Copyright & Copywrong (2)
von BlogwartNachdem unser Lieblingskolumnist Hal Faber uns gerade den Sonntagskaffee versalzen hatte, mit der Behauptung, in dem in der Printausgabe erschienen Artikel Hatz auf Textdiebe eröffnet seien “vor lauter Tralali…auch die Fakten hübsch verdreht”, konnten wir über die Begründung - “Der Blogger kopierte keinen Artikel, sondern zitierte etwas viel.” dann aber fast schon wieder lachen. Wie über einen Anwalt, der seinen Klienten mit dem Argument verteidigt: ‘Mein Mandant hat keinen Diebstahl begangen, sondern nur etwas zuviel mitgehen lassen’ oder ‘Er wollte nicht einbrechen, sondern hat nur ein bißchen fest gegen die Tür getreten’ – und hernach die Presse der “Faktenverdreherei” bezichtigt. Das ist eigentlich zum Piepen – aber auf diesem Niveau läuft die ganze Diskussion, und wie sich zeigt, sind auch die elder statesmen der Blogosphäre wie Hal Faber davor nicht gefeit. Insofern scheint unsere Beschimpfung der Piraten-Spießer in Klein-Bloggersdorf nach wie vor berechtigt. Für Spießer besteht die Welt nur aus Eindeutigkeiten- schwarz/weiß, gut/böse – und für “Piraten-Spießer” ist das “Kostenlos-Für-Alle-Internet” das Reich des Guten, das gegen das Böse – die “Content-Mafia” – verteidigt werden muß. Dazwischen gibts für den Spießer nichts - auch keine freien Journalisten, Autoren, Künstler, die von ihrem “content” leben und selbst darüber entscheiden müssen, wie und wo er erscheint – und wie und wo dafür (oder damit) “Werbung” gemacht wird.
“Ja aber wenn jemand mit der Abmahnkanone auf Blogspatzen feuert, das ist doch eine Schweinerei, das könnt ihr als taz doch nicht unterstützen”, tönt es uns da entgegen. Das tun wir auch nicht, aber wir verstehen durchaus, dass eine freie Autorin, deren Texte dutzendfach ungefragt und unhonoriert kopiert werden, dagegen vorgeht- und machen ihr in der Wahl ihrer Mittel keine Vorschriften. Den rabiatesten Piratenspießern ist freilich, wie in den Kommentaren und Briefen zu sehen, selbst ein solches Verständnis schon zu viel, sie fordern Distanzierung, Rausschmiß, Schreibverbot. Und Feingeist Hal Faber sieht gar das “Zentralorgan der Altbaubewohner” schon vom sloterdijkschen “Aufbruch der Leistungsträger” und neoliberalem “Hass auf’s Prekariat” unterwandert.
Wo da nun also nicht weniger als der Untergang des sozialmarktwirtschaftlichen Abendlands droht, macht es keinen Sinn, weiter über Stilfehler auf beiden Seiten – ein Blogger, der nicht nachfragt, bevor er großzügig kopiert “zuviel zitiert”, eine Autorin, die zur “Schleppnetzfahndung” greift – zu streiten. Deshalb kommen wir wohl nicht umhin, für das nächste taz-ZK-Plenum ein paar Anträge auszuarbeiten: zur strikten Benimmkontrolle von taz-AutorInnen, zum Artenschutz von Textdieben und Kopisten (“Die machen doch nur Werbung !”) sowie zum Arroganzabbau und Mitleidsmaximierung gegenüber dem bloggenden “Prekariat”. Wir arbeiten dran !
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Zitat != Kopie
Ist das echt so schwer?
In gedrucktem Text erkennt man Zitate daran, dass sie in Anführungszeichen stehen. Auf Webseiten werden sie gewöhnich durch spezielle Formatierung kenntlich gemacht. In beiden Fällen steht dann noch eine Quelle dabei.
Wenn man etwas kopiert, dann verschweigt man die Quelle und kennzeichnet das ganze auch nicht als Zitat.
Was ist so schwer daran, den Unterschied zu kapieren?
Was schreibst du denn immer “wir” ?
