30.09.2008 von
Politische Instabilität im Nahen Osten dient wem?
Dem allgemeinen Djihad in verschiedenen Ausrichtungen und Definitionen, der Rüstungsindustrie und allen, die ein Feindbild brauchen, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Die Leidtragenden: die Frauen, die ihren Söhnen einst gestattet haben, klar ausgeprägte Feindbilder, die zu vernichten sind, zu verinnerlichen. Draußen wird geballtert, drinnen vergewaltigt.
Häusliche Gewalt steigt stets in Krisen- und Kriegszeiten.
Damaskus, 17 Tote, Tripoli, 6 Tote, zahlreiche Verletzte.
Seit Monaten prognostizieren die US-Think Tanks wachsende Spannungen in Ländern, die wie Syrien eine große Anzahle irakischer Flüchtlinge aufgenommen haben.
Konfessionelle Spannungen, die zuvor in Syrien nahezu unbekannt waren, könnten von pro-iranischen Kräften geschürt werden wollen. Als Warnung an den Herrscher Al-Assad, nicht zu sehr auf Kuschelkurs gen Westen zu schielen.
Mindestens ein sicherer Transfer- und Hideaway-Place im Nahen Osten wird gebraucht!
Dass der Libanon trotz seines Gebirges nur begrenzt zum Untertauchen dient, ist klar:
Allein die… weiter lesen
23.09.2008 von
Während sogar in der konservativen israelischen Zeitung “Jerusalem Post” heute von den letzten Juden des Libanon und von den Bestrebungen, eine Beiruter Synagoge zu restaurieren geschrieben wird – man möge fast meinen, alles wird gut – konnte ich wegen der glorreichen Israeli Air Force gestern Nacht kein Auge zutun.
Doch zunächst das Tolle, was ich gestern für mich erkannte: ich wohne mit Meerblick!
In dem neuen Dachapartment im Christenviertel Ashrafiye, das mein WG-Partner und ich seit einem Monat bewohnen, haben wir von unseren drei Terassen einen tollen Rundblick über Beirut und den Beginn des Libanon-Gebirges. Nicht, dass die taz Gelder verschwendet, um mich so wohnen zu lassen, glücklicherweise ist mein Mitbewohner bei einer reichen Nicht-Regierungsorganisation angestellt – und Mietpreise sind denen egal.
Also, plötzlich zieht die omnipräsente Dunstwolke am Horizont ab und ich sehe – das Meer, auf arabisch: al-bahr al-abiat al muttawassid! Toll, wer hätte damit noch… weiter lesen
21.09.2008 von
Halbzeit, geschafft!
Der Ramadan 1429 neigt sich dem letzten Drittel zu, und die Fastenden werden allgemein ungeduldiger, die letzten zehn Nächte des Heiligen Monats muss sich der Gläubige auch nachts von seinen Ehepartnerinnen fern halten! Unterdessen freue ich mich, dass ich mich nachts schon mit einer leichten Decke zudecken muss, denn wie nicht nur der Araber weiß: immer nur Sonne macht auch Wüste. Tagsüber wird aber immernoch im Bikini gebloggt!
Der Straßenverkehr versinkt hier im Chaos, es gibt nur zehn Ampeln im ganzen Land, und die konzentrieren sich in Downtown, wo sich keine ausgehungerten Autofahrer, sondern nur elegant gekleidete Geschäftsmänner und schicke Ehefrauen, im völlig gestresst zwischen Schlussverkäufen und Schönheitssalons hin- und herstöckeln, gibt. Undenkbar, wenn sich diese Damen auch noch selbst um ihre Kinder kümmern müssten, so würde die kommende Generation dieses Landes gleich noch verrückter werden.
Ein wenig verrückt ist es zum einen deshalb, weil jeder… weiter lesen
16.09.2008 von
Am Wochenende machen wir immer schöne Ausflüge durch das kaputte, korrupte, liebenswerte und auch gefährliche (gestern explodierten sechs Bomben, nur Sachschaden) Ländchen der Phoenizier und auch der Araber.
Zunächst schauten mein Begleiter und ich – na klar, auf der geliebten KTM 640 Adventure – erstmal bei meinem Kumpel Antoine vorbei, der nach einem Jahr nun endlich aus dem Knast entlassen wurde. Dumm nur, dass sein Bruder Christian, der Antoines Drogenbusiness während seiner einjährigen Haft übernommen hatte, am gleichen Tag geschnappt wurde. Nun muss dieser fünf Jahre absitzen, falls sein Bruder nicht fix 30.000 Dollar auftreibt.
