Ups! Israel noch cleverer als gedacht…
von carettaWer hier im Libanon etwas von der Hisbollah will, sei es auch nur journalistisch nutzbare Informationen, muss sich offizieller Anmelden als bei einem deutschen Amt.
Das Prozedere: Vorsprechen im Pressebüro in Dachiye, dem 2006 von den Israelis ziemlich stark zerstörten und nun schon wieder eifrig aufgebauten Stadtteil im südlichen Beirut. Dazu braucht es Briefe der Medien für die man arbeitet, einen Brief, dass man beim libanesischen Informationsministerium als JournalistIn registriert ist, den internationalen Journalistenausweis und zwei Passfotos. Zudem muss ein detaillierter Frageboden ausgefüllt werden. Inklusive der lokalen und der Heimatadresse, aller Telefonnummern und natürlich muss das Ziel der Recherche angegeben werden. Dann heißt es 48 Stunden warten, bis die komplett verschleierte Pressedame alle Informationen überprüft hat und sich wieder meldet.
Wird man akzeptiert, so darf man in Begleitung von Hisbollah-Sicherheitsleuten durch das Viertel spazieren und Fotos von ausgewählten Gebäuden und noch sichtbaren Kriegsschäden machen. Dazu gibt es natürlich einen großen Anti-Zionistischen Vortrag. Zum Schluß wird man oft noch zu einem Gespräch, “Fünf Minuten für Gott” eingeladen, das dann natürlich auch gerne einige Stunden dauern kann. Am Ende des Gesprächs ist man fast verpflichtet, der Schia beizutreten, denn nach der ausführlichen Lehrstunde über Mohammed und den Koran kann man “später nicht mehr sagen, man habe von allem nichts gewußt” und soll sofort selbst mit dem Missionieren beginnen.
Verfolgt man dieses Prozedere nicht, so wird man sofort in dem Moment, in dem man Dachiye betritt, festgesetzt. Passierte mir unlängst zusammen mit einem US-TV-Team, ausgerechnet Freitagmittag, kurz vor dem großen Gebet. Wir drehten im benachbarten Palästinenserlager Bourj al Barajneh, gingen mit vorgehaltener Kamera mit unserem Pali-Protagonisten auf die Straße, die aber schon zur Hälfte im Hisbollah-Gebiet liegt. Sofort war unser sechs-Leute-Team von zehn großen, starken, in schwarz gekleideten Männern mit Knöpfen im Ohr umgeben, und wir wurden in die nächste Hähnchenbraterei geleitet, wo man uns Tee gab und alle Schriftstücke die wir dabei hatten, sehen wollte. Dann begannen die schwarzen Herren wild zu telefonieren.
Nach einem leckeren Lunch und einigen weiteren Tees mussten wir die letzten Minuten unseres Tapes löschen und wurden entlassen. Soviel zur – aus ihrer Sicht sicherlich berechtigten – Paranoia der Hisbollah. Könnte ja schließlich gut sein, dass Israel Agenten als Journalisten losschickt oder Journalisten als Spitzel für den Mossad arbeiten.
Heute aber kam eine Meldung in der lokalen Presse, mit der man als VerfolgerIn der Situation hier gar nicht hätte rechnen können: ein vom Mossad bezahlter Kollaborateur hatte im Hisbollah-Gebiet Südlibanon jahrelang Autos an die Mitglieder der Organisation verkauft, die mit Satelliten-Abhörsendern versehen waren. Das Ganze flog auf, als an der Elektrik eines Autos etwas kaputt war und der Hisbollah-treue Mechaniker das unbekannte Überwachungsgerät an die lokale Sicherheitsabteilung Partei meldete. Jahrelang waren also Informationen aus dem vermeintlich sicheren und nicht zu inflitrierenden Hisbollah-System an die Erzfeinde im südlichen Nachbarland gesendet worden. Der Spitzel ist an die libanesischen Militärs übergeben worden und wird nun seit zehn Tagen interviewt. In seiner Haut möchte niemand stecken.
Kommentar schreiben
Cooler Blog.
Genau
Find ich auch
http://www.Billickz.de