Mit Schlagstock und Machete für Manfred und Demokratie

von Benjamin Kiersch

Heute war ein schwarzer Tag für Cochabamba: Am Nachmittag zogen Hunderter aufgebrachter Menschen aus den Norden der Stadt ins Zentrum der Stadt. Die Aggressivität der selbsternannten „Jugend für die Demokratie“, die den Protestmarsch anführte, kam überraschend für die Polizei. Sie überrannten die völlig überforderten Beamten, um mit Schlagstöcken und Baseballkeulen die Demokratie im allgemeinen und den Präfekten Capitán Manfred im besonderen zu verteidigen und die Demonstranten, zumeist Kokabauern, „aus der Stadt zu vertreiben“. Diese besetzen seit dem Wochenende das Zentrum Cochabambas und fordern den Rücktritt des Comandante (siehe Eintrag von gestern). Die Kokabauern zückten ihrerseits Stöcke, Zwillen und Macheten. Es kam zu archaischen Straßenschlachten, bei denen zwei Menschen starben und fast 70 zum Teil schwer verletzt wurden.

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Cocaleros und “Jugend für die Demokratie” lieferten sich heute Nachmittag blutige Straßenschlachten.
Quelle: Los Tiempos

Erst gegen Abend rückte die Armee ins Stadtzentrum ein und bereitete dem Gemetzel ein Ende.

Während die Demonstranten sich in den Straßen Cochabambas prügelten, beriet Capitán Manfred mit seinen Gouverneurskollegen aus Beni, Pando, La Paz und Santa Cruz die Situation im komfortablem Hotel Europa in La Paz. Präsident Evo Morales, Gegenspieler in dem seit heute blutigen Konflikt, feierte – ebenfalls unter Kollegen: Er weilte zu Besuch in Nicaragua zur Amtseinführung von Daniel Ortega.

Der amtierende Präsident Álvaro García Linera warf dem Capitán vor, durch seine Abwesenheit für den Tod der beiden Demonstranten verantwortlich zu sein: statt den Konflikt zu schlichten, habe Manfred es vorgezogen, in La Paz mit seinen Kollegen gegen die Regierung zu konspirieren. Der Capitán seinerseits beschuldigte die Regierung, den Konflikt durch die Mobilisierung der Kokabauern herbeigeführt zu haben.

Ein Ende der Konfrontation ist nicht in Sicht: Manfred bekräftigte heute seine Zustimmung zu mehr Autonomie für die Departamentos, und die Organisation eines erneuten Referendums über das Thema in Cochabamba. Die Regierung forderte erneut, Manfred müsse zur Lösung des Konflikts zunächst von der Forderung des Referendums abrücken. Beide Seiten scheinen sich darauf einzustellen, dass der Konflikt des politischen Establishments gegen die sozialen Bewegungen im Land symbolisch in Cochabamba ausgetragen wird – bis auf weiteres. Hoffentlich, ohne dass es zu weiterem Blutvergießen kommt.


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