vonaktionfsa 06.02.2018

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Auf diese Idee sind die Berliner Verkehrsbetriebe leider noch nicht gekommen – in Melbourne ist das Standard. Dort fährt die Tram auf 250 Kilometer zweigleisiger Strecke und hält an mehr als 1.700 Haltestellen und kommt in der Rushhour alle 90 Sekunden. Und warum fährt die Tram kostenlos?

Die Transportbehörde in Melbourne antwortet auf diese Frage: „Weil die Stadt so Geld spart.“

Es fahren Zehntausende Pkws weniger durch das Stadtzentrum, Straßen halten länger, Unfälle sind seltener, die positiven Auswirkungen auf die Luft sind immens. Dazu kommt, dass man keine Fahrkartenkontrolleure bezahlen muss, die Zahl der kostspieligen Strafverfahren gegen Schwarzfahrer ist gegen Null gegangen – und die Zahl der Touristen ist angestiegen.

Zu dieser einfachen Rechnung ist in Berlin scheinbar niemand fähig. Stattdessen bricht in den Boulevard-Medien der Stadt eine Hetze gegen den Justizsenator los, wenn dieser laut darüber nachdenkt, ob man nicht Geld und Zeit sparen könnte, wenn man das Schwarzfahren dem Falschparken gleichstellt und von einer Straftat zu einer Ordnungswidrigkeit herabstuft. In den Zeitungen hört sich das dann wie „eine Erlaubnis zum Schwarzfahren“ (Berliner Kurier) an – aber leider sind wir nicht Melbourne.

Stattdessen leistet sich das klamme Berlin die Idiotie Hunderte Menschen wegen Schwarzfahrens für mehrere Hundert Euro pro Tag ins Gefängnis zu stecken, weil sie (mehrfach) keine 2,80 Euro für einen Fahrschein übrig hatten. JVA-Leiter Udo Plessow  aus Plötzensee bestätigte dem Tagesspiegel „Mindestens 155 unserer 480 Gefangenen wurden wegen Schwarzfahrens zu Ersatzfreiheitsstrafen verurteilt.“ Ersatzfreiheitsstrafe bedeutet, dass die Betreffenden nicht bereit oder in der Lage waren ihre Geldstrafe zu zahlen.

Im Mai 2016 konnten wir über den Vorschlag von Grünen, Linken und Piraten zur Berliner Verkehrspolitik über eine Nahverkehrabgabe für alle Berliner und dadurch mehr als halbierte Fahrpreise im ÖPNV berichten. Nicht nur CDU und SPD waren dagegen, selbst die Betroffenen, die BerlinerInnen, sprachen sich in Umfragen gegen eine solche Verbesserung ihrer Bewegungsmöglichkeiten in der Stadt und letztlich auch für die Vergiftung ihrer eigenen Atemluft aus.

Da fällt einem einfach nichts mehr ein – vor allem, wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit von PKWs in Berlin inzwischen trotz überproportionalem Anstieg der PS-Stärke unter 20km/h angekommen ist und sich damit nicht mehr von der Reisegeschwindigkeit im ÖPNV unterscheidet.

Mehr dazu bei https://web.de/magazine/reise/blog/melbourne-funktioniert-verkehrskonzept-gerade-32728516
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/5559-20160515-solidarisch-finanzierter-nahverkehr.htm
und http://www.tagesspiegel.de/berlin/strafen-jeder-dritte-in-ploetzensee-sitzt-wegen-schwarzfahrens/1396434.html
und alle unsere Artikel zum Nahverkehr in Berlin https://www.aktion-freiheitstattangst.org/cgi-bin/searchart.pl?suche=VBB&sel=meta

