Archive for Dezember, 2006

31.12.2006 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Liebe, Geld, und Reisen im neuen Jahr – aber wie?

von Benjamin Kiersch

Die heutige Ausgabe unserer Lokalzeitung, Los Tiempos de Cochabamba, bietet eine Übersicht über die Tricks, mit denen Bolivianerinnen und Bolivianer im neuen Jahr zu Glück, Liebe, Geld, Reisen und Arbeit kommen. Bevor das Jahr zu Ende geht, hier noch schnell eine Auswahl der wichtigsten Taktiken, die sicher auch anderswo auf der Welt funktionieren. Viel Glück!

Geld:

Statt sinnlos mit Sekt anzustoßen oder wahllos Leute zu umarmen, einfach um Mitternacht ein großes Geldbündel zählen. Bringt garantiert Reichtum im neuen Jahr, aber eventuell Probleme mit dem Freund / der Freundin. Dazu weiter unten.

Alternativ: einem weißen Porzellanelefanten erwerben und dem Tier eine Eindollarnote in den Rüssel stecken.

Noch diskreter: Ein Stück Zimt mit einem grünen Faden umwickeln und ins Portmonee stecken.

Liebe:

Eine Prise Ingwer, eine Prise Kardamom sowie eine Prise gemahlenen Rosmarin in ein Fläschchen Mandelöl geben. Eine rote Kerze mit der Mischung einreiben, anzünden und an den/die Liebste/n denken.… weiter lesen

29.12.2006 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Von Kindersoldaten und Bildungsförderung

von Benjamin Kiersch

Evo Morales’ vorgezogenes Weihnachtsgeschenk an die Schülerinnen und Schüler Boliviens dieses Jahr war der Bono Juancito Pinto. Als Anreiz für regelmäßigen Schulbesuch wird der Bono, 200 Bolivianos (ca. 20 Euro), an alle Schüler der ersten bis fünften Klasse ausgezahlt, die auf eine staatliche Schule gehen. Der Bono wird aus den staatlichen Mehreinnahmen aufgrund der Verstaatlichung der Öl- und Gasreserven finanziert (die taz berichtete). Eine Hälfte des Geldes soll zu Beginn des Schuljahres gezahlt werden, die andere Hälfte am Ende des Jahres. Da das entsprechende Gesetz jedoch erst im Oktober verabschiedet wurde, entschied Evo am 26. 10. in Geburtstagslaune, dass dieses Jahr der volle Betrag zum Ende des Schuljahres ausgezahlt wird. (In Bolivien, wie in den meisten Ländern südlich des Äquators, entspricht das Schuljahr dem Kalenderjahr).

Mit der Auszahlung des Bonos wurde das Militär beauftragt, und so schwärmten im November die Truppen der Armee, der Luftwaffe und –jawohl, die… weiter lesen

21.12.2006 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Phantastisch, Francisco de la Maza!

von Benjamin Kiersch

Du bist Bürgermeister des Reichenbezirks Las Condes von Santiago de Chile, gehörst der rechtskonservativen “Unabhängigen Demokratischen Union” (UDI) an, und hast, nachdem die Tränen getrocknet sind, tage- und nächtelang lang gegrübelt, wie Du Deinem General die letzte Ehre erweisen kannst. Ihn unsterblich verewigen zwischen Boutiquen, Fitnesscentern und luxuriösen Apartmentblocks. Schließlich bist Du auf die großartige Idee gekommen, eine Straße nach ihm zu benennen. Und zwar nicht irgendeine, sondern – hehe – genau die Calle Burgos, in der die Sozialistenschlampe Michelle Bachelet residiert, die Dein geliebter General in der Villa Grimaldi foltern ließ. Das, befanden Deine Kollegen im Stadtrat, sei zwar eine unnötige Provokation, aber stimmten gleichwohl zu, zu prüfen, welcher Straße diese Ehre nun stattdessen zuteil wird.

Das ist ganz großes Kino, Francisco! Weiter so! Aber mal im Ernst: Wäre es nicht besser, Du würdest Deine Siebensachen packen und nach Südpatagonien ziehen? Ins ewige Eis? Dort stehen bereits… weiter lesen

18.12.2006 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Hungern für Zwei Drittel

von Benjamin Kiersch

Sie war eines der Hauptwahlversprechen des Präsidenten Evo Morales: die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung (asamblea constituyente) zur Reform der bolivianischen Verfassung, in der heikle Themen wie die Verstaatlichung der natürlichen Ressourcen, die Rechte der bislang stark benachteiligten indígena-Bevölkerung, sowie die Frage der Autonomien der Provinzen debattiert werden. Das Parlament berief die Versammlung ein und gab ihr das Mandat, innerhalb eines Jahres eine neue Verfassung zu erarbeiten – mit einer Zweidrittelmehrheit der Delegierten.

