsagentur noch erklären, wie sie denn gedenke, die Vermittlungsgebühr, die sie ihrerseits zahlen muss, aufzubringen. Die Libanesen, vor allem die Frauen im Beauty Salon, scheinen ein so nettes Völkchen zu sein. Aber wenn ich solche Sachen lese und schreibe, denke ich immer nur: “Irgendwer muss ja hier den Krieg geführt haben – und Krieg verroht, das ist ja klar.”

04.11.2008

Back in Bikini!

von caretta

Endlich wieder zurück in Beirut, nach anstrengenden Konferenzen in noch kaputteren Ländern als dem Libanon – selbst internationale Stiftungsmitarbeiter bekommen nicht mehr so recht zusammen, warum Rumänien die Aufnahme in die EU geschafft hat.

Jemand einer CDU-nahen Vereinigung plauderte aus dem Nähkästchen und erklärte, dass der NATO-strategisch wichtige Schwarzmeerzugang und die neuen Absatzmärkte wichtiger als die Erfüllung der staatshaushaltlichen und demokratischen Erfordernisse gewesen seinen und einige Augen zugedrückt wurden…


Anyway, ich zelebrierte meine Heimkehr in den wilden Libanon mit einigen Freunden auf einer heissen Party in der “White Bar”, einer der angesagtesten Locations des hier gerade ausgehenden Sommers. Und das war lustig:
Ich tanzte so vor mich hin, am Eingang zu dem Separée, das meine Freunde für den Abend gebucht hatten (macht Mann hier so).

Plötzlich schoss mir ein kahlgeschorener Typ, durchtrainiert, in engem Hemd entgegen:

“You are so beautiful! You must be German!!” Ich antwortete erstmal “Heard that before”,

und: was er denn wolle. Wie so viele Libanesen zuvor, jeden Tag und immer wieder, versuchte er mir mit einem schlecht ausgeführten “Heil Hitler” zu gefallen. Rechter Arm geradeaus, mit einer Sprite-Büchse in der Hand und unegalen Beinen. Dann schrie er mich gegen die Discomusik an: “I am Phoenician! But I want to be German! I want to be like you! I want to be perfect, like Hitler, Schumacher, Mercedes, Ballack – show me how to be German!”

Ich hatte schon genügend Champagner getrunken und war bester Laune.

Wäre ich das nicht gewesen, so hätte ich, klar, deutsche Journalistin auf Kulturverständigungskurs, ihm wahlweise a) erklärt, dass Hitler nicht gut für Deutschland und die Welt war, oder b), das verstehen Araber am ehesten, erklärt, dass es ohne Hitler kein Israel gegeben hätte und c) die Araber die nächsten auf Hitlers Abschussliste gewesen wären. Da ich aber, wie gesagt, guter Dinge war, beschloss ich, mir einen Spass mit diesem Freak zu machen. Dass er als echter, grunddemokratischer Möchtegern-Deutscher den Hitler-Gruß überhaupt nicht machen durfte, verstand er nicht.

Als ich den Hakenkreuz-Anhänger eng an seinem Hals baumeln sah, wusste ich, dass ich mir fortan keinen Faux Pas in der interkulturellen Anti-Nazi-Erziehung erlauben durfte! Na wat solls, dachte ich mir, everything illegal is legal in Lebanon – also versuchte ich ihm seine Grenzen aufzuzeigen. Er war schon zu angetrunken als dass er korrekt motorische Leistung en hätte hinbekommen können.

Nach mehreren Erkärungen bekam er es nicht hin, gleichzeitig die Beine gestreckt, den Arm korrekt geradeaus und die Hacken beim “Sieg Heil”-rufen zusammen zu schlagen.

Der Nazi schaute ganz traurig, “hihi”, dachte ich mir, geschieht ihm recht!
“So if you want to be german, you have to try be perfect, always!” erwiderte ich diesem Menschen, der mich troz Champagnerlaune anwiderte, aber mein Pädagogisches Ich auf den Plan rief. Er brüllte immer nur “Yes, yes!” gegen die lauten Disco-Tunes an. Fragte mich, ob ich etwas trinken wolle, worauf ich “gerne, einen Wodka-Orange!” antwortete. Er nahm die Flasche, die meine Freunde ins Separée bestellt hatten und gab Wodka in ein Glas. Ich daraufhin: “Sorry, wenn du deutsch sein willst, musst du perfekt sein, und das bedeutet beim Drink-mixen: erst das Eis, dann den Alkohol, dann den O-Saft. Also: hören, merken, lernen, machen!”