Für mich ganz besonders ärgerlich: dass mein Schlafsack und meine Isomatte noch in Christians Kofferraum lagen, als er geschnappt und das Auto für drei Tage lang konfisziert wurde. Und jetzt ist beides nicht mehr da. Die libanesische Polizei hat mein Campingzeug geklaut!
Antoine erzählte Wahnsinnstories aus dem Knast, Drehbuchmaterial! Wir kamen aus dem Lachen… weiter lesen
15.09.2008 von
Da ich ja auf der Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen Kulturen – bzw. wie man den Dialog der Kulturen verbessern kann, bin, ging ich unlängst ins Fitnessstudio. Das Studio, das ich hier checkte, heisst “Fitness First” und versprach, fuer rund 110 Dollar pro Monat das allerexklusivste in Beirut, wo Exklusivität mehr als alles andere zählt, zu sein. Natürlich natürlich also wollte ich wissen, was es mit dem hiesigen “Fitness First” auf sich hat, denn das Studio ist in der Fitness Company Kette, die es ja auch in deutschen Landen gibt.
Alle Geräte waren Technogym-Geräte und die tollsten arabischen Sender wie “Fashion TV” (24/7 zeigt der Sender aus Dubai russische Models beim Umziehen) konnte frau da anschauen. Die anderen Damen kamen eher, um ihre unechten Brueste bei fettabgesaugten Streichholzärmchen und die ebensolchen Beinchen in Shorts (ein MUST diese Saison in Beirut, I love it!) zu zeigen, dabei natuerlich mit bemalten Silikonlippen… weiter lesen
11.09.2008 von
Während der Fastenzeit übernimmt die christliche und moderne sunnitische Oberschicht das Geschäftsleben im Libanon. Die konservativen, fastendenen Sunniten und Shiiten schliessen sich aufgrund ihrer religiösen Pflichterfüllung gerne davon aus. Dafür stärken sie, durch gemeinsames Hungern und dürsten ihren Glauben an Gott, die Einheit ihrer Familie und die der panarabischen Nation.
Die Medienabteilung der Al-Qaeda, As-Sahab, will diesen Prozess unterstützen und sendet Grüße an die Ramadanisten. Eine baldige “Überraschung” wird versprochen. Daher war heut die Aufregung im Foreign Press Correspondents Room im Informationsministerium, wo ich mein Büro habe, groß! Zwei TVs laufen ständig (laut), Gäste aus den umliegenden Abteilungen kommen zum Kaffee vorbei (sehr laut), die Telefone klingeln (schrill), Fax und Kopierer funktionieren seit Jahren nicht. Ständig kommen Nahost-Greenhorns, geschickt von internationalen Medien, hereinspaziert, die ihre Akkreditierung brauchen und verbreiten weitere Unruhe durch allgemeines Aufgeregt-sein.
Edward, der US-Radiokorrespondent mit dem weißen Stirnband, spricht dramatisch wie ein deutscher Stadionsprecher seine Texte ein.… weiter lesen
04.09.2008 von
Es ist die zweite Nacht des Ramadan, 1429 Jahre nachdem Mohammed aus Mekka auszog um die Beduinenvölker der arabischen Halbinsel durch das Wort Allahs zu disziplinieren.
Um vier Uhr morgens ist es endlich erträglich warm, nachdem der Tag, wie so oft im Spätsommer in Beirut, diesig und drückend tropisch war. Über den Terassen der umliegenden, noch bürgerkriegszerschossenen Häuser hängen träge die gestreiften Markisen aus schwerem Stoff.
Im vierten Stock machen zwei junge Schöne ständig Liebe, nach dem Duschen kommen sie zum Rauchen auf den Balkon, sie trägt das taillenlange Haar offen, er seine Lockenmähne im nassen Pferdeschwanz gebunden. Auf der Strasse Trommeln einige halbstarke einen Dabka, 130 Beats per Minute, singen und klatschen, niemand ruft “Ruhe”, alle Nachbarn hier in guter gemischt-religiöser Lage kurz hinter dem Ende des Mittelmeeres sind nur neugierig und sowieso wach, wer keinen Spass versteht, keine Musik liebt und auf geregelte Zeiten für was-auch-immer besteht, ist… weiter lesen