Im Juli wurden Wahlen der Delegierten abgehalten, bei denen die MAS (Movimiento al Socialismo), die Partei des Präsidenten Evo Morales, 50,7 % der Stimmen bekam. Am 6. August, zur Feier der Unabhängigkeit Boliviens, trat die „Constituyente“ schließlich zu ihrer ersten Sitzung in der Hauptstadt Sucre zusammen (s. Bericht in der taz) und begann mit der Diskussion der Geschäftsordnung. Da die MAS keine Zweidrittelmehrheit in der Versammlung besitzt, ist sie auf die Stimmen der Opposition angewiesen,… weiter lesen

18.12.2006 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Alltägliche Abenteuer 1: Der Bloqueo

von Benjamin Kiersch

Eine beliebte Form des Protests in Bolivien ist der bloqueo – die Straßenblockade. Egal, wer gegen was demonstriert, ein kleiner bloqueo sorgt für Stimmung bei Demonstranten und Betroffenen. Beinahe allmonatlich streiten sich beispielsweise die Buskollektive in Cochabamba mit den unorganisierten Bus- und Taxifahrern (transportistas libres) um die immer komplizierteren Streckenführungen. Busfahrer haben viel Macht. Und große Autos. Mit denen kann man prima die ganze Stadt lahm legen, wenn man ein paar davon auf jeder Kreuzung parkt. Und dann passiert – gar nichts. Kinder und Busfahrer spielen Fußball auf den leeren Straßen, der Rest der Stadt versinkt in eine kollektive siesta, die so lange andauert, wie die Busgewerkschaft will: meist ein bis zwei Tage. Sollte sich in dieser Zeit ein Taxifahrer, der vielleicht etwas zu früh aus der Siesta erwacht ist, mit seinem Auto zu sehr einer Buswagenburg nähern, wird er vom Mob aus seinem Vehikel gezerrt und darf sich entscheiden,… weiter lesen

15.12.2006 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Zum Tode Pinochos, cont’d…

von Benjamin Kiersch

¡Ya llegó!

envivo.jpg

13.12.2006 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Chilenisches Militär!

von Benjamin Kiersch
Eimer.jpg Da habt ihr also eurem Ex-Chef mit lächerlichen Eimern auf dem Kopf das letzte Geleit gegeben, den Sarg in einen Puma-Hubschrauber geladen und ihn ins Badeörtchen Con-Con geflogen, um ihn würdevoll einäschern zu lassen. Wäre es nicht angemessen gewesen, ein paar Kilometer weiter über den Pazifik hinauszufliegen und die Leiche in einem Sack über dem offenen Meer zu entsorgen? Genau so, wie ihr es 17 lange Jahre lang mit Hunderten zu Tode gefolterter politischer Flüchtlinge fleißig geübt habt?

Wie bitte? Das wäre nicht fair, denn Pinochet hatte von den über dreitausend Morden keine Ahnung? Das waren Überreaktionen verrückter Einzeltäter?

Na dann ist ja alles gut.

Weggetreten!

13.12.2006 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Wir ham den Größten!

von Benjamin Kiersch

Letztes Wochenende waren wir der Nabel der Welt, zumindest von Südamerika: Freitag und Samstag tagten 1 Präsidentin und 7 Präsidenten auf dem „2. Cumbre Sudamericana de Naciones“ in Cochabamba (siehe auch taz vom Montag: hier und hier). Bei dem Gipfeltreffen der südamerikanischen Regierungschefs wurde der übliche bunte Themenstrauß von sozialer Sicherung über wirtschaftliche Zusammenarbeit und Umweltpolitik bis zu Infrastruktur und Technologietransfer diskutiert sowie eine wohlklingende „Declaración de Cochabamba“ verabschiedet.

Viel Konkretes kam nicht dabei heraus: Demnächst soll ein regionaler Energiegipfel in Caracas stattfinden, und Tourismusvisa innerhalb der Region sollen abgeschafft werden. Auf einen ständiges Sekretariat der Staatengemeinschaft, gefordert von Lula und Hugo Chavez, konnten sich die Präsidenten nicht einigen, allerdings soll ein vorläufiges Sekretariat mit Sitz in Rio de Janeiro eingerichtet werden. Ansonsten wurde viel gequasselt: Michelle Bachelet aus Chile schlug den Kollegen vor, die „Vorteile der Globalisierung“ zu nutzen, Alan García (Peru) jubilierte über das… weiter lesen

11.12.2006 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Zum Tode Pinochos

von Benjamin Kiersch

Aus gegebenem Anlass muss sich dieses Blog gleich nach seiner Geburt mit einem Todesfall beschäftigen. Statt Leichenrede eine Auswahl aussagekräftiger Zitate des gestern erloschenen Diktators aus Valparaíso, zusammengestellt vom Mercurio aus Santiago. Übersetzung: B.K.

“Die Demokratie, die wir immer respektiert haben, wird vom Militär verwaltet, um zu verhindern, dass sie vergewaltigt wird.” (31. Dezember 1973)

“In diesem Land bewegt sich kein Blatt, ohne dass ich es bewegt habe, dass das klar ist.” (13. Oktober 1981)

“Ich sehe sie von oben, weil Gott mich dort eingesetzt hat; die Vorsehung, das Schicksal, wie Sie es nennen wollen, hat mich eingesetzt.” (2. Juli 1987)

pinochet2.jpg

“Ich habe einen bitteren Gesichtsausdruck, vielleicht nennen sie mich deswegen Diktator.” (24. April 1986)

“Ich drohe nicht, ich bin es nicht gewohnt, zu drohen.” (14. Oktober 1989)

“Hoffentlich versuchen sie einen Putsch, sie werden sehen, wie ich sie zerdrücke.” (2. Dezember 1982, zu

weiter lesen