Verbuddelung von deutschen Steuergeldern
von carettaDeutsche Entwickungs- und Wiederaufbauhilfe: in vielen kaputten Ländern der Welt angewandt, bringt sie viel Gutes. Hier, im südlichen Teil des Libanon, wurden in den letzten zwei Jahren rund zehn Millionen deutsche Steuern verbuddelt, denn durch leckende Abwasserleitungen wurde das Grundwasser immerzu verschmutzt. Zudem gibt es in vielen Gebieten ein nur mangelhaftes Abwassersystem, in manchen Ecken, Palästinenserlagern, manchmal sogar gar keines. Da steht das Dreckwasser dann schon mal halbmeterhoch nach den, jetzt im Frühling, häufigen Regenfällen. Um mehrere Ecken herum gedacht, soll der Radikalisierung der Bevölkerung durch Verbesserung der Lebensumstände Einhalt geboten werden.
Wie das praktisch aussieht, bekam ich heute präsentiert. Ich war auf einer Tour, die mich an neuen Gullideckeln vorbeiführte. Im Auftrag Deutschlands musste geschaut werden, ob die hiesigen Vertragspartner und die syrischen Gastarbeiter unsere Steuergelder gut verbuddelt hatten. So fuhr ein hierarchisch gegliederter Konvoi durch einige verschlafene christliche, schiitische und christlich-schiitisch-gemischte Bergdörfchen. Kirche neben Moschee, alles friedlich, und damit die Kirchen dem Moscheegesang aus Lautsprechern etwas entgegen zu setzen haben, singt es hier mittags lieblich-christlich aus den am Kirchturm angebrachten Lautsprechern.
Ganz bezaubernd ist die libanesische Hügellandschaft im Frühling, der ja hier schon blüht. Schmetterlinge, lilafarbene- und gelbe Blumenwiesen und silbrig glänzende Olivenhaine, Zitronen- und Orangenbäume in voller Pracht lassen die Kraft der Schöpfung spüren. Man möchte einem jungen Zicklein gleich in die Haine hüpfen, doch das könnte tödlich enden. Zum Glück warnen hier Schilder „Danger Cluster Bombs“ vor den israelischen Souvenirs des Sommer-Krieges 2006.
Unser hierarchischer Konvoi gliederte sich folgendermaßen: Ein dicker Landrover mit dem libanesischen Vertragspartner der Abwasserleitungen legenden lokalen Firma fährt vor, es folgt ein BMW mit zwei wichtigen Herren der Regierung, dann ein Mercedes mit drei wichtigen Lokalpolitikern, dann ein umweltverträglicher Kleinwagen mit den deutschen Geldgebern, und am Ende fährt ein schrottreifer Pick-Up mit den drei Männern, die für das Kanaldeckelheben mit Spitzhacke zuständig sind. Bei Stopps in Dörflein kommt immer noch der lokale Hisbollah- oder Amal-(zweite schiitische Partei)-Chef vorbei und auch die Anwohner kommen gucken. An jedem Gullideckel auf dem Weg wird Halt gemacht, die drei Arbeiter springen aus ihrer ollen Karre und zerren wild am Deckel herum. Es wird mal hier, mal da eine nicht vorhandene Dichtung bemängelt, dann telefonieren die Herren aus dem Landrover und dem BMW wild mit ihren Mobiltelefonen. Die nicht so wichtigen Herren schauen auf ihre Mobiltelefone, andere schauen nur auf ihre Zigarettenpackung und rauchen, als gäbe es kein Morgen mehr.
Unterdessen putzen die Arbeiter mit bloßen Händen Asphaltsteinchen aus dem Gullideckel, springen ohne Gummistiefel oder gar Sicherheitsschuhe in die Kanalisation und kuschen vor dem auftraggebenden Platzhirsch, da sie so sehr um ihren Job, für den sie rund zehn Dollar pro Tag bekommen, fürchten. Bei den zahlreichen Kaffee-Einladungen, die wir unterwegs in Häuser entlang der Gullideckel bekamen, mussten die Arbeiter, die Kaffee und kleine süße Stärkungen am Nötigsten hätten, leider immer draußen bleiben. Ob das so alles im Sinne Deutschlands ist?
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Herrlich!! So zutreffend mit der Beschreibung vorallem die kleinsten Details wie “syrische Arbeiter”, “mit den blossen Haenden saeubern” und das mit dem “Mobiltelefon als ob es kein morgen gaebe”. Hut ab! Lachend weinend las ich den Beitrag. Obwohl das Land ist schoen, ja es geht, hier gibt es tatsaechlich vielleicht kein morgen. Und das mit dem Verbuddeln von Steuerngeldern, vielleicht hast du ein Aspekt uebersehen. Entlang der Strasse nehmen die deutschen die kleinsten Detaillen der Infrastruktur des Landes, mit moeglichen “Check-Points” und andere Auffaelligkeiten. Intelligenz laesst sich zahlen.
also übertreiben muss man als journalist ja auch nicht.. der verfasser ist in keinem auto mitgefahren, sondern betrachtete alles von ganz oben herab, wahrscheinlich aus dem fleugzeug hat er die strassengullys begutachtet..
Auf die Frage ob das im Sinne deutschlands ist, so kann die antwort nur:
“NA KLAR” was für eine “selbstverständliche” Frage. Die Situation von den Jeep´s mit den getönten Scheiben und der schrottreife Pick-Up sind bekannte tatsachen bei der BundesR. Aber mit den Gullydeckeln werden grundsteine für die Zunkunft gelegt, in anderen Worten: Kein Industriestaat leistet wirtschaftshilfe ( ja sogar keine humanitäre hilfe) wenn sie sich keine “insgesamt” vielversprechende Zukunft in spätestens 20 Jahren “langfristige planung” erhoffen und heute schon Zugeständnisse und Unterschriften von den betroffenen Regierungen sammeln..
Ansonsten ist dieses Bericht komplett höchstens für die rentner gedacht und mit keinem einzigen satz nützlich. Die Warnung vor den Streubomben ist eine ausnahme.
ja, so kenn ich die arbeit im nahen osten: es gibt immer einen in der hierarchiestufe weiter unten, auf dem getrampelt werden darf…
ch weiss nicht, was “wisko” will, ich kenne rentner, die bestens informiert sind und keine dümmeren oder schlechteren menschen, nur weil sie ihre lebensarbeitszeit systemkonform abgeleistet haben..und streubomben verseuchte felder gibt es ja leider noch zu hauf im libanon, na, wisko scheint’s nicht raus zu haben…und vor allem keinen humor..sollte mal öfter mit alten leuten (“rentnern”) sprechen, das schafft herzensbildung!