Fehlalarm, Glück gehabt

von caretta

Da hier im Nahen Osten ja immer “etwas” passieren kann, ist es wichtig, stets gut informiert zu sein. Mit einem kostenpflichtigen SMS-Benachrichtigungsservive der Telefonprovider bekommt man zuverlässig brandaktuelle Nachrichten aufs Mobiltelefon gesendet. Letzten Sommer, ich war gerade am Strand, kam zum Beispiel die Nachricht, dass spontane Schießereien auf der Flughafenstraße gemeldet wurden. Da denkt man natürlich immer gleich Schlimmstes, und ich hatte die Chance, die Strasse, auf der sich schiitische Familien einen kleinen Kampf lieferten, sicher zu umgehen.

Am Freitag, ich hatte Besuch von einigen Rheinländern die lokales Bier und Arrak genossen und “Viva Colonia” und all solch Zeug sangen, kam die SMS, dass ein israelischer Soldat an der Grenze, in der Nähe der UN-Headquarter, verloren gegangen sei. Da stockten die karnevalistischen Heimatgesänge, schließlich weiß die Welt seit nicht erst seit Sommer 2006, was Israel alles in Gang setzt, um seine Schäfchen sicher nach Hause zu holen. Das Knallen der Feuerwerke, die hier zu allerlei Festivitäten fast täglich gezündet werden, bekam, ebenso wie das Knallen und Blitzen der Gewitterwolken, schnell einen neuen Beigeschmack. Was, wenn?

In der nächsen SMS wurde uns mitgeteilt, dass Israelis das Grenzgebiet mit Leuchtraketen erhellen, um den Soldaten zu finden, dann plötzlich hiess es, er sei weiter südlich, bei Haifa in Nordisrael und nicht in Naquora, also in Südlibanon, verlustig gegangen. Am nächsten Mittag eine noch verwirrendere SMS: ein toter Surfer sei in Nordisrael angespült worden. Dann fing jemand, nicht die Hisbollah, die steht ja immer zu ihren Taten, an, Raketen nach Israel zu schießen, Israel schoß zurück.

Am Samstag hingen alle in meinem ultra-christlichen Stadtviertel, hier, wo ein Fleischverkäufer ein Kreuz in die Stirn tättowiert trägt und viele kleine Lädchen den ganzen Tag “Noursat”, den Kirchensender laufen haben, nicht vor dem Christensender. Sondern ausnahmsweise in Aufregegung vor den live Bericht erstattenden Nachrichtenkanälen. Hatte sich aber längst alles in Wohlgefallen aufgelöst, über den verschollenen Israeli wurde nichts weiter gemeldet. Nochmal Glück gehabt, denn schließlich hätte eine neuerliche Entführung eines Soldaten auch die längst angekündigte Rache der Hisbollah am Tod des Kommandeurs Imad Mughnieyh, die ja noch aussteht, sein können.

So bleibt derzeit das größte Ärgernis im Libanon, dass zu es zuviel schneit, um Skifahren zu gehen.

Küsschen!

Eure Caretta


Kommentar Schreiben

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*


*