vonaktionfsa 24.04.2019

Bewegungs-Blog

Informieren! Aktivieren! Bewegen! – Hier bloggen die Mitglieder der taz Bewegung über ihr Engagement.

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Es geht  vorrangig nicht um körperliche Arbeit. Überall wird uns gesagt, dass Computer uns Arbeit abnehmen oder sie erleichtern. Oft ist das Gegenteil der Fall. Wir müssen unsere Arbeit nach den angebotenen Programmen ausrichten, wir sollten möglichst 24/7 erreichbar sein und reagieren.

Das sind nicht nur Widersprüche und Rechtsbrüche zu geltenden Arbeitszeitregelungen – das ist das Gegenteil von einer Digitalisierungsdividende. Es müssen Vorteile für die arbeitenden Menschen sichtbar werden, wenn Arbeitsprozesse automatisiert werden. Der Gewinn durch den Einsatz von Technik darf nicht bei den Stakeholdern versickern, denn wir alle haben diesen technischen Fortschritt möglich gemacht. Nicht unbegrenztes Wachstum darf das Ziel sein sondern eine nachhaltige Verbesserung unserer Lebensbedingungen.

Das haben nach 20 Jahren ungebremsten Wachstum auch die Menschen in China bemerkt. Das in vielen chinesischen Unternehmen übliche „996“ – Arbeiten von neun bis neun Uhr, sechs Tage die Woche, lässt den Menschen kaum noch Zeit für ein Privatleben. Nach dem Arbeitsvertrag gilt die 40-Stunden-Woche und Überstunden sind laut Gesetz nur 36 im Monat erlaubt. Diese müssen auch bezahlt werden aber die Lebenszeit ist verloren.

Aktivisten haben vor kurzem eine „schwarze Liste“ auf eine Website gestellt mit rund 100 Unternehmen, die nachweislich gegen Arbeitszeitgesetze verstoßen. Darunter sind die großen Tech-Unternehmen Alibaba, Huawei, Tencent, Baidu, Xiaomi und JD.com. Die China Daily, eine chinesische Staatszeitung berichtet über Todesfälle von Angestellten aus Hightech-Firmen, die „auf lange Überstunden zurückzuführen“ seien.

Zeit online schreibt:

Jack Ma, Chef des Onlinehändlers Alibaba, der reichste Mann Chinas nannte 996 und die 72-Stunden-Woche einen „großen Segen“. Junge Leute sollten die Kultur der Überstunden, wie sie in vielen Tech-Unternehmen vorherrsche, schätzen und für sich nutzen. Wer in seinem Unternehmen anfange, solle auch bereit sein, zwölf Stunden am Tag zu arbeiten.

Die Meinung der kommunistischen Führung folgt dieser Position nicht, sie hat mehrfach zugunsten der Aktivisten Stellung bezogen. „996 hat nichts mit Strebsamkeit zu tun. Es geht um Profit“, kritisierte das von der Kommunistischen Partei herausgegebene Journal Banyuetan. Beschäftigte sollten auf ihre Gesundheit achten und sich ihrer Rechte bewusst sein, schreibt auch die vom Parteiorgan Volkszeitung herausgegebene Global Times. „Sie sollten sich trauen, ‚Nein‘ zu sagen gegenüber Unternehmen, die sich nicht an das Arbeitsrecht halten.“ Die Volkszeitung selbst verwies darauf, dass in China die 40-Stunden-Woche gilt.

Das hat immerhin geholfen, dass KP-Mitglied Jack Ma inzwischen mit sanfteren Tönen spricht. Das Grundproblem ist aber weiter ungelöst, wie auch bei uns.

Mehr dazu bei https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-04/arbeitsbedingungen-china-proteste-ueberstunden-996-tech-firmen-alibaba-huawei
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/6860-20190424-wo-bleibt-die-digitalisierungsdividende.htm

[Die Meinung der/s Autor*in entspricht nicht notwendigerweise der der Redaktion]

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https://blogs.taz.de/bewegung/2019/04/24/arbeitende-menschen-an-den-gewinnen-beteiligen/

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