Back in Bikini!
von carettaEndlich wieder zurück in Beirut, nach anstrengenden Konferenzen in noch kaputteren Ländern als dem Libanon – selbst internationale Stiftungsmitarbeiter bekommen nicht mehr so recht zusammen, warum Rumänien die Aufnahme in die EU geschafft hat.
Jemand einer CDU-nahen Vereinigung plauderte aus dem Nähkästchen und erklärte, dass der NATO-strategisch wichtige Schwarzmeerzugang und die neuen Absatzmärkte wichtiger als die Erfüllung der staatshaushaltlichen und demokratischen Erfordernisse gewesen seinen und einige Augen zugedrückt wurden…

Anyway, ich zelebrierte meine Heimkehr in den wilden Libanon mit einigen Freunden auf einer heissen Party in der “White Bar”, einer der angesagtesten Locations des hier gerade ausgehenden Sommers. Und das war lustig:
Ich tanzte so vor mich hin, am Eingang zu dem Separée, das meine Freunde für den Abend gebucht hatten (macht Mann hier so).
Plötzlich schoss mir ein kahlgeschorener Typ, durchtrainiert, in engem Hemd entgegen:
“You are so beautiful! You must be German!!” Ich antwortete erstmal “Heard that before”,
und: was er denn wolle. Wie so viele Libanesen zuvor, jeden Tag und immer wieder, versuchte er mir mit einem schlecht ausgeführten “Heil Hitler” zu gefallen. Rechter Arm geradeaus, mit einer Sprite-Büchse in der Hand und unegalen Beinen. Dann schrie er mich gegen die Discomusik an: “I am Phoenician! But I want to be German! I want to be like you! I want to be perfect, like Hitler, Schumacher, Mercedes, Ballack – show me how to be German!”
Ich hatte schon genügend Champagner getrunken und war bester Laune.
Wäre ich das nicht gewesen, so hätte ich, klar, deutsche Journalistin auf Kulturverständigungskurs, ihm wahlweise a) erklärt, dass Hitler nicht gut für Deutschland und die Welt war, oder b), das verstehen Araber am ehesten, erklärt, dass es ohne Hitler kein Israel gegeben hätte und c) die Araber die nächsten auf Hitlers Abschussliste gewesen wären. Da ich aber, wie gesagt, guter Dinge war, beschloss ich, mir einen Spass mit diesem Freak zu machen. Dass er als echter, grunddemokratischer Möchtegern-Deutscher den Hitler-Gruß überhaupt nicht machen durfte, verstand er nicht.
Als ich den Hakenkreuz-Anhänger eng an seinem Hals baumeln sah, wusste ich, dass ich mir fortan keinen Faux Pas in der interkulturellen Anti-Nazi-Erziehung erlauben durfte! Na wat solls, dachte ich mir, everything illegal is legal in Lebanon – also versuchte ich ihm seine Grenzen aufzuzeigen. Er war schon zu angetrunken als dass er korrekt motorische Leistung en hätte hinbekommen können.
Nach mehreren Erkärungen bekam er es nicht hin, gleichzeitig die Beine gestreckt, den Arm korrekt geradeaus und die Hacken beim “Sieg Heil”-rufen zusammen zu schlagen.
Der Nazi schaute ganz traurig, “hihi”, dachte ich mir, geschieht ihm recht!
“So if you want to be german, you have to try be perfect, always!” erwiderte ich diesem Menschen, der mich troz Champagnerlaune anwiderte, aber mein Pädagogisches Ich auf den Plan rief. Er brüllte immer nur “Yes, yes!” gegen die lauten Disco-Tunes an. Fragte mich, ob ich etwas trinken wolle, worauf ich “gerne, einen Wodka-Orange!” antwortete. Er nahm die Flasche, die meine Freunde ins Separée bestellt hatten und gab Wodka in ein Glas. Ich daraufhin: “Sorry, wenn du deutsch sein willst, musst du perfekt sein, und das bedeutet beim Drink-mixen: erst das Eis, dann den Alkohol, dann den O-Saft. Also: hören, merken, lernen, machen!”
Der Nazi daraufhin: “Sorry, natürlich, du bist meine deutsche Königin, ich mache alles, was du willst, schau meine Muskeln an, solange ich noch Fehler im Perfekt-Deutsch-Sein mache!” Ich entgegnete kühl, dass ich selber Muskeln hätte und bei Männern für mich als Deutsche nur dasselbe wie bei Autos (Mercedes) und Fussball (Ballack) zählen würde: Perfektion.
Der phönizianische Nazi war schon ganz durcheinander, kippte den O-Saft auf den Wodka, ohne Eis in den Drink gegeben zu haben. Ich erklärte ihm noch einmal: “Habe ich dir nicht gerade erklärt, dass Deutsch-Sein Streben nach Perfektion bedeutet, und das auch im Detail, also auch für einen Drink, schau, da beginnt Perfektion: erst das Eis, dann der Alkohol und dann der Saft.” Der Beiruti war schon ganz durcheinander, wollte mir einen neuen, perfekten Drink mixen, und griff nach dem Eiskübel. Dabei stolperte er über den gesamten Tisch, verkippte den Eiskübel und die Karaffe mit frischgepresstem O-Saft ergoß sich spritzend über die umstehenden Damen und ihre feinen Designerkleidchen. Dem Wannabe-Super-Nazi war das alles schrecklich peinlich, ihm war klar, dass er mir nunmehr seine Telefonnummer nicht mehr aufdringen konnte, und er verabschiedete sich mit (eingezogenem Schwanz) und denn adäquaten Worten: “It’s more difficult to be German than Nazi, damn…”
Küsschen!
Eure Caretta van Bango
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Es gehört mehr dazu um der EU zu anzugehören als schöne Strände und lxuriöse Hotels. Zur Zeit des Beitritts haben die wenigsten Osteuropäischen Staaten alle Kriterien erfüllt wie zum Bsp.auch die Baltischen Staaten nicht, da hat Deutschland ein großes Interesse gehabt an deren Beitritt……. Man kann trotzdem den Libanon nicht mit Rumänien vergleichen, in Libanon wurde der Ministerpräsident auf offener Straße erschossen, Syrien nimmt ein sehr großen Einfluß in der inneren Politik des Landes usw.
Hahaha!
Mensch, da braucht das Goethe Institut Jahrzehnte und zig Tausend Euros und du machst in 5 Minuten all die mühsame Vorarbeit hinweg.
Der arme Junge ist doch jetzt für immer traumatisiert und schuld sind wieder wir Doitschen…