Archive for Mai, 2007

31.05.2007 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Zur Hölle mit der FIFA!

von Benjamin Kiersch

Die Entscheidung der FIFA vom letzten Wochenende, internationale Fußball-Begegnungen in über 2500 m Höhe zu verbieten, erhitzt weiterhin die Gemüter in Bolivien und den Nachbarländern. Vor dem Präsidentenpalast in La Paz wurde aus Protest gegen den Weltfußballverband die Diablada aufgeführt. Der Tanz repräsentiert den Kampf mit niemand geringerem als dem Teufel.

fifa1.jpg

Quelle: Los Tiempos de Cochabamba

Positiv scheint sich der Streit mit der FIFA auf die innerbolivianischen Beziehungen auszuwirken – ein gemeinsamer Feind schweisst zusammen: In seltener Einmut präsentierten sich Evo Morales (Präsident) , Manfred Reyes Villa (Gouverneur des Departamentos Cochabamba) sowie Gonzalo Terceros (Bürgermeister von Cochabamba), um für den 6. Juni ein Konklave in La Paz anzukündigen, bei dem 200 Bürgermeister aus Bolivien mit Kollegen aus anderen lateinamerikanischen Ländern über weitere Protestmaßnahmen beraten wollen.

fifa2.jpg

Quelle: Los Tiempos de Cochabamba

Auch in Ecuador regt sich Protest: Gestern versammelten sich Hunderte SportlerInnen zu Leibesübungen… weiter lesen

30.05.2007 von Benjamin Kiersch
blogavatar

FIFA düpiert Bolivien – keine Spiele mehr über 2500 m

von Benjamin Kiersch

Joseph Blatter dürfte ab heute – kurz hinter George Bush – der am wenigsten beliebte Gringo in Bolivien sein. Gestern teilte der FIFA-Chef die Entscheidung des Weltfußballverbands mit, dass künftig keine internationalen Spiele mehr in Stadien ausgetragen werden dürfen, die oberhalb von 2500 m liegen. Ein harter Schlag für Bolivien, denn damit sind fünf der großen Stadien des Landes für FIFA-Partien tabu: La Paz (3640 m), Cochabamba (2550 m), Oruro (3079 m), Sucre (2790 m) und Potosí (4070 m). Allein in Santa Cruz darf noch gespielt werden. Bolivien ist am stärksten von der FIFA-Entscheidung betroffen, doch auch in Ecuador – dessen Hauptstadt Quito auf 2850 m liegt -, Peru, Kolumbien – Bogotá liegt auf 2640 m – und Venezuela gibt es Stadien oberhalb von 2500 m.

Blatter erklärte, dass die Entscheidung aufgrund von sportärztlichen Empfehlungen getroffen wurde, um die Gesundheit von Spielern nicht zu gefährden, und um die Wettbewerbsverzerrungen zu… weiter lesen

25.05.2007 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Spy vs. Spy in der Bildungsbehörde

von Benjamin Kiersch

Bizarre Blüten treibt der Streit zwischen Evo und Manfred auch im Gerangel um die Leitung der staatlichen Bildungsbehörde SEDUCA. In jedem Departament gibt es eine solche Behörde, deren Direktor nach geltendem Recht vom Präfekten ernannt wird – so auch in Cochabamba. Die MAS-Regierung will diese Kompetenz ihrem Bildungsministerium übertragen, durch ein Gesetz, das allerdings noch vom Parlament verabschiedet werden muss. Um im Voraus Fakten zu schaffen, unterzeichnete Evo Morales am 26. April ein Dekret, das den Bildungsminister befugt, die SEDUCA-Direktoren in den Departamentos zu ernennen. Prompt ernannte dieser einen neuen Direktor für Cochabamba – während der vom Präfekten ernannte weiterhin in Amt und Würden ist.

