vonaktionfsa 16.10.2018

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Immer wenn wir in einem Gespräch auf die Verdienste von Edward Snowden hinweisen, der mit seinen Enthüllungen klar gemacht hat, dass wirklich jedes Telefonat und jede E-Mail abgehört wird, dann geschieht es oft, dass die Gesprächspartner das für übertrieben halten (Folgerungen aus den Enthüllungen von Edward Snowden).

Das ist es leider nicht! Die Technik zum Aufbau des Internets geht auf das DARPA Netz des US Militärs zurück (Defense Advanced Research Projects Agency – DARPA). „Sicherheit“ und „Kontrolle“ für die Betreiber wurde ganz groß geschrieben. Schauen wir uns das für die transatlantische Verkabelung einmal genauer an.

Das Bild (Quelle tat14.com) zeigt das Glasfaserkabel  TAT 14 zur Verbindung wichtiger NATO Staaten mit den USA. Es wurde 2001 in Betrieb genommen. Es verfügt über eine Gesamtlänge von 15 000 Kilometern und ist als Ring angelegt, so dass bei einem Kabelbruch die Daten über den noch intakten Teil des Rings geleitet werden können. Auch die Anlandung in den USA geschieht an 2 Orten, die so weit voneinander entfernt sind, dass bei Zerstörung des einen Punktes, der andere (evtl.) noch weiter betrieben werden kann.

Auf tat-14.com heißt es dazu: ,„Das Kabelsystem besteht aus vier Faserpaaren und der Verkehr kann von Punkt zu Punkt oder in (geschützter) Ringkonfiguration konfiguriert werden.“ Das Kabel verbindet die USA mit dem Vereinigten Königreich, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Dänemark. Eigentümer des Kabels sind die Deutsche Telekom AG, Concert, Sprint, France Telecom und KPNQwest.

Der Durchsatz von TAT 14 beträgt etwa 160 Gigabyte pro Sekunde. Durch das Kabel laufen (fast) alle Telekommunikationsverbindungen zwischen Deutschland und den USA (Telefonate, E-Mails und Internetdaten). An der Nordseeküste in Norden sitzt die Seekabelendstelle der Deutschen Telekom (das Competence Center Submarine Cables – CCSC). Die circa 30 bis 40 Mitarbeiter werden alarmiert, wenn irgendwo eines der Kabel beschädigt ist. Über Norden läuft übrigens auch das Unterseekabel  SEA-ME-WE 3, das Deutschland mit dem asiatischen und  australischen Kontinent verbindet. Dieses ist  39 000 Kilometern lang und verfügt über 39  End- und Zwischenstationen auf vier Kontinenten.

Nun zurück zu unserem Ausgangspunkt, dass wirklich jedes Telefonat und jede E-Mail abgehört wird: Durch die Enthüllungen von Edward Snowden wurde bekannt, dass der britische Geheimdienst GCHQ  das Glasfaserkabel TAT- 14 anzapft. Das Programm lief 2013 unter dem Decknamen TEMPORA.

Zitat Focus Bericht: „An einer der Zwischenstationen von TAT-14, in Bude in Cornwall, soll der britische Geheimdienst GCHQ das Kabel angezapft und damit Zugriff auf E-Mails oder Telefonverbindungen zwischen Deutschland und den USA bekommen haben. Bis zu einem Monat lang sollen die Briten die Daten nach Informationen des „Guardian“ gespeichert haben, mehr als 550 Analysten werten demnach die Daten aus – übrigens in Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst NSA. Der Codename für die Abhöraktion: Tempora.“ (GCHQ-Überwachung: 200 Glasfaserkabel angezapft)

Obwohl sicher heute eine Menge (sinnloser) Auswertearbeit durch Software erfolgt, z.B. direkt hinein in das berühmt-berüchtigte Auswerte-Programm XKeyscore (XKeyscore ist Super-Google), wird sich die Anzahl der beteiligten „Analysten“ nach der Aufstockung der Geheimdienste in den letzten Jahren eher erhöht haben.

Mehr dazu bei https://panopticon.blog/2017/01/18/tat-14-the-tat-14-transatlantic-cable-system/
und Bild Quelle: tat-14.com Der Verlauf des Unterseekabels TAT-14
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/6653-20181016-abhoeren-geschieht-ganz-einfach.htm

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

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