Ist das jetzt ein Ausdruck, dass es um dich doch schlechter steht als angenommen oder soll das nur den Korpsgeist betonen (“wir, die taz – gegen die blöden blogger”).
Ich hoffe ihr diskutiert in eurem nächsten Plenum wirklich über die Art und Weise wie hier einige wenige durch ihr arrogantes rumgehuste ein ganzes Projekt in den Dreck reiten…
Zur Sache:
Textdiebstahl (wenn es denn auch einer ist) toleriert hier vermutlich niemand – aber die Abmahnmafia zu engagieren um Leute “an den Haken” zu kriegen – das ist unterirdisch und geht einfach nicht mit dem zusammen was die taz mal war und für viele vermutlich immer noch ist.
Dass man taz und Tat nicht trennt liegt nicht zuletzt auch an den einfühlsamen Kommentaren des “blogwarts” (a propos “blogwart” – ihr habt euren überaus talentierten Kreuzworträtselmann vor ein paar Jahren wegen ähnlicher Wortspielchen – äh sorry “Spontispässchen” – gefeuert…ein Verlust der nie ersetzt werden konnte…beim blogwart bin ich mir da nicht so sicher)
Ich verfolge diesen Streit mit Vergnügen, wobei die grotesken Rufe nach Zensur von Frau Schweitzer ja eher zum Gruseln sind, ebenso wie die Abstrafung der taz mit Abo,- und Liebesentzug, weil sie diesen Forderungen nicht nachkommt. Dieses Verhalten ist mit “Spießertum” tatsächlich gut umschrieben.
Cheers!
Kirk
Dass die taz nur von “linken Spiessern” gelesen wird sollte mittlerweile hinlänglich bekannt sein – aber ganz ohne Leser kommt man halt leider als Zeitung auch nicht aus…
“Für Spießer besteht die Welt nur aus Eindeutigkeiten”, weswegen eine Kopie (was, wenn nicht qualifiziert, für die meisten Menschen eine vollständige Kopie impliziert) genau das gleiche ist wie ein langes Zitat. Sorry, blogwart, die Kleingeister sitzen in diesem Fall bei der taz. Faber hat differenziert, blogwart kommt, im Schlepptau von Bouhs, mir dem “Diebstahl”- und “Einbrecher”-Hammer (“Raubkopierer sind Verbrecher”). Dieses Stück Beißreflex ist für mich der Tiefpunkt der Debatte (was angesichts der bisherigen Qualität auch eine Art Leistung ist).
@ panzerknacker: dass viele taz-leser “linke Spiesser” sind, lasse ich gelten. Aber was hier seit einer Woche an empörten Kommentaren aufläuft zu diesem Fall zeugt aber eben auch vom “Piratenspießertum” – einem Wolkenkuckucksheim ohne Urtheberrechte, in dem man tun und lassen kann was man will und wer dabei stört, wird zum Feind und zur Unperson ausgerufen.
Cheers!
Kirk
@woz: natürlich sind Raubkopien ein “Verbrechen”, und das ist gut so. Wenn ich ein Original kaufe will ich wissen dass es eines ist . Und wenn ich eine Raubkopie ziehe und weiter anbiete, mache ich mich strafbar – und auch das ist gut so. Wo kommen wir hin wenn sich jeder alles aneignen und weiterverkaufen kann ??? Es gibt genügend content unter CC-Lizenz, den sich nicht-kommerzielle Blogger aneignen können, wenn sie geschützte Inhalte verwenden, riskieren sie eine Abmahnung – auch das ist (grundsätzlich) gut so, auch wenn derart überzogene Abmahnforderungen wie hier natürlich zu verurteilen sind.
Cheers!
Kirk
“There is no business like show business!” Uach – aeeee…. Wo ist hier der Sinn fuer Humor ? Diese exotische Mischung von New-York-Meschuggenis und teutscher Rechthaberspitzfindigkeit!
Im obigen Artikel steht:
“und machen ihr in der Wahl ihrer Mittel keine Vorschriften.”
Schade, dass der taz also die Wahl der Mittel ihrer Autoren anscheinend völlig egal ist! #tazFail.
