Annette Schavan ist nicht Reinhold Messner. Sie hat diese ewigen Gipfel satt. … weiter lesen
Archive for Februar, 2010
Beredtes Schweigen,
da war es plötzlich still: Tatsächlich hat die Bildungsministerin Annette Schavan am Mittwoch den großen Bildungsgipfel in den Mai verlegt und damit den Studierenden faktisch ein Protestfenster eröffnet. Kaum zu glauben, wie aufrichtig und ehrlich, wie gutgläubig und nett es im politischen Berlin in letzter Zeit zugeht. Natürlich, daraus erwächst für die Studierenden ein waschechtes Dilemma. Sie müssen reden, wo sie schweigen wollen. Und: Sie glauben vermutlich, nur ihr starker Protest hätte die Ministerin unter Zugzwang gesetzt, sich der Terminplanung der Studierenden zu fügen.
Derweil kennt die taz natürlich, um das in aller Bescheidenheit zu sagen, die wahren Hintergründe für die plötzliche Termin-Verschiebung. Wir hatten doch schon so schön geprahlt, dass unser eigener Bildungsgipfel – das taz-Labor - am 24. April in Berlin der wahre Gipfel aller Bildungsgipfel werden würde. Denn auch bei uns ist Annette Schavan… weiter lesen
Liebe Schweigende, nette Redner, frohe Flüstererinnen,
wie wir gerade hören, bereiten die RedenschreiberInnen im Bundesministerium für Bildung und Forschung eine schöne Rede für die Rednerin Annette Schavan vor. Diese ist ihres Zeichens Bildungsministerin und hat HochschulrektorInnen, KultusministerInnen und Studierende für April zum großen Bologna-Gipfel eingeladen. Der ist Dank neckischer Raffinessen für die Semesterferien geplant. Dann reden keine überlauten Studierenden dazwischen. Nun hören wir von stillen FlüstererInnen, dass nicht nur Studierende den Termin nach hinten verschieben wollen. Den Studis käme eine taktische Verzögerung recht, damit sie feiner mobilisieren können. Zu allem Erstaunen signalisieren aber offenbar auch Hochschulen und angeblich selbst Stimmen im Ministerium Terminverschiebekompromissbereitschaft. Also wenn das mal nicht ein erstes Erfölgchen gegen die böse Kalenderdiktatorin wäre. Morgen um 10.30 Uhr will Rednerin Schavan das in Berlin bereden. Um 12.15 Uhr redet sie zur Öffentlichkeit. Wir gehen hin. Alles weitere bereden wir dann.
Freundlich,
der Überwachungsstaat
Liebe Retrobewegung, verehrter Verweigererkomplott,
wenn das stimmt, was heute im Tagesspiegel steht, dann gehört Deine behäbige Blockade aber schnellstens behoben. Angeblich lag bei der Sitzung des Akademischen Senats der vorzeigbaren Berliner Humboldt-Universität ein Grundsatzpapier zum Bologna-Prozess vor, das schnelle Verbesserungen an den scheiternden Studiengängen vorschlagen wollte. So schreibt der Tagesspiegel:
In dem fünfseitigen Grundsatzpapier, das der Philosoph Volker Gerhardt erarbeitete, werden die Unimitglieder aufgefordert, die „Spielräume im Bologna-Prozess“ zu nutzen. So sollten die Fächer mehr Angebote im Studium generale einplanen, den Studierenden sollte mehr Zeit für die Vorbereitung und Vertiefung des Stoffes gelassen werden. Die Anwesenheitspflicht könne grundsätzlich entfallen. Die HU solle sich bei der Politik auch dafür einsetzen, dass Studierende auf einen achtsemestrigen Bachelor einen viersemestrigen Master setzen können. Bisher ist grundsätzlich eine Regelstudienzeit von zehn Semestern vorgesehen. Die HU solle mit dem Papier einen maßgeblichen Impuls für die im April stattfindende Bologna-Konferenz von Bund und Ländern geben, sagte Gerhardt.