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

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https://blogs.taz.de/bewegung/2018/02/06/sind-wir-noch-vernuenftigen-argumenten-zugaenglich/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • […] „Sind wir noch vernünftigen Argumenten zugänglich?“ von AktionFSA am 06. Februar 2018 im taz-B… berichtete vor der jüngsten Bekundung der Bundesregierung über eines der keineswegs seltenen Beispiele und ordnet das auch in gesellschaftliche Debatten ein: „Auf diese Idee sind die Berliner Verkehrsbetriebe leider noch nicht gekommen – in Melbourne ist das Standard. Dort fährt die Tram auf 250 Kilometer zweigleisiger Strecke und hält an mehr als 1.700 Haltestellen und kommt in der Rushhour alle 90 Sekunden. Und warum fährt die Tram kostenlos? Die Transportbehörde in Melbourne antwortet auf diese Frage: „Weil die Stadt so Geld spart.“ Es fahren Zehntausende Pkws weniger durch das Stadtzentrum, Straßen halten länger, Unfälle sind seltener, die positiven Auswirkungen auf die Luft sind immens. Dazu kommt, dass man keine Fahrkartenkontrolleure bezahlen muss, die Zahl der kostspieligen Strafverfahren gegen Schwarzfahrer ist gegen Null gegangen – und die Zahl der Touristen ist angestiegen. Zu dieser einfachen Rechnung ist in Berlin scheinbar niemand fähig. Stattdessen bricht in den Boulevard-Medien der Stadt eine Hetze gegen den Justizsenator los, wenn dieser laut darüber nachdenkt, ob man nicht Geld und Zeit sparen könnte, wenn man das Schwarzfahren dem Falschparken gleichstellt und von einer Straftat zu einer Ordnungswidrigkeit herabstuft. In den Zeitungen hört sich das dann wie „eine Erlaubnis zum Schwarzfahren“ (Berliner Kurier) an – aber leider sind wir nicht Melbourne. Stattdessen leistet sich das klamme Berlin die Idiotie Hunderte Menschen wegen Schwarzfahrens für mehrere Hundert Euro pro Tag ins Gefängnis zu stecken, weil sie (mehrfach) keine 2,80 Euro für einen Fahrschein übrig hatten. JVA-Leiter Udo Plessow  aus Plötzensee bestätigte dem Tagesspiegel „Mindestens 155 unserer 480 Gefangenen wurden wegen Schwarzfahrens zu Ersatzfreiheitsstrafen verurteilt.“ Ersatzfreiheitsstrafe bedeutet, dass die Betreffenden nicht bereit oder in der Lage waren ihre Geldstrafe zu zahlen“. […]

  • Na, jetzt hat sogar die Luftverschmutzung in deutschen Großstädten und Druck aus Brüssel die Bundesregierung zu einem öffentlichkeitswirksamen Vorschlag animiert: Förderung eines kostenlosen Nahverkehrs.
    Die Autoindustrie wird schon dafür sorgen, dass das eine Luftnummer bleibt.

  • Es gibt ja weitere erste Erfahrungen in Europa: siehe https://www.zdf.de/gesellschaft/plan-b/plan-b-fahren-ohne-fahrschein-100.html
    Die Sendung heißt: Gesellschaft | plan b – Fahren ohne Fahrschein
    Verstopfte Städte, verspätete Busse, teure Tickets – Alltag in Deutschland. Geht das auch anders?
    „plan b“ zeigt mögliche Auswege: Könnte ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr helfen?
    Beitragslänge: 28 min
    Datum: 04.02.2018
    In der estnischen Hauptstadt Tallinn und auch im französischen Dünkirchen wurde der Nulltarif eingeführt und das Angebot optimiert. Auch in Deutschland gibt es erste Anzeichen dafür, dass die Zeit teurer Tickets für schlechte Verkehrsverbindungen zu Ende geht.

    Einfach mal anschauen

  • Ein attraktiver Nahverker ist überall wünschenswert. Man könnte böswillig unterstellen , dass er als Konkurenz zum Auto in Deutschland nicht wirklich gewünscht wird. Eine U-bahn könnte man auch als Horizontal -Aufzug betrachen. Vielleicht sollte man Fahrscheinkontrollen in den Fahrstühlen der Konzernzentralen Deutscher Dax Konzerne einführen.

  • Liebe TAZ, irgendwie sind auch Halbwahrheiten Lügen. Der Artikel erweckt den Eindruck, in Melbourne können man im ganzen großen Netz umsonst Tram fahren. Das ist schlicht falsch. Die Tram darf in einem eng umgrenzten Citybereich von ca. 2 Kilometer mal 2 Kilometer kostenlos genutzt werden. In Berlin entspräche das etwa der Strecke vom Alex zur Friedrichstraße.

    Für jede Fahrt aus diesem Bereich muss bezahlt werden, teilweise sind die Tarife deutlich teurer als in Berlin. Eine Fahrt zum Flughafen mit dem Bus kostet z.B. 19 Dollar, also deutlich über zehn Euro. Und Schwarzfahren wird im Übrigen deutlich stärker bestraft als in Deutschland…

    • Dann müssen die Verantwortlichen in Melbourne (und auch anderswo) noch daran arbeiten, denn wie sie festgestellt haben: Und warum fährt die Tram kostenlos?
      Die Transportbehörde in Melbourne antwortet auf diese Frage: „Weil die Stadt so Geld spart.“

      Und das ist viel Geld, wenn man bedenkt, dass allein der Autoverkehr mit seinen Abgasen in der EU 60.000 Menschen jährlich tötet, davon 13.000 in Deutschland.
      Man sollte auch über den wirtschaftlichen Schaden hinaus sehen und über ein humaneres Leben nachdenken.
      Lebenswerte Städte könnten anders aussehen!

  • Ich verstehe nicht, was der Untertitel „Warum lassen wir uns von den Medien veräppeln“ in diesem sonst sehr guten Beitrag soll. Medienbashing jetzt auch in der taz? Der Titel ist leider auch wenig aussagekräftig und hat mit dem Inhalt wenig zu tun. Schade.

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