Ich empfehle hierzu mal vllt. das Lawblog:
http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/11/05/eva-redselig/
@Kirk “Raubkopierer sind Verbrecher” ist der Slogan, mit dem die Filmindustrie Kinobesucher und Käufer/Entleiher von DVDs einzuschüchtern versucht, damit sie nicht in Peer-To-Peer Netzwerken Filme online tauschen (nach der Logik: Wer ein Kinoticket bezahlt, der klaut auch bestimmt). Die Wortwahlen wie “Einbrecher”, “Diebstahl” und “Textdiebe” für den diskutierten Fall des Zitates des Schweitzertextes ist für mich eine maßlose Übertreibung und unaufrichtige Vereinfachung; etwas, was hier ja immer der Gegenseite vorgeworfen wird. Übrigens: Originale gibt’s im Digitalen nicht. Ist alles Kopie.
Sie schreiben: “Insofern scheint unsere Beschimpfung der Piraten-Spießer in Klein-Bloggersdorf nach wie vor berechtigt. Für Spießer besteht die Welt nur aus Eindeutigkeiten- schwarz/weiß, gut/böse”
Sehr schön gesagt! Ich bin zwar weder Blogger noch sonstwie involviert aber ich stelle nach dem wie in der taz grade auf Blogger geschimpft wird fest: die taz ist voll von Spießern!
(Denn sonst würde jemand ja mal von der ‘gut/böse’ Diskussion weg kommen und sagen: ok, lasst uns alle mal in Ruhe drüber reden. Lassen wir die wenig hilfreiche Polemik weg und überlegen wir mal, was passiert ist. Am Ende dessen könnte(?) stehen, dass Zitate nicht mehr den Hauptbestandteil eines Posts ausmachen und dass es wenig Sinn macht ne Abmahnung zu schicken wenn’s ne e-Mail tut. Aber ich weiss schon, das wäre zu langweilig, zu einfach das geht nicht, denn es wäre eine gradezu eine spießig einfache Lösung…)
Für mich als juristischen Laien ist es eigentlich klar, dass ein kopierter Text, bei dem die Quelle angegeben wird, nicht der komplette Text kopiert (hier etwas weniger als 30%) wird und der durch Formatierung deutlich vom restlichen Text hervorgehoben wird ein Zitat ist. Schade, dass dies in der Berichterstattung der TAZ dann als Kopie bezeichnet wird. Bei Kopie denke ich an das kopieren eines kompletten Textes ohne Quellenangabe und ohne besondere Formatierung. Das hier ein Unterschied besteht, sollte eigentlich klar sein.
Es lässt sich sicherlich darüber streiten, wie viel Text man zitieren darf. Das zitieren erlaubt ist, ist ja unstrittig (oder, liebe TAZ?) Gibt es dazu vielleicht ein Gesetz oder Urteil?
Wie viel Text eines Artikels darf man den nach Meinung des TAZ Blogwarts zitieren?
@ Flo
In der Rechtsprechung wird die Frage, ob ein Textauszug noch vom Zitierrecht erfasst ist oder ein Urheberrechtsverletzung darstellt, unterschiedlich beurteilt. Bei solchen Einzelfallfragen, die mitunter von der persönlichen Auffassung des zur Sache berufenen Richters abhängig sind, landen wir genau bei der rechtspolitischen Streitfrage: Sollte der fliegende Gerichtsstand abgeschafft werden? (in der aktuellen Zeitschrift für Rechtspolitik nachzulesen). Der Anwalt der den Urheber vertritt kann nämlich sich das Gericht aussuchen, welches in einer ähnlichen Sache zugunsten des Urhebers entschieden hat bzw. tendenziell “abmahnfreundlich” entscheidet. Der fliegende Gerichtsstand folgt aus § 32 ZPO. Nach § 32 ZPO ist das Gericht zuständig, an dessen Ort die “unerlaubte Handlung” begangen wurde. Nach herrschender Meinung in der Rechtsprechung kann daher der Kläger bei “Internettaten”, die keinem konkreten Ort zuzuschreiben sind und überall präsent sind, auch überall im Bundesgebiet klagen. Durch diese Tatsache, der unverschämten Streitwertfestsetzung und der überhöhten Anwaltsgebühren wird die Abmahnindustrie kraft Gesetztes gefördert. Das Problem liegt also weniger im Urheberrecht als in den verfahren- und kostenrechtlichen Begleitregularien, die trotz großer Versprechen in der Politik immer noch nicht zu intreressengerechten Ergebnissen führen.