Die Universität Hamburg und der Wunsch ihrer Regenten, auf Exzellenz zu setzen: Darum geht es den Bildungspolitikern – den schwarzen wie den grünen und roten – seit vielen, sehr vielen Jahren.
Nun, es sieht gut aus, dieses Universitätsviertel. Es hat nicht die
klinische Kälte einer universitären Neugeburt am Hafen. Wie auch? Der
Hafen wäre traditionslos. Und diese Universität hat sie – wie auch ein
Erbe. Ein Campus, dessen Liebenswürdigkeit sich erst auf den zweiten Blick erschließt, würden manche sagen. Ich sage: Auf den dritten. In der Mitte eine Art Agora, schön gestaltet, das legendäre Audimax, eine architektonische Schönheit sonder gleichen, der Platz also, wo vor mehr als vier Jahrzehnten Studierende das später ikonographisch werdende Transparent “Unter den Talaren / Muff von tausend Jahren” vor den Ordinarien hertrugen. Ihr Clou: Im Saal saß das Publikum bereits, die beiden Transparentträger
trugen ihr Banner in… weiter lesen
Treffen sich sechs Gelehrte, darunter mindestens drei Koryphäen, einer davon der 81jährige Soziologe Mario Rainer Lepsius, dessen Werke zum Kanon für Politik- und Soziologiestudenten gehören, und was kommt dabei raus: viel Schrott. Geladen hatte das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin, am Montagabend, in einen großen Saal, in dem man sich klein fühlt. Es ging um: Bildung. Lepsius, altersmilde, plädierte dafür formale Schulbildung nicht zu überschätzen. Seine drei Ratschläge an künftige Schulanfänger: “Nimm Schule nicht ernst.”, “Fall nicht auf.”, “Fall nicht durch.” Da kann man eingedenk der eigenen Schulkarriere beipflichten. Lepsius weiterhin, alterszornig zurückblickend auf seine Jahre als Elternsprecher: “Eltern neurotisieren ihre Kinder, ihre Vorstellung von Gymnasialbildung ist völlig eingeschrumpft. Sie starren auf die nächste Klassenarbeit und fragen nicht nach den Zielen von Bildung.” Auch das nicht falsch. Doch daraus schulussfolgerte Lepsius, nun altersverwirrt, man könne sowieso alles zu Hause lernen, es gäbe je Computer und Fernseher. Und überhaupt sei Bildung… weiter lesen
Werter Herr Benz, teurer Herr Porsche,
da war ich doch heute an der Carl Benz School in Karlsruhe – der Stadt mit dem schlechtesten Internetauftritt aller Städte mit schlechtem Internetauftritt – zu Gast, um mir ein Bild davon zu machen, wie aus öffentlichen Hochschulen Privatunis werden – und was das bringen kann. Äußerst spannend. 12 000 Euro kostest das Studium bei Familie Benz im Jahr, dafür gibt es aber auch Harvard in Klein. Keine popeligen Massenveranstaltungen, keine miesen Betreuungsschlüssel, kein lumpiges Rumgeheule. Und alles querfinanziert von der Uni Karlsruhe.
Wie klein oder wie groß das Karlsruher Möchtegern-Harvard ist, olle Opel-Freundin, trister Trabifahrer, das wird freilich hier noch nicht verraten, sondern bald erst in der taz.
Aber einen großen Satz kann ich hier schonmal loswerden. Er stammt aus einem Hintergrundgespräch am Karlsruher Marktplatz. Essen mäßig, Bier verdient, Unterhaltung formidabel… weiter lesen
Treue Staatsgewalt, schöne Karawane,
wenn eines klar sein muss, dann dass zum Schutze aller Ordnung nie das Unheil bös obsiegen darf. Deshalb hast Du, werte Amtsvollmacht, stolzer Reigen, hübsch dafür gesorgt, dass nicht zu sichtbar wird, was nicht zu sichtbar sein soll – und die bundesweite Studi-Demo am Wochenende gut beschirmt. Sichtbar wurde dabei jedoch etwas anderes. Ein kleines Missverhältnis. Oder war es doch ein großes?
Es verbirgt sich: Hinter diesem Link.
Ergebenst,
Deine vierte Gewalt