65 Jahre Unabhängigkeit Phöniziens

von caretta

Heute war ein historischer Tag für den Libanon und vor allem seine Luftwaffe. Auch wenn viele meiner christlichen Freunde (“Phönizier”) sich wünschen, dass Frankreich nie abgezogen wäre. All die Kriege, so meinen sie, hätten verhindert werden können und die “Araber” hätte man auch noch “zivilisiert” bekommen. Wir werden es nie erfahren. Der 65. Tag der Unabhängigkeit von Frankreich wurde trotzdem mit einer großen Militärparade gefeiert, und auch die Hisbollah marschierte autonom im Süden, schließlich ist sie ja die zweite, dabei wohl stärkste – weil motivierteste – Armee im kleinen Zedernstaat.

Fast vergessen hatte man hier, dass die Armee mehr als die ständig über Beirut ratternden Helikopter zu bieten hat. 1958 kaufte man von Großbritannien nämlich zwei Hawker Hunter Jet Fighter, und pünktlich zu deren 50. Geburtstag machte man sie wieder flugtüchtig. Ich bin natürlich, wie alle, längst daran gewöhnt, dass nachts die israelischen F16-Fighter über die libanesische Hauptstadt düsen, aber vor zwei Tagen knallte es plötzlich in der Luft, und alle umliegenden Terassenbesitzer und ich stürzten zeitgleich ins Freie. Kampfflugzeuge, zwei Stück, am hellichten Tag! Alle dachten zunächst, die nächste (in der Presse schon längst heiss angekündigte) israelische Invasion stünde nun an, doch am nächsten Tag löste die lokale Presse das Geheimnis: die landeseigenen Kampfflugzeuge sind zu ihrem 50. und zu Libanons 65. Festtag wieder flugtauglich gemacht worden! So gab es heute dann auch eine schöne Parade am Märtyrerplatz, alle sonst so verfeindeten Politiker zeigten sich in schönster Eintracht, die beiden Hawker Hunter flogen und allerlei Helikopter wedelten mit der rot-weissen Zedernflagge in der Luft. Die verschiedenen Parteien verteilten Blumen und Flaggen an die Autofahrer, und auch in den Supermärkten bekamen die philippinischen und äthiopischen Gastarbeiterinnen Landesfläggchen aus beschichtetem Plastik.

Ein weiteres Thema, das die Libanesen derzeit umtreibt, ist die Feststellung ihrer phönizianischen Herkunft. In einem großangelegten Gentest in Byblos, einer nachgewiesenermaßen phönizianischen Siedlung, lassen sich derzeit tausende Libanesen testen, um das erhofften Ergebnis “Abstammung phönizianisch” zu erhalten.

Den Vermutungen nach soll eine unter 17 rings um das Mittelmeer lebenden Personen phönizianische DNA in sich tragen, bei den bislang getesteten Einheimischen ist es bislang aber nur eine von 27. Bleibt zu hoffen, dass sich die Phönizianerquote noch steigert, meine persönliche ist in circa: 7 von 10 Anmachen erlebte ich von frankophilen Libanos, die sich selbst als Phönizier ausgaben, die anderen 3 Anmachen kamen von Schiiten, die sich selbst gerne als “Araber” definieren. Als hätte man sonst keine Probleme!


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