«Raubkopierer sind Verbrecher»
oh man, ihr schmalspurspezialisten, raubkopien und die folgenden abmahnungen sind inzwischen ein riesen geschäft für die content-mafia und ihre anwälte, man lese und lerne:
http://klawtext.blogspot.com/2009/11/recht-lesenswert-fallzahlen-beim.html
so, meine herrn, wird das copyright in diesem unseren lande ‘durchgesetzt’, mit den entsprechenden kollateralschäden:
http://klawtext.blogspot.com/2009/11/wer-zum-teufel-ist-david-vogt-abmahnung.html
und wo findet man dieses, in der taz? nää ne, dort iss ja erwachsenenwelt und da haben tschrunalisten für recherche eben keine zeit mehr übrig.
Genau dieses hier Verhalten hat mich dazu veranlasst seit der Casa Schweitzer keine Taz mehr zu kaufen.
Links auf die Seite setze ich auch keine mehr.
Danke es war schön mit euch, aber mir gefällt einfach der Tonfall nicht mit der die Sache von Taz Seite aus bearbeitet wird. Über die Sache kann man sich streiten, über das zur Schau gestellte Verhalten nicht.
An den “Blogwart”!
Es ist euer Blog und selbstverständlich habt ihr damit das Recht, Beiträge nach Belieben freizuschalten oder auch nicht. Weshalb mein Kommentar gestern im Nirvana verschwunden ist, verstehe ich allerdings nicht. An meinem Stil kann es eigentlich nicht liegen. Bisher wurden in allen Blogs und Foren meine Beträge unzensiert veröffentlicht. Es war nichts rassistisches, sexistisches, beiligendes oder sonstwie anstößiges enthalten.
Vielleicht veröffentlicht ihr mal Kritierien, was man nicht schreiben darf. Und ihr veröffentlicht mal, wieviele Posts nicht veröffentlicht werden. Dass es hier nur 15 Kommentare gegeben hat, das scheint mir kaum vorstellbar.
Hallo Jenny: scheint wirklich im Nirwana gelandet, wir haben hier keine Kommentare gelöscht
Was der donald knuth da verlinkt hat ist nicht schlecht. Da kann man für die taz nur hoffen, dass das ZK-Plenum diesbezüglich ein paar Benimmregeln auszuarbeiten für die lieben AutorInnen.
Eine etwas ernsthaftere Recherche bei Artikeln zum Thema Urheberrecht und die aktuellen Praktiken zu dessen Durchsetzung könnte man vllt, auch auf die Agenda schreiben, als alter, spiessiger Zeitungsleser finde ich es doch sehr beschwerlich mir das bei Telepolis und diversen Bloggern selbst zusammensuchen zu müssen.
Viel Spass beim Plenum, und nicht vergessen: “Vorwärts immer, Rückwärts nimmer”
Die WordPress-Erweiterung “Nirvana” kannte ich noch nicht. ;-(
Die meldet, dass der Kommentar auf Freischaltung wartet und verschiebt ihn dann automatisch (nach einstellbarer Verzögerung?) in den Papierkorb??? Kann man auch die konfigurieren, wie häufig das Modul anspringt?
Von mir verschwinden auch immer Kommentare, obwohl sie meines Wissen nichts anstössiges enthalten.
zb. der an den Buskismus Typen-Rolf Schälicke gerichtete Kommentar.
Liegt alles am Nirwana. Hoffentlich geht es meinen Kommentaren dort besser.
Dessen ungeachtet freue ich mich natürlich, wenn Ihr beleidigende Kommentare, die ich als nicht beleidigend empfinde, von mir nicht veröffentlicht. Manchmal hat man selber leider kein Gespür, ob es beleidigend ist, da ist ein Urteil externer/der taz vor Veröffentlichung gut.
z.b. habt ihr mal einen Kommentar von mir bzgl.Henryk M. Broder nicht veröffentlicht.
hättet ihr ihn veröffentlicht, wäre es teuer gekommen.