vonbuergerrundfunkrat 30.04.2018

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Zugegeben: Es gibt immer wieder gute Beiträge in der heute-show und nicht selten ist sie informativer als das Heute Journal. Das muß man den Autoren, den Kabarettisten und Herrn Welke lassen.

Ingesamt lohnt es sich aber nicht, einzuschalten:

Es ist oft „Klientel-Kabarett“: Es werden politische Positionen links der Mitte „bedient“: es wird allzu offensichtlich auf ihren Beifall kalkuliert. Aber es ist wenig sinnvoll, etwas lächerlich zu machen, was alle, auf deren Beifall man kalkuliert, ohnehin nicht gut finden. – Als Bürger „links der Mitte“ fühle ich mich verarscht: Es ist allzu offensichtlich, daß sie mir gefällig sein wollen. „Man spürt die Absicht und man ist verstimmt.“ – Eine gute Satire schafft neue Zusammenhänge und bringt auch die zum Schmunzeln oder mindestens zum Nachdenken oder allermindestens zu argumentativen Zugeständnissen, die sich über die Satire ärgern. Satiren, bei denen nur die lachen, die ohnehin gegen das Lächerlichgemachte sind, sind überflüssig.

Schwerwiegender sind aber die „Maschen“. Die heute-show nutzt immer wieder drei davon, um die Zeit zu füllen:

  • Einzelne Worte oder Gesten werden aus verschiedenen Reden eines Politikers herausgeschnitten und montiert. Der Politiker wird dadurch lächerlich gemacht. Der Aussagewert ist Null, denn so könnte man selbst die Besten lächerlich machen.
  • Bilder, Verhalten oder Äußerungen von Politikern werden sexualisiert – z.B. Trump und Macron als schwules Päärchen dargestellt. – Teilweise ist der Witz ebenso abgedroschen wie vorhersagbar: Raketen sind immer Penisse.
  • Durch nicht vorhersehbare Verulkung ihrer Partei oder ihrer Politik werden Politiker in Spontaninterviews in Verlegenheit gebracht und lächerlich gemacht. – Ob ein Politiker dabei schlagfertig ist oder nicht, sagt nicht das geringste über seine Fähigkeiten aus. Auch diese Art von Sketchen hat keinerlei Aussagewert. Sie fördern höchstens eine irrationale Politikverdrossenheit bei den Bürgern.

Diese drei Maschen gehören mit zum Allerbilligsten und Einfallslosesten des Kabaretthandwerks. Der Anteil an solcher Jahrmarktsbelustigung ist in der heute-show einfach zu hoch. – Es hat schon eine unfreiwillige Ironie, wenn die heute-show eine Satire über Billigfleisch macht, das nur zu 18 % aus Fleisch besteht…

Doch das Problem ist grundsätzlicher: Die Autoren und Kabarettisten müssen nur ausbaden, was die Funktionäre mit ihrem immer teureren Billig-Rundfunk-Konzept verbockt haben. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ist ein Blähfunk. Er hat Vielfalt mit Vervielfältigung verwechselt. Ich weiß nicht, wieviele verschiedene Kabarettsendungen ARD und ZDF insgesamt wöchentlich produzieren. Aber eines ist klar: soviele tolle Witze gibt es nicht. Je mehr Kabarett pro Woche, desto höher der Zeitverschwendungsfaktor. – Auch hier ist das Problem: die Doppelstrukturen, die interne Konkurrenz und vor allem: das Quotenkonzept, für das Qualität – also der Auftrag des Rundfunks – nur eine instrumentelle Rolle spielt: Solange die Quote stimmt und die Laien-Gremien nicht meckern ist alles gut, egal wie schlecht es ist.

Wenn man überlegt, was mit 8 Milliarden jährlich möglich wäre, und was wir tatsächlich dafür kriegen, dann kann man nur sagen: Schildbürger auf Sendung.

Dem Rundfunk die Mittel kürzen, wie AFD und FDP das wollen (und immer mal wieder auch die CSU), ist der falsche Weg. Es ist gut, einen gut ausgestatteten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk zu haben. Statt die Mittel zu kürzen, müssen wie den Rundfunk an seinen Möglichkeiten messen, nur so kann sich eine Lächerlichkeit abzeichnen, die wahrscheinlich nicht mal der ignoranteste Funktionär gerne auf sich sitzen lassen würde. – „Wir“, das heißt: wir Bürger. Die Presse allein kann es offensichtlich nicht schaffen. Wir Bürger müssen endlich verstehen: daß wir unsere Verantwortung für´s Ganze nicht einfach delegieren können. Wir sind mitverantwortlich weit über´s Delegieren hinaus. Es wird Zeit, neue Formen öffentlichen bürgerlichen Mitdenkens zu entwickeln. Die Demokratie braucht jeden von uns…

Weiterlesen: Der Bürgerrundfunkrat

Links:

https://uebermedien.de/20590/der-problematische-wut-witz-der-heute-show/

https://uebermedien.de/25172/die-dummheit-der-heute-show-und-der-fanatismus-der-afd/

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

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https://blogs.taz.de/bewegung/2018/04/30/die-heute-show-als-symptom/

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kommentare

  • „Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ist ein Blähfunk.“ Solche Pauschalisierungen sind punktuelle Betrachtungen, die an der tatsächlichen Situation vorbei gehen. Genau das ist auch ein Bedienen eines spezifischen Publikums, was Ihr der Heute-Show vorwerft. Rundfunk sind nicht nur ARD und ZDF, sondern auch die vielen Radiosender, WDR, NDR, MDR, die einen riesigen Beitrag zur Information leisten. Und das über ein breites Spektrum, politisch und inhaltlich, auf fast allen Ebenen. Wenn man etwas zu kritisieren sucht, wird man immer fündig. Aber dann bitte nicht den Eimer auskippen.

    • Sehr geehrter Herr Bötchers,
      danke für Ihren Kommentar! – Ich freue mich, wenn ich von guten und brauchbaren Sendungen höre! – Wenn wir Bürger uns besser gekümmert hätten, hätten wir von den 8 Milliarden, die wir für unseren Rundfunk aufbringen noch viel viel mehr. Darum gehts mir. – Und „zur Sicherheit“ sollten wir uns zukünftig besser um unseren Rundfunk kümmern, denn ich frage mich, ob er zukunftsfähig ist. Über den Link zum Bürgerrundfunkrat können Sie mehr Artikel mit Gründen für meine Befürchtung lesen. Über Kommentare dazu würde ich mich auch freuen.
      Mit freundlichen Grüßen

      Winfried Lintzen

  • Der Anfang hat mir recht gefallen, da die Kritikpunkte recht plausibel dargelegt wurden. Allerdings fehlte(n) mir konkrete Bezugspunkte, zu der Aussage, dass “die Bürger“ … “neue bürgerlichen Formen des Mitdenkens entwickeln“ sollen.
    Ist es damit nicht selbst “ohne Aussage“ wie die Witze der Heute Show?

    • Sehr geehrter Herr Serdar Damar,
      danke für Ihren Hinweis! Konkretere Hinweise finden Sie über den Link zum Bürgerrundfunkrat. Für weitere Fragen wäre ich dankbar.
      Mit freundlichen Grüßen

      Winfried Lintzen

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