Der Nazi daraufhin: “Sorry, natürlich, du bist meine deutsche Königin, ich mache alles, was du willst, schau meine Muskeln an, solange ich noch Fehler im Perfekt-Deutsch-Sein mache!” Ich entgegnete kühl, dass ich selber Muskeln hätte und bei Männern für mich als Deutsche nur dasselbe wie bei Autos (Mercedes) und Fussball (Ballack) zählen würde: Perfektion.

Der phönizianische Nazi war schon ganz durcheinander, kippte den O-Saft auf den Wodka, ohne Eis in den Drink gegeben zu haben. Ich erklärte ihm noch einmal: “Habe ich dir nicht gerade erklärt, dass Deutsch-Sein Streben nach Perfektion bedeutet, und das auch im Detail, also auch für einen Drink, schau, da beginnt Perfektion: erst das Eis, dann der Alkohol und dann der Saft.” Der Beiruti war schon ganz durcheinander, wollte mir einen neuen, perfekten Drink mixen, und griff nach dem Eiskübel. Dabei stolperte er über den gesamten Tisch, verkippte den Eiskübel und die Karaffe mit frischgepresstem O-Saft ergoß sich spritzend über die umstehenden Damen und ihre feinen Designerkleidchen. Dem Wannabe-Super-Nazi war das alles schrecklich peinlich, ihm war klar, dass er mir nunmehr seine Telefonnummer nicht mehr aufdringen konnte, und er verabschiedete sich mit (eingezogenem Schwanz) und denn adäquaten Worten: “It’s more difficult to be German than Nazi, damn…”

Küsschen!
Eure Caretta van Bango

30.09.2008

Besinnlich-explosive Festtagstimmung

von

Politische Instabilität im Nahen Osten dient wem?
Dem allgemeinen Djihad in verschiedenen Ausrichtungen und Definitionen, der Rüstungsindustrie und allen, die ein Feindbild brauchen, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Die Leidtragenden: die Frauen, die ihren Söhnen einst gestattet haben, klar ausgeprägte Feindbilder, die zu vernichten sind, zu verinnerlichen. Draußen wird geballtert, drinnen vergewaltigt.
Häusliche Gewalt steigt stets in Krisen- und Kriegszeiten.

Damaskus, 17 Tote, Tripoli, 6 Tote, zahlreiche Verletzte.
Seit Monaten prognostizieren die US-Think Tanks wachsende Spannungen in Ländern, die wie Syrien eine große Anzahle irakischer Flüchtlinge aufgenommen haben.

Konfessionelle Spannungen, die zuvor in Syrien nahezu unbekannt waren, könnten von pro-iranischen Kräften geschürt werden wollen. Als Warnung an den Herrscher Al-Assad, nicht zu sehr auf Kuschelkurs gen Westen zu schielen.
Mindestens ein sicherer Transfer- und Hideaway-Place im Nahen Osten wird gebraucht!

Dass der Libanon trotz seines Gebirges nur begrenzt zum Untertauchen dient, ist klar:
Allein die Informationen und Luftbilder, die die Israeli Air Force gestern nacht wieder gesammelt haben muss, als sie mich nicht schlafen ließen – Stadtpläne und Hisbollah-Bunkerbilder, präziser als Google Earth. Von welchem Schützengraben aus genau sollen die Raketen für Haifa oder gar Tel Aviv gestartet werden?

In Beirut hat sich sanfte sonntägliche Stimmung wie ein seidener Schleier auf die immer noch heißen Ramadan-End-Tage gelegt, der Verkehr versiegt, Familien fahren an den Strand, andere verbringen die drei Tage im Gebet in der Moschee, mit kostenloser Verköstigung. Deutsche Institutionen halten normalen Betrieb aufrecht. Der 3. Oktober wird hier leider erst am 9. Oktober begangen. Mehr dazu demnächst!

Die Bombe in Tripoli traf “nur” einen Militärbus, also nichts ungewöhnliches. Waren’s die Alawiten? fragt man sich. Der Mossad in Damaskus?

Das einzige, das in Arabien immer sicher ist, ist die große Unbekannte namens “Überraschung”,
ich nenne sie gerne: “Faktor X”.