vonaktionfsa 23.04.2019

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Bis zum Ostersonntag war die Ausstellung der Drohnen-Quilts noch in der Villa Heike an der Gedenkstätte Hohenschönhausen zu besichtigen. Nachdem ein Quilt am Samstag den Weg durch die Stadt gefunden hatte und über die gesamte Strecke des Ostermarsches getragen wurde, haben noch einige Besucher den Weg nach Hohenschönhausen gefunden und die Ausstellung dort besucht.

Das Drohnen-Quilt Projekt war die Idee von einer Gruppe Frauen in Großbritannien, die eine sogenannte „visuelle Petition“ erstellen wollten, um sie dem Parlament vorzustellen. Das Projekt wuchs mit Hilfe von US Bürgerinnen zu insgesamt 12 Decken mit jeweils 6×6 Feldern. Jedes Patchworkfeld erinnert an ein durch US-Drohnen getötetes Kind. Daneben gibt es Erläuterungen zum völkerrechtswidrigen Drohnenkrieg der USA. Diese Texttafeln sind auf der Drohnen-Quilts-Webseite als PDF herunterzuladen.

Warum werden so viele Menschen und sogar Kinder durch Drohnen getötet?

Der Drohnenkrieg der USA läuft seit 2004, wurde aber erst 2008 in den Medien thematisiert. Die USA töten mit ihren Kampfdrohnen in ihrem „weltweiten Krieg gegen den Terror“ in Afghanistan, Pakistan, Jemen, Somalia, Mali, Nigeria, Libyen. Nachgewiesen sind mehr als 8000 Opfer, wahrscheinlich sind es eher 10-12.000 Tote, darunter nachweislich 1600 Zivilisten und davon 250-380 Kinder, namentlich bekannt sind 136. (thebureauinvestigates.com). Die Menschenrechtsorganisation Reprieve geht davon aus, dass für die Tötung eines „Hochwertziels“  28 Unschuldige getötet werden.

Das widerspricht auch der Mär von angeblich „chirugischen Schlägen“ mit diesen Waffen. Der Sprengradius einer üblichen Hellfire Rakete beträgt 30-60m, das ist alles andere als „chirugisch“. Abgesehen davon ist die Tötung eines Menschen ohne ein Gerichtsverfahren, noch dazu hinterrücks aus dem Nichts, einfach nur Mord – das Merkmal der Heimtücke ist eindeutig.

Drohnen können nur schwer geortet werden, jeder kann der Angreifer gewesen sein, damit sinkt die Hemmschwelle, ein neues Wettrüsten beginnt. Die Automatisierung führt zu „selbstentscheidenden“ Drohnen, Roboter sollen selbst Krieg führen. Das kann nicht in unserem Sinne sein – dagegen haben wir auch auf dem Ostermarsch demonstriert.

In den schönen großen Räumen der Villa Heike* haben wir in den letzten 3 Wochen die Drohnen-Quilts ausgestellt. Viele Besucher der Gedenkstätte Hohenschönhausen hatte bei ihrem Besuch die Gelegenheit zu sehen, dass auch die USA Menschenrechtsverletzungen ungeheuren Ausmaßes begangen haben und noch immer begehen.

Deutschland macht sich mitschuldig

Es ist seit 2013 bekannt, dass die US-Luftwaffenbasis Ramstein nahe Kaiserslautern sowie das Pentagon-Afrika-Kommando (Africom) in Stuttgart wichtige Rollen in den illegalen US-Drohnen-Tötungen (sogenannte „gezielte Tötungen“) in Afrika und im Nahen und Mittleren Osten spielen. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat in diesem März festgestellt, dass die Bundesregierung verpflichtet ist, Verletzungen des Völkerrechts von deutschem Boden zu verhindern und die USA um Aufklärung zu ersuchen hat.

Die Ausstellung soll dabei helfen, den Forderungen des Gerichts Nachdruck zu verleihen. Dazu kann die Ausstellung über die deutsche Webseite des Drohnen-Quilts Projekts bestellt werden und sollte  an möglichst öffentlichen Orten gezeigt werden, zum Beispiel in Rathäusern, Bürgerhäusern, Gemeinden oder ähnlichen Orten. Der nächste Ausstellungsort wird die Autotopia in Dresden sein.

*) In der Villa Heike waren zu DDR Zeiten das geheimen „NS-Archiv“ der Staatssicherheit mit den Akten von Globke, Lübke und anderen gelagert.

Mehr dazu bei https://www.drohnen-quilts.de/
und https://dronesquiltproject.wordpress.com/
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/3310-20121215-drohnen-die-unsichtbare-gefahr.htm

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

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