Check it yourself!
von Martin KaulCheckerinnen und Checker,
die Hochschulrektorenkonferenz hat ein neues Online-Portal hochgefahren. Im BolognaNet will sie nach eigener Aussage die wichtigsten Informationen zusammenstellen und einen schnellen Überblick über Fakten und Diskussionen in der erhitzten Bologna-Debatte schaffen.
“Wir wollen mit dem neuen Angebot eine informierte, sachliche Diskussion zu Bologna fördern”, sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel heute in Berlin. “Die Diskussion, vor allem auch mit den Studierenden, ist wichtig und wird derzeit auf allen Ebenen geführt. Wenn sie zu guten Ergebnissen führen soll, muss sie präzise geführt werden.”
Was das heißt? Das wollen wir in den nächsten Wochen beoachten. Im neuen Webportal findet Ihr zunächst viele Statements von Bildungsprofessionellen und nur wenige von Studierenden. Wenn, dann gern vom konservativen RCDS. Uns interessiert deshalb: Wie präzise sind die Infos? Wie nah sind die Hochschulrektoren an der Realität an den Unis dran?
Check it yourself! And tell us.
Your Distributor of Control
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Folgender Text ging gerade via Kontaktformular an BolognaNet raus:
Der schönfärberische Tenor Ihrer Publikation http://www.bolognanet.hrk.de entlarvt Ihre Internetpräsenz als das was sie ist: Eine Werbeveranstaltung, die auf Kritik am Bolognaprozess nicht eingeht, ja die gravierendsten Probleme nicht einmal anspricht.
Die Bachelorstudiengänge sind in aller Regel verschult und unflexibel.
Durch hohe Stundenlasten von bis zu 30 SWS und verstärkte Anwesenheitspflichen wird ein Zuverdienst der Studierenen zuverlässig erschwert oder gar unmöglich gemacht. Wer, aus welchen Gründen auch immer, kein Bafög bekommt, bleibt außen vor, möchte er/sie sich nicht durch Studienkredite auf Jahre oder Jahrzehnte verschulden.
Die Durchlässigkeit des Bildungssystems wurde nicht verbessert; im Gegenteil. Studierende sind heute mehr denn je auf Unterstützung durch Eltern oder Verwandte angewiesen. Geben die finanziellen Lebensumstände des familiären Umfelds dies nicht her, haben die Studierenden kaum eine Möglichkeit, das Studium zu bestreiten.
Die OECD bestätigt, dass in keinem Land der EU der akademische Erfolg junger Menschen so von der familiären Herkunft abhängt, wie in Deutschland.
Wir benötigen eine massive Aufstockung der finanziellen Unterstützung der Studierenden, sowie eine Reflexibilisierung der Studiengänge.
Bafög muss endlich grundsätzlich elternunabhängig gewährt werden. Die Höhe des Bafög muss auf die Höhe des Existenzminimums, in aller Regel als mindestens HartzIV-Niveau, angehoben werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Studierenden sich auf das Studium konzentrieren können.
Die Studierenden müssen mehr Einfluss auf den Ablauf des Studiengangs bekommen. Es muss möglich sein, neben dem Studium einem Zuverdienst nachzugehen, ohne Gefahr zu laufen, durch rigide Studienordnungen, Semseterhöchstgrenzen und Credit-Systeme im Studienverlauf zurückzubleiben oder gar vom Studium ausgeschlossen zu werden.
Die Durchlässigkeit des Bildungsystems muss erhöht werden. Die Möglichkeiten, auch ohne Abitur eine Hochschule zu besuchen, müssen ausgebaut werden. Nur so bekommt man Berufstätige über den zweiten Bildungsweg an die Unis.
Es ist eine dreiste Lüge, dass für diese Maßnahmen kein Geld vorhanden wäre. Es ist politisch nicht gewollt, diese Gelder bereitzustellen. Steuerliche Entlastungen für Vermögende und Konzerne, Militärische Großmachtphantasien und -projekte, sowie Deregulierung der Finanzmärkte gehen offenbar vor.
Sie müssen sich entscheiden, ob Sie die Kreativität, das selbstständige Denken und Arbeiten und das Lebenslange Lernen fördern möchten, oder ob Sie den Forderungen der Wirtschaft nachgeben, und in verschulten Bachelorfabriken junge Menschen heranzüchten wollen, die im Berufsleben stets kritiklos und selbstaufopferisch funktionieren und folgen.
Wie auch immer Ihre Entscheidung ausfällt: Reden Sie Klartext. Verstecken Sie sich nicht hinter demagogischen Euphemismen.
MfG
Andreas Kruck, Student auf dem zweiten Bildungsweg, Berlin