Seitdem herrschen in der Bildungsbehörde Zustände, die an Spy vs. Spy gemahnen: Beide Direktoren, jeweils exklusive Legitimität reklamierend, stellen sich gegenseitig die Telefone ab, verweigern Mitarbeitern der Konkurrenz den Zugang zu Akten und verrammeln die Abteilungen der Behörde, die sie kontrollieren, mit Vorhängeschlössern.… weiter lesen

23.05.2007 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Evo gegen Manfred – der Kampf geht weiter

von Benjamin Kiersch

Die beiden können sich nicht ausstehen: Präsident Evo Morales und der Gouverneur des Departamentos Cochabamba, Capitán Manfred Reyes Villa. Nachdem es am 11. Januar in Cochabamba zu Straßenschlachten zwischen Manfred- und Evo-Anhängern gekommen war, bei denen drei Menschen starben, ließ der Capitán zunächst seine Geschäfte ruhen, um sich bei Menschenrechtsorganisationen in Washington und Brüssel über den Putschversuch zu beschweren und eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle zu erreichen. Diese ist bislang ebenso wenig geschehen wie eine Aufklärung der Morde vom 11. Januar – die Mörder im Mob haben offensichtlich gute Chancen, straffrei davonzukommen.

Seit ein paar Monaten ist Manfred wieder im Amt, und der Kampf hat sich weitgehend von der Straße ins Fernsehen verlagert: Evos Regierung verbreitet mit unglaublicher Penetranz Werbespots mit Erfolgsmeldungen über Ölverstaatlichung, Alfabetisierung und Gesundheitsreform, die stets mit dem Slogan “Bolivia cambia – Evo cumple” (Bolivien ändert sich – Evo hält Wort) enden, Manfreds Team hält mit… weiter lesen

14.05.2007 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Liebes Busunternehmen “El Dorado”!

von Benjamin Kiersch

Du wirbst mit dem Slogan “Viaje por Bolivia con comodidad” – “Reisen Sie komfortabel durch Bolivien“. Dies genau wollten die 59 Passagiere, die am 19. April abends in Santa Cruz in Deinen Bus nach Cochabamba stiegen. Um sich die lange Reise von 12 Stunden zu versüßen, trank Dein Fahrer am Steuer ein paar Bierchen, genehmigte sich dann – immerhin war er bereits zehn Stunden gefahren – ebendort ein verdientes Schläfchen und “lenkte” den Bus in eine paar Hundert Meter tiefe Schlucht. Die harte Landung überlebte er ebenso wenig wie 34 Deiner Passagiere, die übrigen 24 wurden teils schwer verletzt. Die Obduktion ergab, dass Dein Fahrer 1,9 Promille Alkohol im Blut hatte. So weit, so traurig. Aber schon ein paar Tage später, am fünften Mai, wurde ein weiterer Deiner Fahrer komplett betrunken am Busterminal in Cochabamba verhaftet, der über zehn Stunden auf der kurvenreichen Bergstraße aus Potosí unterwegs gewesen… weiter lesen

10.05.2007 von Benjamin Kiersch
blogavatar

Neulich, auf dem Messegelände in Cochabamba…

von Benjamin Kiersch

…gab’s die derzeit schönsten Alpakas und Lamas auf der Internationalen Kameliden-Messe zu bewundern. Die Tiere, von ihren stolzen ZüchterInnen vorgeführt…

lama10.jpg

…und mit Alfalfa versorgt…
lama7.jpg

sehen wirklich herzallerliebst aus – von vorne…

lama2.jpg

…als auch von hinten.

lama8.jpg

Lamas und Alpakas sind äußerst soziale Tiere, einem Pläuschchen nie abgeneigt…

lama3.jpg

… und natürlich dürfte auch die angemessene musikalische Untermalung nicht fehlen.

lama6.jpg

Lamas und Alpakas werden hauptsächlich wegen ihrer äußerst weichen und angenehmen Wolle gezüchtet – aber auch Leder und Fleisch werden aus den Tieren gewonnen. Wie man sich ebenfalls auf der Messe überzeugen konnte, schmeckt Lamasteak vom Grill hervorragend – und soll angeblich ob des niedrigen Cholesteringehalts äußerst bekömmlich sein. Auch Charque – getrocknetes Lamafleisch, in feine Fäden geschnitten und kross gebraten -, mit mote (Maispüree) und Kartoffeln serviert, ist ein kulinarischer Klassiker zwischen Oruro, Cochabamba und La Paz. Das Getränk der Wahl dazu… weiter lesen