Ich, Hitler

Der 1956 in Israel geborene Künstler Boaz Arad gehört einer Generation israelischer Künstler und Intellektueller an, die sich mit den offiziellen zionistischen Hitler- und Nazi-Deutungen nicht weiter zufriedengeben wollen.

In einem Essay mit dem Namen „The Trauerspiel in the Age of Its Global Reproducibility: Boaz Arad’s Hitler Videos“ schrieb Gene Ray:

„Arad’s videos began as interventions into a specific Israeli context. In a national culture in which, as historian Moshe Zimmerman puts it, „both the Shoa and anti-Semitism are instrumentalized in the interest of Israeli policy“, representations of the Nazi genocide are required to conform to official memory: they are limited to depictions of a moment of victimization by absolute evil, within a mythifying and recuperative narrative movement from diaspora to nationhood, powerlessness to power.“

Dieser staatlichen Deutungspflicht entzieht sich Arad. Er entpolitisiert und entmythologisiert Hitler, indem er die billige Symbolik Hitlers selbst und somit die billige Symbolik des offiziellen Antifaschismus offenlegt. Grundtenor: Das Problem ist nicht das Symbol, das Problem sind die Menschen, ihre Gefühle und Gedanken.

Gene Ray schreibt weiter:

„The playfully serious and seriously playful work of Israeli video artist Boaz Arad poses crucial ethico-political questions about the limits to artistic confrontations with genocidal history and its legacies. What are our duties and responsibilities – as artists, critics, spectators – with respect to representing the problems of trauma and mourning, of collective memory and identity, and of reconciliation and forgiveness?“

In „I Hilter“ und „Loop“ probiert Boat Arad also aus, welchen Effekt das Tragen einer Hitler-Maske auf ihn und den Zuschauer hat (einen irritierenden):

YouTube Preview Image YouTube Preview Image

In „Marcel Marcel“ folgt dem Gegenteil des Reflexes, jedem Gesicht einen Hitlerbart zu malen – und malt dem wild gestikulierenden Führer nach und nach unterschiedliche Bärte bzw. nimmt Hitler den Bart komplett ab:

YouTube Preview Image YouTube Preview Image

Mit den wenn auch inhaltlich komplexen, aber emotional einfachen Antworten, mit denen sich so viele in der moralischen, persönlichen, innerfamiliären Debatte freudig abspeisen lassen, gibt sich Boaz Arad nicht ab. Und er zeigt, dass es keiner großen Hilfsmittel bedarf, um die entscheidenden Fragen neu, treffender und schmerzhafter zu stellen.

Und ja, das gilt gerade weil die Videos so trashig, unfertig und dahingesudelt wirken. Es bleibt eine persönliche Auseinandersetzung und jede Antwort bleibt zwingend ein Provisorium.

Kommentare sind geschlossen.